Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 19.08.2009

TANKARD , PILEDRIVER - HEADBANGERS OPEN AIR XII

Das HEADBANGERS OPEN AIR im norddeutschen Brande-Hörnerkirchen gehört traditionell zu den beliebtesten Underground-Festivals und war von jeher Garant für ein gelungenes Party-Wochenende. Diesmal gab es allerdings erstmals auch Anlass für Kritik.

Knapp 2.500 Besucher sind etwas viel für den (großen) Garten von Veranstalter Thomas Tegelhütter, der schon vor Monaten „Ausverkauft!" meldete, sich aber trotzdem ein klein wenig verkalkulierte. Bei den Publikumsmagneten Bullet, Tank, Angel Witch oder Razor war es so voll vor der kleinen Bühne, dass man keine Lust mehr hatte, sich ein Bier holen zu gehen. Wollte man zwischendurch mal aufs Klo, musste man das eigentliche Hauptgelände durch einen kleinen Ausgang neben der Bühne verlassen - um sich danach durch den Haupteingang wieder langsam nach vorne zu kämpfen. Auch die teilweise zu langen Wartezeiten an den Catering- und Getränkeständen sorgten für Verstimmung bei langjährigen HOA-Besuchern, die uns häufig auf dem Gelände ansprachen.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Sound beim HOA, der zwar immer gut, oft aber viel zu leise (Tank, Enforcer) ist. Hier müsste man die PA der wachsenden Zuschauerzahl anpassen.

Für das schlechte Wetter und den damit verbundenen Matsch können Thomas und sein Partner Jürgen Hegewald dagegen nichts. Dass allerdings das Rausziehen feststeckender Autos per Trecker vom Campinggelände extra bezahlt werden muss, ist eine ziemliche Dreistigkeit (des „hilfsbereiten" Bauers?).

An den machbaren Dingen sollte man arbeiten und sich vielleicht vom makellosen süddeutschen HOA-Pendant Keep It True inspirieren lassen - um dann 2010 hoffentlich wieder alte Lobeshymnen einstreichen zu können. (gk)

Donnerstag

Klasse Auftritt von LICK THE BLADE: Die Amis aus Ohio stimmen die Meute mit ihrem stark an alte NWOBHM-Helden erinnernden Metal bestens auf die nachfolgenden Bands ein. Insbesondere der agile und sympathische Frontmann Ted Anderson, der von seinem Äußeren her eher an den Brüllwürfel einer Hardcore-Band erinnert, sticht mit toller Performance und erstklassiger Stimme heraus. Höhepunkt der Show ist die gemeinsame Schluss-Session mit Destructor.

Das BULLET-Review zu schreiben, stellt sich als eher undankbare Aufgabe heraus: Block und Schreibgriffel stören beim Bangen und Spielen der Luftgitarre einfach. Mein Freund Matthias erinnert mich zwischendurch immer wieder an die journalistische Pflicht zur objektiven Berichterstattung - aber keine Chance. Hell Hofer und seine Jungs haben das Publikum von Anfang an souverän im Griff und schleudern Hammertracks wie ´Bite The Bullet´, ´Heading For The Top´ und ´Turn It Up Loud´ in die total durchdrehende Partymeute, die jeden, aber auch wirklich jeden Song gnadenlos abfeiert. Hier wird die Aussage der HOA-Veranstalter Wirklichkeit: Der Garten brennt! Bullet atmen, schwitzen und leben Heavy-Metal-Rock´n´Roll wie keine zweite Band auf diesem Planeten und beschließen mit dem endgeilen ´Bang Your Head´ ein denkwürdiges Konzert, das nur zufriedene und glückliche Gesichter zurücklässt. (sg)

