Classic Albums

Classic Albums 14.07.2010

HADES - Resisting Success (1987)

Für viele war es eine bittere Nachricht, dass HADES  im Frühjahr nicht wie angekündigt beim Keep It True spielten. Umso erfreulicher, dass es dafür mit dem Auftritt beim Bang Your Head klappt und die dortige Setlist einige Nummern ihres grandiosen Debüts beinhalten wird. Sänger Alan Tecchio und Gitarrist Dan Lorenzo unternehmen mit uns eine Zeitreise ins Jahr 1987.

Alan, Dan, was sind eure ersten Assoziationen, wenn die Sprache auf euer Debüt kommt?

Alan: »Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn eine Band ihr erstes Album aufnimmt. Ich bin ja erst spät in die Band eingestiegen, mit Scott hatte ich zuvor aber bei Prophecy gespielt. Nun nahmen wir mit einer anderen Band ein Album auf, was wir uns zuvor schwer vorstellen konnten. HADES waren zudem eine lokale Legende. Mit ihnen im Studio zu sein, war einfach unglaublich. Wir wussten als Band nicht, was uns erwartet und wie das Album einschlägt. Dazu kam, dass wir auf demselben Label wie Exodus gelandet sind. Exodus waren damals ein großes Underground-Thema, und wir hofften darauf, in deren Sog durchzustarten. Davon haben wir uns blenden lassen.«

Dan: »Heute wundere ich mich, warum alle unser am schlechtesten klingendes Album am meisten mögen. Der Sound war wirklich ein Problem. Wir hatten zu viele Köche am Start, und die verdarben den Soundbrei. Eine wirre Situation entstand zum Beispiel, als Jimmy dem Engineer eine Nummer von Yes vorspielte und einen solchen Basssound haben wollte. Der Engineer machte ihm sofort klar, dass ein solcher Sound nicht mit Gitarren funktioniert. Jimmy wollte sich damit aber nicht abfinden, und es wurde ewig diskutiert. Weil sowohl fünf Musiker als auch das Label bei der Produktion beteiligt waren, kamen wir kaum voran. Aber wir haben uns mit „Resisting Success“ auf jeden Fall einen Namen gemacht und für alles, was folgte, den Grundstein gelegt.«

Welche Songs sind eure Favoriten auf dem Album?

Dan: »Mein Fave ist ´Nightstalker´, weil ich bei der Nummer genau das umsetzen konnte, was mir vorschwebte. Insbesondere der runtergestimmte Anfang kommt heavy und hat was. Als ich Non-Fiction gründete, dachten viele, ich würde einem Doom-Trend nachrennen; dabei hat bereits ´Nightstalker´ doomige Elemente. Das Stück habe ich übrigens auf dem Bass geschrieben. Jimmy liefert zudem ein grandioses Bassspiel mit Technik und Gefühl. Und es war auch der erste Song, mit dem wir einen stilistischen Wechsel vorgenommen haben.«

Alan: »Mir ist ´The Leaders?´ sehr wichtig, weil ich die Lyrics dazu beigesteuert habe. Aber auch ´Legal Tender´ und ´Nightstalker´ sind emotionale Nummern für mich.«

Womit seid ihr auch im Nachhinein nicht zufrieden?

Dan: »Wie ich schon erwähnt habe, gehen mir Produktion und Mix gegen den Strich.«

Alan: »Auch mich überzeugt die Produktion nicht. Komischerweise sind viele Außenstehende mit der Produktion zufrieden.«

Wie kam es damals zum Deal mit Torrid, die ja auch als Label durchstarten wollten?

Alan: »Dan kannte Todd und Ken von Torrid. Dan kümmerte sich immer um unsere Geschäfte. Als wir bei Torrid unterschrieben haben, hatten sie bereits Exodus und Tension unter Vertrag. Danach kamen noch Gothic Slam und Mucky Pup.«

Dan: »Ich kannte Todd Gordon von einem Radiosender in New York. Er promotete seine erste Veröffentlichung „Bonded By Blood“ von Exodus. Den Kontakt haben wir gehalten. Als es um unser Album ging, waren die Torrid-Leute die einzigen Label-Menschen, die ich persönlich kannte. Wir gaben Todd ein Livedemo, und das hat ihn und seinen Partner überzeugt.«

Was gibt´s zum Cover und Titel zu erzählen?

