Kolumne


Foto: Moritz Thau

Kolumne 24.07.2019, 08:00

Nötes Of A Dirty Old Fan: Vertrauensbildende Maßnahmen

Als ich vor gut 20 Jahren mit dem Metal-Roman „Die Welt ist eine Scheibe“ bei den Verlagen hausieren ging, bekam ich dort allerlei Vorurteile zu hören. „Das Etikett auf der Bierflasche ist das Einzige, was Metaller lesen!“ Die Lektoren glaubten den Scheiß wirklich und lehnten dankend ab. Es war nun mal der erste Metal-Roman. Der frühe Vogel hungert, weil die Würmer alle noch pennen – so sieht´s nämlich aus.

Daran dachte ich mal wieder, als die Kollegen Axel Klingenberg und Till Burgwächter mit mir auf der Rock-Hard-Festival-Zeltbühne saßen, um fröhlich, frisch und frei unsere Textpreziosen unters Volk zu streuen. Allein, es fehlte das Volk. „Ihr seid das Volk“, rief ich einem vorbeidefilierenden Jungspundpärchen hinterher. „Was will der alte Mann von mir?“, fragte sie ihn. „Deine Seele!“, gab er zurück.

Da war klar, was wir brauchten. Ein wenig Hilfe von unserem satanischen Kumpel drei Etagen tiefer. Also lasen wir am nächsten Morgen im Hotelzimmer ein paar ultrafiese Apokryphen, verknoteten zwei am Büfett gebunkerte Hähnchenschenkel zu einem Kreuz und fackelten sie ab bei voller BIC-Flamme. Wir fühlten uns wie King Diamond. Und ER tat, wie ihm geheißen, und schickte am nächsten Tag pünktlich zur Lesezeit eine Regenfront, die uns das Klatschvieh ins trockene Lesezelt trieb. Zwei Hundertschaften Metalheads vor der Bühne, die zudem genug getankt hatten, um über unsere Flachwitze lachen zu können. Kurzum, es waren Idealbedingungen. Wir schickten innige Liebesbotschaften in Richtung Unterwelt, da donnerte es zur Bekräftigung unseres Bundes.

Nun darf man es nicht übertreiben mit solchem schwarzmagischen Krempel. Der bocksfüßige Mann hat schließlich genug zu tun mit seinen Eleven von der Deutschen Bank, VW und Monsanto. Wir mussten auf eigenen Füßen stehen, und so erklärte ich zum Ende unserer fulminanten Lesung, dass wir einen stets mit Beck´s und Krombacher gefüllten Backstage-Kühlschrank zu verwalten hätten. „Das schaffen wir doch alleine gar nicht!“ Zwinkersmiley. Aber in echt, also mimisch-gestisch. Wir drei zuckten um die Wette, und die Menge schien zu verstehen. Schon bei der nächsten Lesung lungerten Menschen mit leeren Bechern an der Bühnenabsperrung herum. Wir füllten sie bis zum Rand. Nach der Lesung das gleiche Spiel, und auf einmal hatten wir richtige Fans.

Dass die Kampftrinkerbaggage vom Braunschweiger Metalclub Hotel 666 auch während der Lesung kaum verhohlene Appelle aussandte, fanden wir etwas störend, aber wer sich mit dem Gehörnten einlässt, der weiß auch, es hat alles ein Nachspiel.

„Ihr habt so einen furchtbar trockenen Humor!“, grölten sie und hielten sich die Hälse, als müssten sie eine Wüste durchqueren. Unser Tourmanager Volker hatte alle Hände voll zu tun, sie ruhigzustellen. Und als wir nach drei Tagen zum Produktionsbüro gingen, um bei Manni unsere fetten Gagen zu kassieren, hatte der schon auf uns gewartet. „Was habt ihr alles weggelutscht, ihr versoffenen Schweine?! Euch laden wir nicht mehr ein!“

Autor:
Frank Schäfer

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos