Podblitz

Podblitz 22.05.2013

AUDREY HORNE - Podblitz mit Torkjell „Toschie“ Rød (AUDREY HORNE)

Musikalische Scheuklappen sind seine Sache nicht: AUDREY HORNE-Sänger Torkjell „Toschie“ Rød stöberte für uns durch seinen iPod und förderte sehr unterschiedliche Tracks zutage.

MOTORPSYCHO - The Nerve Tattoo
(von „Blissard“, 1996)

»Motorpsycho sind eine Rockband aus Norwegen, die zu Beginn ihrer Karriere ziemlich grungy klang. Wobei ich damit nicht den typischen Pearl-Jam-Grunge, sondern den dreckigeren der Marke Nirvana meine. Später haben sie sich dann in eine jazzigere, progressivere Richtung entwickelt. Ich habe sie schon mehrmals live gesehen, aber ich halte nie bis zum letzten Song durch. Das liegt daran, dass sie gerne mal drei Stunden spielen. Die Band existiert seit den frühen Neunzigern, und vor einigen Jahren ist Kenneth Kapstad ihr neuer Drummer geworden. Das ist der gleiche Typ, der momentan bei God Seed trommelt.«

PURE LOVE - Riot Song
(von „Anthems“, 2013)

»Die neue Band von Frank Carter, dem früheren Gallows-Sänger. Pure Love haben einen komplett anderen Stil und orientieren sich an The Smiths, The Alarm oder Morrissey, also an der urbritischen Popmusik, wenn man diesen Stil denn so nennen kann. Ich fand Gallows schon klasse, auch wenn Frank da größtenteils herumgeschrien hat, aber mit „Anthems“ hat er mich total überrascht. Auf der Platte zeigt er sich erstmalig als echter Sänger und fasziniert mit seiner tollen Stimmlage.«

JOHNNY CASH - Cocaine Blues 
(von „At Folsom Prison“, 1968)

»Auch wenn die Nummer vermutlich von hunderten Künstlern gecovert wurde, stehe ich immer noch auf den bitterbösen Text. Gleich zu Beginn heißt es: „Early one mornin´ while makin´ the rounds, I took a shot of cocaine and shot my woman down.“ Herrlich. Das ist der „Man in Black“ in einem seiner schwärzesten Momente. Johnny Cash bewundere ich für seine Aufrichtigkeit und die Tatsache, dass er rückblickend nie etwas bereut hat. Ich wünschte, das wäre auch bei mir der Fall. Und dann die Musik. Er ist einer der wenigen Künstler, die ihre ganze Seele in einen Song einbringen können.«

ENSLAVED - Thoughts Like Hammers
(von „Riitiir“, 2012)

»Die Scheibe ist einfach brillant, und das sage ich nicht, weil Arve auch bei Audrey Horne spielt. Wir waren schon gemeinsam auf Tour, und Ivar habe ich mehrfach tätowiert. Ich zeig dir was: Ein Tattoo von Ivar auf Ivar! (Er zeigt auf seinem Handy lachend ein Foto von Ivars Unterschenkel, auf dem Ivar als Comicfigur im „Family Guy“-Stil samt Darkthrone-T-Shirt zu sehen ist.) Er rief mich irgendwann an und wollte unbedingt ein Tattoo, auf dem er wie Peter Griffin von „Family Guy“ aussieht. Vermutlich hat er es direkt am nächsten Tag Fenriz vorgestellt.

Enslaved haben sich nie um irgendwelche bestehenden Regeln gekümmert, sondern immer ihrem Gefühl vertraut. Davor habe ich großen Respekt, denn besonders die Extrem-Metal-Szene ist voller Regeln und Erwartungen, die die Fans an die Bands knüpfen. Enslaved hat das nie interessiert, und sie sind außerdem unglaublich talentiert. Bei ihnen stimmt einfach das Gesamtpaket aus Songs, Artwork und Live-Shows. Sie machen tolle, fordernde Musik.«

DEFTONES - Swerve City 
(von „Koi No Yokan“, 2012)

»Die Nummer hat mich total weggeblasen. Das ist der groovigste Song, den ich seit langem gehört habe. Für die Deftones gilt das Gleiche wie für Enslaved: Sie ziehen ihr eigenes Ding durch, sind fantastische Musiker und haben noch dazu einen Sänger, der stimmlich dazu in der Lage ist, die abgefahrensten Sachen zu bringen.«

KVELERTAK - Bruane Brenn
(von „Meir“, 2013) 

»An den Jungs kommt man in Norwegen momentan nicht vorbei. Ich verfolge ihre Karriere seit den Anfangstagen und habe sie mir schon als Support einer norwegischen Punkband namens Silver angesehen. Damals spielte der heutige Drummer von Purified In Blood bei ihnen Gitarre. Sie haben mich schon damals umgehauen, und ich habe mir das Demo und ein T-Shirt von ihnen gekauft. Als sie ihr Debütalbum veröffentlichten, wusste ich bereits, dass sie eine echt gute Band sind. Was mich aber wirklich überraschte, war, dass sie trotz ihrer norwegischen Texte sofort weltweit durchstarteten. Kvelertak kombinieren auf perfekte Art und Weise den skandinavischen Rotzrock mit Turbonegro- und Black-Metal-Einflüssen. Man kann in ihren Songs sogar eine Southern-Rock-Band wie Lynyrd Skynyrd ausmachen. Alles, was den Jungs privat gefällt, verarbeiten sie in ihren Songs und machen es zu ihrem eigenen Ding. Ich stehe auch auf ihre Texte, denn die stecken voller bitterbösem, schwarzem Humor. Im Chorus von ´Bruane Brenn´ heißt es beispielsweise „Die Straße ist mein neues Zuhause, ich werde nie mehr zur Arbeit gehen“. Super!«

AGAINST ME! - Spanish Moss
(von „Wite Crosses“, 2010)

»Die Band habe ich in letzter Zeit verdammt oft gehört, ihre Musik fällt für mich in die Kategorie „Mainstream Rock“, und da sie als Punkband begannen, sind sie von der Szenepolizei natürlich prompt für diesen Ausverkauf beschimpft worden. Was soll´s: Gute Musik bleibt gute Musik, und Against Me! verstehen ihr Handwerk. Mich erinnern sie manchmal an eine härtere Version von Bruce Springsteen. Der Sänger, Tom Gabel, hat vor einem Jahr sein Geschlecht gewechselt und nennt sich inzwischen Laura Jane Grace. Davor habe ich höchsten Respekt, denn so eine Entscheidung zu treffen, ist doppelt schwer, wenn man im Rampenlicht steht.«

RAINBOW - Gates Of Babylon
(von „Long Live Rock´n´Roll“, 1978)

»Eines der besten Alben aller Zeiten! „Long Live Rock´n´Roll“ definiert alles, was diesen Musikstil ausmacht. Jeder Song für sich ist gigantisch, aber als Ganzes ist das Album unübertroffen. Ich persönlich finde es sogar besser als „Rising“. Mein Lieblingssong ´Gates Of Babylon´ steckt trotz der progressiven Struktur voller Energie und hat eine perfekte Melody-Line. Das macht die Nummer so majestätisch. Auch wenn Rainbow später noch gute Platten veröffentlichten, haben sie nie mehr das Niveau der Alben mit Ronnie James Dio erreicht. Aber wie auch? Das Songwriting von Dio und Blackmore war ja nicht von dieser Welt.«

Pic: Tommy Naess

Bands:
AUDREY HORNE
Autor:
Thomas Kupfer

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