Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 25.03.2015

BLITZKRIEG , AMULET , HAMMERHEAD , TYTAN , BLACK ROSE , TYRANT , TRESPASS , WITCH CROSS , HUNDRED , HAMMER , HOLLOW GROUND , JAMESON RAID , AVENGER , HIGH SPIRITS - Newcastle (UK), Northumbria Students Union

Brofest. Das verflixte dritte Jahr? Bei so mancher Band hat das vermeintlich schwierige dritte Album über Wohl oder Wehe des weiteren Karriereverlaufs entschieden. Gilt diese Faustregel auch für das Klassentreffen der Brit-Metaller aller Altersstufen, Nationalitäten und Haarlängen? Die Zeit wird es erweisen...

Während die erste Auflage vor zwei Jahren eine rein britische Angelegenheit war, ist das Konzept 2014 ausgeweitet worden. Der unfehlbare Musikgeschmack von Organisator Stu Bartlett sorgt indes dafür, dass das Billing längst nicht so beliebig ausfällt wie bei der Mehrzahl kontinentaleuropäischer Festivals. Zudem grenzt die Preispolitik an Selbstausbeutung: Ganze 35 Pfund kostet das Ticket für drei Tage (bei insgesamt 23 Bands), für T-Shirts oder Tonträger an den Merch-Ständen sind nur im Ausnahmefall mehr als zehn Pfund (also rund 13 Euro) fällig.

Freitag, 27. Februar
Pünktlich wird in England eigentlich nur die Sperrstunde in Pubs ohne Spätverkaufslizenz eingeläutet. Und das nahezu perfekt organisierte Brofest. Woanders werden Smartphones in einer Anzahl in die Höhe gereckt, dass eine Lightshow im Grunde genommen überflüssig ist. In Newcastle steht dem Geiste des Festivals entsprechend ein großer Wecker auf der Bühne, dessen Zifferblatt halb sieben zeigt, als MANDORA mit einem Paukenschlag die Bühne betreten. Die Jungs aus South Shields (einem Vorort von Newcastle mit S-Bahn-Anbindung) hat niemand wirklich auf der Rechnung. Kein Wunder, handelt es sich doch um ihre erste Live-Performance seit 27 Jahren. Ein Tonträger von Mandora existierte seinerzeit noch nicht. Diesmal haben sie zumindest eine CD-R mit zwölf Tracks im Gepäck. ´Reborn´, einer der neu komponierten Songs, bietet erstklassigen Brit Metal (der ein wenig an Agincourt erinnert), und Mandoras ´Nostradamus´ ziehe ich dem gleichnamigen, überambitionierten Priest-Stück allemal vor. Erste Band, erste positive Überraschung.
Mehr Hände werden geschüttelt, Bekannte begrüßt. Das Publikum wächst, darunter natürlich auch wieder jede Menge Nord-, Ost-, Süd- und Westdeutsche. AVENGER sind ebenfalls alte Bekannte, zum zweiten Mal auf der Brofest-Bühne. Was für einen Unterschied die Rückkehr des verlorenen Sohnes Ian Davison Swift doch macht. In seiner abgewetzten Lederjacke stellt der quirlige Frontmann sofort eine Verbindung zum international zusammengesetzten Auditorium her, neue Stücke wie ´In Arcadia Go!´ harmonieren vorzüglich mit alten Hits wie ´Too Wild To Tame´. Auch die berühmte Kettensäge kommt zum Einsatz. Wie alle Gruppen an diesem Wochenende klingen Avenger, die einen Teil ihrer Anlage zur Verfügung gestellt haben, fantastisch.
Mit MYTHRA folgt der erste Höhepunkt des Brofest 2015. Weitestgehend in Originalbesetzung angetreten, präsentieren sich die ebenfalls aus South Shields stammenden Altmetaller alles andere als eingerostet. Die 1976 gegründeten Mythra müssen zusammen mit den weitaus bekannteren Raven, Jaguar und Satan zu den Erfindern des Speed Metal gezählt werden. Der Darbietung von ´UFO´ oder ´Death & Destiny´ merkt man die vielen Stunden im Proberaum an, das Programm klingt absolut tight und nicht nach einer müden Pub-Band. Bemerkenswert ist die für eine Metal-Formation ungewöhnlich eindeutige Artikulation in sozialpolitischer Hinsicht. „Call yourself a saviour, an age old English dream, where all the land is painted white with no minorities, can´t you see within yourself, try to understand, as long as there´s an England, together we must stand“, hieß es schon 1979 in ihrem Song ´England´. Besagtes Stück widmet Sänger Vince High mit den folgenden Worten der Anti-Nazi League sowie Rock Against Racism: „Das Engagement derartiger Organisationen ist heute genauso wichtig wie in den Achtzigern.“ Dafür gibt es Extrabeifall von Spaniern, Italienern, Griechen, Amerikanern, Engländern und Deutschen. Der Anlass für diese Ansage ist ein tagesaktueller, am Samstag will die deutsche Pegida den Schulterschluss mit mehr (National Front) oder minder (English Defence League) offen rassistischen britischen Organisationen suchen. Ihre Demo am Bigg Market, nur einige hundert Meter von der Konzertvenue entfernt, wird von 2.000 Gegendemonstranten empfangen. Es kommt zu vereinzelten Pöbeleien der Rechtsradikalen gegenüber Festivalbesuchern und insgesamt fünf Festnahmen.
HOLLOW GROUND beenden Tag eins in der Northumbria Students Union mit einem eher durchwachsenen Auftritt. Nach dem famosen Set im Vorjahr an gleicher Stelle ist einfach ein wenig die Luft raus. Obwohl man Stücke wie ´Warlord´ oder ´Rock On´ natürlich immer bringen kann.

