Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 29.08.2012

EDGUY , VENOM , JON OLIVA´S PAIN - Heiße Hüpfer & verdiente Veteranen

BANG YOUR HEAD!!! 2012

Im Vorfeld hatte es Diskussionen über die Headliner-Tauglichkeit der diesjährigen BYH-Top-Acts gegeben, aber nach dem Festival darf man feststellen: Es war ein weiteres gutes BYH - und ein mit insgesamt 11.000 Gästen auch überraschend gut besuchtes.

Freitag

Pünktlich um zehn starten die Frischlinge FORENSICK auf der Balinger Freilichtbühne in den ersten Festivaltag. Die Gewinner des diesjährigen Online-Contests sind musikalisch tief in der NWOBHM verwurzelt und zocken vor allem auf den Spuren von Maiden und Priest. Von der Anfang des Jahres in Eigenregie auf den Markt gebrachten Debütrille „Forensick“ überzeugen vor allem ´Soldiers Of The Dark´ und ´The Sinner´, auch wenn das Songmaterial insgesamt durchaus noch ausbaufähig ist. Obwohl vor der Bühne um diese frühe Uhrzeit noch gähnende Leere herrscht, gehen die Jungspunde mit viel Herzblut zur Sache und haben dabei ein ähnlich seliges Grinsen im Gesicht wie Kollege Albrecht ein paar Stunden später angesichts seines riesigen Schnitzeltellers mit Spätzle.

Nach knapp 40 Minuten übergeben Forensick den Staffelstab an die Holländer VANDERBUYST, die bereits ungeduldig erwartet werden. Das Trio serviert den Anwesenden eine ordentliche Portion Old-School-Hardrock à la Thin Lizzy und UFO und weckt mit seiner energiegeladenen Show auch den letzten Langschläfer aus dem Tiefschlaf. ´Black And Blue´ und ´KGB´ vom aktuellen Silberling „In Dutch“ sorgen direkt für Partystimmung, auch wenn die meisten Besucher erst bei den älteren Krachern so richtig in Fahrt kommen. Während Gitarrist Willem und Sänger und Basser Jochem synchron die Matten schwingen, schallen bei den Highlights ´To Last Forever´, ´Stealing Your Thunder´ und dem abschließenden ´From Pillar To Post´ bereits die ersten „Hey!“-Sprechchöre durch die Zuschauerreihen.

Die Sleaze-Rocker CRASHDIET legen hingegen im Anschluss einen eher mäßigen Gig hin. Nach dem fürchterlichen ´The Sound Of Silence´-Intro verkackt Fronter Simon Cruz zunächst seine Mundharmonika-Einlage bei ´Native Nature´, und auch stimmlich ist der Mann mit dem Monster-Iro heute nicht auf der Höhe, wobei sein Gekreische darüber hinaus auch zu leise abgemischt ist. Bezeichnenderweise sind es nach wie vor die Songperlen des 2005er Erstlings „Rest In Sleaze“, die rundherum am meisten abgefeiert werden - allen voran ´Riot in Everyone´ und ´Breakin´ The Chainz´. Auch der brandneue Track ´Anarchy´ kann da leider bei weitem nicht mithalten. Dann fängt es auch noch zu tröpfeln an, und während die ersten Fans fluchtartig das Weite suchen, um Make-up und Frisur zu retten, legt sich Cruz gleich zweimal hintereinander volles Pfund lang. (ls)

DIAMOND HEAD sind seit Jahrzehnten eine ambivalente Angelegenheit: Einerseits haben die Veröffentlichungen der Briten seit dem zweiten Album von 1982 wenig Relevanz, und außer Brian Tatler ist niemand mehr vom Original-Line-up mit dabei. Andererseits tut es wahnsinnig gut, NWOBHM-Klassiker und Metallica-Faves wie ´Helpless´, ´In The Heat Of The Night´, ´Shoot Out The Lights´, ´It´s Electric´ und natürlich das abschließende und stimmgewaltig vom Publikum unterstützte ´Am I Evil?´ vorgesetzt zu bekommen. Dass man dabei seine Spielzeit überzieht, nimmt man in Kauf, denn kein Veranstalter der Welt würde es bei der Schlussnummer wagen, den Strom abzustellen. Trotzdem schade, dass die Truppe nur noch von ihrer Frühphase zehrt. (wk)

Im Gegensatz zu ihrer letzten Clubtour haben FIREWIND diesmal wieder ihren etatmäßigen Sänger Apollo mit an Bord. Und das ist auch gut so, denn seine Stimme ist einfach untrennbar mit Songperlen wie ´Head Up High´, ´World On Fire´, ´Losing My Mind´ oder ´Mercenary Man´ verbunden. Dafür haben die Hellenen einen neuen Gitarristen dabei. Oder ist das etwa doch Gus G., nur mit schwarz gefärbtem Haar? Ja, doch, ist er. Solche Licks und Soli spielt nur er. Und damit auch die anderen Bandmitglieder zeigen können, was sie an ihren Instrumenten draufhaben, bauen Firewind mal wieder das alte Instrumental ´The Fire And The Fury´ in ihren Set ein, bei dem soliert werden darf, bis der Arzt kommt. Und als Rausschmeißer kriegt Balingen schließlich das unvermeidliche ´Falling To Pieces´ serviert. Kein überragender Gig, aber doch ein guter Appetizer auf die kommende Herbst-Tournee. (fa)

Packen es ARMORED SAINT noch? Oder spielen sie inzwischen zu selten live, um wirklich überzeugen zu können? Nun, der Jubel nach ´March Of The Saint´ (zweiter Song im Set) spricht Bände: Die Band, besonders der in grellroter Hose herumhüpfende John Bush, ist heute in absoluter Höchstform und präsentiert sich sogar besser als beim letzten Auftritt an selber Stelle. ´Nervous Man´ vom größten Saint-Klassiker „Delirious Nomad“ wird vom unvergleichlichen Gonzo, der übrigens seit zwölf Jahren keinen Alkohol mehr trinkt, aber immer noch wie ein Berserker hinter seinem Drumkit wütet, so dermaßen kraftvoll ins begeisterte Publikum gehämmert, dass man sich wie im siebten US-Metal-Himmel fühlt. Immer wieder „Armored Saint! Armored Saint!“-Sprechchöre zwischen den Songs - und John singt um sein Leben. Selbst die hohen Kiekser, die in seiner Anthrax-Phase unter der rauen Grundstimme verschüttet waren, hat er wieder drauf. Unübertrieben: So gut wie heute hat John Bush seit 20 Jahren nicht gesungen! ´Last Train Home´, ´Reign Of Fire´, ´Can U Deliver´, ´Madhouse´... Es ist der absolute Wahnsinn! Hätten Saint noch ´Aftermath´ gespielt, wäre ich bewusstlos umgekippt. (gk)

