Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 22.10.2014

MOTÖRHEAD , METAL ALLEGIANCE , TESTAMENT , DANKO JONES , DOWN , ZAKK WYLDE , ANTHRAX - MOTÖRBOAT 2014: Hitze, Hits & Hetzer

Während hierzulande der muffelige Herbst Einzug hielt, gondelte das vom Rock Hard präsentierte „Motörboat“ mit begeisterten Fans, einem bockstarken Live-Programm und jeder Menge weiterer Action vier Tage durch die Karibik. Wir guckten vor und hinter die Kulissen.

Jetzt gehören in den Augen einiger Nörgler also auch MOTÖRHEAD zu den Metal-Spießern, die sich mit un-rock´n´rolligen Kreuzfahrten ein Zubrot verdienen. Doch wie schrieb ein begeisterter Motörheadbanger in Abwandlung der klassischen ´Ace Of Spades´-Lyrics so schön in einem Forum: „You know you´re gonna cruise, and Motörboat´s for fools, but that´s the way I like it baby, I don´t wanna live forever!“ Es geht in erster Linie um Spaß. Und den haben hier offensichtlich alle.

Das musikalische Line-up ist beeindruckend. Fast könnte man vermuten, dass man für den Fall vorgebeugt hat, dass Lemmy nicht fit genug für die Bootsfahrt ist. Denn selbst ohne MOTÖRHEAD könnte man nicht viel meckern. Es würde eh nix bringen, da im Kleingedruckten der Buchungsbedingungen nur von „Headlinern“ die Rede ist, die garantiert spielen, und darunter kann man selbst nach der krankheitsbedingten Absage von Megadeth zumindest noch ANTHRAX verstehen. Die zweite Reihe lockt unter anderem mit TESTAMENT (sorry, aber nach dem wenig prickelnden Gig aufm Rock Hard Festival ist man vorerst aus der Champions League geflogen), ZAKK WYLDE, DOWN, DANKO JONES, HIGH ON FIRE und KILL DEVIL HILL. Somit bietet das Motörboat mehr als nur einen Gastgeber und ein paar Statisten (wie es beispielsweise auf den Cruises von Kid Rock und Kiss der Fall ist), wird aber auch nicht zu einem unübersichtlichen Fließband-Event wie die „70000 Tons Of Metal“-Rundreise.

