Interview

Interview 16.01.2019, 14:49

PAPA ROACH - Augen auf!

Nicht einmal zwei Jahre nachdem PAPA ROACH mit „Crooked Teeth“ in bester „Infest“-Manier krachend zu alter Stärke zurückfanden, legen die Kakerlakenkönige aus den USA schon wieder nach. „Who Do You Trust?“ heißt die zehnte Langrille des Quartetts und stellt neben zwölf neuen Songs auch eine ebenso vielseitig zu betrachtende wie brandaktuelle Frage in den Raum. Wir krallten uns Bassist Tobin Esperance für einen kleinen Plausch.

Tobin, Gratulation zum neuen Album! Ihr bezeichnet „Who Do You Trust?“ als die extremste Scheibe eurer Karriere. Wie kam es dazu? Sucht ihr mit jedem Album nach neuen Herausforderungen?

»Nun, ich denke jedenfalls, dass es extrem ist! Jeder Song hat eine andere Persönlichkeit, einen komplett anderen Charakter. Das Album beschreibt exakt, wer wir als Band sind. Ein Weg, den wir seit „Crooked Teeth“ wieder mit frischer Energie beschreiten. Außerdem erwarten das unsere Fans von uns. Das Extreme ist wahrscheinlich, dass sich das Album aus so vielen verschiedenen Elementen zusammensetzt, die unseren Sound erschaffen. Wir haben viel experimentiert.«

War es euch im Zuge des Songwritings wichtig, wieder stärker zu euren Anfängen zurückzublicken?

»Ich würde nicht sagen, dass wir zurückblicken. Im Gegenteil, wir schauen nach vorne! Wir waren schon immer ziemlich abenteuerlich drauf, schon seit unseren Anfängen. Am meisten Spaß macht es tatsächlich, eben nichts zu erwarten. Früher versuchten wir im Vergleich zu heute tatsächlich auch mal, uns selbst Grenzen zu setzen. Jetzt fühlt sich alles deutlich freier an.«

Gibt es in musikalischer Hinsicht ein Experiment, das ihr euch nicht trauen würdet?

»Nein, ich glaube nicht. Grundsätzlich ist alles möglich, ich möchte nur keine Musik machen, die mich nicht berührt. Ich muss eine Verbindung zur Musik aufbauen können. Auch ein akustischer Song oder ein nur aus Klavier und Gesang bestehendes Stück wären für uns möglich... solange es sich authentisch anfühlt!«

Der wahrscheinlich auffälligste Song auf „Who Do You Trust?“ ist die nicht einmal eineinhalbminütige Punk-Explosion 'I Suffer Well!!!'. Was ging beim Komponieren dieses Stücks eigentlich alles zu Bruch?

»Yeah, der Song war ursprünglich nur als Interlude eingeplant. Wir sind große Fans von den Beastie Boys und hörten sie in dieser Zeit oft. Wir wurden allgemein sehr stark von Punk Rock und Hardcore beeinflusst und 'I Suffer Well!!!' ist unsere Version davon. Der Song ist ein One-Take, wir haben ihn komplett live eingespielt. Er fängt die rohe Energie perfekt ein. Es wird großen Spaß machen, live damit herauszuplatzen. Wir werden ihn uns wahrscheinlich als Möglichkeit offen halten, wann immer wir Bock darauf haben "I Suffer Well!!!" brüllen und einfach loslegen.«

„Who Do You Trust?“ ist tatsächlich der erste Langspieler eurer Karriere, den ihr im Sommer aufgenommen habt, alle anderen entstanden im Winter.

»Oh ja, absolut! Es war Hochsommer und wir in Hollywood inmitten eines Tals. Irgendwann haben wir es schlichtweg nicht mehr ausgehalten, das war direkt ein klaustrophobisches Gefühl. Wir brauchten eine Ausrede, um nach draußen in die Sonne gehen zu können, also schnappten wir uns einfach unsere Instrumente und fuhren an den Strand. Das hatte definitiv einen Einfluss auf uns und das Album und hellte die Stimmung auf, denn im Studio kann diese manchmal etwas gedämpft werden.«

Ich würde gerne auf den Titel eures neuen Albums zu sprechen kommen. Ihr stellt mit „Who Do You Trust?“ („Wem kannst du vertrauen?“) eine sehr spannende Frage, die in vielerlei Hinsicht betrachtet und verstanden werden kann. Wem stellt ihr sie?

»Das ist schwierig, denn es ist ein ziemlich umfangreiches Statement. Weißt du, heutzutage stellen die Menschen so Vieles in Frage, die Medien, die Regierung... oder nimm die Sozialen Medien. Vieles davon, was du dort lesen kannst, ist nicht echt. Es bleiben immer eine Menge Fragezeichen zurück. Für mich sagt der Titel zuallererst aus, dass man sich selbst vertrauen muss. Du musst tief in dich hineinhören und herausfinden, was sich für dich wirklich richtig anfühlt. Nicht nur blind einer anderen Meinung folgen und anhand dieser dann eine Entscheidung fällen. Vertraue nicht nur einer Informationsquelle, lass dich nicht so leicht überzeugen und betrachte die Dinge immer von zwei Seiten. Was ich vor allem damit sagen will, ist, dass der Albumtitel nicht darauf ausgelegt ist, eine bestimmte Bedeutung zu haben.«

Wie fühlt es sich an, dass ihr für viele Menschen noch immer der Soundtrack einer Generation seid und euch eine hohe Relevanz bewahrt habt?

»Das ist noch immer eine großartige Sache. Wenn du durch das, was du tust, Teil des Lebens von jemandem bist, ist es das beste Gefühl überhaupt. Das ist die größte Begabung der Musik: Durch sie vergisst du bestimmte Momente oder Personen dein Leben lang nicht mehr. Ich bin sehr stolz, ein Teil davon sein zu können!«

Du bist seit eurem Debütalbum festes Mitglied von PAPA ROACH. Wie hast du die Entwicklung deiner Band über die Jahre beobachtete?

»Wir haben uns als Songwriter ständig weiterentwickelt, was uns aber selbst nicht einmal so sehr aufgefallen ist. Du musst deine Stärken erkennen, sie so nehmen, wie sie sind und sie zu einem Teil von dir machen. Wir haben diese hymnische Seite an uns, die harten Backbeat-Grooves, den Schnellfeuer-Hip-Hop-Stil, das Melodische, das Riffbasierte und schreien manchmal auch einfach nur drauflos. Besonders gut gelingt es uns mittlerweile, fröhliche Songs mit traurigen Texten zu schreiben. Das ist, was wir jetzt machen, wir wollen alles so interessant wie möglich gestalten.«

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Bands:
PAPA ROACH
Autor:
Simon Bauer

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