Schwatzkasten

Schwatzkasten 23.02.2005

DARKTHRONE - HASH(0x7d58dc0)

FENRIZ gehört zu den wenigen echten Kultfiguren der Black-Metal-Szene. Mit seiner Band Darkthrone hat der Schlagzeuger die so genannte zweite Generation des Schwarzmetalls quasi im Alleingang an die Oberfläche getrommelt. Der bühnenscheue, leidenschaftlich gern Bier trinkende Angestellte der norwegischen Post genoss es spürbar, im folgenden Interview herumalbern zu können und mal nicht nur über seine Band sprechen zu müssen.

Fenriz, wann und wo wurdest du geboren?

»Im Jahr 1971 in Oslo.«

An was denkst du zuerst, wenn du dich an deine Kindheit erinnerst?

»Ich trampelte sehr gern auf staubigen Straßen herum, damit der ganze Staub aufwirbelte. Außerdem sprang ich sehr zum Leidwesen meiner Mutter gerne in Pfützen. Ich liebte es, wenn die Schmutzbrühe richtig hoch aufspritzte. Wenn ich im Fernsehen irgendwelche Rockkonzerte sah, war ich immer sehr vom Qualm und Rauch auf der Bühne beeindruckt. Man kann sagen, dass ich bereits als Kind den Weg zum Metalhead eingeschlagen habe.«

Was war dein Lieblingsspielzeug?

»Ein kleines Schlagzeug. Eltern können nichts Dümmeres anstellen, als ihrem kleinen Sohn ein Schlagzeug zu schenken.«

Warst du in der Schule ein Troublemaker oder ein braver Bursche?

»Eine Mischung. Ich war kein Troublemaker im Sinne von Klassenclown. Wenn ich etwas anstellte, meinte ich es ernst. Und ich wurde auch ernst genommen.«

Welche Schulfächer hast du gemocht, welche gehasst?

»Ich mochte Sprachen: Englisch und Norwegisch. Ich hasste Mathematik und alle Naturwissenschaften wie die Pest.«

Wurdest du von deinem Elternhaus, deinen Lehrern oder deinem sonstigen Umfeld religiös beeinflusst?

»Eigentlich nicht. Niemand zwang mich, in die Kirche zu gehen. Die antichristlichen Darkthrone-Songs haben absolut nichts mit irgendwelchem Druck zu tun, den Christen auf uns ausgeübt haben könnten. Das Antichristliche in unserer Band zeigt einfach nur, wie Nocturno Culto und ich drauf sind. Es ist eher eine Fuck-off-Attitüde.«

Hattest du jemals Ärger mit Recht und Gesetz?

»Ja, Ende der achtziger Jahre wurde ich während einer politischen Demonstration verhaftet. Wir sind damals gegen das Apartheidsregime in Südafrika auf die Straße gegangen. Ich weiß heute immer noch nicht, was die Osloer Bullen gegen Apartheidsgegner hatten. Wie auch immer: Wenige Monate nach dieser Demo kam die politische Wende in Südafrika.

Ein weiteres Mal Ärger mit der Polizei hatte ich Anfang der neunziger Jahre, als Teile der Black-Metal-Szene - oder besser: irgendwelche Nachahmer - in Norwegen für Aufregung sorgten. Die Polizei verfolgte mich auf Schritt und Tritt - wie viele andere Musiker auch -, weil sie dachte, dass ich hinter solchen Aktionen wie den Kirchenbränden stecken würde.«

Wer ist dein Lieblingsidiot?

»Sehr schöne Frage. Lass mich nachdenken. Ah, ich hab´s: der dämliche Bote aus der ersten Staffel von „The Black Adder“. Es gibt da eine schöne Stelle, in der der Bote ins Zimmers stürmt und Black Adder anbrüllt: „I have a message for you!“ Und Black Adder antwortet genervt: „Yes, ´cause you´re a messenger.“ Herrlich!«

Welcher Black-Metal-Musiker trägt oder trug das gelungenste Corpsepaint?

»Dead von Mayhem. Er sah richtig evil aus.«

Wann hattest du das erste Mal Sex?

»Mit 18, glaube ich. Es ist typisch für Norwegen, dass zuerst der Alkohol kommt und erst danach der Sex. Mit 14 wird hier zu Lande angefangen zu saufen. Bei mir kam alles erst mit 18, also zu der Zeit, als ich meinen ersten Plattenvertrag in der Tasche hatte. Danach begann die Party. Ich reiße eigentlich recht selten Frauen auf. Aber wenn, dann richtig. Ich habe ständig irgendeine feste Beziehung laufen.«

Beschreib mal bitte die Frau deiner Träume!

»Jeweils die, mit der ich gerade zusammen bin.«

Wie läuft ein perfekter Tag für dich ab?

»Das vergangene Jahr war durchgehend perfekt. So gut habe ich mich nie zuvor gefühlt.«

Was ist dein schlimmster Albtraum?

»Warten.«

Auf was?

»Das ist egal. Ich hasse es, zu warten oder auf jemanden warten zu müssen. Ich hasse Unpünktlichkeit und kann absolut nicht nachvollziehen, warum Leute unpünktlich sein müssen. Ich selbst bin die Pünktlichkeit in Person.«

Welche Droge kannst du empfehlen?