TAG 1

Nach Check-in, Sicherheitseinweisung und einer schnellen Erkundung des Schiffs verlässt die „Carnival Ecstasy“ langsam den Hafen von Miami. TESTAMENTs „Sail Away“-Show auf dem Oberdeck lässt allerdings aus irgendwelchen technischen Gründen zwei Stunden auf sich warten, während der man bei schwülen 30 Grad vor sich hin schwitzt, die anderen Teilnehmer inspiziert und erste alkoholbedingte Totalausfälle registriert. Auffällig sind die vielen Fans aus Europa, darunter eine Menge Deutsche. Insgesamt sind 1.300 Passagiere an Bord, es herrscht also kein Gedränge und ohnehin eine angenehm unhektische Atmosphäre. Als Chuck Billy & Co. dann endlich loslegen, thrashen sie mit ziemlich gutem Sound (von dem üblichen Extremhall auf den Vocals mal abgesehen) durch ihren wuchtigen Set. Im Pool entsteht ein ansehnlicher – sogar erlaubter – Moshpit.
Zeitversetzt ackert in der wie ´ne überdimensionierte, edle Hotelbar wirkenden „Starlight Lounge“ der kalifornische Dröhn-Metal-Dreier HIGH ON FIRE um Mastermind Matt Pike (v./g.) vor 50 überwiegend in schicken Sesseln rumlümmelnden Versprengten. Der Sound ist ´ne Katastrophe, die Band nimmt´s mit Gleichmut.
Dann geht´s auch schon rüber ins „Blue Sapphire Theater“, ein imposantes Etablissement mit Las-Vegas-Flair, das über zwei Decks reicht, 1.300 Personen fasst und heute durch KILL DEVIL HILL um Ex-Pantera-Bassist Rex Brown seine Rock´n´Roll-Entjungferung erfährt. Mikromann Dewey Bragg ist unter den ganzen Waldschrat-Redneck-Musikern an Bord einer der sympathischsten. Und einer der fähigsten: Statt nur mächtig maskulin rumzubrummeln, beherrscht er auch Cleangesang und presst zudem ein paar coole Screams raus. Die Songs bleiben trotzdem Durchschnitt, und die Lightshow, die in so einer Venue eigentlich kein Problem sein sollte, funzelt auf Jugendheimniveau. Dafür ackert die Klimaanlage wie fast auf dem gesamten Schiff volle Kraft voraus und kühlt die Bude auf gefühlte 16 Grad runter. Das Theater ist gerade mal zur Hälfte gefüllt, was aber an dem durcheinandergewürfelten Zeitplan liegen kann, den die TESTAMENT-Verzögerung verursacht hat. Durchsagen mit Terminänderungen hört man nur wenige, und die Uhren der Smartphones spielen eh verrückt (ich bin laut Telefon gerade in Japan).
Zurück aufs auch nach Einsetzen der Dunkelheit schwülheiße Oberdeck: WILSON aus Detroit Rock City sind einer der Geheimtipps auf dem Kahn. ´If You Ever Leave Me, I Will Find You´ hat mit seinem Zombie-Cop-Clip eines der geilsten Videos der letzten Jahren verpasst bekommen. ´Viking Pussies Fuck Off´ ist ein ganz, ganz großer Songtitel, und ´ne Platte „Full Blast Fuckery“ zu nennen, ist ebenfalls arschcool. WILSON bezeichnen sich selbst als fünf bärtige Dudes mit großen Schwänzen, die härter arbeiten als deine Eltern. Daher rotzen sie wenig überraschend mit ´ner schicken Fuck-off-Attitüde durch ihren Set und verbreiten Power, als hätten sie sich von Energy-Drink-Sponsor Monster ´ne ganze Palette intravenös verabreichen lassen. Auf Platte machen die Kerle schon gut Dampf, aufm Motörboat legt der Arschkicker-Rock trotz einer überschaubaren Zuschauerzahl noch ´ne Schüppe drauf. Sehr cool sind auch die eingestreuten Stampfparts mit Beatdown-Flair. Ebenfalls nicht schlecht ist der einsetzende Regen, der überhaupt nicht stört und einem etwas Schweiß von der Stirn spült.
CILVER versuchen sich anschließend in der „Starlight Lounge“ vor der traurigen Kulisse von handgezählten 20 Neugierigen: solider, leicht moderner Groove-Rock und ´ne extrovertierte, schwer talentierte Frontfrau namens Uliana Preotu mit einem ausgezeichneten Hookgespür. Es klingt alles tutti, bis die Band auf die tödliche Idee kommt, einen endlos langen Drum- und Gitarren-Solospot einzubauen. Nautisch gesprochen ein Fall von erfolgreicher Selbstversenkung.
ANTHRAX sind heute der offizielle Headliner. Das „Blue Sapphire“ ist anständig gefüllt, und auch ohne Stagedive/Moshpit-Kapriolen herrscht eine Topstimmung. Frontmann Joey Belladonna ist der Held des Abends. Seine gute Laune mag ein Stück weit geschauspielert sein (innerhalb der Band geht´s ja angeblich weniger spaßig ab), sie steckt aber dennoch an. Die Nummer-Sicher-Setlist mit Classics von ´Caught In A Mosh´ bis ´I Am The Law´ räumt komplett ab. Drei Coversongs sind mal wieder zwei zu viel (wie wäre es mit ´Metal Thrashing Mad´ und ´A.I.R.´ statt ´Got The Time´ und ´T.N.T.´?), aber speziell der AC/DC-Track ist natürlich ein souveräner Crowdpleaser, und das abschließende ´Antisocial´ von Trust haben die Amis schon seit Jahrzehnten so perfekt adaptiert, dass man eh nicht dran vorbeikommt. Es gibt also nicht wirklich was zu bemäkeln.
Jede Nacht an Bord steht unter einem speziellen Motto. Heute ist´s „Löud And Hometown Pröud“, will heißen: Trag irgendwelche Klamotten, die darauf hinweisen, aus welchem Land du stammst. Speziell Skandinavier haben ein gutes Händchen für Selbstdarstellung (Norwegenflaggen als Cape, Wikingerhelme etc.). Amis reichen oftmals Shirts mit zackigen Sprüchen wie „America! Fuck yeah!“ oder „Fuck y´all! I´m from Texas!“ als Visitenkarte. Und wer gar keine Ideen hat, greift halt zum lokalen Fußballtrikot.

