Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 24.10.2012

BEARDFISH , FLYING COLORS - Köln, Gloria

Das Gloria ist genau der richtige Rahmen für ein Package wie dieses. Roter Stoff an den Wänden, Teppich auf dem Boden und Ambient-Beleuchtung - das ehemalige Kino mitten in der Kölner Innenstadt ist angemessen stilvoll für den Edel-Rock der Supergroup um Neal Morse und Mike Portnoy, wobei die Film-Assoziation auch nicht schaden kann.

Das gilt insbesondere auch für BEARDFISH, die in ihren Texten feine Geschichtenerzähler sind. Dennoch haben die Schweden es irgendwie geschafft, mit insgesamt sieben Alben auf dem Kerbholz immer noch als Nachwuchshoffnung zu gelten. Obwohl nicht wenige im von Beginn an vollen Saal Fans der Band sind und immer wieder einzelne Songs fordern, wird recht deutlich, warum das so ist: Es fehlt schlicht an Charisma. Frontmann Rikard Sjöblom ist der Einzige, der überhaupt versucht, mit dem Publikum zu kommunizieren, und selbst er tut das nur verhalten. Während die virtuos gespielten, sehr an den Siebzigern orientierten Songs immer wieder mit ausgefuchsten Breaks und cleveren Ideen überraschen, bleibt der Zugang zu ihnen schwierig. Zwar ist die konsequente Weigerung der Band, mit Pop-Kadenzen hausieren zu gehen, auch bewundernswert, dennoch würde der eine oder andere wirklich eingängige Refrain dem Auftritt gut tun.

FLYING COLORS haben derlei Probleme nicht, im Gegenteil. Das Eröffnungstrio aus ´Blue Ocean´, dem völlig brillanten ´Shoulda, Coulda, Woulda´ und ´Love Is What I´m Waiting For´ trifft genau diese leicht zu verfehlende Mitte aus edelstem Arthouse-Rock und nacktem Pop. Jedes einzelne Mitglied der Band erfüllt seine Rolle perfekt: Casey McPherson ist ein wunderbarer Sänger und Frontmann, der nur mit einer Akustikgitarre bewaffnet auch die Herzen von Innenstadtpassanten in der ganzen Welt brechen könnte. Für Neal Morse gilt eigentlich genau das Gleiche, nur dass der sich an diesem Abend größtenteils auf seine Rolle als Keyboard-Magier konzentrieren kann, was er mit ansteckendem Vergnügen tut. Während Gitarrist Steve Morse und Bassist Dave Larue sich darauf beschränken, mit ihren spektakulären Instrumental-Fertigkeiten zu glänzen, ist Drummer Mike Portnoy, an seinem Schlagzeug über allem thronend, der Motor und Star der Band. Manchmal kann einem Casey McPherson fast leidtun, wenn er im Schatten des Mannes hinter ihm geradezu verschwindet und nur dann reden darf, wenn Portnoy gerade Pause macht, was selten der Fall ist. Weil der ehemalige Dream-Theater-Drummer die Menge perfekt im Griff hat und mit seinem wuchtigen, nuancenreichen Spiel auch musikalisch extrem wertvoll ist, stört das jedoch nur manchmal.

Ein paar echte Schwächen hat der Abend dann doch, vor allem in Hinblick auf die Setlist. Zum einen ist nicht jeder Flying-Colors-Song wirklich konzerttauglich, manche sind schlicht ein wenig lahm. Zum anderen hätte es, wenn schon ein Dream-Theater-Song gespielt wird, nicht unbedingt das unauffällige ´Repentance´ sein müssen. Egal, die vielen genuinen Hits und vor allem das immer wieder brillante Spock´s-Beard-Meisterwerk ´June´, gesungen von Portnoy, Morse und McPherson, wiegen alles auf und sorgen dafür, dass sich die Supergroup ihr Etikett verdient.

Pic: Axel Jusseit

Bands:
BEARDFISH
FLYING COLORS
Autor:
Tobias Blum

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.