Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 25.04.2012

SPAWN OF POSSESSION , GOROD , EXIVIOUS , OBSCURA - München, Feierwerk

Dieses persönlich homogene, musikalisch extrem abwechslungsreiche vierblätterige Prog/Tech/Death-Metal-Kleeblatt sollte überall zur Pflichtexkursion der lokalen Musikhochschulen avancieren. Vor zehn Jahren im nahen Landshut gegründet, ziehen Obscura heuer deutlich mehr Publikum als 2011 an selber Stelle im Vorprogramm von Hate Eternal.

Die Holländer EXIVIOUS werden nicht nur von allen mitreisenden Musikern angehimmelt. Ehemaligen Mitgliedern von Cynic verzeiht man auch, dass sie ihre Instrumente wie Jazz-Nerds halten, ständig auf dieselben starren und bewegungstechnisch garantiert auch ohne Erkältungsviren im Tourbus maximal den Wackeldackel geben. Für den selten heftigen, eher sphärischen und loungigen Fusion-Instrumental-Sound von ´An Elusive Need´ oder ´Asurim´ erhalten sie weit mehr als Höflichkeitsapplaus.

Das kurzhaarige Energiebündel am GOROD-Mikrofon sorgt danach nicht nur mit Hardcore-Stageacting für Alarm, es erfreut zudem mit humorvollen Ansagen in deutschem Kauderwelsch. Absoluter Blickfang ist aber der völlig irre Spaßmacher am Bass, dessen Gesichtsakrobatik auch prima zu Wargasm passen würde. Die Jungs bieten ein technisch exquisites, aber nie zu abstraktes Death-Metal-Brett mit hymnischen Twin-Gitarren in Vital-Remains-Manier. Sehr sarkastisch wirkt dabei das Def-Leppard-Shirt des Drummers: Weder ´Programmers Of Decline´ noch die neuen Tracks ´The Axe Of God´ und ´Carved In The Wind´ lassen sich einarmig runterprügeln.

Entgegen den Erwartungen überstrahlen SPAWN OF POSSESSION nicht alles. Dass der hauptamtliche Obscura-Gitarrist Christian Muenzner bei ihnen zum Schutz seiner Sehnen von Danny Tunker (u.a. ex-God-Dethroned) vertreten wird, ist nicht ausschlaggebend. Ihr unglaublich komplexes Material klingt einfach zu rhythmisch und verwaschen, weil die Schweden keinen eigenen Live-Mischer dabei haben. Der Moshpit zu ´Where Angels Go Demons Follow´ kommt ansatzweise zustande, aber der Auftritt bleibt angesichts des genialen neuen Albums zu „Noctambulant“- und „Cabinet“-lastig.

OBSCURA steigen auf der seit Stunden von ihren Bannern eingerahmten Bühne mit dem Eröffnungsdoppel von „Omnivium“ ein: dem melodieverwöhnten ´Septuagint´ und ´Vortex Omnivium´ mitsamt dualem Tapping-Solo. Endlich geht ein Ruck durchs Publikum, das nicht mehr länger nur ehrfürchtig staunt, starrt und horcht. Gerade die bereits ins Blut übergegangenen Hits ´Incarnated´ und ´The Anticosmic Overload´ geben den Mähnenpropellern Starthilfe. Dass Frontmann und Gitarist Steffen Kummerer stimmlich, spieltechnisch und als Visionär eine Reinkarnation von Chuck Schuldiner ist, darf er demnächst inmitten von Veteranen der letzten Death-Besetzungen bei den „Death To All“-Dates beweisen. Bevor er dafür mit der Zugabe ´Flesh And The Power It Holds´ eine weitere Visitenkarte abgibt, hagelt es weitere Eigenkompositionen. Beim mitreißenden Instrumental ´Orbital Elements´ fällt die Spannung ebenso wenig ab wie im Drumsolo vom hart zuschlagenden Hannes Grossmann. Statt Erbsen zu zählen und wie aufgefordert Spielfehler von ´The Universe Monumentum´ am leergekauften Merchstand zu reklamieren, bangt man sich lieber bei der Panzerechse ´Ocean Gateways´ mit Sechssaiten-Basser Linus die Seele aus dem Leib. Seine spielerische Präsenz wie sein optisches Engagement lassen Jeroen Paul Thesseling vergessen. Was für ein atemberaubender Konzertabend!

Bands:
OBSCURA
SPAWN OF POSSESSION
EXIVIOUS
GOROD
Autor:
Björn Thorsten Jaschinski

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