My Hometown


Foto: Jimmy Hubbard

My Hometown 17.04.2019, 08:00

ANTHRAX, THE DAMNED THINGS - My Hometown: Los Angeles mit Scott Ian

Zwar wird Scott Ian »im Herzen immer ein New Yorker bleiben«, aber die Faszination für Los Angeles ließ den ANTHRAX-Gitarristen schon Ende der achtziger Jahre an die Westküste übersiedeln.

Scott, kannst du dich an deinen ersten Aufenthalt in Los Angeles erinnern?

»Oh ja! Ich war das erste Mal als 13-Jähriger in L.A., und mir war schon damals klar, dass ich dort eines Tages leben wollte. Mein Bruder und ich hatten etwas Geld gespart, flogen 1977 nach L.A. und verbrachten dort den Sommer mit Skateboarden. L.A. war im Vergleich zu New York City das reinste Paradies.«

Wann bist du nach Los Angeles gezogen?

»Ende 1989. ANTHRAX machten sich auf den Weg nach Los Angeles, um „Persistence Of Time“ aufzunehmen, und ich war gerade frisch geschieden. Ich sah in L.A. die Gelegenheit für einen Neustart. Wir hatten eh einen Truck gemietet, der unser Equipment von der Ost- zur Westküste fuhr. Mein Appartement hatte ich gerade durch die Scheidung verloren und wohnte wieder zur Miete. Ich lud also meinen ganzen Kram in den Truck und ließ ihn somit kostenlos transportieren.«

Entpuppte L.A. sich als das erhoffte Paradies, oder hat die Stadt auch ihre Schattenseiten?

»Jede Stadt hat ihre hässlichen Seiten. Aber ich liebe es in Kalifornien, mittlerweile lebe ich dort länger, als ich in New York City gehaust habe. Ich mag die Landschaft um L.A. sehr. Wir sind vor neun Jahren aus der Stadt gezogen und wohnen mittlerweile in den Bergen südlich von Malibu. Ich hatte in meinem Leben genug Stadtleben. Meine Frau Pearl und ich haben diesen Schritt auch vollzogen, um unseren Sohn Revel in einem ruhigen Umfeld großzuziehen. Wenn ich zu Hause bin, verlasse ich die Gegend nur selten. Ich bin gern in der Natur und gehe in den Wäldern wandern. Wir leben so nah an der Stadt – vielleicht 25 Meilen vom Sunset Strip –, und es fühlt sich an wie in Montana. Wenn ich aufwache, schaue ich auf die Bäume, trinke meinen Kaffee, lege Thin Lizzy auf und könnte nicht glücklicher sein.«

Stell dir vor, du verbringst einen Tag mit Freunden und willst ihnen einen guten Eindruck von L.A. geben. Was unternimmst du mit ihnen?

»Als Erstes würde ich meinen Besuch wohl nach Venice Beach führen. Denn das spiegelt den Charakter, die Eigenartigkeit und die Seele von L.A. am besten wider. Dort trifft das Schönste der Stadt auf das Schlimmste. Die Stadt ist ein eigenartiger Ort, der eigentlich gar nicht existieren würde, wenn nicht jemand auf die Idee gekommen wäre, eine Stadt in der Wüste hochzuziehen. In dem Polanski-Film „Chinatown“ sieht man, wie dafür das Wasser umgeleitet wurde. Aus diesem unwahrscheinlichen Projekt ist dank der Filmindustrie eine der mächtigsten Metropolen der Erde erwachsen. In Venice Beach kann man sich in eine Bar setzen, ein Bier bestellen und sich Typen angucken, die es nur in L.A. gibt.«

San Francisco ist die andere weltbekannte Stadt an der Westküste. Warum bevorzugst du L.A.?

