Interview


Pic: Christian Barz

Interview 12.06.2019, 11:35

RENÉ SHADES - Von Natur aus Optimist

Hardrock-Fans kennen René Shades als Bassisten der dänischen Hardrock-Truppe Pretty Maids. Am 14. Juni veröffentlicht der Musiker jedoch sein Soloalbum „Teenage Heart Attacks and Rock 'n' Roll Heaven“, mit dem er auf etwas anderen Pfaden wandelt – dabei hatte er eigentlich nie eine Solokarriere geplant. Wir klingelten für einen Plausch zur neuen Platte bei René durch.

René, du hast eine spanische Telefonnummer. Bist du gerade im Urlaub, oder lebst du da?

»Ich lebe auf Mallorca! Mir gefällt das Wetter hier (lacht). Und du bist in Dortmund, oder?«

Stimmt. Das Wetter hier gefällt mir allerdings weniger gut.

»Dann musst du mal herkommen!«

Wer weiß, vielleicht mache ich das mal. Funktioniert die räumliche Entfernung zu deinen dänischen Bandkollegen von den Pretty Maids denn gut? Fliegst du oft rüber?

»Ach, wir sind eigentlich in alle Himmelsrichtungen verstreut. Zwei von den Jungs leben in Schweden, einer in West-Dänemark und einer in der Mitte von Dänemark. Wir proben nicht so oft (lacht). Wir treffen uns normalerweise einfach und spielen. Meistens funktioniert das.«

Neben den Pretty Maids soll es heute aber vor allem um deine kommende Soloscheibe „Teenage Heart Attacks & Rock 'n' Roll Heaven“ gehen. Für mich klingt sie sehr nach einem Feelgood-Sommeralbum.

»Stimmt, und das mit voller Absicht. Genau so etwas wollte ich aufnehmen.«

Wann hat sich bei dir der Wunsch verfestigt, ein Soloalbum aufzunehmen?

»Ich weiß nicht genau. Ich habe immer schon Songs geschrieben. Ich bin mit der Musik von Bryan Adams, Rod Stewart und Garry Moore aufgewachsen. Ich habe immer beide Arten von Musik gemocht, Hardrock und diese Poprock-Sachen. Vor zwei Jahren hatte ich schon mal ein Soloprojekt namens Shades & Peters, aber unser Sänger Martie Peters hörte auf. Ich wollte aber nicht aufhören, und daraus entstand irgendwie die Idee zu meinem Soloalbum. Ich hatte eigentlich nie den Plan, ein Solokünstler zu werden. Das ist einfach so passiert.«

Warst du vorher einfach zu beschäftigt, oder fehlte dir der Antrieb zu einer Solokarriere?

»Der wichtigste Faktor war wohl, dass ich nie daran gedacht hatte, selbst zu singen. Dann meinte aber mein Manager: „Du kannst das doch!“, also versuchte ich es einfach mal, und es lief ganz ok (lacht).«

Hast du dir bei anderen Sängern Rat geholt oder sogar ein paar Unterrichtsstunden genommen, um dir die Nervosität zu nehmen?

»Oh, ich war in der Tat sehr nervös, das kannst du mir glauben! Ich habe aber vorher viel in Bars gesungen und bin dort aufgetreten. Es ging mehr darum, wie ich auf einem Album klingen würde. Es hat mich nervöser gemacht, was die Leute über meine Stimme denken und sagen würden. In dieser Hinsicht war es ein bisschen merkwürdig, auf einem Album zu singen, denn es ist doch ganz anders, wenn du im Studio singst.«

Hast du deinen Pretty-Maids-Bandkollegen vorab einige Songs vorgespielt und sie nach ihrer Meinung gefragt? Oder wolltest du lieber alles für dich behalten?

»Natürlich wussten sie, dass ich ein Soloalbum aufnehme, aber vorgespielt habe ich ihnen erst einmal nichts, da habe ich alles für mich behalten, bis es fertig war. Erst vor Kurzem spielte ich Ronnie Atkins (v.) ein paar Songs vor, und er fand sie ziemlich cool. Inzwischen haben sie aber alle aus der Band gehört.«

„Teenage Heart Attacks & Rock 'n' Roll Heaven“ ist ein ziemlich langer Titel für ein Rock-Album.