Die für Bang-Your-Head-Verhältnisse noch überschaubaren Horden vor der Bühne formieren sich zunehmend dichter, und Weihrauchduft und Kirchenfenster-Kulissen versetzen das Blut der Fans in Wallung. So oder so. Denn POWERWOLF polarisieren, aber sie treten jedes Mal an, um zu gewinnen. Und wie immer man zu der Band stehen mag: Auch an diesem Tag geht sie als Stimmungssieger vom Platz. Die vom Publikum voller Inbrunst abgefeierte Setlist, die sich über weite Strecken mit der der letzten Headliner-Tour deckt, lässt keinen Raum für Verschnaufpausen. Der extrem agile und deutlich erschlankte Sänger Attila und Keyboarder Falk, der immer wieder Spielpausen für Ausflüge an den Bühnenrand nutzt, peitschen die Stimmung ununterbrochen hoch. Powerwolf hinterlassen ein erschöpftes, glückliches und heiseres Publikum, in dem langsam, aber sicher die Gewissheit heranreift, dass solche Bands in Bälde das Erbe der jetzigen Festival-Headliner antreten werden. (bc)

Gestern, beim Masters Of Rock in Tschechien, haben KAMELOT ihre erste richtige Show mit Neuzugang Tommy Karevik gespielt, heute steht bereits die Präsentation des Roy-Khan-Nachfolgers vor deutschem Publikum an. Dass die Band dabei nichts dem Zufall überlassen will, merkt man an der durchgestylten Performance: Zwei BackgroundsängerInnen sind am Start, Flammensäulen säumen die Bühne, die Band gibt ordentlich Gas, und später im Set tauchen zwei trommelnde Mädels auf. Dennoch achten die Fans am meisten auf den Sänger, dessen Stimme großartig klingt und sehr an seinen Vorgänger erinnert. Auch optisch wurde Tommy auf Khan getrimmt, aber der Schwede macht trotz einiger typischer Roy-Posen schon seine eigene Show, die etwas weniger theatralisch und in jedem Fall sympathisch rüberkommt. (jr)

Obwohl sich das BYH seit einigen Jahren stilistisch offener für Acts jenseits des traditionellen und melodischen Genres zeigt, haben härtere und modernere Bands nach wie vor nicht immer einen leichten Stand. ARCH ENEMY, die es endlich mal nach Balingen geschafft haben, gehen offensiv und humorvoll mit der Herausforderung um. „Danke, dass ihr gekommen seid, um unseren Krach zu hören!“, kokettiert Frontfrau Angela Gossow mit einem Augenzwinkern, nachdem sich das schwedisch-deutsche Quintett mit ´Yesterday Is Dead And Gone´, ´Ravenous´ und dem mächtigen ´My Apocalypse´ souverän eingespielt hat und genügend Argumente liefert, trotz aufziehender Regenschauer vor der Bühne zu verharren. Von vielen Zuschauern werden Arch Enemy zunächst zwar eher wohlwollend interessiert als enthusiastisch-ausrastend aufgenommen, aber dennoch merkt man, wie die Band von Song zu Song mehr Leute mitreißt und der Chor der Fans, die die Refrains mitsingen, größer wird. Arch Enemy sind die erste Band des Tages mit Headliner-Qualitäten - und das nicht nur wegen der ansprechenden Lichtshow und der gewohnt begeisternden Gitarren-Parts. (cs)

Diejenigen, die THIN LIZZY mit Ricky Warwick als Frontmann bereits gesehen haben, haben der Classic-Rock-Legende längst ihren Segen erteilt; diejenigen, die im inzwischen regnerischen Balingen erstmalig Zeugen dieser Konstellation werden, gehen mit einem Grinsen im Gesicht nach Hause. Was der souverän-charmante Warwick der nach dem Sykes-Ausstieg totgesagten Band verpasst hat, ist nicht weniger als eine amtliche Frischzellenkur. Wo Sykes bei genauerer Betrachtung zu sehr Karaoke war, drückt Warwick furiosen Rock-Hymnen wie ´Are You Ready´, ´Killer On The Loose´ oder dem fantastischen ´Angel Of Death´ mit einer gewissen Schnoddrigkeit seinen ganz eigenen Stempel auf und interpretiert Traditionelles wie ´Emerald´ (bei dem sich die Band kurzzeitig mächtig vergaloppiert), ´Dancing In The Moonlight´ oder den Smash-Hit ´Whiskey In The Jar´ extrem respektvoll; ja, er schafft es sogar, das Folk-Element im Bandsound wieder zum Leben zu erwecken. Vermutlich liegt Letzteres an seiner Zeit als New-Model-Army-Gitarrist, aber auch abseits sämtlicher Analysen ist das Fazit des Lizzy-Gigs glasklar: Die Band ist heute völlig zu Recht die Attraktion des Festivals, liefert ausschließlich Songs aus der musikalischen Feinkostabteilung und vermittelt mit ihrem sympathisch unaufgeregten Stageacting jedem das Gefühl, dass da sechs echte Freunde zu Ehren von Phil Lynott auf der Bühne stehen.

Stell dir vor, es ist Freitag, der 13., VENOM spielen - und keiner geht hin. Okay, ganz so dramatisch stellt sich die Situation nicht dar, aber große Lücken im Publikum sind nicht zu übersehen, als Cronos mit seinen Sidekicks Dante und Inferno eine amtliche Dosis Rumpel-Black-Metal unters Volk bringt. Pyros zischen und knallen, und musikalisch hinterlässt die Band einen wirklich guten Eindruck. Dieses Attribut mag im Zusammenhang mit dem Newcastle-Trio verwirren, und nicht umsonst fabulieren altgediente Legionäre von Kommerzialität und fehlendem Chaos (O-Ton eines Fans: „Früher wusste man ja nicht mal, welchen Song sie da gerade vergewaltigen!“), aber was Cronos und vor allem der wahnsinnige Showdrummer Dante heute auf die Bretter zaubern, ist aller Ehren wert und kann auch durch den farblosen Klampfer Inferno nicht konterkariert werden. Primordial-Alan hat Recht, dass die Band mit einem Gitarristen wie Keith von Deströyer 666 noch mal ein ganzes Stück besser wäre, aber gerade dieses polarisierende Element ist ja seit Beginn der Bandkarriere Garant für den Erfolg von Venom. Selbst wenn die Engländer Thin Lizzy heute nicht annähernd das Wasser reichen können: Am nächsten Tag wird man über ihre Show diskutieren. (tk)

