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Foto: Buffo

My Hometown 19.06.2019, 08:00

MASTODON - My Hometown: Atlanta mit Briann Dailor

Auch wenn Brann Dailor ursprünglich aus Rochester, New York, stammt, geht der Blondschopf mittlerweile beinahe als waschechter „Atlantan“ durch. Schließlich lebt das MASTODON-Uhrwerk seit dem 1. Januar 2000 in der Hauptstadt des US-Bundesstaates Georgia, die 1996 Gastgeberin der 26. Olympischen Spiele war und in der Coca-Cola seinen Hauptsitz hat.

Brann, warum bist du vor knapp 20 Jahren nach Atlanta gezogen, und wo wohnst du dort?

»Bill (Kelliher, MASTODON-Gitarrist - buf) und ich sind beide aus Rochester und haben früher bei Today Is The Day gespielt. Nach einer Europatournee mit Voivod und Neurosis haben wir die Band verlassen, um ein neues Projekt zu starten. Da Bills damalige Freundin und jetzige Ehefrau für das CDC (die amerikanische Seuchenschutzbehörde - buf) in Atlanta arbeitete, sind wir gemeinsam nach Georgia gezogen. Die erste Zeit habe ich bei den beiden als Untermieter für 250 Dollar im Monat gewohnt. Das Apartment war in Little Five Points, einem hippen, alternativen Stadtteil östlich der Innenstadt. Mittlerweile lebe ich aber in Edgewood, fünf Autominuten südöstlich von Downtown.«

Wie bist du in Atlanta anfangs finanziell über die Runden gekommen?

»Ich habe schnell einen Job bei Junkman´s Daughter gefunden, einem verrückten, alternativen Klamottenladen mit angeschlossenem Tattooshop. Außerdem habe ich zeitgleich angefangen, abends in einem Club auf der anderen Straßenseite namens The Star Bar als Türsteher und Soundmann zu arbeiten. Ich hatte also sehr schnell gleich zwei Jobs, und meine jetzige Frau sowie Brent und Troy (Gitarrist/Sänger bzw. Bassist/Sänger von MASTODON - buf) habe ich auch in meinen ersten zwei Wochen in Atlanta kennengelernt. Die beiden hatten sich auf eine Anzeige hin gemeldet, die Bill und ich in einer Zeitung aufgegeben hatten. Normalerweise glaube ich ja nicht an Schicksal, aber in dem Fall war es das wohl.«

Wo gehst du am liebsten essen, und hast du eine oder mehrere Stammtränken?

»Da gibt es eine Menge. Am liebsten statte ich nach einer ausgedehnten Tournee dem Fred´s Meat & Bread im Krog Street Market einen Besuch ab und esse dort ein „Italian Grinder“- oder ein „Mushroom-Cheesesteak“-Sandwich. Die sind so lecker, die sind nicht von dieser Welt. Auch Stammkneipen habe ich so einige, z.B. das Elmyr. Da hatte Bill schnell einen Job gefunden, als wir nach Atlanta gezogen sind. Das ist eine kleine mexikanische Bar, in der es Kleinigkeiten wie Burritos und Tacos zu essen gibt. Die haben mich in der ersten Zeit mit durchgefüttert und unsere Demos in ihrer Jukebox laufen lassen. In die Star Bar gehe ich auch noch gerne, zumal da häufig lokale Bands auftreten. Das war auch einer der ersten Clubs, in denen wir gespielt und den wir mit 250 Leuten ausverkauft haben. Außerdem wäre da noch The Earl mit einer Kapazität von 350 bis 400 Zuschauern. Dort sind wir in der Vergangenheit auch mehrfach aufgetreten. Und die Porter Beer Bar ist ebenfalls klasse. Da gibt es 1.000 verschiedene Biersorten aus allen Herren Länder.«

Wo tretet ihr mittlerweile in Atlanta auf?

