Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 23.07.2014

DARK ANGEL , BLACK SABBATH , SKID ROW , BUCKCHERRY , CLUTCH , WATAIN , ANNIHILATOR , SEPULTURA , EXTREME , AVENGED SEVENFOLD , SOULFLY , ROB ZOMBIE , IRON MAIDEN , AEROSMITH , TURISAS , SLAYER , DEEP PURPLE , BEHEMOTH , TRIVIUM - HELLFEST 2014: Das beste Mega-Festival Europas

Das Hellfest hat 2014 das beste Festival-Billing aus dem Boden gestampft, das Europa in den letzten Jahren gesehen hat. Mit Iron Maiden, Aerosmith und Black Sabbath thronen drei mächtige Headliner über dem 150 Bands umfassenden Programm, bei dem sich auch auf den mittleren Positionen der zwei Mainstages und den vier Nebenbühnen die Hochkaräter die Klinke in die Hand geben. Rock Hard wagte trotz mangelnder Französischkenntnisse eine Reise ins wunderschöne Clisson.

Für deutsche Augen wirkt es arg ungewohnt, wie viel Liebe in die Architektur auf dem Gelände gesteckt wurde. An allen Ecken und Enden gibt es tolle Skulpturen, Lichtinstallationen und Feuerspiele zu bewundern. In Deutschland käme allerdings auch niemand auf die Idee, einen Panzer (!) auf das Gelände zu stellen, um musikalische Durchschlagskraft zu symbolisieren. Neben der entspannten Atmosphäre, dem straff organisierten Ablauf und der tollen Bandauswahl gibt es aber auch Anlass zur Kritik: So finden sich auf dem zu Stoßzeiten übervollen Gelände einige fiese Nadelöhre, zu wenige Toiletten und Essensstände. Außerdem werden die durchaus häufig vorkommenden Wechsel im Billing nicht ausreichend auf dem Gelände kommuniziert. (rb)

Freitag

Bereits am Einlass erkennt man, dass sich im Vergleich zum Vorjahr u.a. mit Riesenrad und Hell City Square etwas getan hat. Highlight bis 19 Uhr sind SATAN auf der Hauptbühne, die einen atemberaubenden Set liefern und zu ihrer eigenen Überraschung abgefeiert werden und sichtlich gerührt sind. Überzeugen können auch in der Warzone, der Heimat der Hardecore-Bands, BRUTALITY WILL PREVAIL, die den jungen Suicidal Tendencies nacheifern und mit einem energiegeladenen Auftritt auf dem ausgetrockneten Boden im wahrsten Sinne des Wortes mächtig Staub aufwirbeln. Ebenfalls aller Ehren wert ist, dass sich, bevor später einige Genre-Veteranen ihre Kunst zeigen, FUELED BY FIRE und TOXIC HOLOCAUST als Vertreter der zweiten (wohl eher dritten oder vierten... - Red.) Thrash-Generation ordentlich schlagen und die große Bühne beherrschen. Dazwischen die Lokalmatadoren LOUDBLAST, die das große Zelt bis auf den letzten Platz füllen und eindrucksvoll demonstrieren, wie die Schnittstelle von Thrash- und Death Metal zu klingen hat. Um 16 Uhr zeigt sich mit der Parallelbeschallung von M.O.D., ROYAL THUNDER und DESTRÖYER 666 erstmals die hochkarätige Besetzung des Festivals. Wer sich für M.O.D. entscheidet, erlebt einen relaxten, gerührten und geläuterten Billy Milano, der seine Setlist geschickt mit zahlreichen S.O.D.-Klassikern bestückt.
THERAPY? beweisen danach, dass sie zu groß für jede Genreschublade sind, stellen ihr Meisterwerk „Troublegum“ in den Mittelpunkt und zeigen mit dem ´Breaking The Law´-Cover ihre Metalwurzeln. Als dann TRIVIUM statt Death Angel auf der Bühne stehen (der Billingtausch wurde nicht kommuniziert), ist man verwundert. Die Band liefert einen gewohnt routinierten Set, kann damit aber keine Magie entfachen. Zudem passt ihre alberne Arktisbühnenlandschaft nicht zur Bullenhitze. (wk)