Samstag

Dass auf diesem Festival die hardrockigen, glammigen und sleazigen Töne in der Gunst der Zuschauer am höchsten stehen, zeigt sich mal wieder spätestens am zweiten Tag, als sich bereits um zehn Uhr eine ziemlich ansehnliche Menge vor der Bühne versammelt, um SISTER die Ehre zu erweisen. Allerdings will der Auftritt der schwedischen Sleaze-Punk´n´Roller nicht so wirklich gelingen. Zunächst startet die Band mit einiger Verspätung, während des Gigs kappt jemand auf der Bühne versehentlich den Monitorsound von Drummer Cari, so dass die Band unterbrechen muss, und zum Schluss wird ihr kurzerhand der Saft abgedreht, weil die anberaumte Spielzeit überschritten wurde. Dennoch feiert das Publikum die wenigen Songs gebührend, was auch am ziemlich professionellen Stageacting der Band liegt, die die gesamte Größe der Bühne zu nutzen weiß.

Im direkten Anschluss wird es bei LANFEAR in den ersten Reihen zunächst ein bisschen leerer. Dennoch können sich die laut eigenem Bekunden zu hundert Prozent unterbewerteten Pfälzer Prog-Metaller über anständigen Zuspruch des Publikums freuen, der sicherlich noch größer ausfiele, wenn der Soundmensch einen besseren Job hinlegen würde. Gitarre ist nahezu überhaupt keine zu hören, und Bass und Keyboard vermischen sich im Gesamtsound häufig zu undefinierbarem Brei, so dass überwiegend Snaredrum, Bassdrum und Gesang das Klangbild dominieren. Auch wenn Drummer Jürgen (ebenso wie der Rest der Band) sicherlich ´ne Menge geübt und durchaus ein paar zackige Doublebass-Figuren auf Lager hat, erweist sich so was zumindest für Nichtdrummer bereits nach wenigen Songs als ermüdend. Ich habe jedenfalls nicht den Hauch einer Ahnung, was ich mit dem Dargebotenen anfangen soll, und ziehe nach vier, fünf Songs schulterzuckend von dannen. (ah)

Im Vergleich mit all den anderen aufstrebenden Thrash-Bands haben WARBRINGER einen Trumpf, der auf den Namen John Kevill hört. Kevill ist nicht nur (der gute) Sänger des kalifornischen Überfall-Kommandos, sondern auch jemand, der bei der Kommunikation mit dem Publikum keine Gefangenen macht. Schon zum Einstieg fordert der Bursche einen Circle-Pit, will Gewalt im Publikum sehen und kontert eher zurückhaltende Reaktionen mit dem Spruch: „It´s never too early to mosh!“ Ein paar hundert Die-hards vor der Bühne kommen seinen Aufforderungen gerne nach, und würden Warbringer neben knackigen Riff-Salven ebenfalls auf mehrheitsfähige Refrains setzen, ließe sich diese Zahl schnell verdoppeln. (tk)

Schön, dass beim BYH immer wieder Bands wie BREAKER, die den Durchbruch nie richtig geschafft haben, eine Chance bekommen. Und nicht ohne Grund ist es bereits der zweite BYH-Auftritt der Veteranen aus Cleveland. Gefeiert wird heute das 30-jährige Bandjubiläum und das 25-jährige Jubiläum ihres Meilensteins „Get Tough!“, einer der besten Power-Metal-Veröffentlichungen überhaupt. Zelebriert wird das Ganze nahezu in der Originalbesetzung mit Frontmann Jim Hamar. Einen souveränen Gastauftritt legt dabei Don Depews Sohn an der Gitarre hin, und ein Sonderlob geht auch an den zweiten Gitarristen, der zu einigen spektakulären Sprüngen ansetzt und für die Show sorgt. Punktabzug gibt´s nur für den schwachen und basslastigen Sound.

Aus irgendwelchen Gründen will man beim BYH von Veranstalterseite her TANKARD nicht den Respekt einräumen, den die Hessen verdienen - oder man schätzt deren Standing beim Publikum zum dritten Mal falsch ein. So muss die Truppe, die die Sonne aus dem Hessenland mitbringt, bereits um 13:40 Uhr auf die Bühne und dreht den Stimmungspegel gleich voll auf. Mit einer leicht modifizierten Setlist gibt´s eine gewohnt kurzweilige Show. Bei der kommt es auch zu einem Gastauftritt von zwei Fans, die einen Platz auf der Bühne gewonnen haben. Einmal mehr zeigt sich, dass keine andere Band Thrash Metal und Partyfeeling dermaßen genial verbindet. Mal sehen, wo man die Jungs beim nächsten Auftritt in Balingen positioniert. Wer danach spielt, hat zumindest schlechte Karten. (wk)

Heute ist der Tag der deutschsprachigen Bands, was für den neben mir stehenden Schreiberkollegen vom italienischen „Metal Mania“ nicht immer ideal ist. So auch bei AXXIS, deren Gig neben guten Nummern wie ´Heavy Rain´ und ´Stay Don´t Leave Me´ auch davon lebt, dass Frontmann Bernhard Weiß seine Späßchen macht. Gerne wird dabei das Publikum einbezogen, das sich heute aber etwas ziert, als ein „Opfer“ gesucht wird, das auf die Bühne kommen soll. Mit dem kleinen Justin, ausgestattet mit schwarzer Langhaarperücke und aufblasbarer Gitarre, gelingt dem Sänger dann aber ein Glücksgriff, der auch die ausländischen Festivalbesucher entzückt. Der Nachwuchs-Headbanger ist zwar zunächst verwundert, wie einfach es ist, mit einem zaghaften „Hey!“ der ganzen Masse eine Reaktion zu entlocken, entspannt sich dann aber sichtlich und wird quasi zum gefeierten Bandmitglied. Besonders cool: Irgendwann wird es Justin zu anstrengend, bei ´Touch The Rainbow´ mitzuklatschen. Er setzt sich auf die Treppe der Bühne, zieht die Perücke ab und trinkt sein Feierabend-Bier, äh, -Wasser. Eine spaßige und kurzweilige Show, die mit ´Little Look Back´ endet. (jr)