»Ich bin kein großer Fan von heftigen Drogeneskapaden. Manchmal habe ich Drogen in Verbindung mit Musik genommen. Plötzlich bildete ich mir ein, absolut abgefahrene Mucke zu hören. Aber dieses Gefühl bekommt man ja auch beim Saufen. Je mehr du säufst, desto besser kommt dir die Musik vor. Wenn ich wählen könnte zwischen Chemikalien und Bier, würde ich mich immer fürs Bier entscheiden.«

Hast du Feinde? Oder bist du ein erklärter Feind von irgendjemandem?

»Darkthrone hatten niemals natürliche Feinde; unser einziger Feind ist modernes Studio-Equipment (lacht). Happy Tom von Turbonegro meinte letztens zu mir, dass Darkthrone keine Feinde aus Fleisch und Blut haben können (lacht lauter). Happy Tom ist übrigens ein Genie.«

Dann lass mich dir eine Frage stellen, die auch Happy Tom kürzlich beantworten musste: Wer ist dein Lieblingsnazi?

(Lacht brüllend:) »Cartman, der fette Hosenscheißer aus „Southpark“!«

Interessierst du dich für aktuelle Politik?

»Ja, aber nur für Lokalpolitik. Wichtiger als die große Weltpolitik ist mir, dass die Bushaltestelle vor meiner Haustür ein Regendach erhält.«

Kannst du dir vorstellen, als Lokalpolitiker tätig zu sein?

»Absolut nicht, denn ich bin ein sehr schlechter Diplomat. Ein Politiker würde zum Beispiel von diplomatischen Spannungen zwischen Count Grishnackh und Euronymous reden. Ich würde nur klipp und klar sagen: Ey, Leute, das war Mord!«

Siehst du dich als alternativ, liberal oder konservativ?

»Moderat, mit einem Hang zum Konservativen. Aber vor allem bin ich ein Maniac, falls es diese Gesinnung auch gibt.«

Bist du Vegetarier?

»Nein. Aber ich habe nichts gegen Vegetarier. Ich glaube an die Unschuld der Tiere, esse sie dennoch.«

Nenne mir fünf gute Gründe, keine Bühne zu betreten.

»Erstens: Das Buch ist immer besser als der Film. Das gilt auch für Darkthrone. Ich denke, dass ein Konzert nicht das wiedergibt, was man auf unseren CDs hören kann. Jeder, der unsere Platten hört, bekommt eine ganz bestimmte Vision von Darkthrone. Ich denke, dass wir auf der Bühne alles andere als cool sind.

Zweitens: Man muss warten. Ich sagte ja bereits, dass ich das Warten hasse. Konzerte bedeuten für den Musiker in erster Linie, dass er abwarten muss.

Drittens: Ich hasste es immer, wenn wir am letzten Schultag in die Kirche mussten. Da stand dann ein Pastor und predigte uns dumm von der Seite voll. Ich will nicht auf einer Bühne stehen und jungen Leuten meine Texte erklären.

Viertens: Ich hasse große Menschenansammlungen. Ich will nicht den Überblick verlieren. Mein privates Umfeld, mein Freundeskreis ist sehr klein.

Fünftens: Ich reise nicht gerne. Der südlichste Punkt in Europa, an dem ich in meinem Leben bislang war, ist Lübeck.

Und es gibt sogar noch einen sechsten Grund: Ich liebe es, nein zu sagen. Ich bin richtig gut im Neinsagen.«

Was war deine längste Reise überhaupt?

»Nach Louisiana. Wir arbeiteten in Phil Anselmos Haus am Eibon-Projekt, das letztendlich nie veröffentlicht wurde. Ich saß in einer Boeing 747 und bin wegen der vielen Leute fast wahnsinnig geworden. Nie wieder!«

Was würdest du eher tun: Bungee-Jumping mit Lemmy, ein Liebeslied mit Britney Spears schreiben oder eine Unplugged-Show mit Hammerfall spielen?

»Beim Bungee-Jumping würde ich tausend Tode sterben. Ich fühle mich ja bereits als Selbstmörder, wenn ich im Freibad von einem Zwei-Meter-Brett springe. Solche Sachen sind absolut nichts für mich. Britney - das ist ebenfalls wie Selbstmord. Ich nehme die Unplugged-Sache mit Hammerfall.«

Mit wem möchtest du dich gerne mal über Hass unterhalten?

»Mit mir. Ich bin richtig gut darin.«

Und über Gott?

»Auch mit mir. Ich bin auch darin ziemlich gut.«

Und über das Wetter?

»Eddie Weather (lacht).«

Was für ein Trinker bist du?

»Ein grimmiger. Ich trinke meist, wenn ich angepisst bin. Aber da gibt es Unterschiede. Manchmal werde ich im Zuge des Rausches noch grimmiger, manchmal milder. Aber alles in allem ist Saufen für mich keine Sache des Frohsinns.«

Wer ist das ultimative Böse auf der Welt?

