Interview

Interview 19.08.2019, 14:50

LUNA SOL - I wanna be a hippie

Dave Angstrom (Hermano, ex-Supafuzz), der vor einiger Zeit seine Heimat Kentucky verließ und in die Berge bei Denver, Colorado zog, ist eine ausgeglichene Frohnatur. Nach dem Debütalbum von 2016 erscheint in diesen Tagen der Nachfolger „Below The Deep“. Dieser vereint klassische Kyuss-Stonerriffs mit Bluesrock-Jams und mehrstimmigen Vocals. Freunde und Familie werden in die Entstehung der Musik eingebunden und der Spaß an der spontanen Kreativität steht im Vordergrund.

Dave, seit dem letzten Album wurde die halbe Besetzung bei LUNA SOL ausgetauscht. Wirst du in dieser Band immer Musiker auswechseln, je nachdem wie viel Zeit sie mitbringen und wie eure künstlerischen Vorstellungen sind?

»Ja, wir hatten einige Veränderungen zugunsten des Sounds und der Ausrichtung des Albums, aber wir sind nach wie vor mit Pat und Shanda (ex-Bandmitglieder an Drums und Gitarre - ms) befreundet. Nachdem ich mit dem Songwriting für „Below The Deep“ begonnen hatte, wollte ich unbedingt ein paar Dinge anpassen. Justin habe ich durch einen Flyer kennengelernt, den wir in der Stadt verteilt haben. Er kam vorbei, baute sein Drumkit auf und es hat sofort zusammen funktioniert. David ist Fotograf und ein Freund von uns. Als klar wurde, dass Shanda wegziehen wird, rief er an und zeigte Interesse bei Luna Sol einzusteigen. Es war das selbe großartige Erlebnis wie mit Justin. David ist ein sehr positiver und netter Kerl und hat’s an der Gitarre ebenfalls drauf. Wie man sieht, sind einige dieser Änderungen geplant gewesen, aber diese Band sollte von vornherein etwas freies sein, Spaß machen. Etwas wo die Freundschaft an erster Stelle steht, man zusammen Musik schreibt und im Studio abhängt. An diesem Album waren wieder viele Freunde beteiligt und ich bin glücklicher als je zuvor, diese Art von Musik mit jeder Menge Gitarren und Vintage Marshall Amps in meinem Leben machen zu können.«

Es scheint, als ob du dieses Mal viel tiefer in den Wurzeln des Blues gegraben hast, wie zum Beispiel im Song 'Man Worth Killing'. In vielen Blues-Traditionals gibt es ja häufig einen engen Zusammenhang zwischen dem Rhythmus der Instrumente, den Vocals und dem Inhalt der Texte.

»Das stimmt. Ich wollte mehr von meinen Wurzeln in die Band einbringen. Ich bin in Kentucky aufgewachsen, einer Region in der es viele tolle Musiker gab. Mein Lieblingsgitarrist neben Hendrix und Johnny Winter ist Greg Martin von den KY Headhunters. Als wir noch Kids waren, hießen sie Itchy Brother und haben Blues-basierte Rock-Riffs gespielt. Spiel noch ein bisschen Südstaaten-Twang dazu und ich freue mich sofort. Cool, dass du das bemerkt hast. Es ist schön, dass es uns gelungen ist, diese Elemente in den Luna-Sol-Sound zu integrieren. „Man Worth Killing“ hat viel Spaß gemacht, weil Gitarre und Drums One Take und ohne Click aufgenommen wurden.«

Bist du in diesen Zeiten mehr durch persönliche, oder auch soziale und politische Themen inspiriert? Ich frage, da viele Songs eine sehr positive Stimmung transportieren, obwohl sie heavy sind und viel Fuzz und Verzerrung zum Einsatz kommt.

»Oh, vielen Dank. Es ist eine Menge los im Leben. Meine Kinder wachsen auf, dieser ignorante Pavian im Weißen Haus, Alltag mit der Familie. Vieles, womit ich mich beschäftige, aber ich versuche eine optimistische Person zu bleiben und das Gute in meinem Leben zu sehen. Es steckt auch jede Menge Schmerz in diesem Album, aber meine Frau, meine Kinder, unser Zuhause, meine Familie und mein Hund sind viel wichtiger als all die Negativität die man zur Zeit aus den USA vernimmt. Wir sind eine bessere Menschheit als einige meinen und wir müssen zusammenhalten und uns unterstützen. Meine Güte, ich bemerke gerade, dass das Leben in Colorado einen Hippie aus mir macht (lacht). Aber das ist cool.«

Auf „Below The Deep“ ist viel Aufwand und Leidenschaft in die Gesangs-Arrangements gesteckt worden. Häufig sind sie mehrstimmig und es werden verschiedene Musiker miteinbezogen. Kannst du erklären, wie ihr das in Songs wie 'The Dying Conglomerate' und 'Garden Of The Gods' komponiert und umgesetzt habt?