Mit ihren Aktivitäten bei Voodoo Circle, Sinner, Rock Meets Classic und PRIMAL FEAR sind Mat Sinner und Alex Beyrodt die Tausendsassas der deutschen Szene und zeigen heute wieder ihre metallische Seite, die ihnen verdammt gut steht. Wegen der vielen Baustellen der beiden kann das neue Material wie ´Bad Guys Wear Black´ oder ´Metal Nation´ zwar nicht ganz mit den alten Songs mithalten; Nummern wie ´Nuclear Fire´, ´Seven Seals´, ´Chainbreaker´ und natürlich ´Metal Is Forever´ zeigen aber einmal mehr, dass das „German Metal Commando“ aus dem Schwabenland zur europäischen Power-Metal-Elite gehört und mit Ralf Scheepers eine Ausnahmesirene in seinen Reihen hat. (wk)

Es folgt eine Lehrstunde in Sachen Intensität und Leidenschaft. Wo andere Bands und Frontmänner animieren und ihre Show in einer Art „ZDF Fernsehgarten“-Mitmach-Hüpfspaß-für-die-ganze-Familie fast schon der Lächerlichkeit preisgeben (wie kurz zuvor Axxis), schaffen es PRIMORDIAL und allen voran Sänger Alan Averill durch pure Ausstrahlung, absolute Glaubwürdigkeit und fast schon ekstatische Eindringlichkeit, die Zuschauer in ihre düsteren Klangwelten voller Wut, Trauer, Schmerz, Schwermut und Melancholie zu entführen. Es scheint absolut keine Rolle zu spielen, in welchem Zustand und zu welcher Tages- oder Nachtzeit man Alan und seine Mannen auf eine Bühne stellt, denn trotz der Hitze und des strahlenden Sonnenscheins entfalten Songs wie ´The Coffin Ships´ oder ´Empire Falls´ auch heute ihre intensive und sehr spezielle Atmosphäre. Und weil der Soundmann der Iren als einer der wenigen an diesem Wochenende weiß, dass Heavy Metal immer noch am besten mit lauten Gitarren funktioniert, gibt es auch am Rest nichts zu meckern. (ah)

Es existiert ja diese Floskel von der Band, die ein Publikum im Sturm erobern möchte. Selten hat diese Redewendung so gut gepasst wie zum Auftakt der heutigen SABATON-Show. Zwar haben die Schweden nicht ihren im Rock-Hard-Interview versprochenen Panzer dabei, aber ansonsten erwecken sie den Eindruck, dass sie schon bei den ersten drei Songs (´Ghost Division´, ´Uprising´, ´Gott mit uns´) alles raushauen, was möglich ist. Die rennen über die Bühne, als sei ein Schwarm wild gewordener Killerhornissen hinter ihnen her, gleichzeitig wird ein Großteil der Gage in Form von Raketen, Knallkörpern und Feuersäulen in die Luft geblasen. Und natürlich liegt ihnen das Bang Your Head schon nach wenigen Minuten zu Füßen. So voll wie bei den Schweden ist das Gelände an diesem Wochenende nur selten. Und abgesehen von den notorischen Sabaton-Hassern, die sich entweder im Hintergrund halten oder mal eben auf dem Camping-Gelände ´ne Wurst auf den Grill schmeißen, feiert hier absolut jeder Ohrwürmer wie ´Cliffs Of Gallipoli´, ´Carolus Rex´ oder ´The Art Of War´ ab. Selbst alteingesessene Fans, die sich geschworen hatten, dem neuen Line-up kritisch gegenüberzustehen, lassen sich mitreißen. Und letztlich kann die neue Besetzung auch absolut überzeugen; speziell am Schlagzeug sind Sabaton durch Robban Bäck deutlich stärker geworden. (fa)

Dem Auftritt von GOTTHARD dürften im Vorfeld viele der Anwesenden entgegengefiebert haben, denn schließlich ist es einer der ersten mit dem neuen Mann am Mikrofon. Nic Maeder zeigt sich wie schon auf dem aktuellen Album „Firebirth“ als exzellenter Sänger, dem es im Gegenzug allerdings noch ein wenig an Frontmann-Qualitäten mangelt. Musikalisch ist hingegen alles vollkommen im grünen Bereich. Und wer es schafft, mit dem gefühlvoll am Piano vorgetragenen und vollkommen ohne Pathos dem verstorbenen Frontmann Steve Lee gewidmeten ´One Life, One Soul´ selbst gestandenen Rock-Hard-Redakteuren einige Tränchen zu entlocken, hat sowieso alles richtig gemacht.

Den begehrten Posten des Samstags-Headliners haben EDGUY ergattert, die nach fünfjähriger Pause erneut in Balingen gastieren. An dieser Stelle sei angemerkt, dass sich die Internet-Gemeinde im Vorfeld das Maul zerrissen hat, ob diese Band ein würdiger Bang-Your-Head-Headliner ist. Sicherlich darf man zur Musik von Edguy stehen, wie man mag, aber von dem, was Tobias Sammet auf rein professionellem Level heute Abend leistet, kann sich der eine oder andere Musiker gerne eine dicke Scheibe abschneiden. Edguy starten mit ´Nobody´s Hero´ vom aktuellen Album „Age Of The Joker“ in ihren Set und bieten genau das, was man von der Band erwartet und auch schon Dutzende Male so gesehen hat - bis Tobias während des vierten Songs stolpert und in den Bühnengraben stürzt. Es vergehen einige Augenblicke, bis seine Mitmusiker die Misere bemerken, anschließend folgt eine kurze Pause. Der Frontmann lässt sich verarzten, bevor er zurück auf die Bühne kommt und den Headliner-Set bis zur letzten Minute durchzieht. Es folgt die erwartungsgemäße Best-of-Setlist und ein unerwartetes Maiden-Cover (´The Trooper´), bevor Edguy mit ´King Of Fools´ das Programm auf der Hauptbühne beenden und das obligatorische Feuerwerk über dem Gelände gezündet wird.

Wie im Nachhinein bekannt wird, hat Tobias sich beim Sturz neben einem Nasenbeinbruch auch diverse Prellungen zugezogen. Vor der Professionalität, die Show trotzdem zu Ende zu spielen, kann man nur den Hut ziehen. (jp)

In Balingen fühlten sich einmal mehr pudelwohl:

ANDREAS HIMMELSTEIN (ah), GÖTZ KÜHNEMUND (gk), CONNY SCHIFFBAUER (cs), WOLFRAM KÜPER (wk), LISA STEGNER (ls), BRUDER CLE (bc), JENNY RÖNNEBECK (jr), THOMAS KUPFER (tk), JENS PETERS (jp) und FRANK ALBRECHT (fa). Das Fotomaterial kommt von Axel Jusseit.

