Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 24.08.2011

BARON ROJO , STORMWARRIOR , FATES WARNING - HEADBANGERS OPEN AIR 2011

Die Tatsache, dass diesmal „nur" 1.500 Besucher (statt der erwarteten 2.000) den Weg in den urigen Garten von HOA-Veranstalter Thomas Tegelhütter in Brande-Hörnerkirchen bei Hamburg fanden, hatte Vor- und Nachteile. Letztere lagen im Portemonnaie des Veranstalters, die Vorteile dagegen klar bei uns, den Fans: Es war saugemütlich!

Donnerstag

Schöner kann es gar nicht losgehen bei der größten und besten Gartenparty des Jahres: prima Wetter und ein bereits gut mit Kuttenvolk gefülltes Gelände. Da haben CRYSTAL VIPER natürlich leichtes Spiel. Vom obligatorischen ´The Last Axeman´-Klingelton-Intro vom Band über Songs wie ´Night Of The Witch´ bis zur Stromgitarrenvariante ihres größten Hits ´The Last Axeman´ schaffen es die Polen mit engagiertem Stageacting, das Publikum schnell auf ihre Seite zu ziehen, und sie zeigen dabei, dass ihnen die kleineren Bühnen wie beim HOA besser liegen als die großen Bretter des Bang Your Head.

STRIKER aus dem fernen Kanada profitieren von der guten Stimmung, und schon beim Opener ´Full Speed Or No Speed´ ist klar, wer einer der Gewinner des Festivals ist. Der neue Sänger entpuppt sich als echtes Entertainment-Talent, klingt noch kraftvoller und besser als der alte und sieht trotz unglücklicher T-Shirt-Wahl auch deutlich mehr „Metal" aus als sein Vorgänger. Klasse! Die Jungs sind auch noch so anständig und widmen einen Song ihren Landsmännern von Skull Fist, die ihren Slot aufgrund diverser Line-up-Probleme kurzfristig an Alpha Tiger abtreten mussten. Nach dem gelungenen Rainbow-Cover ´Kill The King´ und einem Stagedive des Sängers ist dann leider schon Schluss.

Bühne frei für BON SCOTT - ungewöhnlich, eine Coverband an dieser Stelle des Billings und nicht etwa als Rausschmeißer zu präsentieren. Aber die Truppe, die - nomen est omen - natürlich hauptsächlich Songs aus der Siebziger-Ära der Aussies spielt, kommt sogar bei den meisten Underground-Metalheads gut an, die bei stetig steigendem Bierpegel ihren Schädel locker zu ´Dirty Deeds Done Dirt Cheap´, ´If You Want Blood (You´ve Got It)´, ‚´Riff Raff´ und dem unverzichtbaren ´Let There Be Rock´ bangen. (bc)

Schön, dass sich TOKYO BLADE nach einer personellen Odyssee (laut Wikipedia gab´s bereits 33 Bandmitglieder) wieder im klassischen Line-up (minus Alan Marsh) reformiert haben. Statt einer reinen Retroshow zeigen die NWOBHM-Veteranen mit drei überzeugenden neuen Songs neben den zahlreichen Klassikern, dass mit ihnen weiterhin zu rechnen ist. Die deutsch-britische Allianz (Neufronter Nicolaj Ruhnow kommt aus Offenburg) gefällt und schafft es, den alten Spirit authentischer aufleben zu lassen als die amerikanisch-britische Version beim KIT 2008. The blade is still sharp!

Mit BARON ROJO ist den Veranstaltern eine spektakuläre Verpflichtung gelungen. Ist die Truppe in ihrer spanischen Heimat noch eine große Nummer, gilt sie bei uns eher als Insidertipp. Das zu ändern, ist die heutige Mission, und wer aufgeschlossen ist, bekommt eine Lehrstunde in Sachen iberischer Power-Hardrock. Im Mittelpunkt stehen die beiden De-Castro-Brüder, die die Truppe schon seit 1980 lenken und mit ihrem Doppelgesang und totaler Hingabe Akzente setzen, sowie die „Volumen Brutal"-Scheibe, von der auch einige Nummern in Englisch gesungen werden. Schade nur, dass sich das Gelände merklich leert. Trotzdem ein toller Auftritt, der die Klasse des Quartetts eindrucksvoll unterstreicht. ¡Muy bien! (wk)

Freitag

REZET haben es heute drauf und prügeln mit ihrer Exodus-inspirierten Riffpeitsche das Traummännlein vom Gelände. Langsam, aber sicher stolpern die ersten Bierleichen vor die Bühne, und man fühlt sich gelegentlich an Szenen aus alten Romero-Klassikern erinnert. Doch der hochklassige Thrash Metal ihres Albums „Have Gun, Will Travel" versetzt die Meute schon bald in Zuckungen und sorgt auch dafür, dass das erste Bier des Tages gar nicht mal so scheiße schmeckt. (bc)