Da Q5 bereits am Vorabend bei der Warm-up-Show als Nightshade aufgetreten sind und am Samstag unter diesem Namen nochmals aktiv werden, ist das Quartett aus Seattle die aktivste Truppe des Festivals. Im Mittelpunkt stehen die Nummern der Klassiker „Steel The Light" und „When The Mirrors Cracks", dazu wird sogar ein unveröffentlichter Track gespielt. Frontmann Jonathan K. ähnelt optisch dem Milli-Vanilli-Produzenten Frank Farian, trifft aber leider die hohen Töne nicht mehr so gut. Ansonsten gibt´s einen soliden Gig, der an die Zeit erinnert, in der Grunge in Seattle ein Fremdwort war und es noch keinen gleichnamigen Audi gab. (wk)

Lässt man den Umstand außer Acht, dass TANK ohne Algy Ward im besten Falle eine gute Tribute-Band sein können, funktioniert die Truppe mit dem souverän agierenden Doogie White besser als erwartet und liefert auf den Brettern der Gartenbühne einen musikalisch überzeugenden Auftritt ab. Zwar hätten wir gerne noch ein, zwei Songs mehr vom Debütalbum gehört, aber auch so kann sich die Setlist durchaus sehen lassen. ´Echoes Of A Distant Battle´, ´Honour And Blood´, ´Shellshock´, ´That´s What Dreams Are Made Of´ und ´This Means War´ lassen viele, wenn auch nicht alle Tank-Fans für diesen Abend den Umstand vergessen, dass good ol´ Algy nicht dabei sein kann. (bc) (Sorry, Bruder Cle, ich muss widersprechen: Tank mit ultramelodischem Rainbow/Cornerstone-Gesang geht leider gar nicht! - gk)

Das Personalkarussell hat sich bei VICIOUS RUMORS in den letzten Jahren rasant gedreht. Heute gibt´s zur Abwechslung mal was Neues. Nachdem man im ersten Drittel des Sets Klassiker spielt, kommt danach für vier Nummern des Debüts Originalsänger Garry St. Pierre auf die Bühne. Optisch ähnelt er etwas Klaus Kinski, wobei er stimmlich seinen Nachfolgern keineswegs das Wasser reichen kann - trotzdem eine gelungene Einlage! Dass James Rivera allerdings nicht die Chance nutzt, für ´Miracle Man´ auf die Bühne zu kommen, spricht für das scheinbar zerrüttete Verhältnis und lässt die morgige Wendung noch nicht erahnen. Letzten Endes ein klasse Auftritt der „soldiers of the night" - und damit ein würdiger Headliner des ersten Abends. (wk)

Freitag

LONEWOLF eröffnen den Freitag und können mit ihrem eigenständigen Metal der alten Schule überzeugen. Mir erschließen sich nur nicht so recht die Vergleiche mit Running Wild. Das Einzige, was hier an Rock´n´Rolf & Co. erinnert, ist das in überzeugender Manier dargebotene ´Under Jolly Roger´-Cover, das die Jungs als letztes Stück präsentieren. Einziger Kritikpunkt ist die hüftsteife Bühnen-Perfomance, die der allgemeinen Stimmung doch etwas abträglich ist. (sg)

Dass Doomer es eher langsam mögen, zeigt sich auch darin, dass MEMORY GARDEN das Gelände erst auf den letzten Drücker erreichen. Dann aber lässt man nichts mehr anbrennen und bietet einen gelungenen Gig. Sonne und Doom Metal passen zwar überhaupt nicht zusammen, dennoch beweisen die Schweden, dass sie auf saustarkes Songmaterial zurückgreifen können. Es fehlt dem Quintett etwas an Ausstrahlung, ansonsten würde man in der Doom-Champions-League mithalten können. Nette Anekdote am Rande: Während andere Musiker auf die Bühne rotzen, verlässt Frontmann Stefan Berglund diese, um im Backstage-Bereich ordentlich auszuspucken. (wk)

