Festivals & Live Reviews


Pic: Holger Ziegler

Festivals & Live Reviews 04.06.2019, 15:32

VISIGOTH, JAG PANZER, MINDLESS SINNER - METALHEADZ OPEN AIR 2019

Bereits zum neuen Mal sind die Bavarian Metalheadz mit ihrem eigenen Festival am Start. Diesmal hat man im Vorfeld mit mehreren Bandabsagen (Trial, The Rods, Agent Steel und Puzzy Lovers) zu kämpfen, schafft es aber dennoch, ein starkes Billing zusammenzustellen und freut sich Ende Mai/Anfang Juni über bestes Festivalwetter.

FREITAG

Nachdem INVICTUS, AXE CRAZY, PREDICTION, RESISTANCE, TURBOKILL und OLD MOTHER HELL das Festival eröffnen, steht mit BEWITCHER das erste Highlight an. Derzeit sind die Amerikaner mit Visigoth auf Tour und neben den Clubshows bieten Festivals wie dieses eine gelungene Abwechslung der Europarundreise. Dabei kommt der Satanic Speed Metal des Trios aus Portland gut an - auch wenn man den Herren mit den ultracoolen Bühnennamen Infernal Magus Of Nocturnal Alchemy, Unholy Weaver Of Shadows und ihrem neuen Drummer Aris Wales ihr satanisches Image nicht abnehmen will. Ihr Songmaterial, das irgendwo zwischen Venom, Midnight, Hellripper und Motörhead angesiedelt ist, zeigt sich authentisch und stark. Folgerichtig schließt man seinen Auftritt mit einem Motörhead-Cover ab und hat nach dem Trip durch Europa in Kürze eine weitere große Tour durch die Staaten mit Striker und Holy Grail auf der Agenda.

Foto: Holger Ziegler

Während Brian Ross mit Satan derzeit erfolgreicher denn je ist, gerät seine zweite Band BLITZKRIEG etwas ins Abseits. Vollkommen zu Unrecht, denn letztes Jahr haben die Briten ein starkes neues Album veröffentlicht und heute gibt es einen der raren Auftritte der Truppe um den NWOBHM-Veteranen. Auch wenn die Band mit seinem langjährigen Weggefährten Ken Johnson, seinem Sohnemann Alan, dem neuen Bassisten Liam Ferguson und dem Jungspund Matt Graham an den Drums auf den ersten Blick wenig homogen wirkt, schafft man es dennoch, eine starke Einheit darzustellen. Im Mittelpunkt der Setlist steht das aktuelle - sträflich unterbewertete - Album „Judge Not!“, dazu gibt es die Judas-Priest-Huldigung 'Call For The Priest' und vor allem diverse Klassiker vom Debüt (darunter zur großen Überraschung mal wieder das Satan-Cover 'Pull The Trigger' in einer Maxiversion). Letztlich ein klasse Auftritt der Engländer, die eindrucksvoll beweisen, dass sie nicht im Schatten von Satan stehen müssen.

Für VISIGOTH ist der heutige Auftritt ein besonderer, denn viele Festivals hat die Truppe aus Salt Lake City noch nicht geheadlined. Für das Quintett um Jake Rogers - der einmal mehr eindrucksvoll demonstriert welch starker, heroischer Frontmann er ist - ist das aber kein Problem und souverän beweist man, dass die Band nicht ohne Grund als Zukunft des Heavy Metal gehandelt wird. In Sachen Setlist gewichtet man seine beiden Alben gleich, stellt zudem die neue Single mit den beiden Songs vor und trifft auf ein textsicheres Publikum. Nach der Schlussnummer 'Iron Brotherhood' ist klar: So muss epischer purer Heavy Metal klingen. Mal sehen, ob die Band den Sprung in das professionelle Lager wagt. Sollte man es gesundheitlich schaffen, wird man künftig sicherlich noch viele Festivals headlinen. Schade nur, dass die angedachte neunzigminütige Spielzeit nicht ausgereizt wird.