Die Thrasher/Speed-Metal-Freaks EVIL ONE läuten mit dem erstklassigen Titelstück des 2010er Albums „Militia Of Death" einen Gig ein, der in der Folge neben vielen starken Tracks wie ´Baptized By Fire´ oder ´Perverse Morality´ leider auch die eine oder andere Holprigkeit bereithält. Ausgerechnet beim besten Song ´Thrashback´ gerät der Übergang zum ruhigen Mittelteil zum soundtechnischen Fiasko, weil der Wechsel vom verzerrten zum cleanen Gitarrensound überhaupt nicht klappt und das Konzert sogar für kurze Zeit unterbrochen werden muss. Zu allem Überfluss kommt es später bei einem weiteren Stück zu ähnlichen Problemen, die erneut eine kurzzeitige Unterbrechung nach sich ziehen. Die Stimmung bleibt davon natürlich nicht unberührt, und die Franzosen haben es schwer, das Publikum noch mal richtig in Wallung zu bringen. (sg)

Was waren ALPHA TIGER für eine großartige Überraschung beim KIT! Beim HOA ist die Band, die kurzfristig für Skull Fist eingesprungen ist, angetreten, um zu beweisen, dass sie keine Eintagsfliege darstellt. Und so sympathisch schüchtern Sänger Stephan bei den Ansagen auch noch wirken mag, in Sachen Stageposing und Stimme können ihm in Deutschland nicht viele das Wasser reichen. ´Crimson Desert´, ´Karma´ und die unvergleichliche Coverversion ´Queen Of The Reich´ sorgen sogar bei einigen Labelbossen im Publikum für massig Gänsehaut. Die Jungs beweisen, dass sie momentan wahrscheinlich eine der heißesten Underground-Bands überhaupt sind, und gehen als vorläufiger Tagessieger vom Platz. (bc)

Die NWOBHM/AOR-Veteranen PRAYING MANTIS nehmen die qualitative Steilvorlage des Tigers dankbar auf und spielen sich bestens gelaunt durch den energetischsten Gig, den zumindest der Verfasser dieser Zeilen in den letzten Jahren von der Band beklatschen durfte. Nicht wenige würden zwar eine noch deutlichere „Time Tells No Lies"-Ausrichtung bevorzugen (I wanna be ´Cheated´, dudes!); ´Children Of The Earth´ oder ´Panic In The Streets´ flankieren genauso wie die Zugabe ´Captured City´ aktuellere Melodic-Rock-Schoten aber bestens. Außerdem ist das Gitarrengespann Troy/Burgess mit seiner Mischung aus Technik, Tightness und Ton nahezu erhaben und Sänger Mike Freeland ein unaufgeregt Großer. (bk)

Schnell, hart und direkt: In bester Anthrax/Suicidal-Tendencies/Nuclear-Assault-Manier sorgen GAMA BOMB für mächtig Bewegung im Pit. Mit weit aufgerissenen Augen und in einem Höllentempo feuert Frontmann Philly Byrne (im albernen Baby-Totenkopf-T-Shirt) seine Stakkato-Attacken ab. Thematisch dreht sich bei den Old-School-Thrashern aus Nordirland alles um Robocop, Ninjas, Zombies, Hexen und andere zwielichtige Gestalten - die unterhaltsame Mischung wird vom Publikum mit Sprechchören und später auch Zugaberufen gefeiert. Der Wunsch wird erhört, als finale Abrissbirne gibt´s ´Steel Teeth (The Metal Jaw)´. (kp)

Für Old-School-Metaller ist ein Auftritt der Schweden TORCH immer wieder ein Hit, und ein Weltklasse-Opener wie ´Warlock´ bringt die in Ehren ergraute Band natürlich sofort auf die Siegerstraße. Selbstbewusst reiht die Combo einen Minihit an den anderen und macht sowohl handwerklich als auch optisch einen richtig fitten Eindruck. Hoffentlich sieht man die Band demnächst öfters auf Festivals, denn zum alten Eisen gehört sie noch lange nicht. (bc)

Schon merkwürdig, dass es viele beim Auftritt der Prog-Metaller LEVIATHAN vorziehen, Richtung Bierstand zu verschwinden, obwohl doch gerade heute wegen des Headliners Fates Warning alle Zeichen auf Prog stehen. Sehr schade für die Band aus Colorado, die erstmals in Europa auftritt und mit ihrem neuen Sänger Brice Cave einen guten Auftritt hinlegt, der leider nur in den ersten zwei Reihen richtig gefeiert wird.

