My Hometown


Foto: Kane Hibberd

My Hometown 19.12.2018, 08:00

PARKWAY DRIVE - My Hometown: Byron Bay

Blauer Ozean, strahlender Sonnenschein, braun gebrannte Surfer: Die australische Heimat von PARKWAY DRIVE klingt nach Urlaubsprospekt. Grund genug, sich von Sänger Winston McCall ein paar träumerische Einblicke ins Leben zwischen Musik und Meer zu holen – und nebenbei zu erfahren, welche Konsequenzen der Bandname für die Stadtverwaltung von Byron Bay hat.

Winston, deine Heimat in Australien ist für viele ein Traumurlaubsziel. Wo bist du aufgewachsen?

»Ich komme aus einem sehr kleinen Ort namens Byron Bay. Er ist der östlichste Punkt des australischen Festlandes. Er liegt am Cape Byron und ist ein wunderschönes Stück Land, das fast komplett vom Ozean umringt ist. Daher haben wir auch sehr viele Strände.«

Wie ist die Musikszene dort?

»Oh, die ist sehr interessant. Die Stadt ist sehr klein, und wir haben zwei Locations für Live-Konzerte. Früher machten wir Punk und Hardcore und spielten hauptsächlich an Orten, die eigentlich nicht für Bühnen gedacht waren, zum Beispiel in irgendwelchen Hallen. Schuld ist der Tourismus: Kein Club und kein Pub in Byron wollte laute Musik haben, weil Touristen das nicht hören möchten. Irgendwann erlaubte uns das örtliche Jugendzentrum, bei ihnen zu spielen. Dort blühte schließlich die harte Musikszene von Byron auf. So ist es immer noch: Ab und an kann man mal in einem Pub auftreten, aber die Musikkultur ist stark getrennt von dem, wofür unsere Stadt bekannt ist: ein sonniger Ort am Strand. In unserer Stadt wohnen ungefähr 15.000 Leute, und im Sommer kommen zwischen 150.000 und 250.000 Menschen zu Besuch. Dann ist der Ort einfach zum Bersten voll, es gibt ein paar Surfshops und Restaurants – mehr nicht.«

Lebst du immer noch dort?

»Ja. Es ist wirklich wunderschön. Ich habe eine tiefe Verbindung zu diesem Ort und bezweifle, dass ich woanders leben könnte. Jeder, der dort hinkommt, teilt anschließend meine Meinung. Wir haben sowohl die Berge als auch das Meer – das ist sehr schön.«

Wie und wo konntest du in deiner Jugend Konzerte besuchen?

»Wir mussten natürlich hinfahren. Ich glaube, wir waren etwa 18 Jahre alt, als unser Freund Graham von Resist Records mit internationalen Hardcore-Bands tourte. Zusammen haben wir organisiert, dass die auch in unserem Jugendzentrum Halt machten. Also spielten die Bands in den großen Städten und zwischendurch bei uns in Byron Bay. Das war verrückt! Außerdem stellten wir lokale Shows auf die Beine. Ansonsten mussten wir zwei bis drei Stunden nach Brisbane fahren, um auf Konzerte zu gehen. Aber das waren wir gewohnt, wir hätten das auch jeden Tag gemacht. Wenn uns heute die Kids schreiben: „Oh Mann, warum spielt ihr nicht in meiner Stadt?“, stelle ich oft fest, dass es nur eine Stunde Fahrt zur nächsten Location ist. Dann denke ich: „Komm schon, steig in ein verdammtes Auto, ich bin früher mehrmals die Woche viel weiter gefahren!“ (lacht).«

Habt ihr euren Proberaum in Byron Bay?

»Die Band wurde in der Straße Parkway Drive gegründet. Bis vor fünf Jahren haben wir dort im Keller der Eltern unseres Schlagzeugers Ben Gordon geprobt. Dann haben wir alles zu Jeffs (Ling, Gitarre - ir) Haus rübergeschafft. Die Vorproduktion für unser aktuelles Album haben wir in Jeffs Garage gemacht. Ich überlege oft, wie viele Fans von PARKWAY DRIVE wohl schon mal durch Byron Bay gefahren sind und sich gefragt haben, woher diese Musik kommt – ohne zu wissen, dass wir gerade in der Garage dort spielen (lacht).«

Nun gehört ihr also selbst zu den Touristenattraktionen von Byron Bay…

»Vor allem die Straße! Es ist eine ganz gewöhnliche Straße mit einem Straßenschild, das ständig geklaut wurde. Die Stadt hat ein neues angebracht, und auch das verschwand schnell wieder. Dann haben sie das Schild auf zehn Metern Höhe an einen Telegrafenmast montiert. Aber auch da wurde es gestohlen. Die Behörden installierten daraufhin eine speziell angefertigte Stange mit dem Umfang etwa meines Körper, an die das Schild drangeschweißt wurde. Total irre. Auch das wurde abgeschnitten! Schließlich wurde der Name „Parkway Drive“ in riesigen Buchstaben auf die Straße geschrieben. Seitdem liegen ständig Leute auf der Straße und lassen sich damit fotografieren. Ich denke mir: Das hat es doch noch schlimmer gemacht, denn irgendwann biegt ein Auto um die Ecke und überfährt einen, der gerade als Fotomotiv herumliegt. Die Straße ist also eine richtige Touristenattraktion – absolut verrückt! Wenn wir zum Proben oder Grillen dort hinkommen, ist immer jemand da. Vor ein paar Jahren hat die Stadt uns sogar Geld angeboten, wenn wir uns umbenennen, damit sie nicht ständig neue Schilder aufhängen müssen. Wir meinten aber: „Das geht nicht, sorry“ (lacht). Na ja, ich denke mal, sie verdienen genug durch die Touristen, die unseretwegen kommen, dass sie ab und an mal ein neues Schild kaufen können.«

Was ist denn dein Restaurant-Tipp in Byron Bay?

»Oh, los geht´s – das ist nicht zu toppen! Du wirst begeistert sein: Unser Schlagzeuger Ben hat ein Café in Byron Bay namens „The Byron Bay General Store“. Das muss man besuchen, es gibt dort richtig gutes Essen. Ironischerweise habe ich in den gleichen Räumlichkeiten in einem Café gearbeitet, bevor es mit PARKWAY DRIVE losging. Jetzt betreibt Ben darin ein anderes Café – das ist schon eine lustige Wendung.«

Findest du nach wie vor Zeit, in Byron Bay surfen zu gehen?

»Ja, auf jeden Fall. Wenn man einmal mit dem Surfen angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Zu Hause surfe ich, und auf Tour sehe ich mir Fotos von Freunden an und checke die Vorhersage für die Zeit, wenn ich zurück bin. Wir surfen und spielen in einer Band – mehr nicht.«

www.parkwaydriverock.com

www.facebook.com/parkwaydrive

Bands:
PARKWAY DRIVE
Autor:
Isabell Raddatz

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.