»Die Metalszene. Hoffe ich zumindest.«

Hattest du jemals Ärger mit Stalkern?

»Nicht wirklich. Erinnere dich: Ich liebe es, nein zu sagen. Das schreckt Leute ab. Es kommt niemals vor, dass ich einen Finger gebe und mein Gegenüber es wagt, die ganze Hand zu nehmen. Und wer mir zu nahe tritt, bekommt umgehend meinen Mittelfinger.«

Wie stellst du dir das Paradies vor?

»Eternal blowjob.«

Und die Hölle?

»Wenn sich all das, was sich 1993 und 1994 in Sachen Black Metal in Norwegen abspielte, pausenlos wiederholen würde. Das würde bedeuten, dass Leute immer wieder versuchten, sich mit ihren Taten gegenseitig zu übertreffen. Das Ende wäre absolutes Chaos. Was ich aber hinzufügen muss: Das, was damals in Norwegen mit all den Morden und Kirchenbränden passierte, ist nicht unbedingt eine typische Black-Metal-Sache. Kriminelle Exzesse gab es auch im Punk oder im HipHop. Alles beginnt immer mit einer radikalen Subkultur und endet im Mainstream.«

Hättest du jemals gedacht, dass du mit deiner Musik das Denken von anderen Menschen beeinflussen oder gar ändern kannst?

»Wenn ich mit Hilfe eines Interviews wenigstens eine einzige Person dazu bringen könnte, eine Band wie Abscess anstatt eine Whimp-Combo zu hören, wäre das grandios. Ich habe durchaus mitbekommen, dass es Fans gibt, die ziemlich durchgedreht sind, nachdem sie eines unserer Alben gehört hatten. Aber das ist eine Sache, die ich niemals wollte. Die Leute sollen selbständig denken und handeln.«

Welches Land ist für dich am spannendsten?

»Norwegen. Zusammen mit der Fähre nach Travemünde (lacht).«

Wenn du wüsstest, dass morgen der letzte Tag in deinem Leben wäre: Wie würdest du ihn verbringen?

»Ich würde haargenau das tun, was ich morgen ohnehin tun werde. Ich würde mir ein Konzert der Bomberos anschauen. Das ist eine primitive Osloer Punkband, in der Maniac von Mayhem singt.«

Welcher Song soll auf deiner Beerdigung gespielt werden?

»Slayers ´Hell Awaits´ und ´Black Breath´ von Repulsion. Ich trage das Bandlogo von Repulsion als Tätowierung.«

Wer möchtest du in deinem nächsten Leben sein?

»Fenriz.«

Wer warst du in deinem vorherigen Leben?

»Zum Teufel auch! Ich glaube absolut nicht an Reinkarnation. Generell möchte ich niemals eine andere Person sein. Das Idealisieren von Menschen kann ich nicht nachvollziehen. Ich kann auch nicht verstehen, wieso Musiker ihren großen Helden ihr Demo schicken und einen Brief schreiben, dass sie ihren Idolen nacheifern wollen. Als wir 1991 mit Darkthrone anfingen, waren wir sehr von Bathory und Celtic Frost beeinflusst. Ich hätte nicht einmal im Traum daran gedacht, unser erstes Album an Quorthon oder an Tom Warrior zu schicken. Ich meine, jeder soll das machen, was er für richtig hält. Ich zumindest würde meinen Idolen niemals hinterherrennen. Ich habe Quorthon nie in meinem Leben getroffen. Wozu auch? Er lebte sein Leben, ich lebe meins. Wir hätten uns sicher nicht viel zu sagen gehabt.«

Beschreibe mal deine erste Begegnung mit Musik!

»Ich war ein Kind, und meine Mutter sang sehr viel. Bereits mit sechs oder sieben Jahren lernte ich Musik von den Doors und Uriah Heep kennen. „Sweet Freedom“, die ´73er Platte von Uriah Heep, war meine Eintrittskarte für den Heavy Metal. Es war die wichtigste Platte meiner frühen Kindheit.«

Welche Band ist für dich am „heaviesten“?

»Das ist eine Frage, die Europäer völlig anders beantworten als Amerikaner. Die Amis verstehen unter „heavy“ eher laut und schnell. In Skandinavien bedeutet „heavy“ eher Doom Metal, also langsam und schwer. Die Amis sagen: Oh yeah, Morbid Angel, die sind richtig heavy! Ich würde sagen, dass zum Beispiel die neue Platte von Electric Wizard richtig heavy ist.«

Hast du ein persönliches Motto?

»The most music wins (lacht). Ich will damit sagen, dass mir Genres völlig egal sind. Die Musik zählt. Und: Ich bin ein Gewinner, hahaha!«

DISCOGRAFIE

Soulside Journey (1991)

A Blaze In The Northern Sky (1992)

Under A Funeral Moon (1993)

Transilvanian Hunger (1994)

Panzerfaust (1995)

Total Death (1996)

Goatlord (1996)

Ravishing Grimness (1999)

Plaguewielder (2002)

Hate Them (2003)

Sardonic Wrath (2004)

Bands:
DARKTHRONE
Autor:
Onlineredaktion

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