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My Hometown 19.06.2019, 08:00

AMORPHIS - My Hometown: Helsinki mit Esa Holopainen

Trotz hoher Alkoholpreise, bescheidenen Wetters und der Tatsache, dass die Tage im Winter ausgesprochen kurz sind, ist Hel(l)sinki nicht nur aufgrund seiner bedeutenden Hartwurstszene ein Sehnsuchtsort für viele Metalheads aus aller Welt. Neben Apocalyptica, HIM, Stratovarius, Ensiferum, Wintersun, The 69 Eyes, Hanoi Rocks oder Waltari stammt auch Esa Holopainen (46), seines Zeichens Gitarrist von AMORPHIS, aus der knapp 650.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Finnlands an der Ostsee.

Wo bist du geboren und aufgewachsen, und wo wohnst du mittlerweile?

»Ich wurde in Töölö, einem Stadtteil von Helsinki, geboren und bin in Haaga aufgewachsen, einem typischen Mittelklasse-Vorort. Derzeit lebe ich in einem Haus etwa fünf Kilometer entfernt von Haaga in einer ruhigen Nachbarschaft am Rande eines Nationalparks. Dort kann man die Natur genießen und im Winter hervorragend Skilanglauf betreiben. Eigentlich der perfekte Ort, wenn man bedenkt, dass man immer noch in Helsinki ist.«

Wo habt ihr euch als Kids die Zeit vertrieben?

»Wir haben uns in einem Park namens Esplanadi in der Innenstadt getroffen. Der Park grenzt an den Hafen, und neben uns Metalheads haben da auch die Punkkids immer an einem kleinen Kiosk abgehangen. Dabei kam es öfter zu Raufereien mit den normalen Kids. Im Esplanadi habe ich übrigens auch meine Bandkollegen kennengelernt.«

Hast du eine oder mehrere Lieblingskneipen in Helsinki?

»Ja, und zwar das „Ilves“ direkt neben dem Tavastia (Helsinkis bekanntester und ältester Rockclub - buf). Dort treffen wir uns meistens zum Vorglühen, wenn wir uns im Tavastia eine Show ansehen wollen. In die „Bar Loose“ gehe ich ebenfalls gerne. Das ist ein Rock´n´Roll-Pub, in dem auch kleinere Bands auftreten. Außerdem gibt es in Helsinki einen stetigen Wandel an Heavy-Metal-Bars, d.h. viele Läden eröffnen neu und machen einige Monate später schon wieder dicht.«

Wo gehst du gerne essen?

»Langweilige Antwort, aber da muss ich auch das „Ilves“ nennen. Die kochen auch für die Bands, die im Tavastia spielen. Außerdem gibt es einige gute Sushi-Bars in der Gegend. Allerdings verhält es sich mit denen ähnlich wie mit den Metal-Kneipen, d.h. es gibt ein ständiges Öffnen und Schließen. Wenn man etwas typisch Finnisches essen und viel Geld loswerden will, dann sollte man in eines der ältesten Restaurants der Stadt namens „Lappi“ gehen. Die Küche ist fantastisch. Neben Rentier und Elch stehen auch viele andere lokale Gerichte auf der Speisekarte. Dazu trinkt man eiskalten finnischen Wodka.«

Wo habt ihr euren Proberaum?

»Wir üben im Nosturi, einer der wichtigsten Konzerthallen Finnlands, in der es etliche Proberäume gibt. Der Club fasst etwa 1.000 Zuschauer, liegt direkt am Hafen und wird von der Live Music Association betrieben. Wir haben uns die letzten acht Jahre einen Übungsraum mit HIM geteilt, nach der Auflösung der Band sind wir nun alleinige Mieter.«

Spielt ihr auch im Nosturi, wenn ihr in Helsinki auftretet?

