ToneTalk

ToneTalk 27.06.2012

JOHN 5 , ROB ZOMBIE - »Kiss waren für mich Monster mit Gitarren«

NAME: John 5
BANDS: Rob Zombie
INSTRUMENT: Gitarre

JOHN 5 gehört vermutlich zu den unterbewertetsten Gitarristen der Szene. Man kennt ihn als Mitglied des aktuellen Rob-Zombie-Line-ups und weiß, dass er mal bei Marilyn Manson gespielt hat. Doch die wenigsten wissen vermutlich, dass er schon mit David Lee Roth, Rob Halford und Paul Stanley Alben aufgenommen hat, in der Country-Szene unterwegs war und zahlreiche Solo-CDs/DVDs veröffentlicht hat.

John, du hast schon mit sieben Jahren begonnen, Gitarre zu spielen. Was war der Auslöser?

»Ich habe sehr gerne Fernsehen geguckt und stand total auf Monster wie z.B. Frankenstein und Dracula. Gleichzeitig interessierte mich die Fernsehmusik sehr, wobei Leute, die Gitarre spielten, ganz besonders meine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Dann sah ich eines Tages Kiss, die für mich Monster mit Gitarren waren und mich total faszinierten. Sie lösten in mir den Wunsch aus, selbst Gitarre spielen zu lernen und Unterricht zu nehmen.«

Du hast dir das Spielen also nicht selbst beigebracht, sondern Unterricht genommen?

»Ich habe eine Menge Unterricht genommen, weil ich das Spielen von der Pike auf lernen wollte. Natürlich kann man sich eine Menge selbst erschließen, aber ich wollte, dass mir jemand das Instrument von Grund auf beibringt.«

Stammst du aus einer Musikerfamilie?

»Meine Familie mag zwar Musik, aber es ist kein Musiker dabei. Meine Eltern haben immer gerne gesungen, ein Instrument spielten sie jedoch nicht.«

Hast du Gitarrenidole?

»Ich hatte schon einige Idole. Es ging los mit Jimi Hendrix, als ich noch sehr jung war. Dann kamen Kiss, Eddie Van Halen und Yngwie Malmsteen. Gitarrenidole sind sehr wichtig, weil sie einen inspirieren und antreiben - und darum geht es schließlich.«

Wie viele Gitarren besitzt du?

»Eine Menge! Es dürften so um die 250 Stück sein. Ich bin ein Sammler.«

Welches ist die seltenste oder teuerste Gitarre in deiner Sammlung?

»Die seltenste und teuerste ist eine Fender Broadcaster, die zu den ersten Solidbody-E-Gitarren gehörte. Die Firma Fender produzierte 126 Stück davon, bevor sie verklagt wurde (nach einem Rechtsstreit mit der Firma Gretsch musste Fender die Gitarre in Telecaster umbenennen - cs). Ich besitze eine dieser 126 Gitarren. Sie ist sehr selten und mein ganzer Stolz.«

Besitzt du eine Gitarre, die dir besonders am Herzen liegt?

»Mich verbinden mit vielen meiner Gitarren persönliche Geschichten. Ich muss sie mir nur anschauen, und sofort erscheinen vor meinem geistigen Auge Erinnerungen. Besonders am Herzen liegt mir eine Fender Stratocaster, auf der ich das Spielen gelernt habe.«

Spielst du Custom-Gitarren oder Instrumente, die man einfach so im Geschäft kaufen kann?

»Beides. In der Regel werden meine Gitarren für mich angefertigt, aber ich kann mir auch problemlos eine Gitarre von der Wand eines Musikladens greifen und sofort loslegen. Am liebsten mag ich Fender. Mit dieser Marke und insbesondere mit der Fender Telecaster verbringe ich schon mein ganzes Leben.«

Wie viele Stunden pro Tag oder Woche übst du?

»Das ist schwer zu sagen, weil ich fast immer eine Gitarre in der Hand halte. Mich trifft man selten ohne an. Ich spiele auf jeden Fall jeden Tag.«

Treibst du Sport, um fit für deine Einsätze zu sein?

»Nein. Ich achte aber auf meine Ernährung. Ich bin Vegetarier und esse sehr bewusst. Darüber hinaus wohne ich in einer hügeligen Gegend und gehe dort viel spazieren.«

Gab es schon mal einen Song, der dich beim Üben fast in den Wahnsinn getrieben hat, weil er so schwer war?

»Ich lasse mich gar nicht erst verrückt machen, indem ich solche Herausforderungen entspannt und mit viel Ruhe angehe. Ich habe eine Menge Geduld. Es funktioniert am besten und ist nicht frustrierend, wenn man sich genügend Zeit lässt.
Auf meinem neuen Album „God Told Me To“ ist ein Song, der ´Noche Acosador´ heißt. Er war eine Herausforderung für mich, weil die Gitarre einen spanischen Klang hat. Es hat aber auch Spaß gemacht, dieses Stück zu schreiben.«

Was ist beim Spielen wichtiger, Feeling oder Technik?

»Beides ist enorm wichtig.«

Spielst du lieber mit Kabel oder mit Sender?

»Im Grunde bevorzuge ich Kabel, weil es besser klingt, aber ich habe gerade erst ein neues kabelloses System bekommen, das ich noch ausprobieren muss. Vielleicht ändere ich danach meine Meinung.«

Bodeneffekte oder 19“-Effekte?

»Ich bevorzuge Bodenpedale, weil sie leichter zu spielen sind.«

Wie spielst du? Mit Röhre, Transistor oder digital?

»Gitarren sind mir generell zwar viel wichtiger als Verstärker, aber wenn ich mich entscheiden muss, dann nehme ich Röhre, weil es am besten klingt.«

Was bevorzugst du generell - analog oder digital?

