Interview

Interview 06.11.2020, 14:15

KREATOR - 30 Jahre "Coma Of Souls"

Am 6. November 2020 wird KREATORS fünftes Album „Coma Of Souls“ 30 Jahre alt. Zum Jubiläum hat Ronny Bittner die Scheibe nicht nur einem erneuten Review unterzogen, sondern auch mit KREATOR-Boss Mille Petrozza über das Album gefachsimpelt.

KREATOR
Coma Of Souls
Noise

Auch wenn vielerorts „Pleasure To Kill“ oder „Extreme Aggression“ als die definitiven Frühwerke angeführt werden, ist und bleibt „Coma Of Souls“ für mich die Krönung der klassischen KREATOR-Phase (die mit diesem Album auch endet). Nach dem Einstieg von Ex-Sodom-Gitarrist Frank Blackfire hat Mille Petrozza endlich einen gleichwertigen Partner an der Sechssaitigen gefunden. Daraus resultieren nicht nur zahlreiche geniale Trade-off-Soli, auch beim Songwriting spielen die beiden sich gekonnt die Bälle zu. Stilistisch wagt man gleichermaßen ein Mehr an Melodie, das man sich von klassischen Metalbands wie Judas Priest abguckt, als auch einen angezogenen Härtegrad, bei dem die aufkeimende Death-Metal-Bewegung Pate steht. Heraus kommen wahnwitzige Gitarren- und Drum-Arrangements, die in meinen Ohren noch heute zu den reifsten Leistungen gehören, die es im Thrash Metal je gegeben hat. Als Paradebeispiel gilt das vertrackte Titelstück, dem es aber trotz aller Komplexität nicht an Eingängigkeit mangelt. ´When The Sun Burns Red´, ´Terror Zone´ und ´Agents Of Brutality´ bringen einen mit ihren waghalsigen Riff-Ideen ebenso geil um den Verstand. Ironischerweise ist ausgerechnet der untypischste Song – das simple ´People Of The Lie´ – Dauerkandidat im Set der Essener geworden. Schade eigentlich. Ich würde stattdessen gerne mal die oben genannten Songs, ´Material World Paranoia´, ´World Beyond´ oder ´Twisted Urges´ live erleben.

Ronny Bittner


3 FRAGEN AN KREATOR-FRONTER MILLE PETROZZA:

Viele Fans halten „Coma Of Souls“ für ein Meisterwerk. Du bist mit dem Album in der Vergangenheit allerdings recht hart ins Gericht gegangen und hast u.a. gesagt, dass ihr euch im Vergleich zum Vorgänger „Extreme Aggression“ zu wenig weiterentwickelt habt. Hast du deine Meinung mit der Zeit geändert, oder gibt es immer noch Dinge, die dich an dem Album stören?
»So hart habe ich das wahrscheinlich nicht gemeint. Tatsächlich hätten wir uns für das Album gerne etwas mehr Zeit genommen, da viele der Songs nur in instrumentaler Form existierten, als wir das Studio seinerzeit betraten. Ich habe wirklich noch bis zur letzten Sekunde an den Texten geschrieben. In der letzten Zeit habe ich das Album ein paar Mal gehört und finde es ziemlich cool.«

„Coma Of Souls“ war das erste KREATOR-Album, auf dem zwei Gitarristen zu hören sind, vorher hattest du immer alle Gitarrenparts alleine eingespielt. Was denkst du, inwiefern hat das Album von Frank Blackfires Spiel und Input profitiert?
»Die Rhythmusgitarren stammen nach wie vor von mir, allerdings brilliert Frank durch seine geschmackvollen Leadgitarren. Das hat eine neue Farbe ins Gesamtbild gebracht, die ich sehr mag. Wir haben wirklich etwas unter Zeitdruck gearbeitet und warfen uns die Riffs während der Session nur so zu. „Coma Of Souls“ stellt definitiv den insgesamt harmonischsten Moment des Line-ups mit Blackfire sehr gut dar.«

In der Summe gilt „Coma Of Souls“ als eines eurer musikalisch komplexesten Werke, wobei die auf drei Akkorden basierende Single ´People Of The Lie´ im Vergleich zum Rest recht simpel gestrickt ist. Bis auf ´People Of The Lie´ spielt ihr kaum noch was von dem Album live. Machen euch die komplexeren Songs live nicht so viel Spaß, oder kommen sie beim Publikum nicht so gut an wie simplere Smasher?
»Viele der Tracks wurden aufgrund des Zeitdrucks de facto noch nie mit Gesang gespielt. Die Songs, die neben dem besagten ´People Of The Lie´ immer mal wieder in der Setlist auftauchen, sind ´Terror Zone´ und ´When The Sun Burns Red´, welche ich auch am stärksten finde.« (rb)

Bands:
KREATOR
Autor:
Ronny Bittner

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