ROB ZOMBIE wuselt wie angestachelt zu einem mit Hits gespickten Set über die Bühne und lobt das Publikum für die besten Fanreaktionen auf der Tour. Während SEPULTURA auf der Hauptbühne ein fettes Thrash-Inferno beschwören, rufen TURISAS im Zelt zum „Battle Metal“. Das Songmaterial des aktuellen Albums erweist sich hingegen auch live als Rohrkrepierer. IRON MAIDEN sollen eigentlich schon um 20:55 Uhr auf die Bühne, verspäten sich aber um ´ne gute Viertelstunde und wollen damit wohl verdeutlichen, dass sie es gar nicht einsehen, als Headliner vor 21 Uhr die Bühne zu betreten. Neben einem erhöhten Anteil an gefärbtem Haar gibt es nicht viel Neues bei den Briten, die sich durch ein routiniertes Best-of-Programm spielen und sowohl für selten gehörtes Material (´The Prisoner´) als auch für Evergreens (´Can I Play With Madness´) gnadenlos abgefeiert werden. Bruce Dickinson dankt es dem Publikum mit französischsprachigen Ansagen, bei denen Kollegin Niebling die Synchronübersetzerin für uns mimen muss. (rb)

WATAIN machen parallel dazu das Zelt allein mit ihren Die-hard-Fans voll und inszenieren mit viel Feuer, noch mehr Gestank und überraschender Setlist (´Hymn To Qayin´!) eine intensive schwarze Messe. (fp)

SLAYER spielen im Anschluss ihren Stiefel mal wieder unfassbar tight, aber reichlich emotionslos und mit einem undifferenzierten Sound runter, weshalb ich mich bei den klanglich und spielerisch brillant agierenden DEATH TO ALL im Zelt besser aufgehoben fühle. ENSLAVED ziehen das Zeltpublikum danach mit ihrem progressiven Black Metal in den Bann, während SABATON auf der Hauptbühne noch nicht einmal davor zurückschrecken, dem Publikum eine ´Y.M.C.A´-Coverversion anzudrohen. Zum Tagesabschluss lärmen KVELERTAK in der Warzone gegen DEATH ANGEL auf der Mainstage 2 an. (rb)

Samstag

Schon morgens steht die flirrende Hitze wieder über dem staubigen Acker. Gegen die Sonnenlethargie hilft, dass jemand endlich die Verstärker ordentlich aufgedreht hat. Sowohl die Metalcore-lastige Mainstage 2 als auch die Parade der Hardrock-Titanen auf der Hauptbühne scheinen mehr Druck im Rücken zu haben als am Vortag. Davon profitieren LEZ ZEPPELIN: Abgefeiert von einer großen Menge, zockt sich die All-Girls-Coverband souverän durch einen ikonischen Set. Kollege Patzig ist im Anschluss überhaupt nicht in Feierstimmung, als er auf der Temple-Bühne ein Keyboard entdeckt. Falscher Alarm – wir haben schlicht kein aktuelles Programm, und es folgen nicht seine Black-Metal-Ikonen MGLA, sondern das Electro-Black-Metal-Projekt BORGNE. Deren Schlagzeug vom Band ist eine körperliche Belästigung sondergleichen, weshalb wir lieber zu MOS GENERATOR ins Valley-Zelt migrieren.
Dass den Zuschauern in der Wüste Gobi vor den Hauptbühnen bei SKID ROW und BUCKCHERRY zur Mittagszeit nicht das toupierte Haar Feuer fängt, grenzt an ein Wunder. Die Zeltbands profitieren jedenfalls von ihrem schattigen Plätzchen – sowohl TROLLFEST als auch SKYCLAD (Überraschungsgast: der alte zweite Gitarrist Dave Pugh) haben ein volles und enthusiastisches Haus, während Bands wie MISCONDUCT auf der Warzone-Stage um jeden Zuschauer kämpfen. Gegen Nachmittag wird es dann etwas kühler – Zeit, um zum Sound der sympathischen Hardrock-Legende EXTREME (´More Than Words´) schwarzen, sandigen Rotz in die Taschentüchlein zu schnupfen. Ich bin nach acht Stunden Bandhopping grau vor Staub und dehydriert, aber DAGOBA sind ein letztes Muss. Die Jungs sind die erfolgreichste französische Band im diesjährigen Billing und bringen die angrenzenden Weinberge dermaßen zum Wackeln, dass die Fans sie mit einer Wall of Death von der Bühne bis hinter den FOH-Turm belohnen. (ln)