Mr. PILEDRIVER Gord Kirchin betritt mit einer rundum erneuerten und Make-up-mäßig gekonnt zombifizierten Mannschaft das Parkett, kotzt den Inhalt seines Magens über die Monitorboxen und die Texte unsterblicher Hits wie ´Sex With Satan´, ´Metal Manifesto´, ´Pile Driver´ oder ´Metal Inquisition´ ins Auditorium. Klar, die Band wird optisch wie musikalisch stets das Publikum spalten, aber gerade simple Stücke wie ´Witch Hunt´ werden auch von eher kritischen Geistern fröhlich mitgeklatscht. Und so verlassen Gord und seine Mannen zufrieden und, ähem, erleichtert die Bühne. (bc)

Auf die Schweden ENFORCER hatten sich viele gefreut, und so bewegt man sich trotz des einsetzenden Platzregens Richtung Bühne, als Priests ´Diamonds & Rust´ als höchst geschmackvolles Intro ertönt. Sänger Olof präsentiert sich als optische Mischung aus Michi Kiske zu Helloween-Zeiten und einem frühen Bruce Dickinson und hat die teils mit Regenschirmen bewaffnete Menge sofort im Griff. Die Band ist im Vergleich zur Tour mit Portrait deutlich tighter, professioneller und besser geworden - ohne ihren jugendlichen Charme und ihre ungekünstelte Spielfreude zu verlieren. Wenn es eine brandneue Heavy-Metal-Band gibt, die es schaffen kann, von jungen Kids und Old-School-Säcken gleichermaßen ernst genommen zu werden, dann sind es Enforcer, die heute lediglich etwas zu leise sind. Aber dafür können die Jungs ja nix.

Ebenso wenig können JACOBS DREAM dafür, dass es vor ihrem Set noch stärker zu regnen beginnt und nur noch die Unerschrockensten tapfer vor der Bühne ausharren. Wovon auch immer Jakob seinerzeit geträumt haben mag - der matschige, fast leere Garten von Thomas Tegelhütter war es vermutlich nicht. Trotzdem geben sich die betont christlichen, aber völlig unaufdringlichen US-Metaller redlichste Mühe und machen das Beste aus dieser öffentlichen Probe. Musikalisch (vor allem gesanglich) überzeugen sie; das Stageacting ist allerdings - sicher auch wegen der Umstände - zu statisch. (gk)

Nachdem Warbringer abgesagt hatten, wurden EXXPLORER als Ersatz verpflichtet. Schnell stellt sich allerdings heraus, dass die Veteranen sogar die bessere Wahl sind. Nachdem man bereits im Frühjahr beim KIT überzeugen konnte, gibt es heute noch mal eine Steigerung. Im Mittelpunkt des Sets steht natürlich die Göttergabe „Symphonies Of Steel", die fast komplett gespielt wird und auch 25 Jahre nach ihrer Veröffentlichung für zahlreiche O(h)rgasmen sorgt. Wer Knaller wie das beim KIT fehlende ´World War III´ und ´Run For Tomorrow´ (leider ohne Piano-Intro) am Stück bringt, hat gewonnen. Ein ganz starker Auftritt! Und die beste Nachricht am Rande: Ein neues Album ist in der Mache. (wk)

DEATHRIDERS, die neue Band von Ex-Anthrax-Sänger Neil Turbin, wurden bereits von vielen Fans sehnlichst erwartet, und so ist die Begeisterung groß, als endlich Songs wie ´Metal Thrashing Mad´, ´Soldiers Of Metal´ und ´Armed And Dangerous´ von der Bühne donnern. Die eher großspurigen Ansagen und Dissereien in Richtung des „Keep It True"-Festivals, bei dem Herr Turbin übrigens noch nie war, hinterlassen aber eher einen zwiespältigen Eindruck beim Publikum. Besonders viele Freunde hat sich Neil damit nicht gemacht. (bc)

