My Hometown

My Hometown 27.09.2017, 17:52

THE NEW BLACK - My Hometown: Würzburg mit Fabian Schwarz

In ruhiger Umgebung leben und trotzdem die Vorteile einer Großstadt genießen – THE NEW BLACK-Gitarrist Fabian Schwarz will beides. In Würzburg und Umgebung ist der Musiker fündig geworden.

Fabian, bist du in deiner jetzigen Heimatstadt Würzburg auch geboren und aufgewachsen?

»Geboren bin ich in Crailsheim, dort habe ich aber nur zwei Wochen gelebt und bin dann in Richtung Würzburg umgezogen worden (lacht). In Würzburg selbst habe ich tatsächlich nie gelebt, sondern immer in irgendwelchen Käffern drumherum. Würzburg ist aber tatsächlich der Mittelpunkt, wo ich unterwegs bin. Wenn du irgendetwas machen möchtest, musst du nach Würzburg, dort spielt sich alles ab. Ich wohne ein bisschen außerhalb, quasi auf dem Land.«

Was gefällt dir besonders gut an Würzburg?

»Dass du hier über die Straße gehen kannst und dabei keinen Arschlöchern begegnest, wie es zum Beispiel in Berlin, Hamburg oder sonstwo der Fall ist. Deswegen mag ich so große Städte eigentlich auch überhaupt nicht. Wir haben 120.000 Einwohner, und wenn ich durch die Stadt laufe, sage ich unterwegs bestimmt dreimal „Hallo“ auf die andere Straßenseite. Das ist eigentlich mehr ein großes Dorf. Trotzdem hast du hier aber die Vorzüge einer großen Stadt. Du bekommst alles und musst auf nichts verzichten, was es in größeren Städten gibt.«

Findest du an deiner Heimatstadt auch irgendetwas richtig scheiße?

»Ich finde es richtig scheiße, dass es bei uns momentan keinen Club im 500er-Zuschauerbereich gibt. Wir haben hier wirklich coole kleine Läden, zum Beispiel das Immerhin, wo auch schon Bombus hingekommen sind und wo coole Stoner-Shows stattfinden. Das ist ein 100er-Laden. Das Nächstgrößere ist der Bechtolsheimer Hof, da passen etwa 250 Leute rein, und wirklich alle haben da schon gespielt, von Volbeat vor zehn Jahren bis Crowbar. Volbeat spielten damals übrigens im Vorprogramm von Hatesphere (lacht). Dann kommt da dieses Loch, und danach gleich die Posthalle. Da kann man zwar auch 500er-Shows machen, muss dafür aber alles abhängen. Normalerweise spielen dort Bands wie Parkway Drive oder Bring Me The Horizon, zu denen wirklich 2.000 Leute kommen. Schließlich gibt es noch unsere ganz große Halle, die S. Oliver Arena, wo aber wirklich selten Metal-Shows stattfinden. Das fehlt mir wie gesagt an Würzburg. Dabei gab es bei uns mal genau so eine 500er-Location, den Rockpalast. In dem Laden bin ich in den Achtzigern und Neunzigern praktisch aufgewachsen. Dort habe ich zum Beispiel Slayer bei ihrer „Reign In Blood“-Tour gesehen, das war natürlich großartig. Leider wurde der Rockpalast irgendwann plattgemacht. Da ist jetzt eine Großraum-Disco drin, mit Techno, Trallala und Party-Scheiße. Aber der Rockpalast war geil, da haben wir damals quasi drin gewohnt.«

Wo findet man dich heute, wenn du in Würzburg ausgehen willst?

»Ich bin in meinem Leben schon so viel ausgegangen, ich hab überhaupt keinen Bock mehr dazu (lacht). Wenn ich mit Kumpels unterwegs bin, dann mit meinen Bands, denn davon habe ich ja ein paar. Das reicht mir eigentlich. Ich stehe jetzt nicht auf, setze mich ins Auto, fahre in die Stadt und setze mich in irgendeine Kneipe. Ich glaube, das letzte Mal richtig weg war ich in Würzburg vor ungefähr 20 Jahren (lacht).«

Du kannst unseren Lesern also keinen coolen Schuppen empfehlen, wenn sie in Würzburg mal rausgehen wollen?

»Ach doch, natürlich kann ich das! Da hätten wir zum Beispiel das Labyrinth. Da legt ein Kumpel von mir auf, DJ Lucky. Da läuft auch Metal und moderneres Zeug. Einen Old-School-Schuppen gibt es nicht in Würzburg. Das Immerhin, von dem ich vorhin gesprochen habe, hat auch eine Kneipe, wo Thin Lizzy und solche Sachen laufen. Das sind auch Kumpels von mir, die den Laden machen. Dann haben wir noch eine Kneipe, in der ich selbst noch nicht war, aber wer trinken will, sollte wahrscheinlich in den Biertümpel gehen. Da gibt´s, na ja, Bier (lacht).«

Kannst du ein bestimmtes Würzburger Bier oder andere lokale Spezialitäten besonders empfehlen?

