ToneTalk

ToneTalk 19.12.2016

LOUDNESS - »Die Gitarre ist meine Waffe

Akira Takasaki ist zweifelsohne Japans bekanntester Gitarrist und spielt auch international in der obersten Liga. Mit seiner Band LOUDNESS hat er weit über 20 Studioalben veröffentlicht, von denen eine Handvoll als Klassiker gehandelt werden. Akiras Gitarrenspiel ist unverkennbar, auch wenn er sich über die Jahre hin verändert hat. Der inzwischen 55-Jährige lebt seit seiner frühen Jugend nur für die Musik.

Akira, als du in den Siebzigern mit dem Gitarrespielen begonnen hast, war Japan ziemlich konservativ und traditionell. Diese Entscheidung war sicher ein Schock für deine Eltern, die Schule und dein Umfeld, oder?

»Ich war elf, als ich eine Akustikgitarre im Zimmer meines Bruders fand. Meine Geschwister hörten viel Musik und spielten damals auch sehr oft auf Instrumenten. Meine Eltern haben mich bei meiner Entscheidung unterstützt, Gitarre zu spielen. Einzig in der Schule gab es Probleme. Da wollte man mich zwingen, damit aufzuhören, weil ich auf die anderen einen schlechten Einfluss hätte. Ich hatte übrigens niemals Gitarrenunterricht, ich brachte mir alles selbst durch Bücher bei.«

Lazy waren deine erste Band. Wie muss man sich die japanische Szene Mitte der Siebziger vorstellen? Wie fand man Gleichgesinnte in solch einer traditionell ausgerichteten Gesellschaft?

»Ich war 13, als ich Lazy in der Junior High School mit anderen zusammen gegründet habe. Es waren die goldenen Jahre für die japanische Musikszene, nicht zuletzt wegen Enka und Kayoukyoku – das war bzw. ist traditionelle japanische Popmusik. Parallel dazu tauchten in Japan internationale Bands wie Led Zeppelin, Kiss, Deep Purple oder Grand Funk Railroad auf, auf die die Leute sehr stark abfuhren. Japaner nennen diese Musik übrigens Yougaku. 1977 haben wir mit Lazy unser Debüt veröffentlicht und bis 1980 vier weitere Alben nachgelegt. Lazy waren sehr populär. Unsere Platten waren Chartalben, wir hatten TV-Auftritte, waren in Pin-up-Magazinen etc. Wir waren Popstars. Mir wurde das aber schnell viel zu soft, ich wollte härtere Musik spielen. Bei Lazy war übrigens damals auch schon der Schlagzeuger Munetaka Higuchi dabei, mit dem ich nach dem Ausstieg bei Lazy LOUDNESS gründete.«

Mit den Alben „The Birthday Eve“ (1981), „Devil Soldier“ (1982), „The Law Of Devil´s Land“ (1983) sowie „Disillusion“ (1984) konnten sich LOUDNESS schnell etablieren, auch international. Auf diesen Scheiben hast du zu deinem Stil gefunden und wurdest zu einem hoch angesehenen Gitarristen. Wie würdest du deine Spielweise auf diesen Platten charakterisieren?

»Von Album zu Album wurde meine Technik ausgefeilter. Die vielen Shows waren sicher vorteilhaft und haben mich noch selbstsicherer gemacht. Mein Ziel war klar definiert: Ich wollte überall auf der Welt spielen! Mein Stil war nicht Heavy Metal, ich spielte Rock, und das mache ich bis heute. Die Gitarre ist meine Waffe, um mich auszudrücken.«

Inwieweit hat sich dein Gitarrenspiel seit damals verändert? Gefühlt behaupte ich mal, dass du dich von deinen klassischen Roots entfernt hast.

»Nichts hat sich verändert, ich spiele besser, meine Fingerfertigkeit ist präziser geworden. Der größte Unterschied ist sicher, dass ich heutzutage meine Stimmung, meine Seele, auch Ki genannt, direkt in mein Instrument fließen lassen kann. Auf meinem Soloalbum „Ki“ von 1994 klingt mein Spiel für meine Begriffe am meisten nach meinem wahren Ich.«

Gibt es Gitarristen, die dich maßgeblich beeinflusst haben?

»In den frühen Jahren wurde ich stark von Ritchie Blackmore inspiriert, später, mit 30, von Jimi Hendrix.«

Zusammen mit George Azuma hast du die Killer Guitars Company gegründet. Wie kam es dazu?

»Ich brauchte eine Firma, die meine Ideen in Sachen Gitarren schnell umsetzen kann, da war ein eigenes Unternehmen die beste Lösung.«

Killer Guitar ist eine sehr kleine Firma, in Übersee nicht sonderlich bekannt, allerdings mit einem exzellenten Ruf. Was unterscheidet eine Killer-Gitarre von anderen?

