Schwatzkasten

Schwatzkasten 17.12.2008

BOLT THROWER - KARL WILLETTS (Bolt Thrower)

Die Reibeisenröhre der glaubwürdigsten und konstantesten Death-Metal-Band aller Zeiten entpuppt sich als humor- und stilvoller Gentleman und Antistar. Mit diesem Mann möchte man sehr gerne mal fuffzich Bierchen kippen!

Karl, wann und wo wurdest du geboren?

»Ich wurde am 21. September 1966 in einem Vorort von Birmingham mitten im Herzen Englands geboren. Meine Eltern haben alles richtig gemacht, denn 1966 ist ein wunderbarer Jahrgang.«

Wieso?

»Wir wurden Fußballweltmeister.«


Ach, das. Stimmt.

»Ich bitte um mehr Begeisterung!«


England - super.

»Exakt, hahaha!«


Was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du an deine Kindheit denkst?

»Ich hatte eine schöne und glückliche Kindheit. Meine Eltern waren sehr locker drauf, denn sie hatten beruflich mit dem Musikgeschäft zu tun. Mein Vater zum Beispiel war ein lokaler Konzertveranstalter. Er arbeitete mit Künstlern aus verschiedenen Genres zusammen - mal Jazz, mal Blues, mal Rock. Insofern übte die Musik bereits sehr früh einen Einfluss auf mich aus. Die Musikszene war für mich nie eine geheimnisvolle Parallelgesellschaft, sondern immer etwas völlig Normales. Es war irgendwie klar, dass auch ich irgendwann in der Szene landen würde.«


Warst du in der Schule eine Nervensäge oder der nette Junge von nebenan?

»Ich war sehr ruhig und beliebt. Die Mädels standen auf mich, weil ich einerseits mit einer ordentlichen Portion Rebellion gesegnet war und andererseits durchaus etwas lernen wollte. Ich war allgemein interessiert und hatte keine Lieblings- oder Hassfächer. Ich kam mit Naturwissenschaften genauso gut klar wie mit Sprachen und Geschichte.«


Welche Bands haben dein Teenagerleben komplett aus den Angeln gehoben?

»Ich bin mit Punk aufgewachsen und erst viel später zum Metal gekommen. Die englische Punk- und Crust-Szene war mein Zuhause. Discharge waren eine meiner Lieblingsbands. In Sachen Metal gab es eine einzige Band, die mich damals völlig aus den Latschen gehauen hat: Sacrilege aus meiner Heimatstadt Birmingham. Die spielten richtig geilen, räudigen Thrash Metal und hatten ´ne höllisch gute Sängerin. Wie schon damals stehe ich auch heute nicht auf diesen typischen Hochglanz-Metal. Ich mag Musik, die brutal, ehrlich und schmutzig ist.«


Bist du ein religiöser Mensch?

»Absolut nicht. Ich bin ein geistig unabhängiger Mensch. Aber als Kind sang ich im Kirchenchor.«


Und das hat nicht auf dich abgefärbt?

»Nö, denn ich sang nur aus einem einzigen Grund dort: Ich liebte und liebe Musik, und ich singe gerne. Ob das im Kirchenchor oder in einer Rockband geschieht, ist unwichtig. Hauptsache, ich kann singen.«


Also war deine Kinderkarriere im Chor dein erster Schritt in Richtung Death Metal.

»So kann man es sehen (lacht). John Lydon von P.I.L. und den Sex Pistols sang als Kind ebenfalls im Kirchenchor.«


Hast du - wie Herr Lydon - auch umfangreiche Erfahrungen mit dem starken Arm des Gesetzes machen müssen?

»Nein, damit kann ich leider nicht dienen. Ich war nur ein langweiliger und gelangweilter Punk, der gerne einige Bierchen zu viel zischte und ab und zu mal einen dampfte. Ansonsten war ich brav.«


Für welche Band würdest du töten, wenn jemand Scheiße über sie verbreiten würde?

»Ganz klar für Sacrilege. Für Celtic Frost auch. Na ja, die ganz frühen Metallica und Slayer würde ich auch verteidigen. „Kill ´Em All" war grandios. Über diese Platte darf man nicht lästern.«


Metal oder Punk - was ist für dich wichtiger?