DIE HALLE

Donnerstag

„Hail to MAJESTY!“ Die Chöre des bereits auf Betriebstemperatur agierenden Publikums sprechen eine klare Sprache: Die Franken werden von den Fans wie der sprichwörtliche verlorene Sohn begrüßt. Und Tarek und seine Mannen bedanken sich mit einer leidenschaftlich dargebotenen Show voll großartiger True-Metal-Hymnen. Und obwohl Tarek beim Metalforce-Song ´Freedom Warriors´ eher unelegant auf dem Hosenboden landet, muss man der Band ein routiniertes Stageacting bescheinigen, dem aber auch nie das wichtige Quäntchen Herzblut fehlt. Marginale Kritikpunkte gibt´s höchstens bei der Setlist, in der einige Bandhits wie ´Fist Of Steel´ oder ´Sword And Sorcery´ fehlen. Trotzdem ein idealer Auftakt für das Festival-Wochenende! (bc)

Obwohl FREEDOM CALL mit ihrem klebrig-süßen Happy Metal vielerorts durch bloße Anwesenheit für Zahnschmerzen sorgen, muss man den Herren doch zugestehen, dass sie zumindest heute Abend fast schon erschreckend gut ankommen. Das gut gelaunte Teutonenquartett um Oberstrahlemann Chris Bay beherrscht seine Instrumente, haut einen Klassiker nach dem anderen raus und trifft bei den Anwesenden den richtigen Nerv. In der Konsequenz wird die Band mit reichlich Applaus und Publikumsgesängen belohnt. (jp)

Mit ´Sweet Obsession´ begrüßen BONFIRE die Fans, doch als idealer Opener entpuppt sich die rockige Midtempo-Nummer komischerweise nicht. Nachdem Sänger Claus Lessmann die „Menschen, die nur in Gräben leben“, auch Fotografen genannt, auf die Bühne geholt hat und ausgiebig Fotos gemacht wurden, geht es richtig ab. Die Halle füllt sich immer mehr, Tracks wie ´Hot To Rock´ und ´Don´t Touch The Light´ kommen super an, und das Schlagzeugsolo mit brennenden Sticks und Feuerspuckerei hat einen netten Unterhaltungsfaktor. Bei ´Give It A Try´ liegen sich zahlreiche männliche Fans in den Armen, bevor nach dem rockigen ´Ready 4 Reaction´ erfolgreich Mitsingspielchen gestartet werden. Mit dem genialen Banger ´S.D.I´, einem vom Veranstalter gereichten Drink und viel Applaus endet die starke Show.

Die Vorfreude auf den Headliner des Abends ist groß, die Fülle an Savatage-Shirts in der Halle ebenso. Kein Wunder, das Killeralbum „Hall Of The Mountain King“ live zu hören, lässt für den Großteil der Power-Metal-Fans einen Traum wahr werden. Bevor der Bergkönig gefeiert wird, fangen JON OLIVA´S PAIN aber mit einem Showeinstieg nach Maß an: ´Gutter Ballet´ und ´Edge Of Thorns´ versetzen das Publikum in einen Freudentaumel und sorgen für laute Zuschauerchöre, die dennoch nicht davon ablenken können, dass der Meister heiser ist und extrem kämpfen muss, um die Töne rauszubekommen. Als geübter J.O.P.-Fan weiß man zwar, dass Oliva-Shows tagesformabhängig sind, aber etwas leerer wird es trotzdem, als die „Hall...“-Songs zum Einsatz kommen. ´24 Hours Ago´, ´Legions´ oder ´The Price You Pay´ sind dann eben doch nicht allen so bekannt wie die gängigen „Hits“ der Savatage-Ära. Die Fans sind angesichts der Setlist aber selig, zumal mit ´Tonight He Grins Again´, ´Ghost In The Ruins´ und ´Power Of The Night´ weitere Savatage-Perlen geboten werden. Die Band macht einen ausgezeichneten Job, erinnert mit ihren Shirtaufdrucken an den verstorbenen J.O.P.-Gitarristen Matt LaPorte und unterstützt den durchaus agilen Sänger, der entweder am Piano sitzt oder am Mikro steht und die Fans animiert. Mit jedem Lied festigt sich seine Stimme, und so klingt ´Hall Of The Mountain King´ mehr als ordentlich. Sogar an den Purple-Klassiker ´Child In Time´ wagt sich Jon heran, bevor ´Believe´ den Schlusspunkt setzt. (jr)

Freitag

WIZARD sind eine Institution und gleichzeitig sträflich unterbewertet. Gegründet in einer Zeit, als der Metal für tot erklärt wurde, liefert die Band mittlerweile seit zwei Jahrzehnten trendfreie, starke Musik. Dementsprechend können die Männer um Sänger Sven D´Anna, der das Publikum wie immer fest im Griff hat, bei der Songauswahl auf einen umfangreichen Backkatalog zurückgreifen. Angetrieben von einer gut gefüllten Halle, vergießt die Band Ströme von Schweiß, und Sven wirft sich bei seinen Ausflügen in den Fotograben buchstäblich kopfüber ins Geschehen. Absoluter Höhepunkt der Show: die beiden Schlachthymnen ´Hall Of Odin´ und ´Defenders Of Metal´. (bc)

In Sandwich-Position zwischen Wizard und The Devil´s Blood sorgen MOONSORROW für einen eleganten Übergang von traditionellen Klängen zu atmosphärisch-düsteren Vibes. Dabei sind die Finnen sicherlich alles andere als nur ein nettes Bindeglied zwischen unterschiedlichen Stilen. Mit ihrer epischen Mixtur aus Black Metal und folkloristischen Elementen gelingt es dem Quintett, nicht nur Fans, sondern auch interessierte Zuschauer (durch den einsetzenden Regen flüchten viele Besucher in die Halle) für sich zu gewinnen. Je weiter die Show fortschreitet, desto erfolgreicher ziehen Moonsorrow das Publikum mit ihren Songs in den Bann. Das dämliche Zuschauergeklatsche nervt zwar, aber der Gesang der Fans, der sich wie ein majestätischer Backing-Chor anhört, ist cool. (cs)

THE DEVIL´S BLOOD sind die heutigen Headliner in der Halle und liefern einen grandiosen Auftritt, der in puncto Setlist mal wieder völlig umgestellt worden ist. Großartig die ellenlangen Jam-Sessions, bei denen der „neue“ dritte Gitarrist Utz immer mehr in den Mittelpunkt rückt. TDB haben nun tatsächlich DREI absolute Ausnahme-Gitarristen, die alles und jeden auf diesem Festival - mit Ausnahme von Vanderbuyst-Gitarrist Willem - gnadenlos an die Wand spielen.

