Festivals & Live Reviews


Pics: Mitra Mehvar

Festivals & Live Reviews 03.11.2020, 11:05

PUSCIFER - "Existential Reckoning: Live At Arcosanti" - Arcosanti (Arizona), USA

Pünktlich zur Veröffentlichung des vierten Studioalbums von PUSCIFER lädt die Rock-Supergroup um Tool- und A-Perfect-Circle-Frontmann Maynard James Keenan zu einem Live-Streaming-Event ein. Die Auswahl der Location fällt dabei auf die amerikanische Experimentalstadt Arcosanti, welche der Architekt Paolo Soleri als Stadtutopie in den Siebziger Jahren konstruiert hat.

Dementsprechend futuristisch und dystopisch wirkt die Bühne, die bei manchen Songs unter geöffneten, riesigen Bögen errichtet wurde. LED-Wände, Baugerüste und seltsame Absperrungen erzeugen eine höchst ansprechende Aura und versprühen zukunftsträchtige Atmosphäre. Die Lichtverhältnisse lassen es nicht immer zu, aber es entsteht der Eindruck, dass die Bühne während des Sets an unterschiedlichen Positionen in der Stadt steht, was natürlich zur Erkenntnis führt, dass man hier nicht wirklich ein gerade in diesem Moment stattfindendes Konzert bestaunt, sondern eine zuvor gedrehte Show mit einer extrem aufwändigen Produktion. Los geht es in der Wüste von Arizona mit einer sich fragmentarisch durch den Live-Stream ziehenden Geschichte, die immer wieder zwischen die Songs gestreut wird. Musikalisch macht das fantastische 'Bread & Circus' vom neuen Album „Existential Reckoning“ den Anfang. Sobald die Stimme von Maynard Keenan ertönt, ist man, zumindest als Fan von A Perfect Circle, sofort angekommen. Wilde elektronische Parts wechseln sich mit rockigen Attacken ab, während Keenan mit Gitarristin und Sängerin Carina Round ein Duett nach dem anderen abliefert. Gekleidet sind die Art-Rocker in schlichte Anzüge mit Sonnenbrille und Fünfziger-Jahre-Frisuren, bzw. Perücken. Der makellose Sound passt fantastisch zu den vertrackten Songs, welche zwischendurch per Text-Einblendung angekündigt werden, damit der Hörer die vermeintlich nahtlosen Übergänge auch zu deuten weiß. Hier einen Song als Highlight herauszupicken fällt genauso schwer, wie einen der Musiker als herausstechend zu bezeichnen, weil die Truppe einfach ein stimmiges Kollektiv bildet. 'The Underwhelming', 'Bullet Train To Iowa', 'Personal Prometheus' und 'Fake Affront' zünden dennoch ohne weitere Probleme. Mit dem letzten Track des Albums 'Bedlamite' wechselt die Bühne sehr auffällig, so dass die utopische Stadt mehr zur Geltung kommt, während die Sonne langsam aufgeht und die Band am Ende im Tageslicht zu sehen ist. Als Zugabe gibt es dann noch eine äußerst seltsame Version von 'Man Overboard', vom 2011er Album „Conditions Of My Parole“, das in einem Club gefilmt wurde. Absichtlich schiefer Gesang und angebliche Trunkenheit stellen hier eine bizarre Story dar, welche dadurch beendet wird, dass die restlichen Bandmitglieder die beiden SängerInnen von der Bühne tragen.

Was man im Englischen als „State Of The Art“ bezeichnet, trifft definitiv auf PUSCIFER zu, da die Band auf völlig andere Art mit den musikalischen Möglichkeiten der Zeit umgeht, ohne dabei erzwungen oder aufgesetzt zu wirken. Das Aufgesetzte ist ja gerade die Kunst bei dieser Band! Für Liebhaber von neuen Konzepten definitiv ein wahres (LED)-Feuerwerk, das durch die grandiose Location massiv aufgewertet wird. Manche Menschen haben wahnsinnig gute Ideen!

SETLIST:

Bread & Circus
Apocalyptical
The Underwhelming
Grey Area
Theorem
Upgrade
Bullet Train To Iowa
Personal Prometheus
A Singularity
Postulous
Fake Affront
Bedlamite
+++
Man Overboard

Bands:
PUSCIFER
Autor:
Stefan Hackländer

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