»Normalerweise im Tabernacle, einer Halle für etwa 3.000 Zuschauer. Wir haben aber auch schon im legendären The Fox Theatre gespielt, einem ehemaligen Filmpalast aus den zwanziger Jahren, in dem „Vom Winde verweht“ seinerzeit uraufgeführt wurde. In das stilvolle, wunderschöne Gebäude passen 4.500 Leute. Das ist schon ein ziemlicher Kontrast zu den 20 Nasen, die zu einer unserer ersten Shows in Atlanta im Keller eines Ladens namens The Parasite House gekommen sind.«

Hast du einen Lieblingsort in Atlanta, und was würdest du mir als mein persönlicher Tour-Guide alles zeigen?

»Ich liebe den Botanischen Garten, und das „Georgia Aquarium“, eines der größten Aquarien der Welt, ist mit seinen vier Walhaien ebenfalls fantastisch. Als Stadtführer würde ich mit dir erst in die Ebenezer Baptist Church gehen, in der Martin Luther King gepredigt hat, und danach die nahegelegene Grabstätte von MLK und seiner Ehefrau Coretta Scott King besuchen. Des Weiteren stehen eine Visite des Geburtshauses von Martin Luther King und des „World of Coca-Cola“-Museums auf dem Plan. Schließlich wurde Coke 1886 in Atlanta von dem Apotheker John Stith Pemberton erfunden. Danach geht es zum Margaret-Mitchell-Haus, in dem der Roman „Vom Winde verweht“ geschrieben wurde. Zum Abschluss nehmen wir einen Drink in der The Clermont Lounge, einer alten Stripbar aus den Sechzigern, wo dir eine 60-jährige Stripperin namens Blondie mit ihren Titten eine Bierbüchse auf dem Kopf zerquetscht.«

Wo übt ihr in Atlanta? Ich habe mir sagen lassen, dass euch ein ganzer Proberaumkomplex gehört, den ihr auch an andere Bands vermietet.

»Wir haben vor etwa vier Jahren im Westen von Atlanta ein altes Gebäude gekauft, das wir sukzessive zu einem Proberaumkomplex umbauen, weil in der Stadt innerhalb kürzester Zeit zwei Einrichtungen dieser Art geschlossen wurden und danach bestimmt 100 Bands auf der Straße standen. Neben unserem eigenen Proberaum existieren in dem Gebäude derzeit elf Räume, die wir für kleines Geld vermietet haben und in denen teilweise mehrere Bands proben. In den nächsten Jahren sollen in Phase zwei im Keller weitere Proberäume entstehen, und ein kleines Studio für Demo-Recordings ist auch geplant.«

Mit welchen Bands aus Atlanta seid ihr befreundet?

»U.a. mit The Black Lips, The Coathangers, The Order Of The Owl und natürlich der Combo meiner Frau Susanne, Tiger! Tiger!. Der Keyboarder von Tiger! Tiger! hat schon einige verrückte Animationen für diverse MASTODON-Videoclips beigesteuert, und der Gitarrist der Band ist Teilhaber des Earl. Daran kann man erkennen, dass es in Atlanta ähnlich inzestuös zugeht wie in den meisten anderen Städten (lacht). In Atlanta gibt es haufenweise Rock- und Metalbands, obwohl die Stadt vor allem für ihre große HipHop-Szene bekannt ist.«

Kannst du dir vorstellen, Atlanta eines Tages zu verlassen und wieder nach New York zu ziehen? Das subtropische Klima in Georgia ist ja nicht jedermanns Sache.

»Ich mag die Hitze in Atlanta, und auch die hohe Luftfeuchtigkeit macht mir nicht viel aus. Besser als die leidige Schneeschipperei in Upstate New York. Da Rochester am Ontariosee liegt, schneit es dort durch den sogenannten „Lake Effect“ extrem häufig und viel. Frisch gefallener Schnee hat zwar auch eine romantische Komponente, aber wenn du ständig deine Einfahrt freischaufeln und dein Motor minutenlang warmlaufen muss, bevor du die Fahrt antreten kannst, weißt du es zu schätzen, in einer Stadt wie Atlanta zu leben. Vermutlich werde ich eines schönen Tages wie viele in die Jahre gekommene Leute in Florida enden, zumal meine Frau von dort stammt und ich den Sunshine State mit seinen Stränden, Sümpfen und den vielen wilden Tieren sehr gerne mag.«

www.mastodonrocks.com

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Bands:
MASTODON
Autor:
Buffo Schnädelbach

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