»Beide Genres rangieren für mich auf einem Level. Bolt Thrower sind die Quintessenz aus extremem Punk UND extremem Metal. Ich würde diese Genres nicht trennen.«


Iron Maiden oder Judas Priest?

»Keine von beiden. Diese Bands waren mir nie extrem genug.«


Bist du jemals der ultimativ bösen Person begegnet?

»Ja, und ich bin noch immer mit ihr verheiratet (lacht).«


Welcher Musiker ist in deinen Augen so richtig evil?

»Als so manche Individuen in Norwegen Anfang und Mitte der Neunziger Kirchen anzündeten und Morde begingen, dachte ich, dass diese Leute verdammt evil sind. Sie taten Dinge, die ich absolut nicht nachvollziehen konnte.«


Welcher Musiker ist der ultimative Idiot?

»Kurt Cobain. Er versuchte ganz zum Schluss, Metal zu sein.«


Wann hattest du das erste Mal Sex?

»Ich war ein 13-jähriger Schüler und hatte etwas mit einer Klassenkameradin.«


War sie deine erste Freundin?

»Nicht wirklich. Das Techtelmechtel dauerte nur wenige Tage.«


Bitte beschreibe deine Traumfrau!

»Verdammt, meine Frau steht gerade hinter mir. Also, meine Traumfrau muss auf alle Fälle einen hochroten Kopf vor Wut und ein Küchenmesser in der Faust haben (kichert). Sie muss humorvoll sein, zu mir stehen, Fußball mögen und tolerant sein.«


Und jetzt beschreibe einen perfekten Tag!

»Ausschlafen, gemütlich aufwachen und frühstücken. Danach geht´s in den Pub zum Vorglühen. Mit genügend Bier intus marschiere ich dann ins Stadion und schaue mir einen Heimsieg des Birmingham FC an. Danach geht´s wieder in den Pub, wo ich mir den Rest besorge. Dann wanke ich nach Hause, fläze mich auf die Couch und kiffe einen leckeren Gute-Nacht-Joint. Das war dann ein rundum perfekter Tag.«


Und wie sieht dein schlimmster Alptraum aus?

»Wir verlieren gegen Aston Villa. Damit wäre der komplette Tag im Arsch.«


Hast du Feinde, oder bist du ein erklärter Feind von jemandem?

»Nö. Ich bin zu lieb, um Feinde zu haben.«


Wer ist dein Lieblingsnazi?

»Ah, wir nähern uns jetzt dem Propagandabereich. Mein Nachbar.«


Was würdest du sagen, wenn englische Truppen euer Album „Warmaster" hören würden, während sie in ihren Panzern durch den Irak heizen?

»Das ist gar nicht mal so abwegig. Wir haben schon etliche Briefe von Soldaten bekommen, die im Irak und in Afghanistan im Einsatz sind. Auch Death-Metal-Fans spielen halt gerne Krieg. Und offenbar ist unsere Musik ein Soundtrack für ihr derzeitiges Leben - ob ich das nun gut finde oder nicht. Bolt Thrower thematisieren textlich und musikalisch den Krieg, und einige Soldaten hören Bolt Thrower. Das ist leider fast schon Logik.«


In welchem politischen Spektrum siehst du dich?

»Alternativ und liberal. Auf gar keinen Fall bin ich konservativ. Ich bin für ein starkes soziales Netz, für Chancengleichheit, und ich möchte, dass Minderheiten gleichberechtigt leben können.«


Bist du Vegetarier?

»Nein. Aber ich habe mich vor 15 Jahren vegetarisch ernährt. Mittlerweile esse ich Fleisch - allerdings sehr maßvoll. Ich versuche, mich gesund zu ernähren und Lebensmittel zu kaufen, die nicht aus Massentierhaltung stammen.«


Du musst dich entscheiden: Bungeejumping mit Lemmy, einen Beatles-Song zusammen mit Oasis singen, ein Tanzwettbewerb als Partner von Robbie Williams.

»Das ist pervers. Ich nehme natürlich das Bungeejumping mit Lemmy. Das ist weniger gruselig als die anderen zwei Verbrechen. Aber es wird wohl nie dazu kommen, denn Bungeejumping mit Lemmy ist unrealistischer als die anderen zwei Sachen.«


Mit wem würdest du dich gerne mal über Hass unterhalten?