Samstag, 28. Februar
Als sich am Samstag um elf Uhr die Türen öffnen, sieht man vielen Fans an, dass die Nacht wohl kurz gewesen sein muss. Viele haben sich dazu entschlossen, das Frühstück ausfallen zu lassen, und starten gleich mit einem extrakalten Lager-Bier in den neuen Tag. Vielleicht haben auch WARBASTARD aus Newcastle genau dies getan. Stellt euch vor, Praying Mantis würden auf dem With Full Force auftreten, und ihr könnt erahnen, wie deplatziert Warbastard sich auf dem Brofest fühlen müssen. Das erkennt auch die Band selbst und entschuldigt sich gleich mal prophylaktisch beim höflichen Publikum: „Wir spielen eigentlich mehr Thrash Metal als NWOBHM.“ Warbastard nutzen ihre nicht vorhandene Chance. Zumindest gibt es dicke Sympathiepunkte für groben Humor und die Coverversion von Slayers ´Black Magic´. Songtitel wie´Thrashing Bastard Hell´, ´Speed Metal Holocaust´ und das unübertroffene ´Thrash Metal Sunglasses´ sollte man besser nicht zur bierernst nehmen...
Auch HUNDRED aus West-London sind eine noch recht junge Band, die sehr enthusiastisch und ungestüm zu Werke geht. Vielleicht wollen sie einfach zu viel. Der Großteil der noch wenigen Fans in der Halle scheint jedenfalls ob der Reizüberflutung bei relativ hohem Spieltempo ein wenig überfordert. Hundreds Kauz-Metal mit leichten Folk- und Thrash-Einflüssen braucht noch Zeit zum Reifen, der Gesang gerät hier und da gerne mal in Schräglage. Manilla Road und The Lord Weird Slough Feg sind jedenfalls noch ein paar Schritte voraus.
Pünktlich um 14 Uhr betreten dann HAMMERHEAD die große Bühne des Brofest. Und der neue Mann Steven Woods übernimmt gleich vom ersten Ton an das Kommando – er ist nicht nur ein fantastischer Sänger, sondern auch ein ebenso guter Entertainer. Diese Bühne ist eigentlich noch zu klein für ihn. Leider ist das neue Album „The Sin Eater“ nicht rechtzeitig fertig geworden, dafür haben Hammerhead ihren eigenen Whisky mitgebracht, der in der ersten Reihe stilecht in Gläsern ans Publikum verteilt wird. Dieser hochprozentigen Bestechung hätte es allerdings gar nicht bedurft. Hammerhead sind auch so die beste Band des Brofest 2015. Eröffnet wird mit ´Angels Fall´, einem Stück, das bis dato noch niemand gehört hat. Die Stimmung ist trotzdem von Beginn an elektrisierend. Mit ´Lochinvar´ folgt eine der Übernummern der gesamten NWOBHM. Das neue ´The Sin Eater´ nimmt ein wenig Tempo heraus, eine brillante Halbballade, die als Mischung aus Black Sabbath und Led Zeppelin durchgeht. Hier kann Buzz Elliot mit seinem unnachahmlichen, stilistisch irgendwo zwischen Michael Schenker und Uli Jon Roth angesiedelten Gitarrenton glänzen. Spätestens bei dem alten Single-Hit ´Time Will Tell´ steht die Halle voll hinter Hammerhead, die sich hier ganz sicher für größere Dinge empfohlen haben!
PHASSALAYNE brachten es mit „Cut It Up“ 1985 immerhin zu einem recht unscheinbaren Longplayer auf Neat Records. Nachlesen kann man das im eigens zum Brofest veröffentlichten Buch „Neat & Tidy - The Story Of Neat Records“ von Rock-Hard-Fotograf John Tucker (ein Review folgt im nächsten Heft - Red.). Dieser signiert am Merch-Stand Exemplar um Exemplar seines 384-seitigen Schmökers, während sich
Phassalayne auf der Bühne redlich mühen, ohne dabei wirklich glänzen zu können. Ihr Songwriting war bereits Mitte der Achtziger zu bieder – und die Zeit hat es nicht gut mit ihnen gemeint.
Noch obskurer wird es danach mit TROYEN. Nein, nicht Tröyan aus England (später Taliön) und auch nicht Trojan aus Irland, sondern Troyen aus Warrington (die es 1981 gerade mal auf ein Demo gebracht haben). Wo sonst auf der Welt kann man solche Bands sehen? Der Gig ist ein wenig überschattet von komischen Soundeffekten beim Gesang, gerade die Ansagen zwischen den Songs klingen ein wenig nach Mickey Mouse, was darauf hindeuten mag, dass hier und da klanglich ein wenig nachgebessert werden soll – der Versuch geht allerdings eindeutig nach hinten los.