SAMSTAG

Der zweite Festivaltag beginnt traditionell mit dem Weißwurstfrühstück. Es folgen mit INFERNO, TERRYFY und VULTURE (man darf sich auf den Auftritt beim Rock Hard Festival freuen) erstmal eine Reihe deutscher Bands. Deutsch sind natürlich auch ABANDONED, und da man im Vorjahr kurzfristig absagen musste, sind die Hessen heute umso motivierter. Schade, dass der Publikumszuspruch aber recht gering ist, denn wer sich auf dem Zeltplatz oder im stark frequentierten Bierzelt aufhält, verpasst auf jeden Fall einen erstklassigen Auftritt. Nachdem Mastermind Eric „Kalli“ Kaldschmidt sich beim Keep It True um die Koordination des Mark-Shelton-Tributs gekümmert hat, ist der heutige Auftritt mit seiner Stammband eher eine Rarität. Dabei zeigen die Darmstädter („South Of Hessen“), dass sie zum Besten zählen, was der deutsche Thrash-Metal-Markt zu bieten hat. Hinzu kommt der eigenwillige Humor von „Kalli“, der mit der Wortschöpfung „Säckinnen“ den deutschen Wortschatz erweitert und der Bass-Gitarren-Wechsel von Holger Ziegler und Torsten Schweikert, der zur Mitte des Auftritts auch nicht alltäglich ist. Letztlich ein cooler Auftritt bei sengender Hitze, der definitiv mehr Zuschauer verdient hätte.

Foto: Holger Ziegler

Für die nachfolgenden INDIAN NIGHTMARE sind die hohen Temperaturen dagegen kein Problem, handelt es sich bei den Wahlberlinern um eine multikulturelle Truppe mit Wurzeln in Indonesien, Italien, Mexiko und der Türkei. Sorgten am Vortag Bewitcher für den räudigen Metal, ist es heute das geschminkte Quintett, welches extrem viel Wert auf sein Image wert. Sieht auch cool aus, besonders Frontmann Poison Snake mit seinem Knochenmikro und seinen Ausdruckstänzen ist dabei der Blickfang. Unabhängig davon, würde es interessieren, wie der Aufmerksamkeitsfaktor der Truppe ohne ihr außergewöhnliches Jungle-Outfit wäre. So oder so bietet man coolen Tribal-Metal-Punk, der stilistisch irgendwo zwischen dem Slayer-Debüt, britischem Punk und Speed Metal angesiedelt ist und klasse beim Publikum ankommt.

SEVEN SISTERS sind heute die erste britische Band. Stark von der NWOBHM beeinflusst, bieten die Herren Graeme Farme und Kyle McNeill auch die besten Doubleleads des Festivals. Apropos Kyle McNeill: Irgendwie erinnert der Rotschopf an Kevin Heybourne von Angel Witch, von denen man stilistisch auch nicht weit entfernt ist. Mit den Songs ihrer beiden Alben und der Single hat man auf jeden Fall starkes Material zu bieten und spielt einen tollen Auftritt.

Gleiches gilt auch für IDLE HANDS, die heute ihre endlos lange Europatour (gestern spielte man noch beim Muskelrock in Dänemark) beenden. Man merkt es vor allem Frontmann Gabriel Franco an, dass er langsam am Ende seiner Kräfte ist. Dennoch gibt er alles und beeindruckt mit seiner Bühnenpräsenz. Nicht ohne Grund ist die Band aus Portland der derzeit angesagteste Newcomer, der mit seiner Mischung aus Heavy Metal und Goth Rock eine Nische gefunden hat und für sein intensives Touren und sympathisches Auftreten belohnt wird. Jetzt gilt es den Erfolg erstmal zu verarbeiten, die Akkus aufzuladen und dann die Karriereleiter weiter hochzuklettern.

Foto: Holger Ziegler

AMULET haben es danach schwer den Stimmungspegel zu halten und leider bieten die Briten nur einen durchwachsenen Auftritt. Zwar hat man mit Federico Mazza, der auch noch bei seinen Landsleuten Asgard aktiv ist, einen klasse Frontmann am Mikro, aber irgendwie will das Songmaterial der Londoner nicht so recht zünden. Cool ist auf jeden Fall das improvisierte Bandbanner aus einem weißen Bettbezug und auch die Frage an das Publikum, ob am Sonntag jemand ihren Drummer bis Hamburg mitnehmen kann. Dumm nur, dass sich kein Chauffeur findet.

MINDLESS SINNER haben natürlich einen Veteranenbonus, den sie eigentlich gar nicht nötig haben. Die Setlist der Schweden (nahezu Originalbesetzung!) aus Linköping orientiert sich stark am Auftritt vom KIT und der danach veröffentlichten Live-Scheibe „Keeping It True“. Zwar kann auch das Material des letzten Studioalbums überzeugen, aber letztlich ist das Konzert eine gelungene Zeitreise zu den Wurzeln des schwedischen Heavy Metal.

Wer JAG PANZER auf der laufenden Tour schon gesehen hat, weiß, was einen erwartet: eine der besten und intensivsten Heavy Metal Shows, die man derzeit erleben kann. Nicht mit dabei ist Joey Tafolla und den vermisst auch niemand, denn sein Ersatz Ken Rondarte macht einen tollen Job, hat Charisma und übernimmt beim 'Foggy Dew'-Cover sogar den Einstiegsgesang. Der ist ansonsten bei Harry „The Tyrant“ Conklin in besten Händen. Dabei scheint es so, als haben sein Umzug nach Griechenland und seine ständig wachsenden Haare auch einen Einfluss auf seine Bühnenshow, die einmal mehr grandios, aber etwas anders als noch vor Jahren ist. Bei der Setlist reihen sich die vier Nummern der aktuellen Scheibe problemlos an die Klassiker des US-Power-Metal. Und von denen sorgen natürlich vor allem 'Shadow Thief', 'Chain Of Command', 'Iron Eagle', 'Black' und 'Harder Than Steel' für Ekstase. Unverständlich allerdings, warum die Security mehrfach eingreift und Leute vom Abfeiern in der ersten Reihe abhält. Abgeschlossen wird der grandiose Auftritt mit dem Zugabetriple 'Warfare', 'Generally Hostile' und 'Symphony Of Terror'. Besser hätte das zweitägige Festival nicht enden können. Eigentlich sollten jetzt noch Agent Steel folgen, deren Auftritt wurde erst am Tag vor dem Festival abgesagt, denn tatsächlich war ein Auftritt von John Cyriis und seinen Mietmusikern noch im Bereich des Möglichen, obwohl alle Shows nach dem misslungenen KIT-Kurzauftritt abgesagt wurden. Die starke Show von Jag Panzer hätte der Amerikaner mit seiner europäischen Begleitband aber definitiv nicht toppen können. So oder so hat John Cyriis seinen ramponierten Ruf nun gänzlich zerstört. Auf den Maisfeldern rund um das Festivalgelände hätte er aber sicherlich eine tolle Landefläche gefunden. Coole Reaktion eines Fans auf die Absage ist, dass er seinen großen Backpatch zum „Skeptics Apocalypse“-Album mit einem Edding einfach durchgestrichen hat.

Foto: Holger Ziegler

Fazit: Mit dem Metalheadz Open Air ist die Festivalsaison gelungen gestartet und nächstes Jahr darf man sich in Obernburg am Lech zum zehnjährigen Jubiläumsfestival auf Screamer, Ambush, Bonfire, Blizzen, Midnight Rider, Metal Inquisitor und Stallion freuen. Bis dahin sollte man sich mit der Security mal austauschen und den überfüllten Tagesparkplatz vergrößern. Ansonsten ist das Festival in Sachen Gemütlichkeit und Fanfreundlichkeit kaum zu überbieten!

Bands:
VISIGOTH
JAG PANZER
MINDLESS SINNER
BLITZKRIEG
Autor:
Wolfram Küper

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