»Ich füge beim Schreiben der Songs eine Menge Ideen für Harmonien hinzu, aber am Ende des Tages bringt Shannon viele magische Momente in ihre Gesangsparts ein. Sie macht das selbstständig und es ist sehr beeindruckend, sich hinzusetzen und ihr zuzuhören. Ich habe diese mehrstimmigen Gesangslinien immer geliebt, was wohl daher kommt, dass ich als Teenager haufenweise Achtziger-Metal gehört habe. Shanda hat für dieses Album auch einige Vocals aus ihrem Homestudio beigetragen. Bezüglich 'The Dying Conglomerate' hatte ich die Strophen-Harmonie direkt von Beginn an im Kopf und habe eine Demo davon aufgenommen. Es klang nach Siebziger-Southern-Rock und gefiel mir daher sehr gut. 'Garden Of The Gods' brauchte diese zusätzlichen Gesangslinien, um den Schmerz auszudrücken. Es ist ein sehr persönlicher Song und handelt davon, sich bei einer wichtigen Person zu entschuldigen. Jedes Wort darin ist sehr ehrlich.«

Ihr habt für den Song 'Sometimes We Get It Right' ein Video produziert. Es enthält Material von einer Verfolgungsjagd und sieht wie einem Siebzigerjahre-Film entnommen aus. Es erinnert mich an „Duel“ aus dem Frühwerk Steven Spielbergs. Habt ihr diese Ästhetik gewählt, weil Heavy Blues Rock immer cool zum Fahren in Retro-Karren ist?

»Unser Freund Tim Davids hat das für uns gemacht. Wir mögen starke und intelligente Frauen und wollten diese Seite im Gegensatz zu den halbnackten Standard-Tanzvideos zeigen, die es sonst gibt. Alte Autos, Verfolgungsjagden und tolle Frauen gehen immer. Ich bin kein Waffenfan, aber wir konnten den Film schlecht neu drehen (lacht). Tim ist wirklich fantastisch. Er weiß was wir mögen und wir fühlen uns geehrt, mit ihm zu arbeiten. Cargo Records hat uns bei der Umsetzung auch sehr geholfen. Ich wünschte, ich hätte dieses Auto, aber leider bin ich nicht so cool.«

Wenn wir über visuelle Seiten des Albums reden, ist eine Erwähnung des Cover-Artworks wichtig. Im letzten Interview hast du uns von einer Tattoo-Künstlerin in Denver erzählt, die für euch eine dunkelhaarige Frau mit einer weißen Blume im Haar gezeichnet hat. Nun sehen eine große Figur ein einem weißen Kleid, die in einem Bergsee versinkt. Wolltest du ein Warnsignal für die Menschen setzen, dass sie Schönheit und Gefahren der Natur stärker schätzen sollten?

»Ja, du triffst es auf den Punkt. Wir haben Lane Speas von Amplified Design auf Instagram entdeckt. Wir hatten ein paar Konzeptideen, aber Lane hat ein perfektes Artwork für das Album entwickelt. Es steht für die problematischen, aber auch schönen Seiten die es hier in Colorado gibt. Die Natur ist sehr energievoll und wir sollten aufeinander acht geben. Verdammt, ich bin ein Hippie (lacht).«

Also gebt ihr in Zukunft auf eure Fans acht und plant ein paar Shows außerhalb der Vereinigten Staaten? Im Augenblick konzentrieren Luna Sol sich auf regionale Shows in Denver.

»Du, ich war so viele Jahre mit Supafuzz unterwegs, dass ich aufgehört habe zu planen und versuche, in der Gegenwart zufrieden zu sein. Meine Frau wird dir bestätigen, dass ich damit immer noch zu kämpfen habe, aber ich versuche es. Ich habe keinen großen Drang zu touren oder mich als Rockstar zu fühlen. Die Erfahrungen mit Luna Sol sind zur Zeit mehr als ausreichend für mich, aber falls es eine Tour gibt die für uns alle Sinn macht, bin ich sofort bereit unsere Musik für die netten Menschen in Europa zu spielen. Das Publikum in Europa ist meinen Eindrücken nach auf Konzerten immer eins mit der Musik. Andererseits könnt ihr auch einfach bei mir zuhause auf eine Grillparty kommen und uns im Studio beim jammen zusehen (lacht).«

www.lunasol.us

www.facebook.com/Lunasolmusic

Bands:
LUNA SOL
Autor:
Meredith Schmiedeskamp

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