»Das letzte Mal haben wir in einer relativ neuen Venue namens Circus gespielt. Die ist ebenfalls Downtown, aber mit einer Kapazität von 1.500 bis 2.000 Zuschauern deutlich größer. Im Nosturi sind wir aber auch schon aufgetreten, um den Club zu unterstützen. Das war praktisch, da wir unser Equipment nicht weit schleppen mussten (lacht).«

Wo kann man in Helsinki am besten die Seele baumeln lassen?

»Ich finde das Hafengebiet klasse. Dort haben sie erst kürzlich ein neues Schwimmbad inklusive einer sehr guten Sauna eröffnet. Vom Outdoor-Pool hat man einen wunderbaren Blick aufs Meer. Aber auch ansonsten gibt es in Helsinki sehr viel zu sehen, z.B. eine Menge toller Parks, in denen unheimlich viele Aktivitäten stattfinden. Im Winter kann man dort sogar Ski fahren.«

Welche Orte sollte man lieber meiden?

»Eigentlich keine. Helsinki ist eine ziemlich sichere Stadt mit einer relativ niedrigen Kriminalitätsrate. Bei uns gibt es keine Ghettos wie beispielsweise in Stockholm.«

Wie bewegst du dich in Helsinki fort – mit dem Auto, dem Fahrrad, dem öffentlichen Nahverkehr, zu Fuß?

»Im Zentrum von Helsinki sollte man es tunlichst vermeiden, das Auto zu nehmen. Nachdem ich in der Vergangenheit regelmäßig die Contenance verloren habe, wenn ich mit dem Wagen zur Probe gefahren bin, nehme ich mittlerweile meistens den Zug bzw. die Tram. Helsinki hat das einfachste Metrosystem der Welt, bei uns gibt es nur eine einzige Linie (lacht), die von der Stadtmitte in den Osten der Stadt führt. Allerdings kommen in der nächsten Zeit einige Haltestellen im Westen hinzu, die Linie wird also verlängert. Ansonsten wird es immer populärer, mit dem Drahtesel zu fahren, weil die Stadt in letzter Zeit etliche Fahrradwege gebaut hat.«

Mit welchen Bands aus Helsinki seid ihr befreundet?

»Mit fast jeder. Mit Acts wie HIM, Children Of Bodom oder Stratovarius, um nur einige der bekanntesten zu nennen, ist die Szene ziemlich groß. An Nachwuchs bzw. einer „new generation“, wie ich zu sagen pflege, mangelt es Helsinki auch nicht. Da wären z.B. die beiden Glambands Reckless Love und Santa Cruz, die ein bisschen wie Steel Panther aus den Staaten klingen. Natürlich stehen wir alle in Konkurrenz zueinander, und manchmal ist man auch ein bisschen neidisch, wenn jemand ganz besonders erfolgreich ist, aber letztendlich ist es ein freundlicher Wettbewerb. Außerdem unterscheiden sich finnische Bands musikalisch viel stärker voneinander als beispielsweise schwedische Gruppen, wo es zahllose In-Flames-Klone gibt.«

Schlägt dir das Wetter – Stichwort Kälte, Schnee, Dunkelheit – nicht manchmal aufs Gemüt?

»Je älter ich werde, desto mehr hasse ich den Winter. Mit Schnee habe ich kein Problem, aber der letzte Winter war total grau in grau, und es gab nur wenig Schnee. Im Norden Finnlands haben sie noch richtige Winter, aber bei uns im Süden werden sie aufgrund der Klimaerwärmung immer seltener.«

Könntest du dir vorstellen, woanders zu leben? Wenn ja, wo?

»Innerhalb von Finnland würde ich nie umziehen. Dafür liebe ich Helsinki zu sehr. Allerdings kann ich mir schon vorstellen, eines schönen Tages an einen wärmeren Ort wie Spanien zu ziehen. Da ich zwei Kinder habe und meine Frau als Lehrerin arbeitet, ist das derzeit aber noch nicht aktuell.«

www.amorphis.net

www.facebook.com/amorphis

Bands:
AMORPHIS
Autor:
Buffo Schnädelbach

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