Kolumne

Kolumne 21.02.2019, 14:36

Lords Of Chaos: Blick in den Abgrund

Jonas Åkerlund, der Ex-Bathory-Drummer und Musikvideo-Produzent (u.a. The Rolling Stones, Madonna, Metallica), hat mit LORDS OF CHAOS einen Spielfilm über die Geschehnisse in der norwegischen Black-Metal-Szene Anfang der neunziger Jahre gedreht. Als Vorlage und Namensgeber diente ihm dabei das gleichnamige Buch, das von politisch mit Vorsicht zu genießenden Gestalten wie Michael Moynihan verfasst wurde. Wir schauten uns den Streifen bei einer von fünf Deutschland-Premieren an.

Der Film setzt zur Gründung Mayhems in den achtziger Jahren ein und beschreibt den Werdegang der Band und ihrer Protagonisten. Vom Selbstmord Per „Dead“ Yngve Ohlins über die erste Bekanntschaft mit Burzums Varg Vikernes, die Kirchenbrände und den Mord an Øystein „Euronymous“ Aarseth wird in zwei Stunden alles Wichtige gebündelt. Dies geschieht mit viel Detailtreue, denn sämtliche Kleidung sowie Locations wurden den zahlreichen und berühmten Fotos der damaligen Zeit nachempfunden. Der Spielfilm glorifiziert dabei in keiner Weise das Verhalten der Musiker, sondern macht sich anheischig, den einzelnen Personen komödiantische Züge zu verleihen. Unterbrochen werden diese eher lustigen Elemente allerdings von ziemlich schockierender und realistischer Brutalität. Nicht nur beim Selbstmord Deads, sondern vor allem bei den Morden an Magne Andreassen und Euronymous stockt einem der Atem, und man fühlt sämtliche Messerstiche am eigenen Leib.

Die schauspielerische Leistung bleibt allerdings weitestgehend auf der Strecke, man kann einzig Rory Culkin, der Euronymous verkörpert, eine annehmbare Darbietung attestieren. Der Rest der Besetzung überspielt die Rollen sehr und wirkt wenig überzeugend. Die schlechteste Leistung liefert Emory Cohen ab, der Varg völlig überzeichnet in Szene setzt. Ob dies nun Absicht des Regisseurs ist oder an mangelndem Können liegt, bleibt ein Geheimnis. Dem Black-Metal-Fan stößt eventuell die zuweilen dümmliche Darstellung der Musiker, allen voran von Snorre „Blackthorn“ Ruch, etwas auf. Andererseits entmystifiziert der Film die bösen Images der Satansanbeter mit einigen Slapstick-Einlagen während ihrer Alltagserlebnisse. Die Atmosphäre der Musik geht dabei natürlich verloren, und der Mensch hinter dem Corpsepaint rückt in den Mittelpunkt.

Positiv zu bewerten ist in jedem Fall, dass der Film nicht vorgibt, ein Abbild der Realität zu sein: „Based on truth and lies… and something that really happened“ flimmert zu Beginn über die Kinoleinwand. Dem Zuschauer, der sich mit der Materie eingehender beschäftigt hat, fällt zumindest auf, dass einige Aussagen von Varg Vikernes sowie die völlig gegenteiligen Zeugenaussagen in den Plot eingeflossen sind, um so der Wahrheit vielleicht etwas näher zu kommen.

„Lords Of Chaos“ ist ein Film, der sich mehr auf die Menschen als auf die Musik konzentriert und dabei natürlich den Reiz der Black-Metal-Stimmung verliert. Ob der Film für Zuschauer geeignet ist, die mit der Materie rein gar nichts zu tun haben, wage ich zu bezweifeln. Am 22. Februar wird der Streifen in ausgewählten Kinos zu sehen sein.

www.facebook.com/lordsofchaosmovie

Autor:
Stefan Hackländer

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