Zak Stevens und seine in letzter Zeit eher weniger erfolgreiche Band CIRCLE II CIRCLE haben offenbar kapituliert oder sind zumindest geschäftstüchtig - so negativ könnte man die Ankündigung des „Special Savatage Set" interpretieren. Das tut beim HOA aber niemand, wie sich bei der bejubelten und bis auf zwei CIIC-Songs nur aus Savatage-Material der Zak-Stevens-Ära bestehenden Show zeigt. Die Jungs aus Florida räumen verdientermaßen richtig ab und erzeugen vorzeitig Headliner-Stimmung. Hoffentlich bringt das CIIC wieder ein Stück nach vorne! (jr)

Wenn Grummel-Götz einmal grummelt, grummelt er richtig, aber er hat in einem ja nicht Unrecht, als er seinen Platz nach zwei Songs grummelnd verlässt: Was TIERRA SANTA an der (Solo-)Gitarrenfront abziehen, ist objektiv betrachtet nicht gerade schön, hier werden tatsächlich mehr Töne versemmelt als getroffen. Trotzdem: Eingefleischten Fans wie mir machen die „spanischen Iron Maiden" Spaß, ihre melodische Güte vor allem in den Refrains entschädigt für vieles, sie setzen mit diesem leicht melancholischen Einschlag echte Emotionen frei. Für einen Co-Headliner ist es recht leer vor der Bühne, die Anwesenden - darunter viele Supporter aus der Heimat der Band, diverse Mexikaner und ein so beschwipstes wie begeistertes Frollein Pfeifle - singen sich nichtsdestotrotz unbeeindruckt in ein Land, in dem die Sonne öfters scheint als hier im kalten hohen Norden. (bk)

Nach einer zu langen Umbaupause heißt es endlich: FATES WARNING. Auch wenn alle dem zum Zeitpunkt des Festivals noch nicht veröffentlichten Arch/Matheos-Werk und eventuellen Auftritten entgegenfiebern, gibt´s nichts daran zu rütteln, dass Sänger Ray Alder grandios ist. Leider ist sein Gesang besonders am Anfang viel zu leise und der Sound insgesamt (noch) nicht optimal, doch das juckt bei Perlen wie ´Life In Still Water´ und dem göttlichen ´The Eleventh Hour´ niemanden. Wie immer avanciert ´Point Of View´ zum Publikumsliebling und wird laut mitgesungen, während bei den Auszügen aus dem „A Pleasant Shade Of Gray"-Album eher andächtig gelauscht und die faszinierende Gitarrenarbeit von Jim Matheos und Frank Aresti begutachtet wird. Mit Sprechchören wird manch längere Pause überbrückt, bis das 20-minütige ´The Ivory Gate Of Dreams´ den krönenden Abschluss bildet. Gänsehaut pur, und das liegt sicher nicht an der Kälte und dem einsetzenden Regen. Dass das erwartete ´Eye To Eye´ nicht mehr kommt - who cares? (jr)

Samstag

Überraschend voll ist es, als SPARTAN WARRIOR den dritten Tag eröffnen, und das frühe Kommen lohnt sich. Waren die Briten einst nur eine Randnotiz der NWOBHM, hat man mit dem Comeback-Album letztes Jahr nicht nur seine beste Veröffentlichung überhaupt abgeliefert, sondern überzeugt auch auf der Bühne. Erfreulich dabei, dass der Drumsound Klassen besser als auf der letzten Scheibe ist. So schaffen es die Briten, eine authentische NWOBHM-Show zu bieten. (wk)

SYRON VANES teilen das Schicksal vieler Bands, die auf ihren Achtziger-Scheiben einen eher schwachbrüstigen Sound zu verzeichnen haben, jedoch live - mit dem nötigen Wumms ausgestattet -alles in Grund und Boden spielen. Rimbert Wahlstroem und Anders Hahne sind in Topform und bieten eine fette Gitarrenschlacht, die Rythmusfraktion liefert das dynamische und wuchtige Fundament für amtliche Brecher der Marke ´Bringer Of Evil´, ´Suicide´ oder ´Wild´. Und mit einem derartigen Sound machen diese Stücke natürlich richtig Spaß, denn dass die Jungs erstklassige Metalsongs schreiben können, steht völlig außer Frage. Der Gig gerät zum wohlverdienten Triumphzug, den die sympathischen Schweden sichtlich genießen. (sg)

