Kolumne

Kolumne 25.06.1997

Hansi sagt, es sei ganz einfach....

Ich jedoch wünschte, daß ich lieber wie anno dunnemals unsa aller Grzimek im Dschungel „Tiger glotzen“ würd´, als im Internet „online“ zu „tschätten“ (natürlich erst, nachdem ich irgendwas mit irgendeiner „Brause“ gemacht habe...).

Kinners, ich sach´s euch ganz offen: Ich bin der modernen, ähm, „interaktiven“ Kommunikationstechnik nich´ ganz gewachsen, was sich bei der internen Präsentation unserer Homepage („Heimatseite“? „Zu Hause bei...“?) deutlich herauskristallisiert hat. Uns Hansi versuchte wirklich, uns das Ganze „volksnah“ darzubieten, aber bei mir setzte schon nach zehn Minuten der „Matheinnerfünftenstundeundichkapierwiddanixächz“-Effekt ein! Ich kann nur hoffen, daß ihr mit Begriffen wie Provider, Brause (oda so), on- und offline, daunlot (Daunenjacke kenn´ ich ja - alles im Lot mitte Daunen, oder was soll das heißen?) mehr anfangen könnt als ich! Randbemerkung meinerseits: Es muß so sein, denn unsere Homepage erfreut sich anscheinend, seit sie, hm, wie soll ich dat gezz sagen: am Netz, online, aktiv, bei der Arbeit? - na, eben am Start is´, großer Beliebtheit; wo ich zu Hause noch unter Anleitung meines besten Freundes Christian A. die ersten Schritte in Richtung Surfunterricht für Pekingenten mit Bleifüllung lerne, scheint ihr versiert mit Maus und Netz umzugehen und uns mit Informationen, Fragen und „Begucken“ zu beglücken! Ich allerdings sitz´ dümmlich bei mir auffem bunten Sofa und laß mir Referate zu Themen wie „Das www. gestern, heute, morgen“, „Der Kampf zwischen Netscape und Microsoft“, „Bill Gates - ein Mann und seine Visionen“ halten und muß mir mühevoll Begriffe wie „Domain“, „Log in“ und „Paßwort“ erarbeiten wie früher die Franze-Vokabeln. Da wir sozusagen unter uns sind, kann ich es ruhig zugeben: Wenn´s nach mir ginge, würden wir die Artikel noch mit Ärmelschoner, Augenschirm und Bleilettern angehen. Ab und zu würd´ ich auch gern mal ´nem Laufburschen zurufen: „Schnell, schnell, das muß noch heute per Kutsche an die Druckerei!“ Abends würden wir im Schein einer Petroleumlampe unsere Besprechungen abhalten, und der Scheff schmeißt ´ne Runde Rollmöpse, die der eben genannte Laufbursche anner Bude umme Ecke gekauft hat (natürlich in Pergament, das schneller durchweicht als der Bursch´ im „Buero“ ankommt...). Aaaaber: Ich kann und will den Lauf der Dinge gar nich´ aufhalten - im Gegenteil: Auch ich werde euch natürlich bei einem Dings, ähm, Online-Chat (hört sich irgendwie pervers an: so, als ob man bei einer Freßorgie im Morgenmantel vor dem Kühlschrank nachts um drei gefilmt wird - und alle können´s sehen...) zur Verfügung stehen - Hansi wird mir schon dabei helfen...

Abseits dieser technischen Details kann ich euch vermelden, daß wir uns gerade erst von den (räusper) intensiven Meisterfeiern hier im Revier erholt haben, die garantiert nur errungen wurden, weil bei uns alle Mann dermaßen die Daumen hielten, daß es schon arbeitsbehindernd war! Erst holt Schalke einen und danach die Borussen, beide „Pötte“ „bei uns“, ihr verzeiht mir sicher diese kleine lokalpatriotische Entgleisung - einmalige Sache! (Obwohl ich hier als Schalkebraut sozusagen auf einsamem Posten hocke, haben die Jungs mal Fünfe grade sein lassen und auch meiner Elf das Beste gewünscht.) Unser Pauli hockte am Tag vor dem Endspiel schon ganz in Trance mit seinem aufblasbaren Pokal im Lager und murmelte beschwörend vor sich hin: „Den hab´ ich nich´ umsonz gekauft, den hab´ ich nich umsonz gekauft...“ Recht hatter gehabt! Und gut eingelebt haben wir uns in den neuen Büros auch schon: Die erste Redaktionsgrillparty in unserem LKW-Hof anner Verladerampe hat´s schon gegeben. Die an- und abfahrenden Lastzüge der Möbelfirma unter uns zwangen uns zwar, die Position der Sitzgruppe ab und an zu verändern (neidischer Kommentar der Fahrer: „So´n Leben möcht´ ich auch mal haben...“ Antwort von Matthias: „Mann, das is´n Arbeitsessen!“), aber die Würstels hat´s nich´ gestört! Die Redaktionshunde Barry und Nicki bewachen eifersüchtig ihre jeweiligen Reviere (Barrys Zuständigkeitsbereich: Empfang/Halle/Büros - Nickis Wirkungsgrad: Lager/Rampe) und üben sich kräftig im „Imponierendabernichtzubrutalaussehen“, wenn die Postboten kommen. Also auch hier, wie überhaupt überall bei uns, Ruhe, Kompetenz und Seriösität (gut, daß ihr mein Gesicht jetzt nicht sehen könnt...) Wahrscheinlich wird sich besonders Gabi, unsere Sachbearbeiterin bei der Druckerei - ein wahrer Ausbund an Geduld und Optimismus -, über die letzten Zeilen wundern, denn jedesmal, wenn ich mit ihr (ausgerechnet!) telefonier´, fällt mir gerade Asche in den Kaffeepott, Krautsalat auf wichtigste Unterlagen oder der Hörer ausse Hand - und sie nimmt mich trotzdem ernst. Hut ab! Wenige in der Branche sind mit soviel Humor und Gleichmut ausgestattet wie Du, Gabi: danke!

Nach diesem bunten Potpourri aus der Paderborner Straße muß ich mich leider wieder dem Geschehen außerhalb meines Büros widmen, denn wenn ich den Jungs nicht ab und an auffe Finger kloppe, geht hier alles ausse Fugen - ich schwör´!

Bis die Tage,

Eure Dani

Autor:
Dani Lipka

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