»Sie ist teurer, dafür aber sowohl auf der Bühne als auch im Studio extrem zuverlässig. Meine eigenen Killer-Gitarren sind nicht für mich speziell modifiziert. Es sind die gleichen Modelle, die jeder Gitarrist bei uns kaufen kann. Das sollte eigentlich schon genug über die Qualität der Marke aussagen.«

Bist du weiterhin am Design, der technischen Konfiguration sowie der Produktion beteiligt?

»Sicher. Ein Musiker weiß besser, wo die Fehler bei einer Gitarre liegen, als ein Designer. Generell ist es aber schon schwierig, die Ideen von Musikern umzusetzen, doch wir arbeiten ständig an der Optimierung der Modelle.«

Welches ist das meistverkaufte Killer-Guitar-Modell?

»Die Prime Akira Takasaki Signature.«

Und welches ist dein bevorzugtes Modell aus der Killer-Produktion?

»Hauptsächlich die Killer Prime Signature. Meine Gitarren sind, wie eben schon gesagt, die gleichen wie die im normalen Verkauf, also keine speziellen Modelle. Das, was ich spiele, findest du auch in unserem Shop.«

Wie sieht dein perfektes Bühnen-Setup aus?

»Meine eigene Ausrüstung: mein Effektboard, Marshall-JMP-1/Pre-Amp, Roger-Mayer-6550-Power-Amp, Marshall-Boxen aus den frühen Siebzigern.«

Benutzt du in Japan ein anderes Setup als in Europa?

»Aktuell verwende ich in Japan Friedman-BE-100-Amps. In Europa bevorzuge ich originale britische Marshall-Amps mit 230 Volt.«

Was war das Schlimmste, das dir jemals auf der Bühne passiert ist?

»In den frühen Tagen der Wireless-Systeme hatte ich bei den Shows viel zu oft Rauschen etc., weil mein Gitarren-Tech nicht mit der Technik klarkam. Da gab es viel Ärger. Eine schlimme Zeit.«

Was macht ein Akira Takasaki, wenn er nicht auf Tour ist, Musik produziert oder schreibt? Hast du Hobbys?

»Mein Leben ist voll und ganz auf die Musik ausgerichtet. Ich spiele sehr gerne Drums und Bass und singe gerne Karaoke. Zu Hause habe ich ein kleines Studio, in dem ich viel Zeit verbringe. Ich kann ohne Musik nicht leben. Lässt es das Wetter zu, dann bin ich auch oft am Strand und surfe.«

Hattest du jemals einen anderen Job außer Musiker?

»Nein. In meiner High-School-Zeit hatte ich kurzzeitig einen Wochenendjob in einem Game-Center, bei dem ich Gitarre spielte. Ansonsten war ich mein Leben lang Musiker.«

Hast du mal mit dem Gedanken gespielt, wegen der Musik aus Japan wegzuziehen, z.B. in die USA?

»Um das Jahr 2000 herum schaute ich mich in L.A. nach einem Haus für meine Familie um. Aber das hat sich dann zerschlagen. Ich lebe wieder in Osaka, einer großartigen Stadt. Und inzwischen mag ich Deutschland sehr. Großartiges Bier, schmackhaftes Essen. Deswegen würde ich gerne mal länger bei euch bleiben.«

Mitte der Achtziger waren LOUDNESS international hervorragend aufgestellt: US-Label, US-Management und große Tourneen. Was sind rückblickend deine besten Erinnerungen an diese Zeit?

»Wir waren fast zwei Monate mit Mötley Crüe auf Tour. Letztes Jahr haben wir eine Tourdoku auf Video wiedergefunden, die wir dann auf der 30th Anniversary Edition von „Thunder In The East“ veröffentlicht haben. Wir haben uns jede Nacht die Show von Mötley Crüe angeschaut, bei ´Home Sweet Home´ bekam ich jedes Mal Heimweh. Mit AC/DC waren wir ebenfalls zwei Wochen auf Tour, nachdem wir den Deal bei Atco unterzeichnet hatten. Mit diesen Bands zu touren, kann man nicht unter ferner liefen ablegen.«

Gibt es in der LOUDNESS-Karriere etwas, das du heutzutage bereust?

»Nein. Gutes wie Schlechtes, beides hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Für mich ist Musik das Wichtigste, ich versuche jeden fair zu behandeln. Mich persönlich belastet der frühe Tod unseres Schlagzeugers Munetaka Higuchi sehr (Higuchi verstarb 2008 an Leberkrebs - jt). Wir waren seit unserer Jugend Freunde. Er wünschte sich zum Schluss nur eines: dass wir weitermachen.«

Die englische Sprache war schon immer ein auffälliges Problem für euch. Ist dieses Manko mit dafür verantwortlich, dass ihr außerhalb Japans nie richtig fett durchstarten konntet?

»Ja, vielleicht. Andererseits, Musik kennt keine Grenzen. Auch wenn wir beide uns nicht verstehen könnten, die Musik würde uns doch auf eine Art verbinden. Aber letztendlich gebe ich dir recht, unsere extrem schwachen Englischkenntnisse haben vieles verhindert.«

www.loudnessjp.com

Bands:
LOUDNESS
Autor:
Jürgen Tschamler

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