Auf der Mainstage 1 geben sich STATUS QUO die Ehre, die zwar nicht ganz so großartig wie bei den jüngsten Frantic-Four-Shows im Original-Line-up sind, das Hellfest aber dennoch locker in Grund und Boden rocken.
Wer sich CLUTCH geben möchte, hat hingegen Pech: The Valley ist komplett überfüllt, schon knapp 25 Meter vor dem Zelteingang geht nichts mehr. Umso unverständlicher, dass die Truppe im Zelt statt auf einer der Hauptbühnen verheizt wird.
Anschließend passiert etwas, das angesichts des Gesamtprogramms schwer zu glauben ist: Alle gleichzeitig spielenden Bands sind zumindest für mich völlig uninteressant. SOULFLY rumpeln uninspiriert vor mittelmäßig begeistertem Publikum vor sich hin, auf der Zeltbühne verwursten BRUTAL TRUTH geschätzte 230 Zwölf-Sekunden-Songs in einem einstündigen Set, und über das, was COMEBACK KID auf der abgelegenen Warzone-Stage veranstalten, deckt man besser den Mantel des Schweigens.
Zeit, kurz durchzuatmen, bevor es mit DEEP PURPLE in die nächste Runde geht. Das Publikum frisst der Truppe erwartungsgemäß aus der Hand – kein Wunder, wenn man Hits wie ´Perfect Strangers´, ´Smoke On The Water´ und ´Hush´ im Gepäck hat.
Die wahren Abräumer des Abends sind jedoch AEROSMITH, bei denen das Gelände noch mal voller als am Vortag bei Maiden ist. Steven Tyler und Joe Perry wirken agiler als auf ihrem letzten Europaabstecher, die Band spielt unglaublich tight, und die Setlist lässt kaum einen Wunsch offen. Zum Abschluss gibt´s bei ´Sweet Emotion´ noch mal Konfetti für alle, und besser könnte der Abend kaum enden – auch wenn AVENGED SEVENFOLD ihr Bestes geben, um die Mainstage 2 abzufackeln. Fairerweise muss man sagen, dass sie bei den Gästen, die noch genug Standvermögen für die Show haben, gut ankommen. (jp)

