Kolumne

Kolumne 20.03.2019, 08:00

Neues vom Grottenolm: Zwischen Titte und Raute - der True-Metaller

Omens „Battle Cry“ muss man hier nicht mehr anpreisen, jeder Fünfjährige kann ´The Axeman´ mitsingen. Urheber des gespenstisch präzisen Fotorealismus des Plattencovers war jedoch keinesfalls Gerhard Richter, um hier gleich vorneweg einen weit verbreiteten True-Metal-Irrtum auszuräumen.

Wo aber He-Man auf Sleipnir über blutende Regenbögen stürmend seine Laser-Hellebarde entschlossen in den Kristallpalast des drachenreitenden Finsterlords stößt, hat der Cover-Künstler alles richtig gemacht, solange er die Titten nicht vergessen hat. Und wo der True Metal dann erschallt, fallen sich der Post-Hardcore hörende Sportlehrer-Kraftbolzen und der schüchtern von Prostituiertenmord schwärmende Goregrindler, der J.B.O.-Intellektuelle und das stille NSBM-Fräulein gerührt in die Arme. Doch alle denken sie dabei auch: Leider hat sich „Trad Metal“ als weniger dämlicher Terminus noch nicht durchgesetzt.

Über True-Metaller selbst kann nichts Schlechtes gesagt werden. Wacker, wetter- und trinkfest, angenehm mittig, korrekt und geerdet, hat ihr Anblick etwas Tröstendes, Versöhnliches, wenn es einem gelingt, ihre bedenklichen Tendenzen zu grellen All-Over-Shirts auszublenden. Es ist jedoch wie überall: 20 Prozent sind klare Ästheten, 70 Prozent sind irgendwie alright, zehn Prozent ziehen vier Meter lange, von Patches übersäte Jeansschleppen hinter sich her. Monogam wie Höckerschwäne, stehen die Wahr-Metaller auch zu ihrer Musik in Nibelungentreue, lassen sich dabei aber ungern zu Diffamierungen anderer metallischer Vorlieben herab. Angesprochen etwa auf Hair Metal, sagen sie: „Mötley Crüe haben am wenigsten wehgetan.“ Und spielt man ihnen bei ihrer Hochzeit Wormed vor, kommt verlässlich ein diplomatisch-unkonkretes „Kann man hören“ zum Einsatz, wobei die jüngste Generation dabei immer öfter die Merkel´sche Raute vor der Kutte formen soll. Danach verweisen sie ausnahmslos mit festem Blick auf die Achtziger und Overkill oder Agent Steel: „Ist doch schnell genug, das rappelt doch ohne Ende.“ Doom heißt bei ihnen Candlemass und nicht Officium Triste, Black Metal ist möglich: von Venom. Immortal spielen übrigens auch True Metal, weil Manowar das gesagt haben (und Immortal dann auch). Viele rümpfen bei der bloßen Erwähnung Manowars spornstreichs die Nase, dem True-Metaller aber bleiben sie Orientierung und Auftrag. Auch für mich, der zwischen überstarken, vielleicht ja ganz zu Unrecht selbstbewussten Frauen aufwuchs, war ´Pleasure Slave´, zusammen mit den kernigen Carnivore-Texten, das Erweckungserlebnis. Endlich bekam das Dasein des heiklen Weibes einen erkennbaren Sinn, ja sogar Mehrwert. Mittlerweile sickern in die Szene allerdings überall diese Girlie-Men ein, das wird Joey den Lebensherbst verhageln. Und der freundlich-zurückhaltende True-Mettler bringt „My chains and collar brought her to her knees“ auch in seiner Stamm-BDSM-Lounge nur schwer über die Lippen, weshalb ihm jedoch nicht postwendend das Hobbit-Haar zwischen den Zehen hervorschießt.

Autor:
Gregor Olm

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