Wolfram hat es ja im Vicious-Rumors-Review (s.o.) bereits angekündigt: HELSTAR (bzw. ihr Kopf und Mentor James Rivera) können nicht so gut mit Vicious Rumors (bzw. deren Kopf und Mentor Geoff Thorpe). Weil ´The King Is Dead´ aber so gut in Brande-Hörnerkirchen ankommt, dass Hundertschaften vor der Bühne begeistert die Fäuste in die Luft recken, erzählt James plötzlich von der „großen Ehre, den unerreichbaren Carl Albert bei Vicious Rumors ersetzt zu haben" und lädt Geoff Thorpe sowie Larry Howe zu einer öffentlichen Versöhnung nebst Jam-Session auf die Bühne ein. James´ Helstar-Mitstreiter staunen noch zwei Stunden später über diese Aktion, freuen sich aber ein Loch in den Bauch, weil sie so unglaublich gut angekommen sind. Helstar gehören eben zu den unkaputtbarsten US-Stahllieferanten überhaupt. (gk)

Die PRETTY MAIDS können sich auf ihre Hits verlassen und zünden ein Klassiker-Feuerwerk. Nummern wie ´We Came To Rock´, ´Scream´, ´Yellow Rain´ und vor allem die beiden Schlusshämmer ´Future World´ und ´Red, Hot And Heavy´ demonstrieren eindrucksvoll, wie sich Melodie und Härte perfekt verbinden lassen. Zudem zeigt sich die Truppe um das Kernduo Ronnie Atkins und Ken Hammer in klasse Spiellaune, zeigt seine ganze Routine und kann mit dem besten Sound des gesamten Festivals auftrumpfen. They came to rock! (wk)

MANILLA ROAD fällt die undankbare Aufgabe zu, die Menge um ein Uhr nachts noch mal mitzureißen. Zu aller Verwunderung sind es nicht nur versprengte Grüppchen griechischer und italienischer Die-hard-Fans, die dem unglaublich seelenvollen Gitarrenspiel von Mark „The Shark" Shelton lauschen wollen. Vor einem erstaunlich gut gefüllten Platz breiten die Herren aus Wichita ihren an Epik und Dramatik kaum mehr zu überbietenden Set aus, der vor allem im zweiten Teil durch eine große Hitdichte überzeugt. ´Masque Of The Red Death´, ´Necropolis´, ´Death By The Hammer´ oder ´Flaming Metal System´ werden begeistert gefeiert. Bryan „Hellroadie" Patrick hat sich mittlerweile noch besser eingefügt, und spätestens beim abschließenden Feger ´Up From The Crypt´ ist trotz fortgeschrittener Stunde klar, dass Manilla Road zu Recht Headliner dieses Festival-Tages sind. (bc)

Samstag

Bei ZED YAGO fällt der extrem gute Gitarrensound auf, der richtig fett und erdig um die Ecke kommt. Auch ansonsten gibt´s bei diesem Auftritt nichts (oder nur ganz wenig) zu meckern: erstklassiger Stampf-Metal, der einem die letzten Schlafkörnchen aus den Augenwinkeln sprengt. Die Diskussionen um Sängerin Yvonne Durand kann ich nicht nachvollziehen, weil sie mit ihrer prägnanten Rockröhre und ihrem vitalen Stageacting erheblichen Anteil an diesem explosiven Metal-Cocktail hat. Höhepunkte des Sets sind die richtig starken Mitgröler ´Rockin´ For The Nation´ und ´Black Bone Song´. Das Deep-Purple-Cover ´Burn´ überzeugt dagegen nicht so recht.

Nieten- und Patronengurt-Alarm herrscht dann bei PORTRAIT. Die Jungs aus Schweden verkörpern vom Outfit her alle gängigen Metal-Klischees in absoluter Formvollendung. Nur der Sound, der artet teilweise in ganz schön unerträgliches Geschepper aus. Auch die Gitarrensoli nerven bisweilen. Dazu kommt das teilweise doch sehr gleichförmige Songmaterial. Ich gebe aber gerne zu, dass ich angesichts der vielen imposant mitgehenden Portrait-Supporter der Einzige bin, der hier das Haar in der Suppe sucht.