ASTRAL DOORS bieten anschließend genau das, wofür man sie seit ihrem Debüt „Of The Son And The Father" (2003) entweder schätzt oder zumindest respektiert - allerdings auch sehr wenig, das für bleibenden Eindruck sorgt. Viele Dio-, Rainbow-, Black-Sabbath- und Deep-Purple-Anleihen, dazu erstklassiger Gesang von einem Frontmann, der sich bemüht, die musikalischen Qualitäten durch Ausstrahlung und Persönlichkeit zu ergänzen. Seine solide agierenden Mitmusiker wirken allerdings so farblos und austauschbar, dass man sich nach ein paar Tagen allerhöchstens noch an die erstklassige Stimme von Nils Patrik Johansson erinnert - wenn man nicht gerade Die-hard-Fan ist. (ah)

„You like VULCAIN? You like Motörhead?": Es dauert nicht lange, bis Frontmann Daniel Puzio die offensichtlichen Parallelen zwischen diesen beiden Combos selbst zur Sprache bringt. Aus der französischen Metropole Paris hat es das Trio heute in die norddeutsche Provinz verschlagen; zum ersten Mal überhaupt steht es auf einer deutschen Bühne, erzählt Puzio. Zur Feier des Tages werden für die Ansagen ein paar Brocken Englisch ausgepackt, das Publikum singt beim Hit ´Ebony´ mit, und auch einen neuen Song vom demnächst erscheinenden Album gibt´s zu hören. Insgesamt eine solide Sache, die aber nur Liebhaber wirklich vom Hocker reißt. (kp)

Gig des Jahres? Mal sehen. Sicher ist schon jetzt: SLOUGH FEG, vier Amerikaner auf Europatour, sind on stage eine absolute Macht, der Mix aus Kauz-Metal à la Manilla Road/Brocas Helm und Classic Rock im Sinne von Thin Lizzy (Gitarren!) wird im sahnigsten Sound präsentiert, allen voran verzaubert Frontmann Mike Scalzi mit großen Posen, hochgerissener Klampfe, irrer Mimik und geistesgestörter Gestik als geborener Rockstar, er springt mehrfach ins Publikum, interviewt während der Songs Jungs und Mädels vor der Bühne („Gefällt´s euch?", „Alles klar als Headbanger in Germany?") und witzelt eloquent und alles andere als platt über deutsche Eigenarten („sausages and potatoes"). Nur als ein paar Leute nach Bier rufen, hat er´s augenzwinkernd satt: „Sehe ich aus wie ein verdammter Barkeeper?" (bk)

Dass es MORE (oder EX-MORE, wie sie sich nun nennen müssen) nach einer solchen Supershow nicht einfach haben, ist klar. Zunächst ist der Platz vor der Bühne ziemlich leer, als man mit ´Killer On The Prowl´ vom unterschätzten „Blood & Thunder"-Album loslegt. Als man dann aber sofort ´Warhead´ hinterherschiebt, jubeln bereits die ersten 20 Reihen. Kein Zweifel: Praying-Mantis-Sänger Mike Freeland (der angeblich schon 1999 zur damaligen More-Besetzung gehörte) macht seinen Job sehr gut, und auch Kult-Produzent Chris Tsangarides bedient die Rhythmusgitarre, als hätte er nie was anderes getan. Ich bin gerade dabei, mein Resthirn aus dem Schäel zu bangen, als More auf die „grandiose" Idee kommen, den Flow ihres Sets mit unnötigen Coverversionen von Priests ´A Touch Of Evil´ (das Chris wohl während der „Painkiller"-Produktion mitkomponiert hat) und Led Zeps ´Whole Lotta Love´ (!), einer total umarrangierten Version von ´Blood & Thunder´ sowie zwei neuen bzw. unveröffentlichten Songs jäh zu stoppen. Nicht nur mir geht es so, als hätte man mir mit Karacho in die Eier getreten; dabei hatte ich mich SO auf Klassiker wie ´Way Of The World´, ´Road Rocket´, ´Depression´ oder ´I Have No Answers´ gefreut! Na ja, zumindest bekommen wir ´We Are The Band´, ´Soldier´ und ´Atomic Rock´ noch zu hören - und mein Gemächt funktioniert wieder halbwegs. (gk)

Bereits zum zweiten Mal stehen BEEHLER, die Band von Ex-Exciter-Mitglied Dan Beehler, beim HOA auf dem Billing. Der rund einstündige Gig ist zwar nicht ganz so geil wie beim letzten Mal, aber Bandkopf Dan liefert dennoch eine super Leistung am Schlagzeug ab und singt fast besser als früher. Musikalisch haut die Truppe in eine härtere Kerbe als Exciter, was insbesondere beim direkten Vergleich zwischen den neuen Songs und den vielen Exciter-Nummern auffällt, die ebenfalls auf der Setlist stehen. Das stört aber nicht, denn die Band liefert einen rundum gelungenen Auftritt ab, der mit einem Cover von Motörheads ´Iron Fist´ endet. (cs)