„Hamster, wer um alles in der Welt sind Hamster?“, fragt mich Ex-Tygers-Legende und Neat/Metal-Nation-Besitzer Jess Cox. Nun, der gute Jess benötigt offenbar eine neue Sehhilfe, denn auf dem Video-Screen hinter dem Schlagzeug steht in großen Lettern ganz eindeutig: HAMMER. Genauso gut hätte es indes Holland oder Fast Kutz heißen können, denn alle drei Bands waren quasi ineinander verwoben und teilten sich das Personal. Was indes nicht zur Qualitätssteigerung beitrug, denn die Longplayer aller drei Formationen blieben im Mittelmaß stecken. Genau das zeigt sich auch heute in Newcastle. Einzig ´Caution To The Wind´ bleibt hängen.
Auf einmal wird es richtig voll in der Halle der Students Union. Alle scheinen nur auf HIGH SPIRITS gewartet zu haben, die hier ihre exklusive UK-Show absolvieren. Natürlich strotzt Chris Black nur so vor Selbstvertrauen, schließlich wird seine Erstband (noch vor Pharaoh, Dawnbringer und Aktor) als das „nächste große Ding“ gehandelt. Und wer gleich mit seinem größten Song, nämlich ´High Spirits´, eröffnet, der muss es offensichtlich erst meinen. Ob das indes die klügste Entscheidung war, lässt sich bestreiten, denn die Spannungskurve zeigt in der Folge ein wenig nach unten. Sicherlich hat „You Are Here“ mehr als passables Material zu bieten, doch irgendwie fehlt heute am Ende der letzte Biss. Noch scheinen sich High Spirits in intimeren Clubs wohler zu fühlen, vom Stageacting her wirkt ihr Auftritt zuweilen etwas bieder, was die Fans allerdings nicht davon abhält, die Amerikaner nach allen Regeln der Kunst abzufeiern.
Nachdem Ritual/Widow zum zweiten Mal hintereinander ihren Auftritt beim Brofest aus fadenscheinigen Gründen abgesagt hatten (was auch als ein kleiner Rekord anzusehen ist), richteten sich alle Augen auf TRESPASS. Kommen sie, oder kommen sie nicht? Die Spannung hielt nicht bis zur letzten Sekunde, denn bereits am Freitag parkte auf dem Parkplatz ein eigens angemieteter Nightliner, der die Band samt Tross aus der kleinen Gemeinde Bury St Edmunds in Suffolk nach Newcastle gebracht hatte. Trespass zählten mit ihrem leicht progressiv geprägten und extrem eigenständigen Stil zu den größten Hoffnungen der NWOBHM. Leider langte es nach drei famosen 7“-Singles nie zum heiß ersehnten Debütalbum, das vermutlich den Durchbruch gebracht hätte. Im völlig umgekrempelten Line-up mit gleich drei Gitarristen (den beiden Leadern Mark Sutcliffe und Dave Crawte sowie Neuzugang Paul Martin) eröffnet die Band heute mit ´The Duel´. Auch das unsterbliche ´Bright Lights´ klingt richtig gut, sogar ein kleiner Mitsingteil kommt zum Einsatz. Danny B. am Bass sowie James Last (der heißt wirklich so!) passen sich prima ins Bandgefüge ein. Das Comeback ist geglückt (obwohl die Band anstatt einer neuen Studioscheibe lediglich eine CD mit Re-Recordings der alten Klassiker im Gepäck hat). Das massiv umarrangierte ´One Of These Days´ zaubert am Ende allen Anwesenden ein Glückslächeln ins Gesicht. Ein guter Auftritt zeichnet sich auch immer ein bisschen dadurch aus, dass er einem viel zu kurz vorkommt. So auch im Falle von Trespass: Wo waren ´Jealousy´, ´Live It Up´ oder gar ´Visionary´?
Der Kultfaktor wird mit dem Kombi-Auftritt von RADIUM sowie RACE AGAINST TIME sogar noch einmal erhöht. Beide Bands waren seinerzeit Mitglieder der „East Midlands Band Co-Operative“, und diese Live-Appearance (die erste seit 35 Jahren) ist auch ein Tribut an Dave Halliday, den verstorbenen Sänger von Race Against Time (und später Hell). Al Short, der diesen Auftritt koordiniert hat, flattern ein wenig die Nerven. Gitarrist Kevin Healey reißt eine Saite, der längere Jam-Part ist nicht geplant. Das alles wirkt ein wenig improvisiert. Am Ende dann aber eine klare Steigerung, beim formidablen Longtrack ´Let The Fire Decide´ (über die Hexenprozesse) kommen zwei stimmgewaltige Leadsängerinnen auf die Bühne, die auch den Race-Against-Time/Hell-Klassiker ´Harbinger Of Death´ äußerst spannend interpretieren.
Zum Schluss noch BLITZKRIEG, die nach dem starken Auftritt im letzten Jahr diesmal eine Wild Card erhalten haben. Volle 90 Minuten dauert ihr Auftritt, da bleibt genug Zeit, den Klassiker „A Time Of Changes“ in Gänze aufzuführen und auch das Bandmaskottchen, den „Great Bird Of Armageddon“, endlich offiziell zu taufen. Ab sofort hört das Federvieh auf den Namen des Blitzkrieg-Superfans aus Italien: nämlich Mario.

