Festivals & Live Reviews

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BOLT THROWER , BRAINSTORM , KREATOR , ONSLAUGHT - Impressionen vom Rock Area Festival 2009

Man durfte gespannt sein, wie der Umzug des Rock-Area-Festivals vom saarländischen Losheim auf die andere Rheinseite an die Loreley aufgenommen wird. Nicht zuletzt da am Ende der Festivalsaison bei vielen der Akku und auch der Geldbeutel leer sein dürfte. Umso erfreulicher, dass die neue Location positiv aufgenommen wird.

Das Loreley-Gelände ist wunderschön, bietet einen klasse Blick auf das Rheintal, verfügt über mehrere Toilettengebäude, einen atmosphärischen Campingbereich und einen uneingeschränkten Blick auf die Bühne. So ist am Abend das Areal auch gut gefüllt und sorgt für einen imposanten Anblick. Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, war es 1985 beim legendären Metal-Hammer-Festival - mit Venom (fette Pyroshow), Metallica (damals kurz vor der "Master Of Puppets"-Veröffentlichung), Warlock, Running Wild, Savage Grace, Heavy Pettin, Restless, Tyran Pace, Wishbone Ash (!), Pretty Maids und Nazareth – während der Headlinergigs auch nicht wesentlich voller.

Nachdem am Donnerstag und Freitag bereits Größen wie Hammerfall, Sabaton, Amon Amarth, Heaven Shall Burn, Maroon, Endstille und Schandmaul ihre Auftritte absolviert hatten und der Wettergott Gnade walten lies, sind am Samstag AOK die erste bekanntere Band des Tages. Wer die Hessen kennt, weiß was einen erwartet und so bietet das Quartett eine Mischung aus Klamauk, Geschmacklosigkeit, musikalischem Dilettantismus - oder anders ausgedrückt: seine ganz eigene Form von Entertainment. Erwartungsgemäß gibt es zahlreiche Obszönitäten, Kostüme und Sauereien (neben einigen Baguettes landen zahlreiche Salate im Publikum bzw. auf der Bühne). Neben den eigenen Nummern zollt man musikalisch Tribut an Michael Jackson, S.O.D., Grave Digger, Nirvana und Slayer. Letztlich treffen die Nothingcoreler den Geschmack derer, denen J.B.O. zu intellektuell sind und wer meint, Tankard wären die hässlichsten hessischen Musiker, wird heute eines Besseren belehrt.

Die anschließenden BRAINSTORM sind da natürlich ein Kontrastprogramm. Nicht zuletzt, weil sie für traditionellen Power Metal stehen und der heute auf dem Festival nicht die präsenteste Musikrichtung darstellt. Trotzdem schaffen es Andy B. Franck und seine Schwaben in kurzer Zeit das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Mit Nummern wie 'Fire Walk With Me', 'How Do You Feel', 'Shiva`s Tears' und natürlich 'All Those Words' demonstriert das Quintett, wie deutscher Power Metal zu klingen hat. Auffallend dabei, dass der Frontmann eine Woche zuvor beim Summerbreeze wesentlich mehr "geschwäbelt" hat. Letztlich ein überzeugender Auftritt, der aber im Direktvergleich zur Vorwoche in Dinkelsbühl leicht abfällt. Ein wenig wird der Band auch die Show von dem durchgedrehten Typ gestohlen, der während des Auftritts total verstrahlt durch das Publikum tanzt, Purzelbäume schlägt, sich auf den Betonboden wirft, gegen die Wand läuft und sich sehr intensiv mit der Zerstörung seines Sonnenhuts beschäftigt. Irre!

ONSLAUGHT sieht man nicht gerade oft in unseren Breitengraden und so gibt es immer eine besondere Vorfreude auf die Auftritte der Briten. Auch heute bieten die Veteranen ein energiegeladenes Set. Die gelungene Setlist mit einer Mischung aus Klassikern und neuerem Material (man orientiert sich stark am Livealbum "Live Damnation") beweisen die Insulaner, dass sie zur europäischen Speerspitze des Genres zählen. Der Gig leidet zwar massiv unter dem schwachen Sound, der allerdings nicht darüber hinwegtäuschen kann, wie stark die Lieder und die Performance der Truppe sind. 'Metal Forces' ist nicht nur ein Song des Auftritts, sondern beschreibt perfekt, was da auf der Bühne abgeht. Schade nur, dass sich im Publikum jemand so schwer verletzt, dass er von den Sanitätern abtransportiert werden muss.

Eigentlich sollen nun ELUVEITIE auftreten, deren Auftritt wird aber abgesagt. Schuld daran sind die deutschen Autobahnen (das Übel des Sommers!), denn da sind die Schweizer stecken geblieben. Beim Publikum sorgt das für Begeisterung, denn so dürfen die anschließenden Acts etwas länger spielen und wie schon im Vorprogramm der Kreator-Tour im Frühjahr, passen ELUVEITIE auch heute nicht so recht ins Billing.

Auch KREATOR spielten in der Vorwoche beim Summerbreeze und räumten dort gnadenlos ab. Mille findet sofort Gefallen an der Location, sein Wunsch nach einem Moshpit kann allerdings nicht erfüllt werden. Die Architektur des Amphitheaters lässt solche Aktivitäten einfach nicht zu. Aber auch so geht die Hölle ab, da die Ruhrpöttler ein Feuerwerk an Thrashgranaten zünden. Und spätestens, wenn Mille die 'Flag Of Hate' hisst, ist mal wieder klar, dass außer Slayer niemand im Genre den Essenern das Wasser reichen kann. Klasse Auftritt!

Danach kommen ELUVEITIE kurz auf die Bühne und erklären ihre Anreiseproblematik, für einen Auftritt ist es nun aber zu spät.

Headliner sind BOLT THROWER und mit den Briten kann der Veranstalter in diesem Sommer etwas Exklusives vorweisen. Geboten wird die gewohnte Abrissbirne und so bleibt zu hoffen, dass die Truppe sich endlich an das neue Album macht.

Fazit: Ein gelungener Abend, der zeigt, dass sich auch mal eine Tageskarte bei einem Festival lohnt. Organisatorisch gibt es - außer dem teilweise miesen Sound - nichts zu bemängeln. Schade nur, dass die Gastronomie keine Pfandbecher benutzt und so doch einiges an Müll anfällt. Ansonsten bleibt zu hoffen, dass man nächstes Jahr wieder an der Loreley am Start ist. Dass Manowar diese Location als "Shithole" bezeichnet haben, spricht für den Realitätsverlust der Metalkasper!

Bands:
KREATOR
ONSLAUGHT
BRAINSTORM
BOLT THROWER
Autor:
Wolfram Küper

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