Aber das alles nur am Rande, denn viel wichtiger ist ein Vorfall, der gegen Ende des Sets passiert: Ein Fan läuft mit zwei erhobenen Mittelfingern in die erste Reihe, wird von TDB-Gitarrist Selim kurz ermahnt, läuft daraufhin nach links zu Farida, provoziert weiter - und wird von Selim mit drei gezielten Schlägen zu Boden gestreckt. Der Fan landet mit gebrochener Nase im Krankenhaus, während Selim nach dem Konzert verhaftet wird. Natürlich ist dieser bedauerliche Vorfall nun DAS BYH-Gesprächsthema, und bis heute kochen sämtliche Diskussionsforen über. Meine Meinung dazu: Gewalt ist grundsätzlich kein akzeptables Mittel, um einen „Provokateur“ aus der ersten Reihe zu entfernen. Das hätte man eleganter lösen können. ABER: Wenn ich es gezielt darauf anlege, ein Konzert zu stören und den umstehenden Fans den Genuss der Show zu verderben (so wurde es allgemein von sämtlichen Augenzeugen, die ich gesprochen habe, empfunden), dann muss ich mit Gegenwehr rechnen. Ich stelle mich auch nicht bei Sabaton in die erste Reihe und versuche, den Frank-Albrecht-Horden den Spaß zu verderben. Und wenn ich mit erhobenem Mittelfinger eine Kneipe betrete und bewusst provoziere, dann klatscht es ohne große Vorwarnung. Um nicht missverstanden zu werden: Ich lehne Gewalt ab und finde, man hätte das Problem friedlich lösen können - aber Mitleid habe ich mit dem verletzten „Fan“, der klar auf Stunk aus war, trotzdem nicht. Und was die Diskussionen in den Foren angeht: Ich finde die Schwarzweißmalerei auf beiden Seiten unsinnig und auch gefährlich. Man sollte die Kirche (sic!) im Dorf lassen und das Ganze etwas differenzierter betrachten - sonst kommt es demnächst bei allen „Extrem-Bands“ zu „gewalttätigen Meinungsverschiedenheiten“ in den ersten Reihen. Und das möchte zumindest ich nicht erleben. (gk)

Das Kontrastprogramm zu The Devil´s Blood liefern ORDEN OGAN: Die Combo um Fronter Sebastian Levermann bietet zum Abschluss fröhlichen Power Metal in bester Guardian/Gamma-Ray-Tradition. Orden Ogan haben sich über die Jahre einen gewissen Status erspielt, sind als solide Liveband bekannt und enttäuschen ihr Publikum auch heute nicht. Den Höhepunkt bildet wie immer ´We Are Pirates´ vom (noch) aktuellen Album „Easton Hope“, das von den Anwesenden in ordentlicher Lautstärke mitgegrölt wird. Vor der anschließenden Darbietung von ´Angels War´ bittet der sympathische Frontmann das Publikum, die Handykameras zu zücken: Schon seit geraumer Zeit sammelt die Band Videomitschnitte der Songs, um irgendwann mal einen Clip aus den Schnipseln zusammenstückeln zu können. Für Stirnrunzeln sorgen derweil die Go-Go-Tänzerinnen auf der Theke im hinteren Bereich der Halle, die mit der Musik offensichtlich rein gar nichts anfangen können und dementsprechend unbeholfen ihre (durchaus ansehnlichen) Rundungen kreisen lassen. (jp)

Samstag

SUICIDAL ANGELS sind das harte Gegenprogramm zu Gotthard, die auf der Mainstage spielen, und locken auf Anhieb eine Menge Zuschauer an, obwohl sie die erste Band des Tages in der Halle sind. Das griechische Old-School-Thrash-Gespann, das ganz in der Tradition von Slayer, frühen Sepultura und Kreator losdonnert, gehört heute zu den stärksten Acts. Die Riffsalven kommen trotz aller Traditionsverbundenheit frisch und knackig rüber, und auf die Frage „Germany, are you ready to thrash?“ antworten die begeisterten Zuschauer nur zu gerne mit bangenden Köpfen, hochgereckten Fäusten und wippenden Füßen. (cs)

Ich war mir nicht ganz sicher, ob eine Band wie PAIN auf diesem Festival funktionieren würde, aber derlei Bedenken sind direkt nach Betreten der ordentlich gefüllten Halle verschwunden. Peter Tägtgren spielt (mit einer angedeuteten Zwangsjacke) überzeugend den Psycho, seine Band sorgt für ein solides musikalisches Fundament. Den Rest erledigen leicht konsumierbare Tracks wie ´Walking On Glass´, ´I´m Going In´, ´Dirty Woman´, ´Stay Away´ oder ´Same Old Song´. Als kleine Überraschung kommt zum abschließenden Band-Evergreen ´Shut Your Mouth´ auch noch Exodus-Frontsau Rob Dukes auf die Bühne und singt die Nummer mit Tägtgren zusammen. Coole Sache!