TAG 2

Nicht nur wegen der Aftershow-Partys wird die Nacht heftig. Ein Sturm zieht auf, es donnert und blitzt, als ob wir versehentlich in irgendeinen Höllenschlund geschippert wären. Auch ein 70.000-Tonnen-Koloss ist letztendlich, um die poetischen Leatherface zu zitieren, nicht mehr als ein „piss in the Atlantic“. Der Kapitän bläst kurzerhand den Stopp in der Touristenfalle Key West ab, da es zu gefährlich wird, dort anzulegen, so dass wir den gesamten zweiten Tag auf See verbringen. Das Wetter ist schnell wieder okay, und da an Bord kein Ersatzprogramm für den geplanten Landgang aus dem Boden gestampft werden kann, wird´s ein bisschen langweilig. Also greifen viele Cruiser beim Merch zu und schnappen sich die mit 35 Dollar erträglich ausgepreisten Eventshirts, auf denen noch Megadeath (sic!) verzeichnet sind.
Der erste offizielle Programmpunkt bei inzwischen brütender Sonne und deutlich über 30 Grad sind gegen 13:30 Uhr DOWN. Die Nola-Truppe ist für die unchristliche Zeit ziemlich agil, Phil Anselmo wirkt noch nicht völlig verstrahlt, und vor ihrem ureigenen Publikum (dickbäuchige Bartträger, Bräute in Rebel-Flag-Bikinis, viel Biergespritze) sind DOWN ein gänzlich anderes Erlebnis als in Europa. Gitarrero Pepper Keenan stellt sich sogar für einige Songs mitten in die feiernden Fans.
Um 15 Uhr lockt ein Bauchklatschwettbewerb. Die Mischung aus professionell inszenierten Bruchlandungen und schlichter Unsportlichkeit ist witzig. Einige besonders dicke Teilnehmer entwickeln eine kolossale Wasserverdrängung, und noch später am Tag leuchten manche Leiber in schmerzvollen Rottönen.
Parallel stellt SCOTT IAN seine CD „Swearing Words In Glasgow“ in der „Starlight Lounge“ vor. In freier Rede packt der ANTHRAX-Chef zum Brüllen komische Anekdoten aus, über Lemmy, vollgeschissene Unterhosen und einen deutschen Arzt, der den New Yorker Juden fatal an Josef Mengele erinnert. Bei der folgenden Frage/Antwort-Session meldet sich sogar ein gewisser Joey Belladonna und murmelt, er würde von Scott tatsächlich ganz gern mal ein paar Dinge erfahren. Keine Ahnung, ob das ein kleiner interner Hieb war, aber auch beim folgenden Meet & Greet von ANTHRAX, TESTAMENT und HIGH ON FIRE wirkt der Sänger wie ein Außenstehender. Die Fans werden hier für ein schnelles Foto mit den jeweiligen Bands (wenn´s hoch kommt, gibt´s noch ´nen feuchten Händedruck) kabinenweise durchgeschleust. Autogramme darf man sich nicht holen, um die Aktion nicht unnötig in die Länge zu ziehen, aber die kann man sich von vielen Musikern auch ganz spontan an anderen Orten besorgen. Mit wenigen Ausnahmen mischen sich die Rocker unkompliziert und oftmals mit Familienanhang unter die Fans, sei es beim Essen (DANKO JONES scheint im Bordrestaurant zu wohnen), im Casino (Lemmy räumt parallel zum ersten ANTHRAX-Gig mal eben einen einarmigen Banditen leer), im Fitnesscenter (Chris Broderick stählt sich hier, während im Hintergrund Megadeth-Videos laufen) oder bei den Gigs der Kollegen.
Auch wenn er heute nur mit Akustikgitarre und Klavier bewaffnet am Start ist, macht ZAKK WYLDE am späten Nachmittag auf der „Deck Stage“ einen auf gewohnt dicke Hose. Ausgerechnet als die „Carnival Ecstasy“ am bösen Kuba vorbeischleicht, werden von ihm die ganz großen amerikanischen Redneck-Gefühle geweckt.
