Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 25.04.2012

HORISONT , GRAVEYARD - Osnabrück, Bastard Club

Den ersten Punktsieg verbucht das schwedische Retro-Doppel bereits vor dem Einlass, als sich Rock-Hard-Fotograf und Osnabrück-Bewohner Friso Gentsch sichtlich beeindruckt von der Menschenschlange vor dem Bastard Club zeigt. Und das soll was heißen, denn einen sturmfesten und erdverwachsenen Niedersachsen lockt bekanntlich nichts so schnell aus der Reserve.

Dass derlei Binsenweisheiten sich zwischenzeitlich überlebt haben, zeigt sich dann zu Beginn des HORISONT-Gigs, als die fünf Gestalten, die mit ihren Siebziger-Jahre-Klamotten, gewagten Frisuren und kernigen (Schnurr-)Bärten geradewegs einem schwedischen „Starsky & Hutch“-Remake entsprungen sein könnten, mehr als wohlwollend begrüßt werden. Die schüchtern wirkenden Nordmänner nehmen das grinsend zur Kenntnis, genehmigen sich einen Schluck aus der Bierpulle und rocken anschließend durch einen famosen Gig, der zweierlei beweist. Erstens: Der aktuelle Longplayer „Second Assault“ geht schon jetzt als Highlight des noch jungen Jahres durch. Zweitens: Sänger Axel Söderberg erinnert live an eine Version des jungen Ozzy - inklusive Pausbacken und Babyspeck -, kämpft bei den hohen Tönen aber dermaßen, dass ihm fast die Augen aus dem Kopf fliegen. Schade nur, dass die Band den Auftritt nicht umgehend am Merchandise-Stand versilbern kann, denn bis auf ein zerknittertes Shirt und zwei mit dem Horisont-Schriftzug bedruckte Jutebeutel (!) ist der bereits seit der gestrigen Show ratzekahl ausverkauft.

Es spricht für die Klasse GRAVEYARDs, dass sie den Aufritt ihrer Support-Band mühelos toppen. Der verhaltene Einstieg mit ´Blue Soul´ baut geschickt die Spannung auf, ehe der Göteburg-Vierer in der Enge des inzwischen rappelvollen Bastard Clubs geradezu explodiert. Beim flott pumpenden ´Buying Truth´ ist es dann auch endgültig mit der Zurückhaltung des bunt gemischten Publikums vorbei, und während sich die ersten Reihen kollektiv in einen Seventies-Rausch bangen, versuchen sogar einige Crowdsurfer unter der niedrigen Decke ihr Glück. Auch wenn die Show nicht unbedingt mit Überlänge glänzt, die Stimme von Fronter Joakim Nillson rau und angegriffen klingt und die Band das Songmaterial phasenweise (bewusst?) sperrig inszeniert, wird an diesem Abend wohl niemand im Publikum unzufrieden nach Hause gegangen sein. Dafür sind die Jungs von Graveyard einfach zu gute, völlig authentische Musiker, die selbst ohne showtechnische Gimmicks und nur durch ihre bloße Präsenz jeden Club zum Kochen bringen.

Setlist GRAVEYARD:

Blue Soul
Buying Thruth
As The Years Pass By, The Hours Bend
Ungrateful Are The Dead
Uncomfortably Numb
Granny And Davis
Ain´t Fit To Live Here
No Good, Mr Holden
Satan´s Finest
Hisingen Blues
-----------
The Siren
Thin Line
Evil Ways

Pic: Friso Gentsch

Bands:
GRAVEYARD
HORISONT
Autor:
Thomas Kupfer

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