CLOVEN HOOF scheren sich einen Dreck um das zu Anfang des Konzerts herrschende Mistwetter und ballern dermaßen heftig los, dass einem die Spucke wegbleibt. Basser Lee Payne ist eine richtige Rampensau, die jeden Song komplett mitbangt, Drummer Jon Brown legt ein atemberaubendes Tempo vor, und Gitarrist Ben Read brilliert mit virtuosen Soli und tighter Rhythmusarbeit. Sänger Russ North thront mit seiner hymnischen Stimme über allem. Man hat das Gefühl, dass das Konzert von Stück zu Stück an Intensität zunimmt. Als dann als erstes Schmankerl der in Würde gealterte Jameson-Raid-Sänger Terry Dark auf die Bühne kommt und mit der Band ´Getting Hotter´ intoniert, ist die Stimmung im HOA-Garten wahrhaft magisch. Zum finalen ´The Gates Of Gehenna´ entert Kalli von Abandoned die Stage, schnallt sich die Gitarre um, und die Post geht noch mal so richtig ab. Meine Gänsehaut will einfach nicht verschwinden! (sg)

TYSONDOG setzen den NWOBHM-Reigen fort und machen das mit „Neu"-Sänger Ian Davison Swift, der bereits vor zwei Jahren mit Avenger auf dem HOA zu Gast war, recht ordentlich - was nicht nur an semi-legendären Songs wie ´Hammerhead´, ´Eat The Rich´, ´Don´t Let The Bastards Grind You Down´ oder ´Demon´ liegt, sondern eben vor allem auch an ihrem Frontmann. Der Brite strahlt wie ein Honigkuchenpferd, das Publikum ist „amazing", „unbelievable" und „awesome" - und ´Dead Meat´ angeblich ein Lied über seine, ähem, einäugige Hosenschlange. Nette, sympathische Nachmittagsunterhaltung! (bk)

Die Speed-Metaller PARADOX sind einfach nicht kaputt zu kriegen: Nach unzähligen Rückschlägen ist Frontmann und Gründungsmitglied Charly Steinhauer immer wieder aufgestanden und zurückgekommen. Zur Belohnung wird heute einmal mehr jeder Track vom Publikum enthusiastisch abgefeiert - und angefeuert davon, dreht das Quartett von Minute zu Minute mehr auf. Zum absoluten Höhepunkt kommt es dann pünktlich zum großen Finale: Weil ein fieser Platzregen einsetzt, bitten Paradox ihre Fans auf die trockene Bühne, wo jeder zu ´Pray To The Godz Of Wrath´ abgehen darf - gemeinsames Gruppenkuscheln inklusive.

Eine französische Combo, die Texte in ihrer Muttersprache schreibt, seit 1984 aktiv ist und unzählige Alben auf dem Buckel hat - das gibt´s nicht allzu oft. Auf dem Programm der KILLERS steht heute eine stellenweise etwas langatmige Reise durch die stilistisch recht breit gefächerten Schaffensperioden: Von Thrash über Maiden-lastige Melodien bis zum klassischen Hardrock zum Mitgrölen wird nichts ausgelassen - auch nicht die trockenen Ansagen, für die das Schulenglisch von Fronter Bruno Dolheguy gerade noch ausreicht („Hello!", „Thank you, thank you!", „This is called..."). (kp)

Bei TANKARD dreht sich erst mal alles um die Frage, was die Abnehmbemühungen ihrer Frontassel Gerre machen. Wer auf den Wetteinsatz-Sprung vom Zehn-Meter-Turm wartet, wird wahrscheinlich Pech haben. Dafür bieten die Frankfurter das volle Programm, bei dem sich offensichtlich auszahlt, dass man neuerdings erst kurz vor dem Auftritt zur Flasche greift. Eine bessere Partyband hätte der Veranstalter nicht buchen können, denn der Stimmungspegel schlägt voll aus. Während die meisten Festival-Bands nach vielen Jahren ein Comeback starte(te)n, gilt Tankard ein Sonderlob dafür, dass sie die Thrash-Metal-Fahne seit 27 Jahren ununterbrochen hochhalten. Respekt! (wk)