Eine echte Arschkarte hat DANKO JONES gezogen, der fast parallel zu MOTÖRHEAD auf die Bretter muss. Wir sichern uns lieber eine gute Position vor der Bühne des „Blue Sapphire“. Lemmy & Co. zum Anfassen nah, ohne Fotograben in nahezu intimer Atmosphäre zu erleben, ist unbezahlbar. Herr Kilmister, als Motörboat-Gastgeber mit schicker Kapitänsmütze, ist inzwischen fast zerbrechlich dünn, hat aber nichts von seiner Aura verloren. Seine Ansagen sind kurz und bekannt, oftmals singt er mit geschlossenen Augen vor sich hin, und die Dosis „Rock´n ´fuckin´ Roll“ ist die gleiche wie in Wacken. Doch die lebende Legende ist besser bei Stimme, steht solider auf den Beinen, und ab und zu huscht sogar ein zufriedenes Lächeln übers Gesicht. Das Publikum ist völlig begeistert. Anflüge von Moshpits werden zwar von der Security im Keim erstickt, und ein Crowdsurfer im Affenkostüm fliegt beinahe aus der Halle, aber den Spaß lässt man sich auch in dieser etwas gesitteteren Umgebung nicht nehmen. „Don´t forget us“, bittet Lemmy mal wieder vor dem finalen ´Overkill´. Wie könnten wir? Außerdem stehen MOTÖRHEAD hier zwei Tage später eh noch mal auf der Bühne.
Für die wegen des erkrankten Dave Mustaine abgesprungenen Megadeth holte man in letzter Minute die Allstar-Bande METAL ALLEGIANCE, zu der praktischerweise die beiden Megatoten Dave Ellefson (b.) und Chris Broderick (g.) gehören, so dass nicht mal deren Flüge storniert werden mussten. Ohnehin bereits an Bord sind die drei Frontleute Phil Anselmo (DOWN), Joey Belladonna (ANTHRAX) und Chuck Billy (TESTAMENT), die ANTHRAX-Sechssaiter Scott Ian und Jon Donais, die Bassisten Frank Bello (ANTHRAX) und Rex Brown (KILL DEVIL HILL) sowie Trommler Charlie Benante (ANTHRAX). Lediglich Drum-Dirne Mike Portnoy musste noch schnell hinterherrudern. Der Haufen rockt an Deck mit diversen Gästen durch einen Klassiker-Set. Interessant: Maidens ´Wrathchild´ in der Besetzung Billy/Textblatt für Billy/Broderick/Ian/Ellefson/Benante UND Portnoy. Kurios: Bello kann von Kiss sowohl Stanley- als auch Simmons-Songs singen. Atemberaubend: Belladonna zelebriert Rainbow-Hits dermaßen geil, dass man merkt, wie entsetzlich unterfordert er bei ANTHRAX ist. Vorhersehbar: Anselmo rennt mit den Pantera-Covern offene Türen ein.
Im Bordkino läuft ab Mitternacht „Lemmy: The Movie“. Für die ganzen deutschen Fans ist der Streifen heute ein Muss, wurde er bei uns doch um über sieben Minuten gekürzt, in denen Lemmy seine Sammlung von Memorabilien aus dem Zweiten Weltkrieg vorführt und in einem alten Panzer durch die Gegend knattert.
Das abendliche Partymotto lautet „Pajamarama“. Man soll in den Klamotten erscheinen, die man auch im Bett trägt. Nur Nacktschläfer werden angehalten, zumindest „minimal“ bekleidet aufzukreuzen. Danke dafür. Wenn man sich die bunte Meute ansieht, funktioniert das feuchtfröhliche Konzept bestens. Für die vielen dauerdurstigen Mitreisenden gibt es außerdem diverse Saufspiele, die sich „Bar Golf“, „Beers & Bingo“ oder gar „Bloody Mary Bingo“ nennen.

