Festivals & Live Reviews

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ANATHEMA , OPETH - Opeth - Unplugged: Bochum, Christuskirche

Nachdem sich Skandinaviens Vorzeige-Prog-Deather OPETH mit ihrem 2011er-Album „Heritage“ gänzlich von musikalisch brachialen Ausflügen und harschen Vocals verabschiedet hatten, öffnet man sich auf der diesjährigen Tour wieder beiden Extremen. Während es auf den Gigs in Konzerthallen auch Doublebass und Growls zu hören gibt, kommt der heutige Auftritt in der Bochumer Christuskirche in gänzlich unverzerrtem Gewand daher.

Dass bereits im Vorfeld alle Tickets vergriffen waren, spricht für die nicht nachlassende Beliebtheit der Schweden und ebenso den anhaltenden Boom der Akustikkonzerte. Der Innenraum der Christuskirche ist bis auf die letzte Sitzbank gefüllt. In den letzten Reihen sind nur noch Stehplätze zu ergattern, die erfreulicherweise optimale Sicht auf die Bühne und kurze Wege zum provisorisch aufgebauten Bierstand zulassen.

Das Publikum besteht zum Großteil aus Metalfans, ist aber wie zu erwarten von einer bunten Mischung unterschiedlichster Altersklassen durchsetzt. Bereits kurz vor 20 Uhr starten die Briten ANATHEMA in ihren etwa 45minütigen Auftritt. Die Band um die Brüder Cavanagh ist dabei durchaus um Abwechslung bemüht, auch wenn Danny, der immer wieder Geräusche und Sounds seiner Klampfe mitschneidet und loopt, und Vincent an Gitarren und Gesang die Hauptrollen übernehmen. Für kurze Gastauftritte kommen Keyboarder Daniel Cardoso ('Dreaming Light') und Sängerin Lee Douglas ('Thin Air', 'Untouchable Part II') hinzu. Im Publikum werden die introvertierten Songs wohlwollend aufgenommen und mit entsprechendem Applaus belohnt. Wirklich aus sich heraus kommt die Menge allerdings erst beim Pink-Floyd-Cover 'Another Brick In The Wall', welches Danny mit einem lakonischen „I respect spirituality, but this song is about people not to do, what they are told“ angekündigt wird. Nach dieser tollen Überraschung wird es mit dem abschließenden 'Fragile Dreams' nochmal ruhiger und man entlässt zufriedene Gesichter in die Umbaupause.

Gegen 21Uhr ist dann die Zeit für OPETH gekommen. Nach dem obligatorischen 'Through Pain To Heaven'-Intro nehmen die Musiker unter gebannten Blicken des Publikums auf Barhockern platz. Mikael Åkerfeldt kündigt ein Set mit reduzierten, teils umarrangierten Songs an und meistert während des gesamten Auftritts abermals einen Spagat zwischen Comedian-Qualitäten in den Ansagen („I hope you're all sitting comfortable and are drunk“) und musikalischem Anspruch, was Gesang und Gitarrenspiel betrifft. Dabei wechseln Åkerfeldt und Frederik Akesson zwischen den Songs oft zwischen Konzert- und E-Gitarre. Der Rest der Band bleibt die meiste Zeit unauffällig im Hintergrund. Man beginnt nach dem kurzen 'Heritage'-Titeltrack mit 'Credence' vom „My Arms, Your Hearse“-Album. Nach den folgenden, wunderbar intonierten 'In My Time Of Need' und 'Häxprocess' („This is a new song, so excuse if we fuck up“) geben OPETH einen Exkurs in Form von zwei Coverversionen zum Besten.

Zunächst kündigt Åkerfeldt mit 'Var kommer barnen in' von Hansson de Wolfe United aus dem Jahr 1981 einen obskuren, schwedischen Track an, den man einfach ausgewählt habe, weil es ein schöner Song sei.

Anschließend kommen mit dem melancholischen Black-Sabbath-Cover 'Solitude' vom 1971er-Album „Master Of Reality“ auch Liebhaber bekannteren, aber noch älteren Materials auf ihre Kosten.

In der zweiten Hälfte des Gigs bleibt die Setlist angenehm unvorhersehbar, wobei 'Benighted', das Mikael zum größten Teil im Alleingang übernimmt und 'Hope Leaves' noch am ehesten zu erwarten waren. Besonders intensiv bohrt sich aber 'Demon Of The Fall' („This is a quite evil song, so you might have nightmares tonight“) ins Hirn, dem auch ohne Deathgrowls nichts an finsterer Stimmung verloren geht.

Düster, perkussiv und mit geisterhaften Keyboards instrumentiert, sowie beschwörend eingesungen stellt dies mein persönliches Highlight des Auftritts dar. Bevor der Abend nach knapp 90 Minuten mit dem netten, aber eher unspektakulären 'Marrow Of The Earth' ausklingt, zeigen OPETH mit der psychedelischen Live-Rarität 'Atonement' nochmals ihr Gespür für Atmosphäre, was mit schallendem Applaus und standing ovations honoriert wird. Zugabeforderungen bleiben unerfüllt. So verbleibt ein von Sound, Stimmung und Musikalität her toller Abend, dem das kongeniale Quintett getrost ein paar Songs mehr hätte spendieren können. Besonders die 2008er-Scheibe „Watershed“ wurde leider sträflich ignoriert, obwohl ihr Unmengen an Unplugged/Akustik-Potenzial innewohnt.

SETLIST ANATHEMA

Thin Air
The Beginning And The End
Dreaming Light
A Natural Disaster
Untouchable [Part II]
Another Brick In The Wall
Fragile Dreams

SETLIST OPETH

Heritage
Credence
In My Time Of Need
Häxprocess
You Suffer
Var kommer barnen in
Solitude
Benighted
Demon Of The Fall
Hope Leaves
Atonement
Marrow Of The Earth

Pic: Holger Stratmann

Bands:
OPETH
ANATHEMA
Autor:
Meredith Schmiedeskamp

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