Interview


Pic: Stephan Burmeister

Interview 10.04.2019, 15:00

KNORKATOR - Ei’m doing wat jutes

An einem sonnigen Frühlingsmorgen laden die Jungs von KNORKATOR zu einer Veranstaltung der ganz besonderen Art ein. Die Reise geht nach Köpenick, in den grünen Osten Berlins, wo „Deutschlands meiste Band der Welt“ in einer für eine Rockband eher ungewöhnlichen Location die Presse in Empfang nimmt: In der Kita „Unser Haus“. Für den Vormittag hat sich die Berliner Truppe das Ziel gesetzt, gemeinsam mit den Kindern Ostereier zu bemalen, um diese für den guten Zweck zu versteigern. Der gesamte Erlös soll nämlich dem Verein „Kinderlächeln“ gespendet werden, um krebskranken Kindern und deren Familien zu helfen. Ein sehr guter Anlass also, den Bandmitgliedern beim Eierbemalen über die Schulter zu schauen.

Während der Rest der Band noch kurz auf sich warten lässt, nimmt Sänger Gero „Stumpen“ Ivers mit angemaltem Hasengesicht und gebastelten Ohren (später auch als „Hasenkrone“ bezeichnet) gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kita bereits die ersten Gäste in Empfang. Während die restlichen Bandmitglieder und Journalisten langsam eintrudeln, schenkt Gero allen erstmal eine Tasse „Westkaffee“ ein und erläutert zum Hintergrund der Aktion: „Da war mal ein Aushang an der Kita, und zwar ein Aufruf zu einer Stammzellen-Geschichte. Da stand, dass ein zweijähriges Mädchen namens Paula schwer an Leukämie erkrankt ist. Dieser Aufruf fand in ganz Köpenick statt. Mittlerweile ist es wohl leider so, dass das Mädchen ziemlich am Abbauen ist und die Eltern auch wirklich Ruhe brauchen, weil die Krankheit jetzt schon das zweite Mal ausgebrochen ist. 4 Jahre ist das Mädchen jetzt alt, davon hat sie 2 Jahre im Krankenhaus verbracht.“ Weitergehend erinnert er sich: „Wir hatten als Band vor vielen, vielen Jahren schonmal sowas. Damals habe ich von einer Freundin den Anruf bekommen, dass es bei Kinderträume einen Jungen gibt, der sehr schwer an Leukämie erkrankt war und den Wunsch hatte, KNORKATOR kennenzulernen. Diesen Jungen namens Rico haben wir dann mit seiner Familie zum Kennenlernen eingeladen und das ganze Wochenende mit allem drumherum mit ihm verbracht. Das war so schön, denn Rico ist so stabil, fit und steht voll im Leben.“

Foto: Lukas Höpfner

Zur Einstimmung auf die österliche Aktion singen KNORKATOR und das Kita-Team erst einmal passend zur Jahreszeit 'Kuckuck, ruft’s aus dem Wald', wobei Gero seine charakteristische hohe Tonlage und ein leicht gerolltes R erklingen lässt, bevor die Kinder mit den Bandmitgliedern Gruppen bilden und sich an den Maltisch begeben. Parallel zum Verzieren der unterschiedlichsten Eier, werden hier munter weitere Kinderlieder gesungen, auch wenn die Erinnerungen an den Text von 'Alle Vögel sind schon da' bei den Jungs sehr unterschiedlich ausfallen. Keyboarder Alf Ator zeigt sich hier eindeutig am textsichersten, wofür er sich von Frontmann Gero den Spruch „Boah Alf, du Streber!“ einfängt. Kita-Leiterin Sabine Rudolph hingegen ist vom Umgang der Band mit den Kindern so angetan, dass sie den Jungs gleich ein neues Job-Angebot vorlegt: „Wenn ihr irgendwann mal nicht mehr in ‘ner Band spielen wollt, könnt ihr auch gerne Kita-Erzieher werden.“

Im Rahmen des Bemalens erläutert Alf noch genauer das Konzept der bemalten Eier: „Diese fünf rosafarbenen Eier haben wir extra so angemalt. Mit denen ist es wie mit chinesischen Glückskeksen: Da sind in jedem rosa Ei, die wir alle nochmal signieren werden, Überraschungen für die Leute, die sie ersteigern drin. Frei nach dem Motto „Ei’m doing wat jutes“. In jedem dieser Eier sind zwei Tickets für KNORKATOR-Konzerte der Wahl drin.“ Für das Ergebnis der Aktion hat die Band jedenfalls hohe Ziele: „Was gibt es schöneres, als kranken Kindern und deren Familien zu helfen? Deshalb bemalen wir heute hier mit den Kindern die Ostereier, werden die zu höchstmöglichen Erlösen versteigern und hoffen, dass ein hoher Betrag zusammenkommt. Das heißt, wir erwarten pro Korb, wo jeweils drei Eier drin sind, 1.000 Euro (die Band lacht). Wir würden uns natürlich freuen, wenn die Leute nicht nur die Eier für KNORKATOR finden, sondern auch so gerne für die Aktion spenden.“

Das Musiker-Dasein wird die Band fürs Bemalen von Eiern allerdings vermutlich nicht an den Nagel hängen: „Jeder, der hier meine bemalten Eier sehen würde, würde definitiv erkennen, dass ich Rock-Musiker und kein Eierbemaler bin (lacht). Aber es geht ja nicht um Schönheit, Hauptsache, alles wird bunt. Die Kinder sind dabei auf jeden Fall deutlich talentierter als wir. Aber von der malerischen Motorik in der Band ist auf jeden Fall Alf der Beste und der größte Künstler.“