»Auf jeden Fall digital! Analog klingt vermutlich besser, aber digital ist viel unkomplizierter in der Handhabung.«

Momentan scheint es aber einen Trend zurück zum analogen Sound zu geben.

»Frag die Verfechter des analogen Sounds mal nach ihrer Präferenz, wenn sie gerade ein Album aufnehmen und anfangen, Bänder zu zerschnippeln. Dann werden sie ihre Meinung vermutlich ändern.«

Welches Equipment nutzt du live und welches im Studio?

»Ich versuche im Studio das gleiche Equipment einzusetzen wie auf der Bühne. Es besteht aus Marshall-900-Heads, ein paar Vintage-Cabinets und meinen Telecaster-Gitarren, auf denen ich immer spiele. Ich setze nicht viele Effekte ein, deshalb kommen nur ein paar Pedale dazu, z.B. der Super Overdrive, der Chorus von Boss, der Micro Synth - ebenfalls von Boss - und der Noise Suppressor.«

Was war deine bisher interessanteste Zusammenarbeit mit einem anderen Musiker?

»Meine Arbeit mit k.d. lang (Kathryn Dawn Lang, kanadische Pop- und Country-Sängerin mit mehreren Grammy-Auszeichnungen - cs) war sehr interessant. Mit ihr habe ich meine erste große Tournee gespielt. Damals war alles noch neu für mich, und ich lernte eine Menge. Ich erfuhr, wie es ist, richtig auf Tour zu sein, und was man tun sollte und was nicht. Das hat sehr viel Spaß gemacht.«

Mit welchem Musiker würdest du gerne mal zusammenarbeiten?

»Mit Prince. Er ist fantastisch. Ich liebe seine Arbeit.«

Und mit wem würdest du dich gerne mal über Gitarren unterhalten?

»Wenn er noch leben würde, mit George Harrison von den Beatles. Er mochte die gleichen Gitarren wie ich.«

Hast du ein Lieblingsgitarrensolo?

»´Far Beyond The Sun´ von Yngwie Malmsteen ist ein Meisterwerk.«

Gibt es eine Platte, auf der du gerne gespielt hättest?

»Ich denke mir bei vielen Alben, dass ich gerne der Gitarrist wäre, der darauf zu hören ist. Als Erstes fällt mir aber das Debüt von Van Halen ein.«

Welches Album hat den geilsten Sound?

»Der Klang der „Broken“-EP von Nine Inch Nails ist der absolute Wahnsinn. Als diese Scheibe gemixt wurde, war ich zufällig im gleichen Studio. Glaub mir, das Gebäude hat vibriert. Ich erkundigte mich sofort, wer da gerade zu hören war, und man antwortete mir, dass das Nine Inch Nails seien. Für mich ist „Broken“ eine der am geilsten klingenden Scheiben, die je aufgenommen wurden.«

Welcher Gitarrist sieht auf der Bühne am coolsten aus?

»Robin Finck sah live total irre aus, als er mit Nine Inch Nails die „The Downward Spiral“-Tournee gespielt hat. Ebenso cool sah Jimmy Page von Led Zeppelin Mitte der 70er Jahre aus.«

Welchen Gitarristen hältst du für total unterbewertet?

»Der Country-Gitarrist Brent Mason ist unglaublich gut, aber jenseits der Gitarristen-Szene nicht sonderlich bekannt.«

Besuchst du immer noch Gitarrenläden, um neue Dinge auszuprobieren?

»Ich besuche regelmäßig und sehr gerne solche Läden.«

Liest du auch Gitarren-Magazine, um dich zu informieren?

»Natürlich! Die lese ich ständig. Sie sind meine Bibel.«

Hast du ein Ritual, bevor du auf die Bühne gehst?

»Bei meinen Auftritten mit Rob Zombie stellen wir uns vor dem Auftritt kurz zusammen, und Rob oder ich sagen etwas Positives wie z.B. „Hey, das wird ein gutes Konzert!“.«

Gibt es einen Auftritt, an den du dich sehr gerne zurückerinnerst?

»Die erste große Show in meiner Heimat war etwas ganz Besonderes. Damals spielte ich mit k.d. lang in Detroit, Michigan. Meine Eltern kamen und waren total stolz. Das war ein großer und bewegender Abend für mich.«

Was ist die größte Lüge im Rock´n´Roll?

»Es gibt eine Menge Lügen im Rock´n´Roll. Sie lauern einem täglich irgendwo auf, und man muss ständig auf der Hut sein. Die größte Lüge ist vermutlich der Satz „We gonna make you famous, kid!“.«

www.facebook.com/John5official
www.facebook.com/RobZombie

DISKOGRAFIE

MIT ROB ZOMBIE

Educated Horses (2006)
Zombie Live (Live, 2007)
Hellbilly Deluxe 2 (2010)

MIT JOHN 5

Vertigo (2004)
Songs For Sanity (2005)
The Devil Knows My Name (CD/DVD, 2007)
Requiem (2008)
Behind The Player: John 5 (DVD, 2008)
Remixploitation (Remix, 2009)
The Art Of Malice (2010)
God Told Me To (2012)

MIT MARILYN MANSON

The Last Tour On Earth (Live, 1999)
Holy Wood (In The Shadow Of The Valley Of Death) (2000)
The Golden Age Of Grotesque (2003)

MIT 2WO

Voyeurs (1998)

MIT DAVID LEE ROTH

DLR Band (1998)
Diamond Dave (2003)

MIT PAUL STANLEY

Live To Win (2006)

Bands:
JOHN 5
ROB ZOMBIE
Autor:
Conny Schiffbauer

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