Sonntag

YEAR OF THE GOAT eröffnen das Mainstage-Programm mit ´Angels´ Necropolis´, bringen einen starken neuen Song und klingen vor noch dünner Kulisse unerwartet deftig. BLUES PILLS ziehen danach locker das doppelte Publikum und überzeugen genau wie auf dem Rock Hard Festival, 30 Minuten sind für ihre ausufernde Performance aber eindeutig zu wenig. COBRA sind dagegen peinlich: drei Gitarren, aber Bass und Drums laufen vom Band. Danach das übliche Hellfest-Dilemma: drei Bühnen, drei interessante Bands mit jeweils nur 30 Minuten Spielzeit. Ich hoppe und sehe je zehn überzeugende Minuten Classic Rock von SCORPION CHILD (starke Performance), Industrial Black Metal von BLACKLODGE (wieder keine Drums, aber mächtige Soundästhetik) und Sludge/Stoner von SATAN´S SATYRS (Publikumssieger). Danach ist es endlich soweit:  OBLITERATION, Norwegens beste Death-Metal-Band, gibt sich die Ehre und herrscht energetisch. Ein Höhepunkt! THE RUINS OF BEVERAST können da gut anschließen, während sich IN SOLITUDE auf der Hauptbühne mit ihrem Publikum schwertun, aber achtbar aus der Affäre ziehen. CROWBAR zelebrieren danach die Schwere, THE BONES sind in der prallen Sonne aber die bessere Alternative, bevor DORDEDUH zur inneren Einkehr einladen, während POWERWOLF auf der Hauptbühne rumjaulen. SEETHER sind anschließend die erste Weiner-Rock-Band des Tages, die knackigen Gitarren retten aber einiges. Als Urfaust-Ersatz treffen HERETIC nicht unbedingt den Nerv der Zuschauer, bringen die
Ausharrenden aber zum Tanzen. UNLEASHED und EQUILIBRIUM ergänzen sich danach gut und machen das Altar/Temple-Zelt randvoll, während ALTER BRIDGE öde vor sich hin melancholieren und ANNIHILATOR mit einer weiteren Mördervorstellung ein deutliches Ausrufezeichen setzen. (fp)

DARK ANGEL dürfen als Ersatz für Megadeth auf der Hauptbühne ran, werden den hohen Erwartungen an die Reunion aber nicht wirklich gerecht. Das liegt zum einen daran, dass viele Songs nicht besonders gut gealtert sind, und zum anderen an Fronter Ron Rinehart, der weder stimmlich noch beim Stageacting oder den Ansagen punkten kann.
Während DOZER das Valley-Zelt in Grund und Boden rocken, zerlegen BEHEMOTH die zweite Hauptbühne nach allen Regeln der schwarzen Künste. Die Show und die ultraharte Musik wirken in den guten Momenten wie nicht von dieser Welt, in den schlechten wie eine perfekte Inszenierung, die sich abgedroschener Antichristen-Klischees bedient. Danach kann man sich endlich mal entspannen: SOUNDGARDEN treten gegen PARADISE LOST um den Posten der langweiligsten Liveband des Festivals an. Soundgarden haben zwar spielerisch einen passablen Tag erwischt, schlagen ihre britischen Kollegen heute aber wegen mangelnder Publikumsinteraktion und allgemeiner Unlust. EMPEROR zeigen hingegen, wie man eine Reunion richtig angeht: Perfekt eingespielt zelebrieren die Norweger den Black-Metal-Grundpfeiler „In The Nightside Eclipse“. Tagessieger sind dennoch BLACK SABBATH: Der Titeltrack des Debüts wird in einer extra doomigen Version dargeboten und ist zehnmal bösartiger als jegliche Black-Metal-Raserei. Auch wenn Ozzys Ansagen extrem berechenbar wirken, zeigt sich die Band in Topform und zaubert einen Gassenhauer nach dem anderen aus dem Hut.
Das Festival beschließen um ein Uhr TURBONEGRO und OPETH. Letztere bleiben weiterhin unberechenbar und legen einen verdammt harten Set hin, der den Kollegen Patzig und mich ausgiebig headbangen lässt, bevor wir den gut angeschickerten Herrn Peters davon abhalten, auf das übermannshohe Hellfest-Symbol am Eingang zu klettern, und den Heimweg antreten. (rb)

In Clisson setzten reichlich Staub an: Ronny Bittner (rb), Wolfram Küper (wk), Laura Niebling (ln), Felix Patzig (fp) und Jens Peters (jp).

Pic: Jens Peters

Bands:
CLUTCH
SLAYER
DEEP PURPLE
SEPULTURA
WATAIN
TRIVIUM
ROB ZOMBIE
BEHEMOTH
ANNIHILATOR
AVENGED SEVENFOLD
TURISAS
IRON MAIDEN
SKID ROW
EXTREME
AEROSMITH
DARK ANGEL
BUCKCHERRY
BLACK SABBATH
SOULFLY
Autor:
Wolfram Küper
Felix Patzig
Ronny Bittner
Laura Niebling
Jens Peters

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