„Zugegeben, Fates Warning haben das besser im Griff", übt METAL INQUISITOR-Sänger Rob mit seiner sympathischen Art und natürlich auf Kowelenzer Platt nach ´The Arch Villain´ Selbstkritik, weil das Quintett spielerisch heute nicht den besten Tag erwischt. Dafür stimmen der Sound und die Stimmung im Publikum, was zum einen am erstklassigen Songmaterial, zum anderen an den so spontanen wie unterhaltsamen Sprüchen von Rob liegt. „Das ist hier ja wie auf dem Traumschiff. Fehlt nur noch, dass ich meine Frau noch mal frage, ob sie meine Frau werden will", kommentiert er den Bühnenbesuch etlicher anderer Musiker und der Veranstalter-Crew, die ihm mit Luftschlangen, Sektflaschen und Wunderkerzen bewaffnet zusammen mit dem Publikum ein Ständchen zum 40. Geburtstag bringen. (ah)

Schon komisch: Da klinkt sich John Cyriis bei Agent Steel aus, verbietet seinen alten Weggefährten die Namensrechte und tritt nun selber unter dem Banner S.E.T.I. auf. Egal, geboten wir eine Hammershow, bei der Speed Metal vom Feinsten zelebriert wird. Unterstützt von seiner neuen Hintermannschaft (bestehend aus arschtighten jungen Holländern), beweist der Ufologe, dass das Frühwerk der Truppe auch bei ihm in guten Händen ist. Das nicht zuletzt, da er gut bei Stimme ist und die Bandphilosophie authentischer als Juan Garcia und seine Mitstreiter verkörpert. Seltsam nur das Ende des Sets: Nachdem man das angekündigte Programm (inklusive zweier unveröffentlichter Nummern) abgespult und noch viel Restspielzeit hat, kommt´s zum Coitus interruptus. Während die Band verschwindet und wohl in einem umliegenden Maisfeld in unbekannte Richtungen abhebt, bleibt ein sprachloses, aber überzeugtes Publikum zurück. (wk)

STORMWARRIOR als Headliner? Na ja. Würde man heute nicht zum letzten Mal auf deutschem Boden einen Helloween-Klassiker-Set (gesungen von KAI HANSEN) ins eigene Programm integrieren, hätte man diese Position nie und nimmer ausfüllen können. So hören wir uns zunächst sieben Stormwarrior-Nummern an (u.a. ´Valhalla´, ´Metal Legacy´ und ´Heathen Warrior´), bevor Mister German Metal (die Südeuropäer in den ersten Reihen drehen am Rad!) ans Mikro sprintet und ´Ride The Sky´ mit messerscharfer Stimme intoniert. Es folgen ´Murderer´, ´Phantoms Of Death´, ´Victim Of Fate´, ´Judas´ (mit der altbekannten längeren Ansage gegen korrupte Politiker, die Kai routiniert auf Englisch rüberbringt) und zum Schluss noch ´I Want Out´, bevor das saugemütliche diesjährige HOA ein ebenso saugemütliches Ende im Biergarten findet.

Fazit: Der Headliner war eine Notlösung, die die Hälfte des Publikums überzeugt, die andere Hälfte aber bestenfalls amüsiert hat. Himmelstein regt sich heute noch über das „unerträgliche Teutonen-Gedudel" auf, während sich Bruder Cle vor Begeisterung ein Running-Wild-Gedächtnis-Kostüm mit Plastikschwert zugelegt hat. Ich für meinen Teil bleibe beim Patronengurt. (gk)

Auf dem HOA schüttelten ihre mehr oder weniger schuppigen Köpfe: Götz Kühnemund (gk), Boris Kaiser (bk), Andreas Himmelstein (ah), Bruder Cle (bc), Wolfram Küper (wk), Jenny Rönnebeck (jr), Stefan Geide (sg), Katharina Pfeifle (kp) und Conny Schiffbauer (cs). Die Fotos schoss Saskia Gaulke.

Bands:
STORMWARRIOR
FATES WARNING
BARON ROJO
Autor:
Katharina Pfeifle
Wolfram Küper
Bruder Cle
Boris Kaiser
Jenny Rönnebeck
Stefan Geide
Andreas Himmelstein
Götz Kühnemund
Conny Schiffbauer

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos