Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 22.03.2017

NASTY SAVAGE - Metal Assault VII

Im letzten Jahr war Steve Grimmett mit Grim Reaper noch Gast beim Metal Assault gewesen. Wie sich herumgesprochen hat, meinte es das Schicksal seither leider nicht gut mit dem Sänger: Steve hat seinen rechten Unterschenkel verloren und sitzt derzeit auf astronomischen Kosten für seine medizinische Versorgung. Daher gab es beim diesjährigen Festival zwei Spendenkassen, in die die etwa 1.000 zahlenden Zuschauer insgesamt 1.640 Euro einwarfen, um Steve unter die Arme zu greifen. Ein schönes Beispiel für die weltweite Solidarität unter den Metallern.

Für den mitreißenden musikalischen Auftakt sorgen die jungen Wilden von BLACKSLASH, bei denen bis auf den einen halben Meter zu hoch hängenden Bass alles hundertprozentig auf Achtziger getrimmt ist. Die stimmigen Songs und die energiegeladene Performance runden den positiven Eindruck ab.
Auch VULTURES VENGEANCE legen sich mächtig ins Zeug, doch musikalisch und soundtechnisch wirkt die Darbietung der Italiener leider arg kraftlos.
Das macht der nachfolgende Geier ohne Rachepläne deutlich besser. VULTURE müssen zwar mit technischen Unzulänglichkeiten in Form eines mittelfrequenten Pfeiftons kämpfen, aber wenn die Band mit ihrem angeschwärzten Speed Metal loslegt, gibt es nur noch ein Feedback, nämlich bangende Köpfe in der ganzen Manege. Zudem bieten die Flattermänner die vermutlich höchste Nietendichte der gesamten Tages, was sich gewiss nicht auf die musikalischen Fähigkeiten der Musiker bezieht. (sg)
Studiotechnisch konnten die schwedischen ANTICHRIST mit ihrem „Forbidden World"-Erstling durch die Bank gute Kritiken einheimsen, auf der Würzburger Bühne kommt der angeschwärzte Frühachtziger-Thrash jedoch leider ziemlich bieder daher. Dem Gitarrensound fehlt die Durchschlagskraft, und Shouter Anton Sunesson geht einem mit seinem heiseren Gebell spätestens zur Hälfte des Gigs auf die Testikel. Fazit: Wer keine Ausstrahlung besitzt, sollte über ein Mindestmaß an Stageacting nachdenken. Muss ja nicht gleich in Evil-Invaders-Leistungssport ausarten.
„Celebrate the scorpion" heißt das Motto der belgischen Legende OSTROGOTH. Sprich: Die „Ecstasy And Danger"-Scheibe von 1984 bildet den Kern des Sets. Der Sound ist plötzlich bestens, und Drummer Mario Pauwels (62), das einzige verbliebene Originalmitglied, strahlt wie ein havarierter Reaktor, als auch das Jungvolk zu immergrünen Krachern wie ´Queen Of Desire´ und ´Stormbringer´ abgeht. Bei ´Paris By Night´ packt Sänger Josey Hindrix die Logo-Flagge aus, ´Full Moon´s Eyes´ und ´Heroes´ Museum´ beschließen einen Gig, der gerne länger als eine Stunde hätte dauern dürfen.
Und wir bleiben in den frühen Achtzigern. Vom okkulten Image WITCHFYNDEs ist außer der Augenschminke von Sänger Luther Beltz zwar nichts mehr übrig, die Spielfreude steht den NWOBHM-Veteranen jedoch ins Gesicht geschrieben. Auch wenn´s hier und da ein bisserl holpert, dem Charme solcher Perlen wie ´Moon Magic´ (Ronnie James Dio gewidmet) und ´Leaving Nadir´ kann sich niemand ernsthaft entziehen. Bei ´Give ´Em Hell´ sind gefühlt alle Fäuste in the air, dazu gibt´s den ersten Crowdsurfer des Tages zu besichtigen. Auch der Preis fürs geschmackvollste Festival-Beinkleid geht nach England – an Bassist Pete Surgey. Eine „Dark Side Of The Moon"-Buxe in XXL muss man tragen können. (lk)
Spannende Frage: Wie wäre die Karriere von ARTILLERY verlaufen, wäre ihre Heimat die Bay Area gewesen und ihr Label Metal Blade oder Combat? Ganz sicher würden die Dänen heute in einem Atemzug mit den großen Genre-Acts genannt. Und auch wenn die neuen Scheiben der Stützer-Brüder hochwertig sind, haben ihre ersten drei Veröffentlichungen, die heute im Mittelpunkt des Old-School-Sets stehen, einen ganz besonderen Charme. So brettert das Quintett Klassiker wie ´By Inheritance´, ´The Almighty´ und natürlich ´Khomaniac´ ins dankbare Publikum. Zwar fehlt es der Truppe etwas an Ausstrahlung, aber das gleicht man durch Sympathie locker aus.
Als supersympathisch muss man natürlich auch James Rivera bezeichnen. Und der präsentiert sich heute mal wieder mit einem neuen Line-up. HELSTAR bieten mit ihrer Setlist einen Querschnitt durch ihre umfangreiche Diskografie, der bis zum Debüt reicht und aus dem natürlich das Achtziger-Material heraussticht. Im Mittelpunkt steht der charismatische Sänger, der heute passend zu den Nummern der „Nosferatu"- und „Vampiro"-Scheiben Rüschenhemd, einen rotschwarzen Umhang und Vampirzähne trägt und sich damit auch als Darsteller für eine Bram-Stoker-Verfilmung empfiehlt. Zwar leiden die Songs unter dem schwachen Sound, dennoch werden die Göttergaben sowie das Priest-Cover ´Sinner´ freudig abgefeiert.
NASTY SAVAGE sind natürlich Großmeister der Inszenierung, und als Frontmann Ronnie auf einen Rollator gestützt auf der Bühne erscheint, lässt das für den weiteren Auftritt nichts Gutes erahnen. Aber Fake: Der Wrestler entledigt sich schnell des Teils und bietet genau die Show, die man sich erhofft. Natürlich fließt (Kunst-)Blut, werden Röhrenfernseher geschrottet und die Metallkette geschwungen. Den Soundtrack dazu liefern Ausnahmenummern fast aller Nasty-Savage-Veröffentlichungen. Und da Ronnie mit Gitarrist Dave Austin und Basser Richard Bateman zwei alte Weggefährten dabei hat, bietet die Show die Authentizität, die es braucht, um von einem (weiteren) unterhaltsamen Comeback zu sprechen. Dass der Fleischkloß die hohen Töne nicht mehr erreicht und körperlich arg angeschlagen wirkt, muss man dabei verkraften. (wk)

Nasty in Würzburg waren: Wolfram Küper (wk), Ludwig Krammer (lk) und Stefan Glas (sg).

Bands:
NASTY SAVAGE
Autor:
Wolfram Küper
Ludwig Krammer
Stefan Glas

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