Den Gnadenstoß geben uns dieses Jahr EXODUS, die mit einer brutalen Version von ´The Last Act Of Defiance´ einsteigen, gefolgt vom nicht weniger heftigen ´Iconoclasm´. Weil Klampfer Gary Holt immer noch bei Slayer aushilft, haben die Kalifornier ihren ehemaligen Gitarristen Rick Hunolt wieder ausgegraben, der inzwischen angeblich komplett clean sein soll. Glauben wir einfach mal, dass das so ist. Falls nicht, dann will ich auf jeden Fall etwas von dem Zeug haben, das er genommen hat. Wie ein Irrer fegt er über die Bühne, und einer seiner Sprünge geht wohl ein bisschen weiter, als er geplant hat - und prompt landet Hunolt im Fotograben. Glücklicherweise scheint er nicht schlimmer verletzt zu sein, denn auch nach diesem Unfall gibt er weiter Vollgas. Rob Dukes macht inzwischen das, was er am besten kann: rumpöbeln. Z.B. gegen die Bands, die heute auf der Hauptbühne gespielt haben. „Jetzt ist Schluss mit dem verdammten schwulen Metal, jetzt gibt´s echtes Schwermetall!“, lässt er uns wissen. Was Primordial oder Tankard wohl über diese stilistische Einschätzung denken? Egal, so isser halt, der Rob. In der ersten Reihe entdeckt er derweil ein paar hübsche Mädels und singt sie ein paar Mal an. Und siehe da: Es funktioniert. Die Damen heben allesamt ihr Shirt und zeigen ihre Hupen. Und ich dachte, so was funktioniert nur bei Mötley Crüe & Co. Aber zurück zum Wesentlichen: Da zerlegen Exodus mit ´Shroud Of Urine´, ´Pleasures Of The Flesh´, ´Scar Spangled Banner´ oder ´War Is My Shepherd´ die knallvolle Halle, bei ´And Then There Were None´ oder ´Blacklist´ entwickelt sich im Publikum eine echte „Fist banging mania“, und das tödliche Doppel ´The Toxic Waltz´ und ´Strike Of The Beast´ lässt zum Abschluss alle noch mal gepflegt durchdrehen. (fa)

RANDNOTIZEN

Herr Kupfer wurde durch „Fremdeinwirkung“ gegen seinen erklärten Willen so sehr in seiner „Wahrnehmung“ gestört, dass er Venom mit Thin Lizzy verwechselte und das erst beim dritten Song merkte. Mit extrem schwerer Zunge wunderte er sich über die schlechte Phil-Lynott-Imitation von Cronos gegen „Ende des Thin-Lizzy-Sets“. Möchte jemand Herrn Kupfer bei sich zu Hause aufnehmen? Er kann recht witzig und unterhaltsam sein, geht alleine (und rechtzeitig) aufs Klo und isst so gut wie alles. Mails bitte an megazine@rockhard.de. Danke! (gk)

Global denken, lokal trinken: Weil der heimische Alkohol am besten schmeckt, haben TANKARD bei Festivals immer hessische Getränke dabei. Hatte man beim Rock Hard Festival einige Kisten der Binding-Spezialität „Adler“ mitgebracht, war diesmal der Aufstiegsschoppen der Kelterei Possmann im Reisegepäck. (wk)

Eine nagelneue Bühne bekamen die BYH-Macher für die Shows in der Halle von der Stadt Balingen geliefert. Und damit diese bei ihrer Entjungferung nicht gleich mit Schweineblut befleckt wird, wurde vor dem Auftritt von The Devil´s Blood extra Teppich darauf ausgelegt. (fa)

Als unser Hausfotograf Axel Jusseit und Rock-Hard-Hangaround Krugi Freitagnacht an unserer relativ weit abgelegenen Pension ankamen, staunten sie nicht schlecht, als sie Zompf „Ich gebe heute mal alles und ein bisschen mehr!“ Kupfer lediglich mit Unterhose und Socken bekleidet im Hof vorfanden. Auf der Suche nach einer Freiluft-Toilette hatte sich die Schnapsdrossel doch tatsächlich ausgeschlossen. Weil es dort weder ein funktionierendes Handynetz noch eine Nachtrezeption gibt, musste unser Naturbursche (auf seinem Zimmer war selbstredend auch eine funktionierende Toilette) doch eine Weile bei gar nicht mal so angenehmen Temperaturen ausharren. Dafür hatte er aber zumindest noch seine elektronische Zigarette für den nächtlichen Stuhlgang am Start. Gott sei Dank weiß der Mann Prioritäten zu setzen, denn wer braucht schon einen Haus- und Zimmerschlüssel, wenn man beim Outdoor-Kacken paffen kann? (ah)

Und das sagt Veranstalter Horst Franz:

Hallo Freunde!

Nachdem ich diverse Internet-Postings gelesen habe, die Tobi Sammet und EDGUY teils sehr heftig angreifen, muss ich mich doch mal persönlich zu Wort melden.

EDGUY waren und sind für mich ein Spitzen-Headliner, eine Band, die musikalische Klasse mit Top-Entertainment und Humor verbindet und es damit und mit harter Arbeit und viel Professionalität als einer der wenigen „jungen“ Acts der letzten Jahre in die Riege der Top-Bands geschafft hat. Und was Tobi Sammet gerade bei uns an Professionalität geleistet hat, ist eigentlich gar nicht zu überbieten. Ihr habt ja vielleicht mitbekommen, dass er beim vierten Stück von der Bühne gefallen ist (und zwar absolut nüchtern). Dabei hat er sich nicht nur die Nase gebrochen, sondern auch noch die Hüfte und die Rippen geprellt und mehrere Finger verstaucht. Zwei Ärzte haben ihm auf der Bühne seine Nase unter heftigen Schmerzen wieder gerade gerückt, und wir haben ihm mehrfach gesagt, dass er jederzeit abbrechen kann. Aber Tobi hat es durchgezogen, und zwar bis zum Schluss! Er hatte enorm zu kämpfen, wirklich schlimme Schmerzen und konnte ein paar Mal kaum mehr, aber er wollte nicht abbrechen und hat es tatsächlich bis zum Feuerwerk durchgestanden. Wie viele Frontmänner kennt ihr, die ebenfalls so eine Leistung für die Fans und für die Veranstaltung gebracht und all das auf sich genommen hätten?

Tobi verdient dafür riesigen Respekt und nicht Häme, Schadenfreude und Beschimpfungen. Meinen tiefsten Respekt hat er jedenfalls - und zwar als Mensch ebenso wie als Künstler. Wenn es eine wahre Rampensau gibt, dann Tobi!

Beste Grüße
Horst

Und was meint...?

Jenny Rönnebeck

Wer waren die Highlights - und warum?
Armored Saint (John Bush und Joey Vera sind einfach grandios), Gotthard (gelungene Vorstellung des neuen Sängers), Thin Lizzy (viel besser als im Vorprogramm von Priest)

Wer hat enttäuscht - und warum?
Enttäuschung ist zu hart, aber es wäre die absolute Krönung des ansonsten genialen J.O.P.-Gigs gewesen, wenn Jon Oliva nicht ganz so heiser gewesen wäre...

Was war lustig/skurril/überraschend?
Arch Enemy habe ich schon lange nicht mehr live gesehen. Das war ein toller Auftritt, der auch gut ankam, obwohl es eine (eigentlich zu) harte Band auf der Hauptbühne war.