Foto: Stephan Burmeister

Auch über das neue KNORKATOR-Album verrät Stumpen im Verlauf des Vormittags ein wenig mehr: „Die neue Platte „Widerstand Ist Zwecklos“ wird im September zur Welt kommen und einen Monat später startet dann die Tour dazu, „Zweck Ist Widerstandslos“. Wir sind jetzt gerade mit den Aufnahmen soweit fertig und ich finde, das ist schon ganz schön geil. Alf ist ja der größte Schreiber bei uns. Ich bin selber nicht so talentiert im Bereich Songs und Kompositionen machen. Ich bin immer ganz froh, wenn ich die Lieder dann irgendwann von Alf als Demo bekomme. Dann spüre ich immer so ein inneres „Ach, ist das geil.“ Die Songs sind dann in der Band gewachsen, wir waren im Studio, jeder hat seinen Part eingespielt, jetzt im April/Mai wird gemischt und dann gucken wir mal.“ (Weiter unten bekommt ihr erste Eindrücke zu einigen der Songs – lh) Der KNORKATOR‘sche Terminkalender ist auf jeden Fall erstmal ziemlich voll: „Jedes Jahr, wenn eine Platte rauskommt, ist für uns ein besonderes Jahr. Wir müssen auf jeden Fall gucken, dass wir für die Tour Kraft tanken, es gibt so 50, 60 Termine und das bedeutet ja auch für uns sportliche Höchstleitungen und wir müssen uns gut konditionieren. Dann hoffe ich, dass wir die drei, vier Festivals ganz gut abreißen und freue mich natürlich schon riesig auf die Tour.“

Die Aktion endet mit einem besonderen Highlight. Zum Abschluss performt die Band mit den Kindern den Song 'Zähne Putzen, Pullern Und Ab Ins Bett' und Stumpen unterbreitet ein Angebot, das auf große Begeisterung stößt: „Während ich singe, könnt ihr mich anmalen.“ Die Kinder toben sich munter aus und die Bitte „Nicht ins Ohr!“ kommt leider zu spät.

Foto: Lukas Höpfner

Die Eier werden ab Freitag, 12.04. / 12:00 Uhr bei Ebay unter dem Anbieter Knorkatorstereier zu finden sein. In jeder dritten Auktion sind noch zusätzlich zwei Tickets für eine Knorkatorshow nach Wahl bei der kommenden Tour dabei.

Der Erlös geht an den Verein „Kinderlächeln“.

Für alle Diejenigen, denen die Auktionsobjekte wohl, die Kinder aber absolut nicht egal sind, möchten wir gerne die Daten vom Spendenkonto mitteilen:

Kinderlaecheln-Förderverein für krebskranke Kinder Berlin e.V.
Konto bei der Mittelbrandenburgische Sparkasse
IBAN DE05 1605 0000 3507 0020 00
BIC WELADED1PMB

Foto: Lukas Höpfner

Erste Eindrücke aus „Widerstand Ist Zwecklos“

'Behind The Wheel': Wie der Titel vermuten lässt, handelt es sich hierbei um ein Depeche-Mode-Cover. Stumpen dazu: „Ich finde das ist ein Hammersong. Den gibt es hier im neuen Mix. Wer Laibach oder Depeche Mode kennt…“ Ein groß angelegter, mehrstimmiger Gesang trifft auf eine Keyboard-Melodie, schleppende Riffs und Industrial Beats, bevor alles in einem ruhigen Break mündet.

'Rette sich wer kann': Stumpen kommentiert: „Ein schöner Song. Dynamisch, extrem aggressiv, unterhaltsam. Alles nur Demos, aber dafür klingen sie ganz gut.“ Die Beschreibung trifft es ziemlich gut. Der Track kommt überraschend hart daher, das Riff klingt beinahe wie KNORKATOR auf Thrash und die wütenden Vocals passen gut dazu. Dann geht plötzlich alles in einen ruhigen Piano-Part mit hochmelodischen Vocals über. Stumpen fügt hinzu: „Wir lieben Brüche! (schmunzelt)“

'Untergang': „Es gibt auf dem Album viele apokalyptische „Das Ende der Welt“-Titel und dieser hier heißt 'Untergang'. Die Geschichte dazu ist, dass Alf ein Lieblingsgesangstrio in Georgien hat. Das, was das Mädchen hier singt, sollte eigentlich das Trio Mandili singen. Die wollten auch, dazu ist es dann aber trotzdem nicht gekommen. Meine Tochter Neti hat dann das Demo gesungen und wir haben uns so in das Demo verliebt, dass wir das so für die Nummer übernehmen. Schöner offener Refrain. 'Chaos, Krieg und Tod, Hyperinflation' Schönes Lied. 'Pest und Cholera – Das ist der Untergang der Zivilisation' (Gero singt mit).“ Midtempo mit leicht swingenden Strophen und epischem Refrain.

'Zu kurz': „‘Zu kurz‘ ist quasi nur deshalb entstanden, weil wir nur 9, 10 Lieder hatten und die Platte zu kurz war (lacht). Dann hatte Alf ein paar Ideen, die eigentlich nicht zusammenpassen, hat es aber trotzdem geschafft, alles in einen Topf zu werfen. Da haben wir ein paar Freunde gefragt, ob sie mitsingen wollen, mal gucken, ob ihr die alle erkennt.“ Eine sehr abwechslungsreiche Nummer mit spannenden Tempowechseln und vielen bekannten Gästen aus der deutschen Musikwelt, die aber an dieser Stelle noch eine Überraschung bleiben sollen.

Bands:
KNORKATOR
Autor:
Lukas Höpfner

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.