My Hometown


Foto: Grzegorz Golebiowski

My Hometown 23.10.2019, 12:53

BEHEMOTH, ME AND THAT MAN - My Hometown: Warschau mit Nergal

Mit BEHEMOTH hat Mastermind Nergal schon den ganzen Planeten bereist. Im Hometown-Interview erfahren wir von dem sympathischen Frontmann der Extrem-Metaller etwas über die Vorzüge seiner polnischen Heimat Warschau, das Reisen und Barbershops.

Nergal, ich würde gerne mit einem Zitat aus deinem Buch „Beichten eines Ketzers“ starten. Dort sagst du: „Ein Tag in Warschau hat mehr zu bieten als ein Monat in Danzig.“

»Das habe ich gesagt? Haha… Na ja, wahrscheinlich stimmt das auch. Da du deutsch bist, würde ich sagen, dass es sich so ähnlich verhält wie mit München und Berlin. Warschau ist eine Hauptstadt, und da gibt es mehr Action, mehr Kreativität und mehr Leute, die einfach coole Sachen in ihrem Leben machen, sei es beruflich oder künstlerisch. Danzig ist da eher gemütlicher, aber immer noch sehr schön, und da komme ich ja auch her. Eine Hälfte meines Herzens ist auch immer dort, aber ich verbringe mehr Zeit in Warschau.«

In einem weiteren Zitat sagst du, dass du das Meer in Danzig vermisst und auch den Sport am Strand. Ist es eine große Veränderung, nicht mehr so nah an der Natur zu leben, sondern in der großen Stadt?

»Also der Smog in Warschau ist schrecklich! In Danzig weht immer eine frische Brise von der Ostsee, und daher ist es viel angenehmer und auch sauberer dort. Es ist schon eine tolle Stadt, und ich würde nicht ausschließen, dass ich irgendwann mal dorthin zurückkehre, vielleicht um eine Familie zu gründen. Aber wie du weißt, bin ich Single, ich mag es herumzuvögeln, und dafür ist Warschau einfach besser. Haha!«

Du hast mittlerweile deinen eigenen Barbershop „Barberian Barbershop“, und jetzt eröffnest du sogar dein Männer-Spa „Barberian Esthetic“. Hast du das Gefühl, damit aktiver die Kultur der Stadt zu prägen und nicht nur zu partizipieren?

»Auf jeden Fall! Ich mag es, nicht nur zu nehmen, sondern auch etwas zurückzugeben. Ich genieße es, wirklich Einfluss darauf zu haben, was in der Stadt so passiert, und nicht nur passiv durch das Leben zu rennen. Die Welt hat so viel zu bieten, und ich nehme so viel davon, da fühlt es sich gut an, auch etwas zurückzugeben. Die Kunst ist dabei eine Sache, aber ich finde diese Barbershop-Sache vor allem supercool. Es ist ertragreich, und die Leute wissen das sehr zu schätzen. Ich übrigens auch!«

Gibt es in der Stadt auch gute Plattenläden? Und wo schaust du dir Konzerte an?

»Heutzutage ist ja irgendwie alles online. Physische Tonträger kaufe ich eigentlich nur, wenn ich reise oder auf Tour bin und einen coolen Plattenladen entdecke. In Polen gibt es schon ein paar gute Orte, aber ehrlich gesagt gehe ich da selten hin, denn im Ausland sind die Läden einfach besser sortiert.
Konzertmöglichkeiten existieren einige. Das Progresja in Warschau ist ziemlich fantastisch, und im Keller des Ladens haben wir unseren BEHEMOTH-Proberaum. Früher war er in Danzig, aber mittlerweile sind alle Jungs nach Warschau gezogen. Inferno hat hier eine Familie gegründet, und Orion wohnt auch nur 40 Kilometer weit weg, somit sind wir eher eine Warschau-Band geworden. Unser Online-Shop ist immer noch in Danzig, also könnte man sagen, dass wir in beide Städte gehören, aber Warschau ist für uns einfach effizienter. Von hier aus bekommen wir ja auch alle Flüge, wenn wir auf Tour gehen oder Festivals spielen.«

Und abseits der Musik? Gibt es kulturelle Highlights in Warschau und Orte, an denen du dich entspannen kannst?

»Absolut! Ich gehe wirklich sehr oft ins Theater, und da gibt es gute Möglichkeiten. Die Auswahl des Kulturangebots in Warschau ist immens, da passiert wirklich jede Woche etwas. Ich gehe auf Konzerte, ins Kino oder einfach nur so nach draußen. Ich freue mich schon sehr auf den Frühling. Im April und Mai bin ich wieder zu Hause, und dann kann man wieder ausgehen und abends schönes Essen genießen und Wein trinken. Es gibt da wirklich tolle Ecken.«

Du reist sehr viel mit der Band. Kannst du dir vorstellen, an einem der Orte zu leben, die du besucht hast? Du magst L.A. sehr.

»Vielleicht. Aber weil ich ja so viel reise, ist mein Appetit, an anderen Orten zu sein, gesättigt. Nach einer langen Tour will ich wirklich nach Hause und dann auch für eine Zeit dort bleiben. Sicherlich kommen manchmal Anflüge wie: „Oh, in Berlin zu leben, wäre irgendwie cool, oder auch in Los Angeles.“ Es ist wirklich schwer zu sagen, denn der Familienaspekt ist mir wichtig, und Familie bedeutet für mich Freunde, die Leute, die ich konstant als meine Familie auswähle, seien es Freunde, Freundinnen oder meine Bandkollegen. Diese Infrastruktur der Menschen, die mir so nahe sind, brauche ich sehr. Ich mag meine Einsamkeit, aber ich mag es auch, mit jenen zusammen zu sein, die ich respektiere und liebe. Es würde schwierig werden, denn ich bin jetzt 41. Vielleicht ist es schon zu spät dafür, aber vielleicht auch nicht. Je länger ich darüber nachdenke: Vielleicht würde es für mich Sinn ergeben, in zwei Ländern gleichzeitig zu leben. Jetzt gerade lebe ich ja zwischen zwei Städten, und in der Zukunft könnten es dann zwei Länder sein. Warschau und L.A. oder Warschau und Berlin oder Warschau und etwas in Frankreich oder Italien, wo es wärmer ist und das Wetter besser.«

Und der Wein?

»Und der Wein, ja! Und weißt du, je älter ich werde, desto mehr weiß ich die Wärme zu schätzen.«

www.behemoth.pl

www.facebook.com/behemoth

Bands:
BEHEMOTH
ME AND THAT MAN
Autor:
Stefan Hackländer

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