My Hometown

My Hometown 23.05.2018, 18:26

RAGE , TRI STATE CORNER - My Hometown: Bottrop mit Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos

Lucky, der gebürtige Bottroper mit griechischen Wurzeln, schwingt nicht nur seit drei Jahren bei RAGE die Drumsticks, sondern konnte sich auch als Sänger der griechisch-polnisch-deutschen Bouzouki-Rocker TRI STATE CORNER einen Namen machen. Die Multikulti-Truppe hat mit „Hero“ ein neues Album in den Startlöchern und zeigt sich darauf zum wiederholten Mal als überzeugte Botschafterin der Völkerverständigung. Lucky lebt heute im gut 70 Kilometer von Bottrop entfernten Burscheid und verbindet viele schöne Erinnerungen mit seiner früheren Heimatstadt.

Lucky, wie bist du aufgewachsen?

»Ich hatte im Gegensatz zu vielen anderen großes Glück und bin in einer riesigen Liebesblase groß geworden. Meine Eltern waren sehr modern, dafür, dass mein Vater ein „alter Migrant“ aus Griechenland war. Bei uns gab es diese Hierarchie nicht wie bei vielen aus unserer Verwandtschaft. Mum und Dad waren auf Augenhöhe. Mein Bruder und ich sind also zeitgemäß aufgewachsen und hatten einfach keine Sorgen. Wir waren nicht reich, das brauchten wir aber auch nicht. Es war alles da. In der Straße, in der wir gewohnt haben, lebten ungefähr 30 verschiedene Nationalitäten, trotzdem gab es nie Stress. Ich habe heute noch Bekannte aus dieser Zeit, die von überallher kommen. Polen, Türkei, Italien. Damals wurden noch nicht so viele Unterschiede gemacht wie heute. Vielleicht auch deshalb, weil man das als Kind nicht wahrgenommen hat. Ich hatte eine tolle Kindheit an einem tollen Ort. Bottrop ist extrem grün, das weiß kaum einer. Das war alles noch weit vor dem Movie Park, es gab dort ganz viel Land, und nicht alles war bebaut. Wir haben auf Kohlebergen gespielt und sind diese im Winter mit dem Schlitten heruntergefahren. Das war super!«

Was ist die schönste Kindheitserinnerung, die du mit deiner Heimatstadt verbindest?

»Nur eine? (Überlegt lange.) Ich bin ja wirklich Musiker seit Anno Domini. Mein Vater war Musiker, meine Mutter, meine Oma und mein Bruder auch. Eine Musikerfamilie. Bevor ich einen Schreibtisch hatte, hatte ich ein Schlagzeug, das war völlig normal. Ich glaube, eines meiner besten Erlebnisse war der allererste Auftritt mit meiner Schülerband. Das war im Haus der Jugend in Bottrop bei einem Wettbewerb. Der ging über zwei Tage, und wir sind Zweiter geworden. Das war für mich, als hätte ich eine Weltmeisterschaft gewonnen, vor allem weil ich der schlechteste Musiker in der Band war. Ich war 13, 14 und habe wirklich gekämpft, um da mithalten zu können.«

Kommst du heute noch oft nach Bottrop?

»Ja, meine Mutter lebt dort noch. Spätestens alle zwei Wochen bin ich da, um mich mit ihr zu treffen und nach dem Rechten zu sehen, seit Vater nicht mehr da ist.«

Hast du einen besonderen Bezugsort, zu dem du immer wieder gerne zurückkehrst?

»(Längeres Schweigen.) Tatsächlich, ja. Wenn ich nach Bottrop fahre, dann besuche ich meine Mum. Auf dem Rückweg fahre ich am Friedhof vorbei, wo mein Vater liegt. Danach mache ich meistens noch einen kleinen Abstecher und fahre ein Stück weiter in eine Gegend, die heißt Bottrop Vonderort. Dort war früher ein Freibad und ist es auch heute noch. Darunter liegen ein Ententeich und eine große Wiese, auf der Trampoline stehen und die Leute picknicken. Ich gehe oft dort vorbei und laufe einmal an diesem Teich entlang, weil... Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, warum. Vielleicht ist das wirklich ein kurzes Durchatmen zu Hause. Das passiert automatisch.«

Gibt es auch Dinge, die du an deiner alten Heimat nicht vermisst?

»Ja, auf jeden Fall. (Zögert.) Ich weiß nicht genau, wie ich das jetzt verpacken soll... Ich war mal verheiratet in dieser Stadt. Ich bin froh, dass wir nichts mehr miteinander zu tun haben und ich nicht in die Gegend muss, in der diese Familie lebt. Ich habe aber keine Emotionen, hasse also niemanden. Ganz im Gegenteil, ich wünsche ihnen alles Gute.«

Hast du einen Lieblingsclub oder eine Lieblingskneipe?

»Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob es die, die ich früher so geil fand, noch gibt. Schützenkrug hieß die Kneipe, dort gab es einen Billardtisch, und da haben wir uns als jugendliche Rocker immer getroffen. Das war eine eingeschworene Truppe, viele Musiker und Musikfans. Da konntest du dir von Saxon über Maiden bis Priest alles reinziehen, was damals wichtig war, Billard spielen und ein Bier trinken, ohne dass irgendein Popper oder Chiemsee-Pullover-Träger dabei war (lacht). Heute verbringe ich meine Freizeit am liebsten in meinem Proberaum hier in Burscheid.«

www.tristatecorner.com

www.rage-official.com

Bands:
RAGE
TRI STATE CORNER
Autor:
Simon Bauer

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