Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 24.09.2014

WOVENWAR , NAPALM DEATH , CALIBAN , AMON AMARTH , AIRBOURNE , GRAVEYARD , LIFE OF AGONY , MACHINE HEAD - Herford, Bünder Straße

Rain or shine – das Motto eines gewissen Open Airs im Norden der Republik passt auch für das Ein-Tages-Festival in Ostwestfalen wie die Faust aufs Auge. Die Stimmung verhageln lassen sich die rund 6.500 Besucher vom reichlich britischen Wetter aber nicht – wäre auch jammerschade bei dem fetten Line-up, mit dem die zweite, deutlich verbesserte Auflage des X Rockfest in Herford aufwartet.

Zu Beginn heißt es warten: Drei Bandtrucks, die nach dem Ausladen nicht rechtzeitig vom Gelände kommen, sorgen dafür, dass sich der Einlass um eine knappe Stunde verzögert. Nur tröpfchenweise gelangt die Meute vor die Bühne, weshalb WOVENWARs erste Songs eher einem Privatkonzert gleichen. Schade, denn die ehemaligen As-I-Lay-Dying-Mitglieder, die ihren eingeknasteten Fronter Tim Lambesis gegen Sänger Shane Blay eingetauscht haben und mit neuem Material noch mal bei Null anfangen, haben richtig Bock und legen einen bemerkenswerten Auftritt hin.

Für die verhinderten Of Mice & Men springen die Ruhrpott-Newcomer ANY GIVEN DAY ein und sind mit ihrer eigenwilligen Mischung aus Death- und Metalcore ein würdiger Ersatz. Frontkoloss Dennis Diehl teilt die Menge wie Moses das Meer und initiiert die erste Wall Of Death des Tages. Sinn für Humor beweist die Karacho-Crew mit ´Diamonds´: Brutaler kann man Rihanna kaum covern.

AUGUST BURNS RED versuchen im Anschluss, die dunklen Wolken am Himmel mit einem ausgewachsenen Breakdown-Donnerwetter wegzufegen. Das gelingt der Metalcore-Combo zwar nur bedingt, heitert die Stimmung des vornehmlich jungen Publikums jedoch merklich auf.

Nach so viel Geballer gehen GRAVEYARD mit ihrem psychedelischen Bluesrock etwas unter. Auf extravagante Bühnenoutfits legen die Schweden genauso wenig Wert wie auf eine inszenierte Show oder bombastische Kulissen, dafür leben Joakim Nilsson und seine Hippie-Bande ihre Musik mit jeder Faser ihres Körpers. Schade nur, dass sich die aufgeheizte Stimmung bei tiefenentspannten Songs wie ´Slow Motion Countdown´ schnell entlädt und der Platz vor der Stage sich zunehmend lichtet.

„Ich höre solche Musik eigentlich nicht, aber die sind einfach nur geil“, brüllt mir ein langhaariger Kuttenmetaller ins Ohr, als die ersten Töne des CALIBAN-Openers ´King´ erklingen – und recht hat er. Die Metalcore-Kapelle um Vorzeigegitarrist Marc Görtz und Front-Abräumer Andreas Dörner, der über den Fotograben hinweg die Nähe zum Publikum sucht, legt die Messlatte mit ihrer energiegeladenen Show ziemlich hoch. Unterstützung gibt es vom befreundeten Any-Given-Day-Shouter. „So geht abgefahren“, staunt Dörner angesichts des entfesselten Publikums, das nach der Abschlussnummer ´Your Song´ noch lange nicht genug hat.

„Thank you, little German town“, freut sich Keith, pardon, Mina Caputo über den freundlichen Empfang in Herford. Dass LIFE OF AGONY überhaupt wieder zusammen auftreten, ist zwar eine kleine Sensation, so richtig überspringen mag der Funke bei der exzentrischen Show der Amis aber nicht.

Ganz anders bei den geborenen Partyhengsten AIRBOURNE, die mit ihren Fans ´ne fette Sause feiern und ohne Frage ´Ready To Rock´ sind. Schreihals Joel O´Keeffe hat im positiven Sinne ordentlich einen am Laufen, killt beim zweiten Song ´Too Much, Too Young, Too Fast´ gekonnt die erste Bierdose per Kopfnuss, springt spontan in den Fotograben, um einem Rollstuhlfahrer knienderweise ein Gitarrensolo zu widmen, und setzt auf den Schultern eines Crewmitglieds zum wilden Ritt durchs Publikum an. Das Motto des viel zu schnell kommenden Schluss-Songs ´Runnin´ Wild´ ist bei den Australiern Programm. Sehr geil.

Gleiches gilt für die Hobby-Wikinger AMON AMARTH, die ihre possierlichen Haustiere mitgebracht haben: Zwei bekletterbare, Nebel spuckende Drachenköpfe dominieren die Bühne, als Johan Hegg und seine Rudermannschaft ihre laut jubelnden Fans in die Welt der nordischen Mythologie entführen, wo es genauso hart, aber herzlich zugeht wie beim Auftritt der Band. Feuersäulen und Pyros zünden Schlag auf Schlag, parallel zu Nackenbrechern wie ´Deceiver Of The Gods´, ´Guardians Of Asgaard´ oder der Mitgröl-Nummer ´The Pursuit Of Vikings´. Das Krieger-Image will man den bis über beide Ohren grinsenden, bestens aufgelegten Musikern zwar nicht so recht abkaufen, dafür sammelt Hegg Pluspunkte mit seinen in perfektem Deutsch vorgetragenen Ansagen („Deutsches Bier – das beste Bier der Welt“). Skål!

Nur den Donnergott hätten die Schweden vielleicht nicht so ausgiebig besingen sollen: Pünktlich zum Headliner MACHINE HEAD gießt es wie aus Kübeln auf das etwas ausgedünnte Publikum herunter. Geschickt inszenierte Licht- und Spezialeffekte, ein Bombensound und die unglaublich fette, eindringliche Show von Robb Flynn, Phil Demmel & Co. entschädigen allerdings im Nu für die nasse Kehrseite. Nach dem Beispiel von Fronter Flynn zeigt ein ganzes Festival dem Wetter symbolisch den Stinkefinger und mosht sich den Regen aus den Haaren. ´Imperium´, ´Locust´, ´Davidian´, ´Halo´ und als zusätzlichen Anheizer ´Killers & Kings´ vom kommenden Album  – die Hitdichte des Konzerts liegt wie die Luftfeuchtigkeit bei nahezu 100 Prozent. Der pure Wahnsinn. Ärgerlich nur, dass dieser Ausnahmeauftritt nach einer mickrigen Stunde bereits sein Ende findet.

Pics: Alexandra Michels

Bands:
AMON AMARTH
GRAVEYARD
NAPALM DEATH
MACHINE HEAD
LIFE OF AGONY
WOVENWAR
AIRBOURNE
CALIBAN
Autor:
Alexandra Michels

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