Nachdem gestern Seattle-freie Zone war, geben sich Frontmann Jonathan K. & Co. heute noch mal als NIGHTSHADE die Ehre. Spektakulär ist´s - vor allem nach dem richtig starken Tankard-Gig - nicht; für eine zum gepflegten Mitwippen animierende Melodic-Metal-Show reicht´s aber allemal. Das ist natürlich vor allem dem guten Songmaterial geschuldet, das die Truppe erneut als leaders not followers in ihrem Genre ausweist. Höhepunkte neben sämtlichen „Dead Of Night"-Gaben: das bockstarke ´On The Road To Madness´ vom guten letzten Album „Stand And Be True" und natürlich der Q5-Rauswerfer ´Steel The Light´.

NWOBHM, Teil drei: ANGEL WITCH präsentieren sich in ähnlich guter Verfassung wie auf dem Rock Hard Festival und leben vor allem von einer angenehmen Mischung aus Tradition (Frontmann Kevin Heybourne) und Moderne (der Rest der Band). Oder: Wer The Devil´s Blood sagt, muss auch Angel Witch sagen. In Sachen Songauswahl geht mit Unverzichtbarem wie ´White Witch´, ´Sorcerers´ oder ´Angel Of Death´ natürlich sowieso nichts schief, und auch wenn die Band selbst ihre eigene Hymne ´Angel Witch´ wohl kaum noch hören kann respektive besonders gerne spielt, sorgen die mächtigen Refrain-Chöre im Publikum immer wieder für wohlige Schauer. Ergo: Angel Witch sind nach wie vor Kult für Kenner. (bk)

Eigentlich hätte danach jede Band alt aussehen müssen - mit Ausnahme der tatsächlich alten THE RODS, die mal eben die beste Show des gesamten Festivals auf die Bretter legen! Der mindestens 60-jährige David „Rock" Feinstein (der bereits 1964 seine erste Platte produzierte) und seine beiden Original-Mitstreiter Garry Bordonaro (b/v) und Carl Canedy (d) haben eine Energie, die an Raven in besten Zeiten erinnert, und sehen auch noch unverschämt frisch und heavy aus! Kracher wie ´Hurricane´, ´Let Them Eat Metal´, ´Get Ready To Rock´n´Roll´, ´Violation´, ´Cold Sweat And Blood´ oder das Wahnsinnsmedley ´Wild Dogs´/´Nothing Going On In The City´/´Power Lover´/´Crank It Up´ werden so unglaublich tight, mit so viel Spielfreude und in so glasklarem, kraftvollem Sound gespielt, dass einem vor Begeisterung die Kinnlade runterklappt. Folgerichtig gibt´s sogar eine Zugabe (´The Night Lives To Rock´) und lange Gesichter am Merch-Stand, weil fast alle Rods-Shirts ausverkauft sind. Noch NIE in meinem Leben habe ich fittere 60-Jährige gesehen! (gk)

Den Schlusspunkt setzen dann die Kanadier RAZOR. Ein seltenes und besonders exotisches Konzertereignis für alle anwesenden Thrasher. Während der unheimlich fette, knarzige Gitarrensound und die Setlist voll überzeugen können, gibt es doch zwei Dinge, die dafür sorgen, dass sich die Euphorie in Grenzen hält: Ohne Sheepdog sind Razor einfach nur halb so kultig, wie sie sein könnten, und das Augenkrebs verursachende Outfit des Bassisten kann man vor dem Antlitz der Old-School-Gemeinde als gestreckten Mittelfinger interpretieren. Schade - auch wenn der Gig unterm Strich natürlich ordentlich ist. (bc)

Auf dem HOA löschten ihren Bierdurst: Bruder Cle (bc), Wolfram Küper (wk), Stefan Geide (sg), Katharina Pfeifle (kp), Götz Kühnemund (gk), Boris Kaiser (bk) und Gerrie Lemmens (Fotos).

Bands:
TANKARD
PILEDRIVER
Autor:
Katharina Pfeifle
Wolfram Küper
Boris Kaiser
Bruder Cle
Stefan Geide
Götz Kühnemund

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