Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 28.01.2015

PRETTY MAIDS , PRIMAL FEAR , ANVIL , EDGUY , UNISONIC , GOTTHARD - Karlsruhe, Schwarzwaldhalle

Für das siebte Knock Out Festival geht es von der Europahalle, die fünf Jahre als Austragungsort gedient hatte, dorthin zurück, wo 2005 alles begann: in die gemütlichere Schwarzwaldhalle. Wie gewohnt ist aber wieder Axxis-Sänger Bernhard Weiß als Master of Gelaber, äh, of Ceremonies an Bord; oder etwas „deutscher“ gesagt: Er führt erneut als Moderator unterhaltsam durch das Programm. Erfreulich auch die sympathischen Merchandisepreise zwischen 15 und 25 Euro für Shirts, so dass die Geldbörse keinen Knockout erleben muss. Und so sind etwa 4.000 Zuschauer nach Karlsruhe gekommen, um sich wenige Tage vor Weihnachten noch mal amtlich das Lametta von der Tanne pusten zu lassen. Ein wenig verrechnet haben sich lediglich einige Mädels in Nikolauskostümen. Sie haben sich nicht nur in Sachen Geschlecht getäuscht, was der fehlende Bart deutlich dokumentiert – zudem hat der rotberockte Knilch mit dem dicken Sack schon seit etwa 14 Tagen Betriebsferien.

Ein ähnliches Problem wie die heißen Nikoläusinnen haben auch ANVIL, die schon auf dem Plakat wie ein Fremdkörper im Billing gewirkt haben. So kommt es wie erwartet: Außer bei einer Handvoll ANVIL-Fans will der Funke nicht wirklich überspringen, obgleich Frontelch Lips sich alle Mühe gibt und davon erzählt, dass er ein alter Rock´n´Roller sei, für den mit Chuck Berry alles begonnen habe, und die Band zudem einige sehr geile, ausgedehnte Instrumentalparts nebst einem coolen Drumsolo einbaut. Doch zumindest bei der Schlussnummer ´Metal On Metal´ recken dann doch einige Besucher mehr als nur pflichtbewusst die Fäuste in die Höhe. (sg)

Wenn jemand Multitasking ist, dann Mat Sinner und Alex Beyrodt. Eben waren sie noch unter dem Voodoo-Circle-Banner mit Uriah Heep europaweit unterwegs, die nächsten Tage stehen Shows des Doppel-Packages Sinner und Voodoo Circle an, und im Frühjahr sind die beiden mit dem „Rock Meets Classic“-Zirkus in ganz großen Hallen auf Tour. Kompliment, dass man da noch den Überblick behält. Und schön, dass da auch noch Zeit für PRIMAL FEAR ist, die metallischste Variante in ihrem Portfolio. Auch wenn es auf Matts Facebook-Seite nicht so durchkommt, die technischen Probleme (insbesondere mit dem Mikro) zum Showstart müssen den Perfektionisten und seinen Sänger gehörig nerven. Unabhängig davon bietet das Quintett mit seinem neuen brasilianischen Drummer Aquiles Priester eine feine Heavy-Metal-Show, bei der die Klassiker wie ´Nuclear Fire´, ´Chainbreaker´ und das abschließende ´Metal Is Forever´ erwartungsgemäß am besten ankommen. Und man glaubt es kaum: Eine neue Scheibe ist in Planung. Sollte Ralf Scheepers bis dahin nicht ausgelastet sein, wäre er der perfekte Sparringspartner für Tim Wieses Wrestling-Ambitionen.
Sah es anfangs so aus, als wären UNISONIC nur ein kurzlebiges Allstar-Projekt, wird man nach zwei hochklassigen Alben und zahlreichen Shows eines Besseren belehrt, und das ist gut so. Die Herren Kiske, Hansen, Meyer, Ward und Zafiriou scheinen sich blind zu verstehen und brennen ein melodisches Metal-Feuerwerk ab. Neben acht eigenen Nummern gibt es mit ´I Want Out´ noch ein umjubeltes Schmankerl aus der gemeinsamen Helloween-Zeit des Gitarristen und Sängers mit kurzen Reminiszenzen an Iron Maiden, Kiss und Judas Priest. Michael Kiske, der nach seinem Bühnenunfall vom Oktober immer noch mit einer Stabilisationsschiene auftritt, lässt sich dadurch in keinster Weise in seinem Bewegungsdrang einschränken. Dass er zudem wie immer gut bei Stimme ist, überrascht hingegen wenig. Toll auch, dass er sich bei ´Starrider´ den Gesang mit seinem langjährigen Weggefährten teilt.

Nach der Powershow mit perfekter Setlist der „hübschen Däninnen“ haben GOTTHARD keinen leichten Stand, können aber schon mal mit dem aufwendigsten Bühnenbild des Tages punkten: Ähnlich wie bei Children Of Bodom vor einigen Jahren fungiert ein fetter, alter Cadillac als Drumriser und blinkt das Publikum mit seinen Frontlampen an. Doch auch die Band rockt ordentlich los, vergisst jedoch eingedenk der herannahenden Feiertage nicht, einen besinnlicheren Part einzubauen. Nic Maeder, seit 2011 Sänger bei den Schweizern, verfügt zwar längst nicht über das Charisma seines Vorgängers Steve Lee, doch er hat eine supersympathische Ausstrahlung, und vor allem vermag er die alten Gotthard-Evergreens, die einfach immer noch unschlagbar sind, tadellos zu singen.

Der Headliner EDGUY ist die Band, die die Größe der Bühne am besten zu nutzen versteht. Nicht nur, weil das Backdrop der Hessen noch eine Spur größer ist als bei der Konkurrenz, sondern vor allem weil im Mittelpunkt der Show eine fröhlich von der einen zur anderen Bühnenseite hüpfende Fellkugel im ergrauten General-Custer-Kostüm namens Tobi Sammet steht, der als Motto des Abends „das Beste aus 2.400 Jahren Edguy“ ausgibt. Hätte Tobi Kilometergeld bekommen, wäre er in Karlsruhe garantiert ein reicher Mann geworden. Doch auch seine Kollegen haben immer noch genügend Energie, um eine knackige Show aufs Parkett zu zaubern, mit der nicht nur das siebte Knock Out Festival, sondern auch die „Space Police“-Welttour einen erstklassigen Abschluss für 2014 findet. (sg)

In Karlsruhe gab´s metallisch auf die Fresse für Wolfram Küper (wk) und Stefan Glas (sg).

Pics: Stefan Glas

Bands:
GOTTHARD
PRIMAL FEAR
ANVIL
PRETTY MAIDS
EDGUY
UNISONIC
Autor:
Wolfram Küper
Stefan Glas

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