»Irgendwie war ich diese kurzen Titel leid, und mir ist aufgefallen, dass Volbeat auch immer so lange Albumtitel haben. Bei ihnen funktioniert es. Wir haben mit Jacob Hansen zusammengearbeitet, der auch Volbeat-Scheiben produzierte. Also schaute ich mir die Titel an und fand sie ziemlich cool. Zu der Zeit las ich außerdem das Buch von Bruce Springsteen und habe den Albumtitel gewissermaßen daraus geklaut. Ich hoffe, Bruce hat nichts dagegen (lacht).«

Bezieht sich der Titel auch auf deine eigenen Teenager-Jahre?

»Ja, klar! Das bezieht sich auf das, was ich damals tun wollte, als ich zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand nahm. Ich wollte dieses Beatles-Feeling haben. Ich dachte, das ist es, worum sich alles dreht. Aber natürlich ist das Leben etwas anders, wenn man heute darüber nachdenkt. Damals hatten Rockstars einen ganz anderen Status, sie waren fast so etwas wie Götter. Und darauf beziehe ich mich. Als ich 13 oder 14 war, träumte ich genau davon, aber dann passierte das Leben (lacht).«

Kannst du unseren Lesern deine eigene Musik ein bisschen näher beschreiben?

»Ich kann es versuchen! Das ist irgendwie eine Mischung aus Keith Urban und den Foo Fighters. Es ist schwer zu beschreiben, weil sich die Songs alle voneinander unterscheiden. Einige sind ein bisschen poppiger, einige eher rockig. Keith Urban trifft auf Foo Fighters ist wirklich die beste Beschreibung, die ich geben kann.«

Unterscheiden sich die Lyrics sehr von den Pretty-Maids-Texten?

»Ja, denn auf dem Album schreibe ich meine eigenen Songtexte, und die sind schon anders als das, was Ronnie Atkins so verfasst. Ich versuche, alles nur für mich selbst zu machen und mich nicht so sehr darauf zu fokussieren, was andere Leute darüber denken könnten. Die Pretty Maids sind diese große Rock-'n'-Roll-Maschine, die schon seit vielen Jahren läuft, aber bei meiner Solo-Musik muss ich erst für mich selbst herausfinden, wie das alles laufen soll. Und ich denke, das ist mir gelungen. Ich liebe Rock, Country, Pop und Hardrock, also vermischte ich das alles. Auch wenn es kein Hardrock-Album ist, findet ihr in einigen Songs durchaus Hardrock-Elemente.«

Anders als bei den Pretty Maids spielst du auf diesem Album Gitarre. Wie kommt's?

»Na ja, eigentlich bin ich ein Gitarrist. Ich spiele seit 30 Jahren Gitarre und erst seit zehn Jahren Bass. Inzwischen bin ich sowohl Gitarrist als auch Bassist, aber irgendwie habe ich doch eine innigere Beziehung zur Gitarre. Auf einigen Songs des Albums spiele ich auch Bass, aber bei Weitem nicht auf allen. Ich denke, es gibt Leute, die das viel besser machen als ich. Dazu möchte ich auch noch sagen, dass ich wirklich versuche, das Gitarrensolo zurück in die Popmusik zu bringen. Ich finde, davon gibt es viel zu wenig, und deshalb hat fast jeder Song sein eigenes Gitarrensolo.«

Hast du für deine Platte Studiomusiker engagiert, oder seid ihr eine richtige Band, die man in Zukunft vielleicht auch live sehen kann?

»Ich habe eine Auswahl von Leuten, mit denen ich live spielen kann, aber auf dem Album hatte ich das Glück, mit den Musikern arbeiten zu dürfen, die ich mir fürs Studio gewünscht hatte. Das sind Leute aus der ganzen Welt, aus Deutschland, Amerika, Dänemark und Irland. Ich bin sehr glücklich, dass das geklappt hat. Live ist das eine ganz andere Situation, viele der Studiomusiker sind extrem beschäftigt. Das sind einfach zwei Paar Schuhe.«

Du hast mit Flemming Rasmussen (Metallica) und Hans-Martin Buff (Scorpions) an deiner Platte gearbeitet. Wie haben sie deine Musik beeinflusst?

