My Hometown

My Hometown 26.04.2017, 15:04

BACKYARD BABIES - My Hometown: Nässjö mit Dregen

Zugegeben: Wer in das Wikipedia-Suchfeld „Zentrum der Welt" eingibt, wird als Ergebnis nicht gerade Nässjö vorgesetzt bekommen. Wie es ist, in der südschwedischen Provinz aufzuwachsen, verrät uns BACKYARD BABIES-Gitarrist Dregen, der mit seiner Band im Februar die Live-DVD „Live At Cirkus" veröffentlicht hat.

Dregen, du stammst aus einem kleinen Örtchen in der Nähe von Jönköping.

»Genau. Nässjö bedeutet so viel wie „Nasen-See“. Keine Ahnung, wie die Stadt zu ihrem Namen gekommen ist. Soweit ich weiß, wurde dort niemals besonders viel Kokain geschnupft (lacht).«

Nicht nur du selbst, sondern auch die anderen Mitglieder der BACKYARD BABIES wurden dort geboren.

»Wir sind dort geboren und sozusagen zusammen aufgewachsen. In Nässjö gibt es gerade mal zwei Schulen, weil die Stadt nur etwa 30.000 Einwohner hat. Davon wohnen ca. 70 Prozent im Stadtkern und der Rest in den Randgebieten. Johan (Blomquist, b. - jp) und Peder (Carlsson, dr. - jp) sind in eine Klasse gegangen, Nicke (Borg, v. - jp) und ich waren zumindest auf derselben Schule. Das hat sich erst in der Oberstufe geändert, als Nicke die Schule wechselte.«

Inzwischen bist du nach Stockholm gezogen.

»Das hat sich so ergeben. Wir haben die Band 1989 gegründet und spielen immer noch in unserer ersten Besetzung. Wie jede junge Truppe haben wir Demos aufgenommen und versucht, einen Plattenvertrag zu ergattern. Ich klinge jetzt vielleicht wie ein alter Sack, wenn ich das so sage, aber das spielte sich alles ab, bevor das Internet große Verbreitung fand. Es gab auch kaum Handys, das war eine ganz andere Welt. 1993 haben wir einen Plattenvertrag bei Megarock Records unterschrieben. Die Firma war in Stockholm ansässig, deshalb hatten wir im Prinzip keine andere Wahl, als auch dort hinzuziehen, wenn wir richtig durchstarten wollten. Heutzutage läuft das alles ganz anders, weil man überall aufnehmen und die Spuren per Mail hin- und herschicken kann. Damals saß die ganze Szene in Stockholm, also mussten wir da auch hin. 1994 ist die gesamte Band in eine gemeinsame Wohnung gezogen.«

Wie war das für euch?

»Absolut abgefahren. Wir haben das ungefähr anderthalb Jahre lang durchgezogen, und die Zeit hat uns wirklich auf die Probe gestellt. Wir hatten teilweise nicht mal eigene Schlafzimmer, unsere Bereiche waren nur durch Ikea-Regale voneinander getrennt, damit wir wenigstens ein bisschen Privatsphäre hatten. Neben den Bandmitgliedern hauste auch unser Roadie in der Bude. Nachdem wir uns in den 18 Monaten nicht gegenseitig umgebracht hatten, war uns klar, dass uns nichts mehr aufhalten kann. Wahrscheinlich spielen wir genau deshalb immer noch in unserer Urbesetzung.«

Erinnerst du dich noch an euren ersten Proberaum in Nässjö?

»Na klar! Johan, Peder und ich hatten bereits zu Schulzeiten eine gemeinsame Band, die Dead Silent hieß. Wir haben uns später erst in Tyrant und nach Nickes Einstieg dann in BACKYARD BABIES umbenannt. Zu Tyrant-Zeiten hatten wir noch einen anderen Sänger, wir probten im Keller seines Elternhauses. Das war ganz komfortabel, weil die Bude völlig abseits anderer Gebäude stand und wir dort 24 Stunden am Tag Lärm machen konnten. Als wir den Frontmann wechselten, war es natürlich auch an der Zeit, einen richtigen Proberaum zu finden. Wir mieteten also ein kleines Haus auf dem Gelände eines Schrottplatzes, das wir zu einem Schnäppchenpreis angeboten bekamen.«

Was war das erste Konzert, das du in deiner Heimatstadt besucht hast?

»Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Die Band war eine lokale Truppe namens Innocent Child. Generell gab es ab und zu ein paar kleine Gigs, aber Gruppen aus anderen Ländern verirrten sich eher selten in die Gegend. Allerdings gab es einmal im Jahr in der näheren Umgebung ein großes, international besetztes Festival. Da haben unter anderem Bands wie Black Sabbath gespielt, und man musste dafür nur eine Stunde fahren. Logisch, dass das für uns DAS Ereignis des Jahres war.«

Wie ist die erste Show gelaufen, die ihr selbst gespielt habt?

»Total abgefahren. Wir hatten 1989 drei Shows an aufeinanderfolgenden Tagen in der Mensa unserer Schule organisiert, die jeweils morgens um 8:15 Uhr stattfanden. Am Mittwoch haben wir für die Siebtklässler gespielt, am Donnerstag für die Achtklässler, und am Freitag mussten wir uns den „großen Jungs“, also denen aus der neunten Klasse, stellen. Wir gingen damals ja selber gerade erst in die siebte Klasse, deshalb war das schon ein großes Ding für uns. Letzten Endes ist es aber gut für uns gelaufen, denn die Kids mochten uns. Ich erinnere mich noch daran, dass wir unseren Set mit einer Coverversion von Status Quos ´Caroline´ eröffnet haben (lacht).«

Kannst du Restaurants oder Bars in Nässjö empfehlen?

»Es gibt da eine Bar, die nach uns benannt wurde, das Backyard. Die solltest du dir mal anschauen, wenn du zufällig in der Gegend bist, wir haben den Betreibern eine ganze Reihe von Band-Memorabilia gegeben. Dass man mal in Nässjö landet, wenn man in Schweden mit dem Zug unterwegs ist, ist übrigens nicht unwahrscheinlich. In dem Städtchen gibt es den größten Schienen-Verbindungsknoten des ganzen Landes.«

www.backyardbabies.com

www.facebook.com/backyardbabies

Bands:
BACKYARD BABIES
Autor:
Jens Peters

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