Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 27.06.2012

3 INCHES OF BLOOD , GOATWHORE , ANGELUS APATRIDA , HAVOK - München, Feierwerk

Beim Tourmotto „Long Live Heavy Metal“ heißt es auch am Vatertag: Präsenz zeigen. Überraschenderweise parken keine Bollerwagen voller Pfandflaschen den Parkplatz vorm Club zu. Zwar ist der Gig keineswegs ausverkauft, aber die Anwesenden machen dem Namen Feierwerk alle Ehre.

Der hart und präzise nach alter Machart thrashende Denver-Clan HAVOK legt mit dem Versprechen „It´s time to fuckin´ party!“ so furios los, dass Basser Jesse direkt im ersten Song beim Bangen seine Sonnenbrille verliert. Bei ´D.O.A.´ streuen sie Maiden-artige Twin-Melodien ein, meist aber geht die Post wie im angepissten ´Out Of My Way´ ab. Vor ´Afterburner´ macht sich Sänger/Gitarrist David Sanchez noch über den unvermeidlichen Karatekämpfer im Publikum lustig („Fuck that guy!“), woraufhin der Circle-Pit richtig anschwillt. Dennoch bekommt der wuschelköpfige Bassist von einem aufmerksamen Fan währenddessen seine Brille wieder aufgesetzt und kann noch für einige Takte freudestrahlend Coolness verbreiten.

Die spanischen Genrekollegen ANGELUS APATRIDA sind bereits zum dritten Mal in München und erkennen viele Gesichter der vorderen Reihen wieder. Die ersten beiden Alben des Quartetts sind außerhalb Spaniens weitgehend unbekannt, aber seit „Clockwork“ haben sie einen weltweiten Deal. Los geht´s mit der aktuellen Videoauskopplung, dem „The Call“-Opener ´You Are Next´ mit seinem griffigen Mitbrüll-Chorus. Sänger Guillermo ist wie sein offensichtliches Vorbild Dave Mustaine auch Leadgitarrist und dementsprechend ständig gefordert, aber nicht überfordert. Vom neuen Material kommt ´Killer Instinct´ besonders gut an, am meisten Bewegung entfachen aber die von der letzten Tour bekannten ´Clockwork´, ´Blast Off´ und ´Legally Brainwashed´ im Publikum.

GOATWHORE bringen eine deutlich andere Klangfarbe ins Billing und müssen als Außenseiter stärker um Reaktionen kämpfen. Zwar sind sie hörbar im Achtziger-Thrash verwurzelt und verehren vor allem Celtic Frost, aber ihre wenig auf Melodien und technische Kabinettstückchen ausgelegten Songs weisen eben auch eine große Hingabe an den Black Metal auf. Das Darkthrone-Shirt von Bandgründer Sammy Duet (u.a. ex-Crowbar) ist als Hinweis auf seinen Gitarrensound durchaus ernst zu nehmen. ´Collapse Into Eternal Worth´ zieht wie auch auf dem neuen Opus „Blood For The Master“ in einen Strudel von Gewalt und Wahnsinn. Das Album bestimmt über 50 Prozent des Gigs, wobei neben weiteren Brutalitätsorgien wie dem kurzen ´Judgement Of The Bleeding Crown´ auch das näher am traditionellen Heavy Metal angesiedelte ´When Steel And Bone Meet´ zum Zug kommt. ´Alchemy Of The Black Sun Cult´ bleibt der einzige „A Haunting Curse“-Gruß im durchaus üppigen Set, der nach dem trägen ´An End To Nothing´ mit einer anständigen Portion Doublebass von ´Apocalyptic Havoc´ endet.

Dass die Headliner 3 INCHES OF BLOOD ausgerechnet mit ´Metal Women´ in die True-Metal-Schlacht einsteigen, kommt bei den wenigen anwesenden Damen besonders gut an. Die meisten Geschlechtsgenossinen zogen anscheinend das Champions-League-Endspiel der Frauen im wenige Kilometer entfernten Olympiastadion Kopfstimme, satten Riffs und klassischen Soloschlachten vor. Der Gleichberechtigung wegen folgt nach einem Griff in den alten Fundus (´Deadly Sinners´) der überdeutlich Rob Halford gewidmete ´Leather Lord´, in dessen Refrain die Stimme von Kuttenkugel Cam Pipes beinahe bricht. Die gegrowlten Gesangsanteile von Gitarrist Justin haben abgenommen, aber in ´Trail Of Champions´ überlässt er David von Angelus Apatrida seine Gitarre, um sich mit Cam ein Duell zu liefern. Der massive neue Basser Byron Stroud (u.a. ehemals Strapping Young Lad und Fear Factory) bleibt dagegen als graue Eminenz die Ruhe selbst und hält es in Sachen Bühnenaktion mit dem Judas-Priest-Tieftöner Ian Hill, sammelt aber dennoch Sympathiepunkte. Das den letzten Songblock anführende ´Battles And Brotherhood´ hätte als Tourmotto ebenfalls gepasst.

Pic: Saskia Gaulke

Bands:
HAVOK
ANGELUS APATRIDA
3 INCHES OF BLOOD
GOATWHORE
Autor:
Björn Thorsten Jaschinski

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