Wen möchtest du nächstes Jahr auf dem BYH sehen?
Die bereits bestätigten Bands sind doch schon sehr ordentlich. Jetzt noch Foreigner, Night Ranger und Pretty Maids dazu, und dann kann nichts mehr schief gehen.

Frank Albrecht

Wer waren die Highlights - und warum?
Armored Saint (einfach göttlich!), Exodus (voll auf die Fresse!), Primordial (sehr intensiv!), Venom (viel besser als erwartet!)

Wer hat enttäuscht - und warum?
Crashdiet (sollten mehr Zeit fürs Proben als fürs Styling verwenden). Auch enttäuschend: das manchmal echt träge Publikum. Auch im etwas gesetzteren Alter darf man ruhig mal richtig abgehen.

Was war lustig/skurril/überraschend?
Ergreifendster Moment des Festivals: Gotthard spielen ´One Life, One Soul´, widmen dies ihrem verstorbenen Sänger Steve Lee, und im Publikum fließen etliche Tränen.

Wen möchtest du nächstes Jahr auf dem BYH sehen?
Ratt, Girlschool, UFO, 3 Inches Of Blood, Evile - und unbedingt die fabelhaften ´77!

Götz Kühnemund

Wer waren die Highlights - und warum?
Armored Saint (John Bush unschlagbar, Gonzo absolut wahnsinnig!), Vanderbuyst (beste Live-Hardrock-Band der „neuen“ Generation), The Devil´s Blood (unglaubliche Drei-Gitarren-Jams), Venom (überraschend unterhaltsam!) & Exodus (Wahnsinnsbrett!)

Wer hat enttäuscht - und warum?
Jon Oliva (relativ schwacher Gesang). Sabaton kann ich ja schlecht als „enttäuschend“ bezeichnen, wenn ich sie eh nicht mag...

Was war lustig/skurril/überraschend?
Überrascht hat mich die Superreaktion des Publikums auf Gotthard - und die Tatsache, dass Tobi Sammet trotz Nasenbruchs weitergesungen und -geblödelt hat, als wenn nix gewesen wäre. Respekt!

Wen möchtest du nächstes Jahr auf dem BYH sehen?
Noch mal Armored Saint! Und ruhig auch wieder Y&T.

Jens Peters

Wer waren die Highlights - und warum?
Gotthard (Nic Maeder hat sich als exzellenter Sänger bewiesen), Venom (vorher noch nie gesehen und überhaupt nix erwartet, dann völlig weggeblasen)

Wer hat enttäuscht - und warum?
Crashdiet (waren zwar nicht total mies, aber schon mal deutlich besser in Form), Bonfire (irgendwie live nicht mein Ding, obwohl ich sie auf Platte mag)

Was war lustig/skurril/überraschend?
Crashdiet (Fronter Simon sollte erwägen, seine Schuhe nicht nur der Optik wegen zu kaufen - dann legt er sich vermutlich nicht ständig auf die Nase)

Wen möchtest du nächstes Jahr auf dem BYH sehen?
Mötley Crüe, Cinderella und Poison (hier bitte garstige Klammerbemerkung einfügen) (Okay. Okay. Igitt! - Red.)

Conny Schiffbauer

Wer waren die Highlights - und warum?
Arch Enemy (gewinnen souverän das Publikum für sich und überzeugen mit einer in allen Belangen gelungenen Show), Thin Lizzy (klasse Setlist und mit Ricky Warwick ein toller Frontmann), das mitreißende Samstags-Hallen-Trio

Wer hat enttäuscht - und warum?
Schade, dass der Auftritt von The Devil´s Blood überschattet wurde von einer respektlos-pubertären Zuschauerprovokation, die wiederum eine zwar menschlich absolut nachvollziehbare, aber in ihrer Heftigkeit fragwürdige Künstlerreaktion verursachte.

Was war lustig/skurril/überraschend?
Das frisch vermählte Ehepaar, das während der Primordial-Show im Publikum Fotos von sich schießen ließ.

Wen möchtest du nächstes Jahr auf dem Bang Your Head sehen?
Chickenfoot

Andreas Himmelstein

Wer waren die Highlights - und warum?
Vanderbuyst (fantastische Spiellaune und erstklassiger Sound), The Devil´s Blood (musikalisch absolute Weltklasse), Primordial (fast schon beängstigend intensiv), Thin Lizzy (ja, es funktioniert in dieser Besetzung einwandfrei)

Wer hat enttäuscht - und warum?
Zahlreiche Soundmänner, die es einfach nicht hinbekommen haben, die Fähigkeiten der Bands sowohl transparent als auch druckvoll darzustellen.

Was war lustig/skurril/überraschend?
Vier Fünftel von Armored Saint zeigten erstaunlich viel Interesse an den zwölfpromilligen Vorträgen unser Schnapsdrossel Zompf Kupfer, aus dessen ellenlangen denglischen Monologen sich nur vereinzelte Worte wie „Hund“, „Jagd“, „great“, „yiiiaaahhh“ und „Metal“ herausfiltern ließen.

Wen möchtest du nächstes Jahr auf dem BYH sehen?
Journey, Krokus, The Answer, Rhino Bucket, The Quireboys, Rival Sons, Airbourne, Million $ Reload

Thomas Kupfer

Wer waren die Highlights - und warum?
Armored Saint (klasse Setlist; John Bush war der erwartungsgemäß beste Sänger des Festivals), Thin Lizzy (Warwick ist der einzig legitime Lynott-Ersatz), Venom (wie immer eine echte Wundertüte)

Wer hat enttäuscht - und warum?
Das Wetter. Da ist man von Balingen Besseres gewohnt. Was so manche Band angeht, werde ich mich nicht aus dem Fenster lehnen. Sonst haut mir der eine oder andere Redakteur noch was auf die Nase...

Was war lustig/skurril/überraschend?
Himmelsteins entgeistert-verzweifelter Gesichtsausdruck während der Lanfear-Show am Samstagmorgen und der Satz „Das sind doch keine Songs, oder?“

Wen möchtest du nächstes Jahr auf dem BYH sehen?
Def Leppard, Journey

Pic: Axel Jusseit

Bands:
VENOM
JON OLIVA´S PAIN
EDGUY
Autor:
Wolfram Küper
Bruder Cle
Lisa Stegner
Jenny Rönnebeck
Thomas Kupfer
Andreas Himmelstein
Götz Kühnemund
Jens Peters
Frank Albrecht
Conny Schiffbauer

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