Sonntag, 1. März
Der Sonntagmittag ist wie immer für Newcomer reserviert. Vor kaum mehr als 100 Frühaufstehern legen sich SEVEN SISTERS mächtig ins Zeug: aufbrausend, manchmal ein wenig zu ungestüm, an der Grenze zum Speed Metal. Das gute ´Lost In Time´ wird demnächst als 7“-Single erscheinen. Aber nicht immer halten die Südengländer diesen hohen Standard, manchmal klingt´s einfach nur nach Angel Witch an einem schlechten Tag.
AMULET waren die große Überraschung des ersten Brofest. Als Resultat stand ein Vertrag bei Century Media zu Buche. Von der Debütplatte kommt fast das gesamte Material zum Zuge, allen voran natürlich ´Evil Cathedral´. Die Band präsentiert sich supertight, perfekt aufeinander eingespielt und überzeugt ohne Abstriche. Viele Newcomer lüften auf der Bühne eigentlich nur ihre Spandexhosen und Retro-Shirts, Amulet dagegen haben den Spirit der NWOBHM komplett verinnerlicht und sind einfach nur sie selbst.
Mit CHASAR aus Schottland ist zum ersten Mal ein Prog-Band eingeladen worden – und das Experiment kann man durchaus als geglückt bezeichnen. Angetreten in klassischer Triobesetzung, ruft der funkig groovende Opener ´Destiny´ noch keine Begeisterungsstürme hervor. Aber Chasar steigern sich. ´Visions Of Time´ besitzt leichte Rush-Verweise, und der Namensgeber der einzigen LP, ´Gypsy Roller´, animiert die Fans sehr wohl zum Headbangen. Fürs nächste Fest wünsche ich mir schon mal Shiva...
BLACK ROSE sind eine Dopplung vom ersten Brofest. Das kann man repetitiv nennen. Oder sich einfach an einem extrem dynamischen Auftritt erfreuen, der die Wiedereinladung absolut rechtfertigt. Kein Wunder: Mit ´No Point Runnin´, dem speedig interpretierten ´Knocked Out´, dem Smasher ´Nightmare´ sowie ´Boys Will Be Boys´ besitzt das Material von Black Rose ausreichend Tiefe, um es mit den ganz Großen aufzunehmen.
Während im ersten Stock des Gebäude gerade TYTAN (mit dem einzigen Originalmitglied Kevin Riddles am Bass) um die Aufmerksamkeit des recht erschöpft wirkenden Publikums kämpfen, jubeln unten im Paralleluniversum der überfüllten Studentenbar Menschen in komischen grünen Leibchen vor Großbildschirmen. Irland ist gerade drauf und dran, England auseinanderzunehmen – in einer Sportart, die mit einem nicht ganz runden Leder gespielt wird. Chelseas 2:0-Sieg gegen die Spurs im Liga-Cup (oder nach welchem Großsponsor dieser mittlerweile nahezu komplett unbedeutende Wettbewerb zur Zeit auch immer benannt sein mag) interessiert dagegen keine Geordie-Seele.
STORMQUEEN galten im Vorfeld als eine der großen Unbekannten dieses Festivals. Das hätte nach den Jahrzehnten der Bühnenabstinenz mächtig in die Hose gehen können. Geht es aber nicht. Statt drei Gitarristen stehen bei Stormqueen auf einmal mit Paul Burnett sowie Chris Glynn Jones zwei Sänger auf der Bühne. Mit Stolz tragen die Herren ein Shirt mit der Aufschrift „NWOWHM“ zur Schau (Auflösung: New Wave Of Welsh Heavy Metal). Mit dem letzten Song ´Raising The Roof´ gelingt ihnen genau das – es ist Feuer unterm Dach. Das Stormqueen-Vinyl am Merchandising-Stand ist bereits kurz nach ihrem Auftritt komplett vergriffen.