Dan: »Das Cover zeigt die Rückseite einer US-Dollar-Note. Alan und ich hatten die Idee. Das Ganze sollte bedeuten, dass wir mit unserer Musik unbeugsam sind. Mit Glam Metal war es damals leicht, Geld zu verdienen, aber darum ging es uns nicht. Zu dem Spruch habe ich auch heute noch eine Verbindung, was Karriere bedeutet.«

Alan: »Ja, der Albumtitel sollte als Antwort zum damals dominierenden Glam Metal verstanden werden. Wir wollten so weit wie möglich vom Glam entfernt sein, und das sollte der Titel ausdrücken. Wenn Erfolg auf einer Menge Haarspray, lahmen Riffs und Rockstar-Image beruhte, wollten wir uns dem verweigern. Albumtitel und Cover ergänzen sich, wie ich finde, ganz gut. Alle Albumtitel gehen übrigens auf  Dan zurück.«

Das Albumcover existiert in verschiedenen Farbvarianten; insbesondere beim Logo und Backcover gibt´s Unterschiede. Woran lag das?

Alan: »Es handelte sich hier nur um einen Fehler beim Druck. Die Farben der US-Pressung, die einige Monate früher erschien, waren Gold und Grün - und nicht Rosa und Grün. Ich glaube kaum, dass uns das europäische Label einen Streich spielen wollte. Man kann sich vorstellen, wie geschockt wir waren, als wir das fertige Euro-Cover erstmals sahen.«

Dan: »Klar wollten wir Rosa! Nein, Quatsch! Welche Metalband kann mit dieser Farbe leben? Da haben Roadrunner gepennt. Wir dachten, dass die US- und Europa-Pressungen identisch sein werden.«

Mit dem Abstand von 25 Jahren: Wie würdet ihr den Stil der Scheibe beschreiben?

Dan: »Unsere älteren Nummern wie ´Sweet Revenge´ und ´On To Iliad´ sind normaler Heavy Metal. Die neueren Nummern stellen dagegen anspruchsvollen Thrash Metal dar.«

Alan: »Nach vorne preschender Achtziger-Thrash mit Power-Metal-Einsprengseln.«

Wie groß war der Einfluss von Edgar Allan Poe auf die Texte?

Alan: »Das ging auf Jimmy zurück. Der Einfluss von Poe bezieht sich wohl nur auf ´Masque Of The Red Death´. Dabei hat er sich sehr stark an den Originaltext gehalten, was nicht gerade originell ist.«

Dan: »Wir anderen fanden den Text nicht so überzeugend, aber Jimmy setzte sich durch.«

Wie würdet ihr das Debüt mit den Nachfolgealben vergleichen?

Alan: »Erst nach dem Album wurden wir als Musiker und Songwriter professioneller, und dementsprechend gefällt mir das zweite Album auch viel mehr. Und was die Produktion betrifft, war „Exist To Resist“ die beste Scheibe. Weil Dan und ich zu dieser Zeit auch schon mit Non-Fiction loslegten, verschwammen die beiden Bands hier etwas. Was unsere Metal-Blade-Phase angeht, hört man auch da die Non-Fiction-Einflüsse heraus. Mein Gesang wurde zudem von Album zu Album besser.«

Dan: »Das erste Album hat immer etwas Magisches. Zudem hatte ich beim Debüt den größten Einfluss auf die Band. Diesen wollte ich auch erst nicht aufgeben; Alan konnte seine Qualitäten in Sachen Lyrics und Melodien deshalb erst später einbringen. Je mehr wir zusammenarbeiteten, desto begeisterter war ich von der neuen Arbeitsteilung. Letztlich mag ich alle unsere Alben.«

Was gibt´s noch für interessante Infos rund um das Album?

Alan: »Was vielleicht die wenigsten wissen, ist, dass unser Produzent und Engineer David Blake blind war. Er konnte auf den Konsolen nur durch Berührung arbeiten. Phänomenal!«

Bands:
HADES
Autor:
Wolfram Küper

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