Festivals & Live Reviews

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HAMMERFALL , ORDEN OGAN , SERIOUS BLACK - Oberhausen, Turbinenhalle 2

Meine Damen und Herren, treten Sie näher, es ist Showtime! Erleben Sie heute Menschen, Metal-Tiere, Sensationen! Das Power-Metal-Package, das HAMMERFALL für ihre „(r)Evolution“Tour geschnürt haben, könnte für Fans des Genres anziehender kaum sein, und dementsprechend bombastisch geht der Abend auch los: Mit einem überaus mächtigen Stau vor dem Parkplatz der ausverkauften Turbinenhalle 2. 400 Meter in 40 Minuten – na wenn das kein epischer Auftakt ist.


ORDEN OGAN entern im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert die Bretter: Die Autoreifen-Meets-Endzeit-Kostüme der letzten Tour sind – passend zur neuen Scheibe – Outfits im eleganten Sumpf-Schick gewichen. Ob die Sauerländer vielleicht deshalb deutlich agiler wirken, als sie mit 'F.E.V.E.R.' loslegen, den Zuschauern zu 'To The End' die obligatorische „Fist Of Fate“ entgegenrecken und mit 'We Are Pirates' eine kleine Zeitreise in die Seeräuber-Epoche 2010 unternehmen? Technisch astrein, allerdings mit großzügiger choraler Unterstützung vom Band, verbreiten Seeb, Tobi und Co. auf minimalem Raum maximale Spielfreude, schneiden Grimassen, posen sich den Allerwertesten ab und steigern ihre Live-Qualitäten offenbar von Album zu Album. Das Publikum, in dem nicht wenige Shirts der Truppe aufblitzen, zieht mit und erweist sich als erstaunlich textsicher: Wurden da etwa heimlich die Lyrics des gerade mal einen Tag zuvor erschienenen Albums „Ravenhead“ gepaukt? Die 45-minütige Live-Lehrstunde bestehen alle Anwesenden auf und vor der Bühne jedenfalls mit Auszeichnung.

Das müssen HAMMERFALL erst mal toppen. Die Schweden fahren ein gewohnt bombastisches Bühnenbild auf und strapazieren die Stimmbänder ihrer Fans, als sie zum Donner-Intro einlaufen und mit 'Hector's Hymn' den Einstieg eines 95-minütigen Sets liefern. Allerbeste Spielfilmlänge also, und wie bei einem guten Kinostreifen gibt es rasante Action-Szenen ('Heeding The Call'), epische Momente ('Last Man Standing') und ein bisschen was fürs Herz ('Glory To The Brave'). Comedy-Einlagen liefert Profi-Entertainer Joacim Cans („Wer sieht HAMMERFALL heute zum ersten Mal? Wir sind hier nicht in der Schule. Ihr sollt brüllen, und euch nicht melden!“), während Stageacting-Star Oscar Dronjak für die Theatralik sorgt (Komik ist das Wort, das du suchst – rb) und zudem gefühlte 100 Mal das Shirt wechselt, bis er es letztlich aufgibt und die Zugabe oben ohne bestreitet. Schade, dass die Truppe nicht vollkommen auf Samples vom Band verzichtet – bei dem energiegeladenen Programm, das der Menge trotzdem geboten wird, aber verschmerzbar. Da zucken selbst der anfangs etwas skeptischen Schreiberin dieser Zeilen die Mundwinkel unweigerlich nach oben und ein paar mitgesungene Textzeilen finden ihren Weg in den höllisch lauten Fan-Chor. Bei allen Showeinlagen zockt die Band absolut tight, bringt 18 Jahre Professionalität auf die Bühne und wirkt trotz der zwei „Neuen“ im Team gut eingespielt: Der für Anders Johansson eingestiegene Drummer David Wallin verursacht ein amtliches Donnerwetter, während Ex-Gitarrist Stefan Elmgren für den Babypause machenden Fredrik Larsson den Bass zum Brummen bringt. Statt ihr Können in endlosen Soli zu demonstrieren, lassen HAMMERFALL in ihrem '400 Meter Medley' jeden Mal kurz ran und setzen lieber auf Abwechslung als auf One Man Shows. Star-Allüren kann man den Fan-nahen Skandinaviern wirklich nicht vorwerfen. Dass das Quintett seinen Schluss-Song 'Hearts On Fire' ehrlich meint, ist heute deutlich zu spüren. Ganz großes Kino.


Setlist HAMMERFALL

Hector's Hymn
Any Means Necessary
Renegade
B.Y.H.
Blood Bound
Heeding The Call
Let The Hammer Fall
Live Life Loud
400 Meter Medley
Raise The Hammer
Threshold
Last Man Standing
Glory To The Brave
We Won't Back Down
Hammerfall
--
Templars Of Steel
Bushido
Hearts On Fire

Pics: Alexandra Michels

Bands:
SERIOUS BLACK
ORDEN OGAN
HAMMERFALL
Autor:
Alexandra Michels

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