WITCH CROSS aus Dänemark sind ohne Frage eine lebende Legende. Aber irgendwie passt an diesem Abend nicht viel zusammen. Die Band hat mit „Axe To Grind“ eine neue LP im Gepäck, von der wohldosiert Material präsentiert wird. Die Songs von „Fit For Fight“ bilden aber natürlich das Herzstück des Sets. Witch Cross eilt ein hervorragender Ruf voraus, den sie hier indes nicht zu untermauern in der Lage sind. Solide Hausmannskost, aber definitiv kein Highlight.
Ebenso wie bei Stormqueen grenzt es auch im Falle von TYRANT an ein Wunder, die Jungs aus Gloucestershire nach 30 Jahren zur Reunion auf der Brofest-Bühne begrüßen zu dürfen. Keiner weiß allerdings so recht, was man von der Band zu erwarten hat. Aber auch Tyrant zeigen sich, ähnlich wie Stormqueen, bestens präpariert. Richtiggehend furios wird es bei den letzten beiden Stücken. Sänger Mark Kelser kündigt mit den Worten „This brings back some memories“ die Accept-Nummer ´Son Of A Bitch´ an. Die Erklärung folgt auf dem Fuße: Kelser bestätigt die Gerüchte, dass er (höchstwahrscheinlich im Jahr 1983) „für zwei Wochen ein offizielles Mitglied von Accept gewesen ist“. Der Single-Hit ´Hold Back The Lightning´ rundet den gelungenen Auftritt ab.
Leider können JAMESON RAID zum Abschluss den hohen Standard nicht halten. Sänger Terry Dark wirkt ausgelaugt und stimmlich keineswegs auf der Höhe. Die Show zeigt wenig von dem Enthusiasmus, der die ersten Reunion-Konzerte so unvergesslich gemacht hat. Da (zu) viele Stücke des mediokren neuen Studioalbums zum Zuge kommen, müssen einige alte Klassiker weichen. Aber auch ´Titanic´ hört sich irgendwie erschreckend blutleer an. ´Seven Days Of Splendour´ wird von den Fans zum Schluss natürlich gebührend gefeiert, die komplette Halle singt den Chorus mit. Von derartigen Gänsehautmomenten sind Jameson Raid diesmal hingegen zu oft weit entfernt. Der ganz große Headliner wie Holocaust 2013 oder Vardis 2014 sind sie definitiv nicht!
Auf die Zukunft seines Festivals angesprochen, antwortet Organisator Stu Bartlett, der den Reisenden aus aller Welt abermals ein vorbildlicher Gastgeber ist, mit typischem Geordie-Humor: „So langsam gehen mir wirklich die Bands aus, die noch nicht gespielt haben. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt...“

Pic: Jon Tucker

Bands:
TYTAN
JAMESON RAID
BLACK ROSE
HOLLOW GROUND
HUNDRED
AVENGER
HIGH SPIRITS
HAMMERHEAD
AMULET
HAMMER
TYRANT
WITCH CROSS
BLITZKRIEG
TRESPASS
Autor:
Matthias Mader

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