12.03.2019, 13:16

OVERKILL, DESTRUCTION, FLOTSAM AND JETSAM - Backstage Werk, München

Die „Killfest 2019“–Tour rollt und macht Thrasher in ganz Europa glücklich. Rock Hard ließ sich beim Halt in München plätten - hier unsere Konzertkritik:

Draußen vor dem Werkseingang wartet noch eine beachtliche Schlange auf Einlass, als CHRONOSPHERE pünktlich um 19 Uhr in den Sonntagabend starten. Die Griechen sind als Vorspeise für die unpässlichen Meshiaak eingesprungen und machen ihre Sache mehr als respektabel. Weniger vehement als die ungleich bekannteren Landsmänner Suicidal Angels, dafür um einiges variantenreicher schütteln die vier Athener ihre Riffs und Licks aus den nicht vorhandenen Ärmeln, die knappe halbe Stunde vergeht wie im Flug - den gelungenen Abschluss bildet das pfeffrige 'Ace of Spades'-Cover, dem das Thrash-Gewand ganz vorzüglich steht. Daumen hoch!

Und gleich oben lassen! Denn mit FLOTSAM AND JETSAM folgt an zweiter Stelle schon der musikalische Höhepunkt des Abends. Mit „The End of Chaos“ haben Michael Gilbert & Co. unlängst ihr bestes Album seit „No Place For Disgrace“ veröffentlicht, auf der Bühne untermauern die Phoenix-Härtner ihren Status als formstärkste Veteranen-Thrasher der bekannten Welt. Es ist die reinste Wonne, Eric A.K. beim Treffen der Töne zu lauschen, das Ganze gepaart mit instrumenteller Präzision und Spielfreude, die den Bewegungsmangel der Instrumentalisten mehr als wettmacht. Neu-Drummer Ken Mary (Fifth Angel) ist ein klarer Gewinn, die Setlist ein feiner Mix aus Klassikern und brandneuem Stoff, der vorzüglich reinläuft. Schade nur, dass die Spielzeit auf 45 Minuten begrenzt ist. Dieser Band könnte man ohne die geringste Spur von Langeweile auch dreimal so lang zuhören.

Für DESTRUCTION gilt das nicht unbedingt. Zwar lassen die alten Teutonen spieltechnisch wie gewohnt nichts anbrennen, auch Schmiers Präsenz ist nach wie vor beeindruckend, dafür zeigt sich in der Best-of-Setlist deutlich, wie eindimensional das Songwriting größtenteils gestrickt ist. Wo Kreator, Sodom und auch Tankard stets Wert auf Abwechslung gelegt haben und legen, sind Destruction beharrlich auf ihrem beengten Pfad zwischen Venom und Slayer geblieben. Den eingefleischten Fans gefällt‘s, wie der Moshpit und das lautstarke Mitgebrülle bei 'Dethroned' zeigen, mein altgedienter Nebenmann fasst die andere Sichtweise nach dem Gig so zusammen: „Irgendwie blöd, wenn man immer dasselbe Lied spielen muss.“

Und dann: OVERKILL! Unzerstörbar, immergrün (and black), live niemals auch nur annähernd schwächelnd. Mit 'Last Man Standing' vom neuen Prachtwerk „The Wings Of War“ gelingt dem Starkstrom-Fünfer aus New Jersey ein bockstarker Auftakt, es folgt ein Siegeszug, der lediglich im Mittelteil mit groovigen Stücken wie 'Distortion' und 'Necroshine' leicht ausgebremst wird. Andererseits: das ist sie eben, die Abwechslung! Und mit einem blendend aufgelegten Blitz machen auch gehobene Mittelklasse-Songs wie 'Under One' von „W.F.O.“ Spaß. Herausragend: die beiden Dreier 'Hello From The Gutter'/'Elimination'/'Deny The Cross' und 'Feel The Fire'/'Rotten To The Core'/'Ironbound'. Auch das abschließend gezockte, neue und punkige 'Welcome To The Garden State' hat das Zeug zum Neo-Klassiker. Fuck you guys, we love you!

Bands:
OVERKILL
DESTRUCTION
FLOTSAM AND JETSAM
Autor:
Ludwig Krammer

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