»Mit weltbekannten Terroristen. Vielleicht mit Osama und George W. Bush.«


Über Gott?

»Mit allen Idioten, die nach dem Gottesdienst aus der Kirche geströmt kommen. Und zwar mit allen gleichzeitig!«


Über die weibliche Menstruation?


»Was? Was für eine abartige Frage ist DAS denn? Mit der Queen, hahaha!«

 
Über das Wetter?

»Mit einer schlechten australischen Band. Silverchair vielleicht.«


Und über männliche Orgasmusprobleme?

»Mit Camilla Parker Bowles, hahaha!«


Was ist deine unvergesslichste Drogenstory?

»Ich naschte als Jugendlicher mal Haschkekse - und zwar aus Unkenntnis einige zu viel. Mit einem Mal bekam ich Wahnvorstellungen und flüchtete nach draußen. Irgendwann wurde ich auf der Straße von osteuropäischen Kommunisten und Terroristen verfolgt. Es war der blanke Horror. Das muss ich echt nicht noch mal haben.«


Wurdest du jemals von einem Stalker belästigt?

»Ja, von vier Stalkern gleichzeitig. Die wollen laufend laute Musik mit mir machen (lacht). Mal im Ernst: Ich hatte noch nie Probleme mit solchen Leuten. Ich bin nicht gerade ein Publicity-Typ und stehe auch nicht übermäßig gerne in der Öffentlichkeit. Abseits der Bühne lasse ich nie den Musiker raushängen.«


Wie stellst du dir das Paradies vor?

»Generell mag ich die Idee, dass man irgendwann ins Paradies kommt. Eine hübsche Insel mit viel Strand und Sonne - also so richtig schön klischeehaft - wäre das Paradies für mich.«


Und wie sieht´s in der Hölle aus?

»Man wird dazu verdonnert, sich ausschließlich Spiele von Aston Villa anzugucken.«


Stell dir folgendes Szenario vor: Gott und Satan sind zwei gegeneinander konkurrierende arabische Investmentbanker, beide wollen deinen Birmingham FC kaufen und zehn Cristiano Ronaldos gleich noch dazu. Wer soll deinen Verein bekommen?

»Satan. Gott ist eher was für einen Luschenverein wie Aston Villa.«


Welches ist das spannendste Land für dich?

»Jedes Land, in dem es billig und schön ist (lacht). Also, einer der schönsten Orte, an denen ich je war, ist Madrid. Ich mag die Kultur, die Mentalität, das Klima, das Essen. Die Stadt ist perfekt.«


Stell dir vor, du hast ein Rendezvous bei dir zu Hause. Dafür stehen dir ausschließlich ein Stück Käse, eine Flasche Wasser und Gleitcreme zur Verfügung. Wie wirst du es anstellen?

»Kein Problem: Ich kriege aus allem einen halbwegs vernünftigen Cocktail hin. Aber ich möchte noch anmerken, dass ich auch diese Frage sehr eigenartig finde.«


Es ist der letzte Tag in deinem Leben. Wie wirst du ihn verbringen?

»Ich würde mir die Rübe komplett wegkiffen und träumend rumliegen.«


Welcher Song soll auf deiner Beerdigung gespielt werden?

»´Celestial Sanctuary´ von einer lokalen Band, die ich sehr mag (kichert).«


Welche Person möchtest du in deinem nächsten Leben sein?

»Ich will die Königin sein. Sie ist sehr reich und bekommt alles geschenkt.«


Wer warst du in deinem früheren Leben?

»Romeo. Also, nicht der Fußballer, sondern der Typ mit dieser Julia.«


Bolt Thrower hätten zum jetzigen Zeitpunkt ein neues Album veröffentlichen sollen. Aber ihr seid zu der Ansicht gekommen, dass die neuen Songs nicht euren hohen Ansprüchen genügen. Welche Band hätte eine solche Ansicht ebenfalls dringend nötig gehabt?

»Oh, da gibt es etliche Bands. Discharge zum Beispiel haben nach ihrem Klassiker Mist fabriziert. Und dann gibt es natürlich genügend Bands, die nie ins Studio hätten gehen dürfen. Allerdings verbietet es mir meine gute Erziehung, Namen zu nennen (lacht).«

Bands:
BOLT THROWER
Autor:
Wolf-Rüdiger Mühlmann

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