»Hans-Martin hatte großen Einfluss auf das Album, denn er produzierte es mit mir zusammen. Er trieb mich an Grenzen, die ich vorher gar nicht gekannt hatte. Flemming ist ein alter Freund von mir und er nahm die Drums für das Album auf. Es hat riesigen Spaß gemacht, zwischen den Aufnahmen all die alten Geschichten wieder aufleben zu lassen. Und Jacob Hansen mischte das Album. Ich hatte wirklich Glück, mit drei so fähigen Leuten arbeiten zu dürfen. Wir haben die Drums in Dänemark aufgenommen und fast den gesamten Rest in Deutschland, in Hannover. Den Gesang stellte ich dann hier in Spanien fertig, in den Palma Music Studios, wo ich auch arbeite. Das Album entstand also in ganz Europa (lacht).«

Wie lang hat es von der ersten Idee zum Soloalbum bis zu dessen Fertigstellung gedauert?

»Um die zwei Jahre, würde ich sagen. Das lag aber daran, dass wir so viel mit den Pretty Maids auf Tour waren. Ich musste also viele Sachen zwischendurch machen, und es gab eine Menge Deadlines, die mir schlaflose Nächte bereiteten. Aber ich wollte das unbedingt machen. Und mal ehrlich, wie viele Leute sind schon in der glücklichen Lage, von ihrem Hobby leben zu können?«

Bist du persönlich ein optimistischer Mensch? Deine Musik vermittelt diesen Eindruck zumindest.

»Ja, man muss doch auch optimistisch sein, oder? Ich lebe an einem so schönen Ort. Trotzdem ist es irgendwie einfacher, über die negativen Dinge auf dieser Welt zu schreiben als über die positiven, also versuche ich, mich darauf zu konzentrieren. Vielleicht wird auf dem nächsten Album das komplette Gegenteil der Fall sein, wer weiß. Von Natur aus bin ich aber ein Optimist. Ja, es gibt sehr viel Schlechtes auf der Welt, aber jeder braucht doch schöne Zeiten. In diesem Sinne habe ich mein Album geschrieben.«

Dein Song 'The American Dream' ist vielleicht nicht ganz so positiv. Kann es sein, dass ein gewisser Donald Trump darin eine Rolle spielt?

»Der Song handelt eigentlich nicht wirklich von Donald Trump, es geht darin um leere Versprechungen. Die Menschen, die sie machen, werden nicht zur Verantwortung gezogen, wenn sie ihre Versprechen nicht halten. Das können natürlich Politiker sein, aber auch deine Freunde. Du hast Recht, dieser Song ist überhaupt nicht positiv. Aber von zehn oder elf Songs kann einer auch ruhig negativ sein (lacht). Alle Leute, die 'The American Dream' hören, denken zuerst an Donald Trump. Es entstand auch, als ich mir den US-Präsidentschaftswahlkampf ansah. Die Kandidaten versprachen den Wählern das Blaue vom Himmel herunter, Dinge, die sie niemals einhalten können. Und sie zerstören die Träume der Menschen, indem sie das tun. Darum geht es in dem Song.«

Denkst du, Musiker sollten politische Songs schreiben? Oder sollte es eher darum gehen, den Leuten eine gute Zeit zu schenken?

»Ich finde, Musiker sollten schreiben, was auch immer sie wollen! Ich glaube nicht, dass es da eine goldene Regel gibt. Wenn du politisch sein willst und politische Songs schreiben möchtest, solltest du das tun. Wir haben schließlich die Meinungsfreiheit, was großartig ist. Wenn alle immer nur über fröhliche Themen schreiben würden, wäre das ja auch langweilig. Ich denke, du solltest tun, was dein Herz dir sagt.«

www.reneshades.com

www.facebook.com/Reneshades

Bands:
RENÉ SHADES
Autor:
Alexandra Michels

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