»Oh, ich liebe San Francisco auch, ich halte es für die einzige Stadt in den USA, wo ich neben L.A. und New York leben könnte. In Kalifornien ist San Francisco für uns „The City“, denn L.A. hat keinen richtig zentralen Punkt. L.A. ist auf eine große Fläche verteilt, was die Stadt auch so eigenartig macht. Es gibt zwar Downtown L.A., aber das ist nicht der Ort, wo die wichtigen Dinge passieren. Wenn mein Sohn erwachsen ist und das Haus verlässt, wäre es eine Überlegung wert, für ein Jahr oder so nach San Francisco überzusiedeln.«

Gibt es in L.A. einen guten Plattenladen, den du empfehlen kannst?

»Ja, wir haben noch Amoeba Records, auch wenn sie gerade umziehen. Der Laden ist einfach riesig. Jedes Mal, wenn ich da hingehe, habe ich einen bestimmten Wunsch. Und sobald ich drin bin, sehe ich acht Millionen andere interessante Platten. Deshalb verlasse ich den Laden immer mit 50 anderen Dingen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie kaufen wollen würde. Meine Vinyl-Kollektion wächst mittlerweile wieder. Ich fühle mich dort wie ein Kind im Süßwarengeschäft.«

Welche Konzert-Locations kannst du unseren Lesern ans Herz legen?

»Von den großen Hallen mag ich das L.A. Forum, das ist eine klassische Arena, die ich für die beste im ganzen Land halte. Der Sound, das Essen, das Bier: alles super! Trotz der Kapazität von 14.000 Menschen fühlt es sich noch intim an. Mein liebster Club ist Molly Malone´s. Das ist eine kleine Dive-Bar, wo vielleicht 100 Leute reinpassen. Dort habe ich schon oft mit Pearl und Motor Sister gespielt. Das ist für mich die Bühne mit dem besten Sound. Das Troubadour halte ich von den berühmten L.A.-Clubs für den besten. Dort habe ich viele Shows gesehen.«

Hast du eine Lieblingsbar?

»Das Molly Malone´s.«

Kann man noch in die Rainbow Bar gehen, oder ist sie mittlerweile von Touristen überlaufen?

»Ich war nie ein Fan des Ladens. Als wir in den Achtzigern bekannt wurden, stand der Schuppen für das Gegenteil unserer Bewegung. Deshalb war das nicht meine erste Wahl für die Abendgestaltung. Natürlich war ich einige Male in den Achtzigern da, als wir in L.A. getourt sind. Früher war ich noch kein großer Trinker und habe mit der Poser-Szene nichts anfangen können. Seit damals bin ich ein bisschen erwachsener geworden und mag den Laden aus anderen Gründen nicht. Die Hair-Metaller von damals sind verschwunden, dafür hängt da eine andere Poser-Szene rum. Und die Pizza schmeckt mir auch nicht. Ich hatte allerdings eine lustige Nacht im Rainbow, auch wenn ich mich wie ein totales Arschloch verhalten habe. Anfang der Neunziger landete ich mit Kirk Hammett und einigen anderen Leuten dort. Wir haben uns ziemlich betrunken und angefangen, Gegenstände nach Kevin DuBrow von Quiet Riot zu werfen, damit ihm seine Perücke vom Kopf fällt. Ziemlich gemein, aber wir hatten viel Spaß dabei. Ich fühle mich aber immer noch etwas schlecht dabei und glaube, dass ich mich bei Kevin nie entschuldigt habe.«

Hast du ein Lieblingsrestaurant?

»Das ist schwierig, denn ich habe viele Lieblingsrestaurants für die verschiedenen kulinarischen Angebote. Aber wenn ich mich für eines entscheiden müsste, dann wäre das wohl das Matsuhisa, mein liebstes Sushi-Restaurant, wo ich seit 1987 hingehe. Nobu Matsuhisa hat den Laden damals eröffnet, mittlerweile ist Nobu für seine gleichnamigen Restaurants weltbekannt. Er hat die japanische Küche mit der südamerikanischen gekreuzt, was viele Nachahmer fand. Seinen ersten Laden in L.A. hat er trotz des massiven Erfolgs behalten, und ich bin ein gern gesehener Gast dort.«

www.scott-ian.com

www.anthrax.com

www.thedamnedthings.com

Bands:
ANTHRAX
THE DAMNED THINGS
Autor:
Ronny Bittner

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