TAG 3

Am dritten Tag ist zunächst Ausschlafen angesagt (es sei denn, es zieht einen schon um neun Uhr zum „Rock´n´Roll Yoga“), da wir erst mittags im mexikanischen Cozumel anlegen. Die Insel lädt zum Erkunden von alten Ruinen und Pyramiden, zu Bootsfahrten und anderen, teils mächtig teuren Vergnügungen ein. Man kann aber auch einfach ein bisschen den festen Boden unter den Füßen genießen und durch die Gegend latschen. Später wird der „Siesta Day“ zum „Fiesta Day“. Abends soll man seine Einkäufe vorführen, ein Motto, das anscheinend mit dem mexikanischen Tourismusbüro ausgeheckt wurde, um den Nepper/Schlepper-Buden in Cozumel ein paar harte Dollar mehr in die Kassen zu spülen. Gucken wir mal, was die Leute so vorführen: Sombreros, ´ne Tequila-Fahne (ausm Mund, nicht aus Stoff), Ponchos, Ringermasken usw. Die Stimmung ist also wieder famos. Das abgespeckte Live-Programm umfasst neben der zweiten DOWN-Show auch das FIREBALL MINISTRY-Debüt dieser Reise. Die Truppe ist irgendwie zwischen den Schweine- und Retrorock-Wellen verschüttgegangen und hat seit vier Jahren kein neues Album veröffentlicht. Umso wohltuender ist es, die L.A.-Gang live zu erleben. Ohne Genre-Hype oder aktuelle Promomaschine im Rücken rocken Fireball Ministry mit der Leichtigkeit einer Band, die nix beweisen muss, auch wenn die meisten Cruiser gerade DOWN den Vorzug geben. Die 100 Anwesenden bekommen einen spielfreudigen Set geboten, der speziell durch die Harmoniegesänge des Gitarrengespanns James A. Rota II/Emily Burton sowie den überraschend am Bass auftauchenden Scott Reeder (Kyuss, The Obsessed) besticht.
Als Absacker gibt´s an Deck noch ein bisschen Karaoke. Hier reicht die Qualitätsspanne von ziemlich beeindruckend bis zu ´ner Blondine, die vom ´Thunderstruck´-Text lediglich das Wort „thunderstruck“ kennt, dafür aber in ihrem Bikini ganz gut auf und ab hüpfen kann.

TAG 4

Heute sind wir komplett auf See. Um neun Uhr geht´s wieder zum Yoga (oder auch nicht), danach signiert Megadeth/Metal-Allegiance-Bassist und Hobbypriester Dave Ellefson sein Buch „My Life With Deth“.
ZAKK WYLDE, KILL DEVIL HILL, WILSON, CILVER, METAL ALLEGIANCE, DANKO JONES, DOWN und FIREBALL MINISTRY veranstalten Gemeinschafts-Meet-&-Greets, und MOTÖRHEAD versorgen separat die Fans mit Erinnerungsfotos.
Wer am letzten Tag noch überschüssige Energie hat, widmet sich dem „Game Of Foams“, ´ner Art Nerd-Kampf mit Schaumstoffwaffen in Anlehnung an, logo, „Game Of Thrones“.
Live wird noch mal alles gegeben: Sämtliche Bands, die bislang keinen zweiten Gig gespielt haben, entern die Bühnen und überschneiden sich in ihren Spielzeiten streckenweise, so dass man Prioritäten setzen muss.
TESTAMENT sind im großen Theater noch überzeugender als bei ihrer Deck-Show. Wenn Chuck Billy irgendwann mal das tanzbärige Luftgitarrespielen mit dem Mikroständer lassen würde, wär´s sogar noch geiler. Lustig ist auch das Publikum, das jede Frage des Sängers mit „Yeah!“ beantwortet, was den Hünen bei „Freut ihr euch alle, morgen von Bord zu gehen?“ dann doch etwas irritiert gucken lässt.
ANTHRAX legen ebenfalls ein paar Briketts nach, hieven ´Medusa´, ´Be All, End All´ und ´Efilnikufesin (N.F.L.)´ ins Set, spielen einen mörderisch energetischen Gig und gehören definitiv zu den Gewinnern der Kreuzfahrt. Wenn Belladonna zum Schluss freudestrahlend „Dieses Boot werden wir niemals vergessen!“ in die Manege ruft, glaubt man das aufs Wort.
Wer sich bei MOTÖRHEAD einen guten Platz schnappen will, verpasst auch das zweite DANKO JONES-Konzert. Aber bei Lem & Co. in der ersten Reihe zu stehen, ist Ehrensache. „I´m Captain Lemmy and we are MOTÖRHEAD“, grinst der Haudegen zur Eröffnung. War die erste Show schon klasse, sorgt das Trio heute speziell bei denjenigen, die Herrn Kilmister bereits weitgehend abgeschrieben hatten, für Freudentränen. Lemmy klingt frisch, nippt launig an seinem Wasser („San Pellegrino from Italy, good stuff!“) und ist fit genug, das Set um ´No Class´ und das durch Thin Lizzy bekannte Bob-Seger-Stück ´Rosalie´ zu verlängern. Phil hat richtig Bock, steht kaum still und kommt offensichtlich endlich damit klar, dass er aufgrund von Lemmys Bewegungsarmut der Aktivposten auf der Bühne sein muss.
Die Live-Rausschmeißer der Reise sind WILSON und METAL ALLEGIANCE. Das Publikum soll sich dazu unter dem etwas umständlichen Tagesmotto „Go To Heaven, Raise Hell“ als Teufel oder Engel verkleiden. Aber auch diverse schicke Teufelinnen haben keine Chance gegen Wilson, die fast komplett in Frauenkleidern die „Starlight Lounge“ beehren und erneut einen souveränen Eindruck hinterlassen. Aus denen wird noch was.
Danach gibt´s ein paar Stunden Schlaf, bevor wir am nächsten Morgen wieder in Miami anlegen und schnell von Bord komplimentiert werden. Das Aufräumen des Schiffs dürfte nach vier durchgerockten Tagen und Nächten ´ne Weile dauern, und die Gäste für die nächste Normalo-Kreuzfahrt kommen bereits wenige Stunden später mit ihren Rollkoffern anmarschiert.
Geil war´s! Der Vorverkauf fürs Motörboat 2015 läuft bereits. Wir werden wieder dabei sein.

