Festivals & Live Reviews


Pic: John McMurtrie

Festivals & Live Reviews 29.07.2022, 13:50

IRON MAIDEN, POWERWOLF, AIRBOURNE - Frankfurt, Waldstadion (Deutsche Bank Arena)

Nach dem legendären Gastspiel mit Kiss auf dem Rebstockgelände 1980 kehren IRON MAIDEN erstmals für eine Open-Air-Show in das Rhein-Main-Gebiet zurück. Diese war bereits für 2021 geplant und wurde erst, nachdem die anderen Auftritte in Deutschland ausverkauft waren, drangehängt und markiert nach Köln, Berlin, Stuttgart und Bremen die letzte Tourstation bei uns.

Die Arena im Stadtwald (heute mit geschlossenem Dach) ist damit zur Top-Location aufgestiegen, denn kein Stadion auf dem Kontinent bietet in diesem Sommer mehr Konzerte. Zudem ist es der Ort im Herzen von Europa, an dem Steve Harris sein geliebtes Team von West Ham United im Mai gegen den späteren Pokalsieger aus der UEFA-Europa-League verabschieden musste. Der Bandgründer war übrigens an dem legendären Abend vor Ort. Die Bühne steht heute vor der Nordwestkurve, dem Eintracht-Fanblock und auch das müsste den Bassisten eigentlich ärgern. Während die Fans ins Stadion gelassen werden, radeln die Pokalsieger nach dem Training aus dem Stadion. Einige davon dürften sicherlich später auch im Publikum gewesen sein. Dekadent sind nur die Möchtegern-VIPs, die sich die Premium-Business-Seats 325 Euro kosten lassen, um bei Freibier unter sich zu sein.

Eröffnet wurden die Maiden-Tage in der Region im Juli mit einem UFO-Gastspiel in der Batschkapp, einem unterhaltsamen Abend der Iron Maidens in Aschaffenburg und der Show von Steve Harris' Zweitband British Lion am Vorabend in der Batschkapp. Am Nachmittag vor dem heutigen Auftritt spielten die Briten ein Fußballmatch vor dem Stadion.

Im Gegensatz zu den Auftritten in Köln, Berlin und Stuttgart mit Lord Of The Lost, machen heute AIRBOURNE um kurz nach 18 Uhr den Opener. Wenig überraschend gibt es die gewohnte Show mit Bierdosen, Sirenengeheul und dem Schulterritt samt Gitarrenspiel durchs Publikum. Klar, dass der Auftritt gut ankommt, denn die Australier haben starke Nummern im Programm und sind eine klassische Stimmungsband, die auch die tropischen Temperaturen des Abends aus ihrer Heimat gewohnt ist. Mit Songs wie 'Ready To Rock', 'Back In The Game' und dem abschließenden 'Runnin` Wild' trifft man den Geschmack des Publikums und gibt den bestmöglichen Anheizer für den Abend. Wie gewohnt steht dabei die oberkörperfreie Rampensau Joel O`Keeffe im Mittelpunkt. Dass bei dessen zahlreichen Bierdosenwürfen ins Publikum niemand einen Schaden genommen hat, überrascht weiterhin.

Danach geht es mit POWERWOLF weiter. Deren traumhafte Karriere erreicht mit den Stadionauftritten einen weiteren Höhepunkt und wenn man Keyboarder Falk Maria Schlegel 1993, als er noch Zuschauer beim Maiden-Auftritt in Saarbrücken in der Saarlandhalle war, gesagt hätte, dass er Jahre später deren Show eröffnen würde, hätte er es sicherlich nicht für möglich gehalten. Heute ist es soweit und die Saarländer nutzen diese Gelegenheit souverän. Auch bei Tageslicht und ohne den gigantischen Bühnenaufbau schafft man es, eine sakrale Stimmung aufzubauen, segnet das Stadion (in ein paar Tagen schaut hier mit Bayern München das Böse vorbei) und macht so auch Werbung für die eigene Headlinershow in der Jahrhunderthalle im Herbst. Nummern wie 'Werewolves Of Armenia', 'Army Of The Night', 'Dance With The Dead' und sogar ein brandneues Stück werden begeistert aufgenommen und lassen erahnen, dass die Truppe wohl eines Tages auch alleine Stadien füllen kann.

Apropos Vorbands, da fragt man sich als das IRON MAIDEN-Intro 'Doctor Doctor' ertönt, wieso man nicht UFO, die zeitgleich in Deutschland unterwegs sind, eingeladen hat, mitzuspielen. Überfällig und passend wäre die Kombination allemal.

Der Headliner beginnt seinen Auftritt gewagt mit drei neuen Nummern vom „Senjutsu“-Album, wobei erwartungsgemäß die Single 'The Writing On The Wall' am besten ankommt. Geboten wird dabei ein cooles asiatisches Bühnenbild und erstmal ein dürftiger Sound. Das wird in affenartiger Geschwindigkeit für den weiteren Set gewechselt und dann folgt dem Tourmotto „Legacy Of The Beast“ gemäß eine Zeitreise durch die Veröffentlichungen der Briten. Bei der wird auf Material des Albums „Book Of Souls“ verzichtet und das Publikum bekommt eigentlich genau die Songs, die man sich wünscht oder erwarten kann – 15 Stück an der Zahl. Klar, dass dabei 'Fear Of The Dark', die stimmungsvollste Nummer, im Programm ist. Gänsehautmomente pur, wie man sie in dem Stadion sonst von den glanzvollen Europapokalnächten kennt. Bruce Dickinson, der kein Egoproblem damit hat, mit 'Sign Of The Cross' und 'The Clansman' gleich zwei Nummern seiner Auszeit bei der Band zu übernehmen, ist dabei der gewohnte bewegungsfreudige Verkleidungskünstler und dürfte unweit des Frankfurter Flughafens allerdings seinen Flight 666-Bandjet vermissen, zumindest beim letzten Stück 'Aces High' bewegt sich eine Royal-Air-Force-Spitfire Mk.II über der Bühne (2018 noch als Opener). Der Rest der Band überzeugt ebenfalls durch große Spielfreude, auch wenn man sich an die alberne Tänzelei und Gitarrenakrobatik von Janick Gers einfach nicht gewöhnen will. Bleibt zu hoffen, dass das Flaggschiff der NWOBHM weiterhin tourt. Dann bitte mit einer etwas längeren Spielzeit als heute, denn zwei Stunden Bühnenzeit sollten schon möglich sein! Bleibt zu hoffen, dass Steve Harris den heftig von West Ham United umworbenen Filip Kostic nicht den Wechsel an die Themse schmackhaft gemacht hat… Unabhängig davon gilt weiterhin "Oh well, wherever, wherever you are, Iron Maiden`s gonna get you, no matter how far."

SETLIST IRON MAIDEN

Senjutsu
Stratego
The Writing On The Wall
Revelations
Blood Brothers
Sign Of The Cross
Flight Of Icarus
Fear Of The Dark
Hallowed Be Thy Name
The Number Of The Beast
Iron Maiden

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The Trooper
The Clansman
Run To The Hills
Aces High

Bands:
IRON MAIDEN
POWERWOLF
AIRBOURNE
Autor:
Wolfram Küper

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