»Das Würzburger Bier, Hofbräu, ist furchtbar! Das ist für mich untrinkbar. Es gibt eine coole Brauerei, die aber nicht direkt in Würzburg, sondern eher in der Rhön ist: Pax Bräu. Die machen richtig geiles Bier, das ist so ein Craft-Bier. Kulinarisch bin ich als Vegetarier eigentlich eher raus. Es gibt hier in Franken zum Beispiel das Schäufele (eine Art Schweinebraten - am) oder eine halbe Sau, aber da hab ich nichts mit am Hut. Wir haben hier allerdings einen coolen vegetarischen Falafel- und Dönerladen, der heißt Veggie Bros. Und natürlich diverse Inder, wo man als Vegetarier gut weiterkommt.«

Wie hat sich die Metalszene in deiner Heimatstadt über die Jahre entwickelt? Gibt es da einen Zuwachs, oder beobachtest du eher, dass die Szene schrumpft oder sich in andere Städte verlagert?

»Ich glaube, Würzburg hat einen konstanten Output an Bands. Paradox, eine uralte Thrash-Band, bei der ich selbst schon vier Jahre gespielt habe, kommen zum Beispiel hierher. Ich glaube, ich kenne niemanden aus Würzburg, der da noch nicht dabei war (lacht). Ansonsten kommen immer wieder neue Bands hier aus der Gegend. Viele der Jungs sind meine Gitarrenschüler, mein Beruf ist nämlich Gitarrenlehrer in Würzburg. Ganz viele Kids spielen in Bands, was ich natürlich mitkriege. Eine richtig coole Band ist Devil May Care. Es gibt nie eine Flaute oder Ebbe an neuen Acts. So richtig große Gruppen aus Würzburg würden mir jetzt aber gerade nicht einfallen.«

Gibt es bei euch noch tolle Plattenläden, wo man herumstöbern kann?

»Ja, einen gibt es tatsächlich, der nennt sich H2O. Horst, der Chef, ist ein absoluter Plattennarr. Da findest du wirklich alles, was du suchst. Also, falls jemand nach Würzburg kommt, geht unbedingt ins H2O in die Karmelitenstraße, da gibt es alles, was das Herz begehrt.«

Dein Studio hast du auch gleich bei Würzburg eingerichtet.

»Genau, hier in dem Kaff bei Würzburg, in dem ich wohne. Hier machen wir auch unsere Vorproduktionen mit THE NEW BLACK. Unser Produzent Jacob Hansen war auch schon da, der saß genau hier neben mir und hat mit uns Songs geschrieben, während meine Katzen überall rumlagen. Jetzt hat er auch plötzlich eine Katze. Mit meinen anderen Bands Wild Zombie Blast Guide und Terrible Old Man nehmen wir hier unsere kompletten CDs auf. Da bin ich einfach Selbstversorger.«

Bist du bei dir im Ort eine lokale Berühmtheit?

»Es ist nicht so, dass die Leute mich auf der Straße erkennen und raunen: „Oh, das ist der Fabs, der spielt Gitarre.“ Wenn mich Leute auf der Straße grüßen, dann sind das Menschen, die ich tatsächlich kenne und mag. Eine gute Freundin von mir betreibt zum Beispiel das erste Tattoo-Studio am Platz, Die Stichelei. Dort schaue ich manchmal auf einen Kaffee vorbei. Also, falls sich jemand in Würzburg tätowieren lassen will, da seid ihr an der richtigen Adresse!«

Hast du mal ernsthaft darüber nachgedacht, aus deiner Heimat wegzuziehen?

»Das war auf jeden Fall mal ein Thema. Meine Freundin und ich haben mal überlegt, nach Irland auszuwandern, es aber letztendlich doch nicht gemacht. Mir geht es hier aber so gut, dass ich eigentlich nicht mehr weg will, und es ist hier auch tatsächlich schön. Wenn man mit dem Rad oder auch mit dem Auto rausfährt, ist es hier total geil, eigentlich genauso geil wie in Irland (lacht). Wenn du irgendwo lebst, fällt dir das irgendwann gar nicht mehr auf. In Berlin würde ich es zum Beispiel nicht so geil finden. Oje, jetzt hauen sie mich wieder, die ganzen Berlin-Fans...«

Welche Sehenswürdigkeiten sollte man sich in deiner Heimatstadt unbedingt anschauen?

»Ganz Würzburg ist eine einzige Sehenswürdigkeit. Ich glaube, es ist die Stadt mit den meisten Kirchen in Europa. Die Stadt wurde am 16. März 1945 komplett plattgemacht und dann vollständig wieder aufgebaut. Als Jacob Hansen bei uns im Studio war, habe ich mit ihm eine Sightseeing-Tour gemacht, und er war ganz begeistert. Die Festung muss man sich unbedingt anschauen, das Käppele (die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung - am) und natürlich die Residenz, da wurde der letzte „Die drei Musketiere“-Film gedreht. Das war ein Riesending, auf dem Vorplatz haben sie ein großes Schiff aufgebaut. In dem Film sieht man ganz viele Ecken von Würzburg. Dieser Schauspieler, der den Kardinal spielt (Christoph Waltz - am) – wenn der ins Bild kommt, musst du mal drauf achten, da steht hinter ihm so ein Handlanger mit einem Tablett. Das ist der Sänger von meiner Thrash-Band Wild Zombie Blast Guide, der Mosh (lacht). In dem Film haben ganz viele Statisten mitgewirkt, die ich kenne. Alle haben mitbekommen, dass da ein Casting stattfindet, nur ich nicht. Wahrscheinlich, weil ich nie weggehe (lacht). Wie auch immer, Würzburg ist immer eine Reise wert!«

www.thenewblackofficial.de

www.facebook.com/thenewblackofficial

Bands:
THE NEW BLACK
Autor:
Alexandra Michels

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