www.motorheadcruise.com
www.facebook.com/motorheadcruise


Das Motörboat

Der Taufname des Motörboat ist „Carnival Ecstasy“. Das schicke Schiff ist 260 Meter lang, fasst 2056 Passagiere, die von 920 Crewmitgliedern versorgt werden, und schiebt sich, von 85.000 PS angetrieben, mit knapp 40 Stundenkilometern durchs Wasser. Der Stapellauf des 275 Millionen Dollar teuren und tatsächlich 70.000 Tonnen schweren Schiffs war 1991. Es gibt 13 Decks. Das oberste trägt, um abergläubische Mitreisende nicht zu verunsichern, dennoch die Nummer 14. Zehn Decks sind für die Passagiere zugänglich. Vier davon sind Unterkünften vorbehalten. Je nach Kontostand werden verschiedene Serviceklassen angeboten. Wer wirklich nur zum Pennen in die Koje plumpst, ist in einer fensterlosen Fünf-Personen-Innenkabine bereits mit absolut fairen 400 Dollar dabei. Es folgen Quartiere mit Bullauge, Fenster oder Balkon (550 bis 1.400 Dollar pro Person). Wer´s besonders dick hat, schnappt sich ´ne Suite mit großem Balkon und eigenem Whirlpool und legt dafür pro Kopf 3.500 Dollar auf den Tisch. Für jeden Gast fallen zusätzlich 215 Dollar Steuern und Gebühren an. Man sollte allerdings auch nach dem Buchen seine Kohle im Blick behalten. Sämtlicher Alkohol, diverse Softdrinks und einige Restaurants kosten extra, ebenso Spa und, logo, das Casino, das neben der Zigarrenbar auch das einzige Indoor-Raucher-Refugium ist. Zudem werden pro Person täglich 11,50 Dollar Trinkgelder berechnet und direkt von der On-Board-Kreditkarte abgezogen. Aber so was wie Swimming- und Whirlpools, das wortwörtlich ziemlich fette Buffet, das anschließend nötige Fitnesscenter und natürlich das einfach umwerfende Ambiente gibt´s für lau. Wer faul in der Kajüte bleibt, hat Satelliten-TV und aktuelle Kinofilme in der Flimmerkiste, leiht sich Lektüre aus der kleinen Bücherei oder nervt den Roomservice.
Verboten ist an Bord das Übliche: Drogen, Nacktheit, unverheiratete Passagiere unter 21 in einer gemeinsamen Kabine (die wollen echt ´ne Heiratsurkunde sehen, wir sind hier schließlich in den USA), Knarren (obwohl wir hier in den USA sind) und Hookahs (das sind keine Zwei-Dollar-Cracknutten, sondern Wasserpfeifen). Wer erwischt wird, darf umgehend über die Planke gehen bzw. beim nächsten Stopp das Schiff verlassen. Wer in seiner Kabine raucht, muss 250 Dollar Reinigungskosten berappen. Bei den Gigs herrscht eine – und das ist jetzt natürlich Wasser auf die Mühlen der Kreuzfahrthasser – „No moshing, crowd surfing or stage diving“-Politik. Wer nicht spurt, wird vom jeweiligen Gig ausgeschlossen. Wiederholungstäter werden von Bord verwiesen.

Pic: Katherina Henrichs

Bands:
DANKO JONES
ZAKK WYLDE
TESTAMENT
ANTHRAX
MOTÖRHEAD
DOWN
METAL ALLEGIANCE
Autor:
Jan Jaedike

Auch interessant:


Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.