Festivals & Live Reviews

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AXXIS , OPERATION: MINDCRIME , RAGE , D-A-D , BLIND GUARDIAN , REFUGE , ORPHANED LAND - KNOCK OUT FESTIVAL 2015

Der Jahresabschluss im Festivalkalender ist seit Jahren für das KNOCK OUT am Rande des Schwarzwalds reserviert und auch diesmal haben die Veranstalter ein interessantes Billing auf die Beine gestellt.

Nachdem ORPHANED LAND und AXXIS den Reigen eröffnen und viele Besucher noch die Sportschau vorziehen, steht mit RAGE meets REFUGE ein wohl einmaliges Zusammentreffen auf der Bühne. Bernhard Weiss, eben noch mit AXXIS auf der Bühne, fungiert im weiteren Verlauf des Abends als Moderator und freut sich sichtlich, seine Kumpels anzusagen. Peavy Wagner bringt dann seine beiden aktuellen Bands zusammen, und diese Konstellation hat es in sich. Die ersten vier Nummern spielt der Veteran mit seinem neuen Line-up, welches hier erstmals vor einem großen Publikum auftritt und u.a. mit 'Black In Mind' und 'Sent By The Devil' in Erinnerung ruft, dass die „Black In Mind“-Scheibe nach 20 Jahre mal wieder gewürdigt werden muss. Und das gelingt wunderbar. Die restlichen sechs Nummern ('Shame On You', 'Solitary Man', 'Firestorm', 'Don't Fear The Winter', 'Refuge' und 'Higher Than The Sky') zählen dann zum REFUGE-Set und hierbei kommen bei einigen Nummern alle beteiligten Musiker der beiden Bands auf die Bühne. Eine Allianz, die es in sich hat. Beeindruckend die Herzlichkeit unter den Beteiligten: Von Konkurrenz ist hier keine Spur, ganz im Gegenteil, das Ganze wirkt wie ein Familientreffen. So dürfte niemand etwas dagegen haben, wenn Peavy weiterhin zweigleisig fährt und von Zeit zu Zeit beide Besetzungen wieder zusammenbringt. Dass lautstark Zugaben gefordert werden, überrascht dann auch keineswegs. Mit Spannung darf man nun auf das neue RAGE-Album warten.

Nach dieser mächtigen Show auf die Bühne zu müssen, ist eigentlich eine undankbare Aufgabe, für D-A-D aber kein Problem. Wenn es den Inbegriff der Partyband gibt, sind es die sympathischen Dänen und egal, wie oft man die Truppe in diesem Jahr schon gesehen hat, sie machen immer wieder Spaß. Zwar kann man über die Setlist streiten, aber allein das Schlusstriple 'Monster Philosophy', 'I Want What She's Got' und 'Sleeping My Day Away' setzt dem tollen Auftritt die Krone auf. Nachdem Basser Stig Pedersen im Sommer noch unter den Folgen einer Verletzung litt, ist er heute wieder akrobatisch unterwegs und kann mit seiner Bass-Sammlung (Höhepunkt das Modell „Roter Baron“) begeistern. Aber auch der Rest der Band ist in Bestform: Frontmann Jesper Binzer betont Ansagen wie „Meine Damen und Herren“ oder „Danke schön“ in seiner deutsch-dänischen Akzentuierung wie kein zweiter. Drummer Laust Sonne bearbeitet sein Instrument mit einer außergewöhnlichen Schlagtechnik und jagt dabei Geschwindigkeitsrekorde, während Jacob Binzer seinen Zylinder fast so cool wie Slash trägt. Apropos Coolness, die haben die Herren gepachtet und dazu braucht es keine Tattoos, Piercings oder albernen Klamotten und Frisuren. Wie immer hinterlässt man ein begeistertes Publikum, welches allerdings Nummern wie 'It's After Dark' und 'I Won't Cut My Hair' vermisst.
Bei OPERATION: MINDCRIME überwiegt erst mal die Skepsis. Zu sehr hat Geoff Tate mit seinen Ausstieg bei Queensryche und seinen katastrophalen Soloscheiben den Unmut seiner alten Fans erzwungen. Heute macht er einen geschickten Schachzug und stellt die Komplettaufführung des gleichnamigen Albums in den Mittelpunkt der Show und bietet mit 'Empire' als Zugabe noch einen Klassiker seiner alten Band. Mit Simon Wright,
John Moyer, Kelly Gray, Randy Gayne und Scott Moughton hat der Ausnahmesänger zudem eine hochkarätige Band um sich geschart. Während der Bandleader mit seinem Gesang immer noch punkten kann, sorgen sein Outfit mit Weste und Krawatte sowie seine eigenwillige Irokesenfrisur allerdings für Irritationen. Da nach dem Split die Sympathien der Fans fast ausschließlich den Herren Rockenfield, La Torre, Jackson, Lundgren und Wilton gelten, hat ihr alter Weggefährte verlorenes Vertrauen aufzuholen. Das gelingt ihm heute mit zunehmender Spielzeit ganz ordentlich. Die Nummern des bahnbrechenden Albums überzeugen, wie auch sein Gesang, seine Gestik und Theatralik. Gut nur, dass er auf eigenes Songmaterial verzichtet.

Beim Headliner BLIND GUARDIAN weiß man dagegen genau, was einen erwartet: die ultimative Mischung aus Bombast, Epic, Power, Melodie und Folklore. Nach dem perfekt gewählten Opener 'The Ninth Wave' folgt ein hervorragendes Programm mit Nummern aus neun Alben, welche eindrucksvoll demonstrieren, wie viele Klassiker die Krefelder im Programm haben. Verbunden mit einem klasse Sound, dem tollen Bühnenbild und einem wie immer gut aufgelegten Hansi Kürsch kann gar nichts schief gehen. Klar, dass das Publikum textsicher mitgeht, und wenn die heutigen Aufnahmen passen, gibt es Teile der Show bald auf einer neuen Live-Scheibe zu finden. Wer nicht dabei war, darf sich schon auf den Headliner-Auftritt beim Rock Hard Festival im Mai 2016 freuen. Ich muss derweil aber hungrig die Heimfahrt antreten, da der Caterer mit dem Publikumsandrang überfordert ist und die Burger schon frühzeitig ausverkauft, während die Pommes mit 3,50 Euro maßlos überteuert sind.


SETLIST BLIND GUARDIAN

The Ninth Wave
Banish From Sanctuary
Nightfall
Fly
Tanelorn (Into The Void)
Prophecies
Lost In The Twilight Hall
Lord Of The Rings
Valhalla
Time Stands Still (At The Iron Hill)
Imaginations From The Other Side
The Last Candle
The Bard's Song – In The Forest
Mirror Mirror
+++
Majesty

Bands:
ORPHANED LAND
RAGE
REFUGE
OPERATION: MINDCRIME
D-A-D
AXXIS
BLIND GUARDIAN
Autor:
Wolfram Küper

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