Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 24.06.2019, 13:35

I PREVAIL, PALISADES - Berlin, Kesselhaus

Das Konzert von I PREVAIL im Berliner Kesselhaus ist gleich an zwei Premieren gekoppelt: Zum einen befindet sich die Band im Rahmen ihres jüngst veröffentlichten Albums „Trauma“ erstmals auf Tour in Europa. Zum anderen stellt der Auftritt der Post-Hardcore-Truppe aus Michigan in der Prenzlauer-Berger-Location den einzigen Gig abseits der Sommer-Festivals dar. Die Besonderheit dieses Gigs ist in jeder Faser des heutigen Abends zu spüren.

Trotz drückenden 30 Grad Außentemperatur und gefühlten 40 Grad Innentemperatur ist das ehemalige Kesselhaus der Kulturbrauerei mit einer Kapazität von ungefähr 1000 Personen restlos ausverkauft. Hier zeigt sich, dass die 2013 gegründete Band inzwischen ein respektables Standing aufgebaut hat.

Den Auftakt liefern Punkt 20 Uhr die stilistisch verwandten PALISADES, bei deren Auftritt sich trotz des Wetters ein bestens aufgelegtes Berliner Publikum präsentiert. Bereits zu den Tönen des Openers 'War' wird nicht nur in den vordersten Reihen, sondern bis zum Ausgang auf der Gegenseite der Bühne gefeiert. Vielerorts wird textsicher mitgesungen und -geshoutet und fast überall in der Halle sind springende oder headbangende Leute aufzufinden. Das Klischee der eher zurückhaltenden Berliner wird somit eindrucksvoll widerlegt. Der sympathischen Combo aus New Jersey ist pure Spielfreude in jeder Sekunde des leider nur 30-minütigen Gigs anzumerken. Trotz Schweiß auf der Stirn gibt das Quintett alles und Shouter Louis Miceli hüpft wie ein Flummi über die Bühne. Die Truppe bietet stimmungsmäßig einen optimalen Einstand in den heutigen Abend und heizt den Berlinern gegen Ende des Auftritts mit 'Vendetta', 'Let Down' und 'Erase The Pain' noch einmal so richtig ein.

Die halbstündige Umbaupause bietet dann allen Anwesenden die Möglichkeit, das Kesselhaus zu verlassen und sich draußen „abzukühlen“, bevor kurz nach 21 Uhr I PREVAIL die Bühne stürmen. Wie schon beim Opening Act erweisen sich die Berliner als überaus dankbares Publikum und gehen bereits zum Opener 'Bow Down' vom aktuellen Dreher „Trauma“ ordentlich ab. Die Sound-Mischung aus harten Shouts, poppigen Clean-Vocals sowie ein paar Elektro- und Rap-Einlagen (die zumindest beim Verfasser dieser Zeilen in manchen Momenten auch deutliche Erinnerungen an Linkin Park wachruft) geht über den Verlauf des ganzen Abends voll auf. Die Band hat von Anfang an beste Laune und offensichtlich große Freude daran, welche Reaktionen im Publikum hervorgerufen werden. Zu jedem Song gibt es kurze, stimmungsvolle Ansagen von Shouter/Mit-Sänger Eric Vanlerberghe und Frontmann Brian Burkheiser, den auch ein eingegipster Fuß nicht an einer energiegeladenen Performance hindern kann. Hieraus wird nicht nur die Dankbarkeit der Jungs aus Michigan gegenüber ihrem Publikum ersichtlich, sondern auch neueren Fans ermöglicht, die Songs zu erkennen und zuzuordnen.

In knapp eineinhalb Stunden liefert die Band einen optimalen Querschnitt der bisher veröffentlichten zwei Alben und eine durchgängig starke Performance, die ihre Fans begeistert. Bei der Einleitung zu 'Rise Above It' erhält die Band aus dem Publikum eine Deutschland-Flagge mit der Aufschrift „Welcome, I PREVAIL“ überreicht, die Shouter Eric dankbar an sich nimmt und für den Rest des Gigs an seinem Mikrofonständer befestigt. Bis zum Ende des Auftritts wird durchgängig in allen Reihen mitgesungen, egal ob bei Band-„Oldies“ wie 'Stuck In Your Head' oder dem hochmelodischem 'Every Time You Leave', das die Bandmitglieder ihren Frauen und Partnerinnen widmen. Generell verhält sich das Publikum in jeder Situation vorbildlich, vom Band-geforderten Moshpit zu 'Gasoline' bis hin zum Crowdsurfen.

Damit dieser Energiepegel erhalten bleibt, vergessen I PREVAIL es auch nicht, bei den heißen Temperaturen immer wieder Wasser ins Publikum zu spritzen. So bleibt sowohl auf, als auch vor der Bühne über 90 Minuten beste Stimmung zu beobachten und zum Zugabe-Block in Form von 'Breaking Down' und 'Come And Get It' wird nochmal alles gegeben. Somit endet der Abend als purer Triumphzug für die Jungs aus Michigan und bietet sicherlich die Grundlage für viele weitere Club- und Hallenkonzerte in Deutschland.


Setlist I PREVAIL:

Bow Down
Scars
Rise Above It
Gasoline
Hurricane
Lifelines
Stuck in Your Head
Face Your Demons
Deadweight
Goodbye (Interlude)
Paranoid
Low
Every Time You Leave
DOA
--
Breaking Down
Come and Get It

Bands:
I PREVAIL
PALISADES
Autor:
Lukas Höpfner

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