Festivals & Live Reviews

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NILE , KREATOR , MORBID ANGEL - Hannover, Capitol

Ein verschneiter Dezemberabend in Hannover: Trotz des Werktages und des zum bevorstehenden Weihnachtsfest vermeintlich leeren Geldbeutels zieht es heute eine Menge Freunde traditioneller Extreme-Metal-Sounds ins Capitol. Als ich gegen 18:15 Uhr (laut Ticket offizieller Beginn) vor Ort ankomme, sind FUELED BY FIRE leider schon mit ihrem Set durch.

Morbid AngelMORBID ANGEL können danach mit ihrem Status als Klassiker und Miterfinder des Death Metals in Sachen Stimmung sehr viel stärker punkten. Die Halle ist zum Bersten gefüllt und Frontmann David Vincent dirigiert die Menge mit Power und Selbstsicherheit. Von den elektronischen Elementen der letzten Scheibe "Illud Divinus Insanus" ist dabei zur Freude der meisten Fans nicht viel zu merken. Technisch versiert aber straight, ballert sich das Quartett durch einen gemischten Set, das bis zu "Altars Of Madness"-Zeiten in die späten 80er zurückreicht. Gitarristen-Unikat Trey Azagthoth ist mit seinen flinken Soli und permanentem Whammy-Bar-Einsatz so was wie das Death-Metal-Pendant zu Steve Vai und versteckt sich die meiste Zeit hinter seiner schwarzen Mähne. Zwischendurch fliegen immer wieder vereinzelten Bierbecher auf die Bühne, was Vincent während einer Ansage mit einem deutlichen "If you wanna share a beer with me, don't throw it at me!" kommentiert. Besonders beim älteren Material klingen immer wieder Thrash- und Heavy-Metal-Einflüsse durch, womit MORBID ANGEL eine sinnvolle Brücke zwischen dem technischen Death Metal NILEs und dem old-schooligen Thrash von KREATOR bilden. Die Menge bleibt über die gesamte Zeit des langen Auftritts begeistert und reckt zu den vielen Highlights ('Rapture', 'Nevermore', 'Dawn Of The Angry' oder 'Bil Ur-Sag') die Fäuste und Pommesgabeln in die Höhe.

KreatorWie es an einem Doppel-Headliner-Abend wie diesem nun mal ist, gilt es die verbliebenen Kräfte für KREATOR aufzusparen. Die Essener meistern im Laufe ihrer Show den Spagat zwischen aufwändiger Inszenierung und bodenständiger Bühnenshow. Zu Beginn ist die Bühne noch vollständig mit einer weißen Leinwand verhüllt, auf der als Intro eine Beamer-Show vorgeführt wird, die mit Fotos und bewegten Bildern - untermalt von der 'Personal Jesus'-Version Johnny Cashs - einen atmosphärisch-chronologischen Abriss der 30-jährigen Bandgeschichte der Essener zeigt. Als dann der Vorhang fällt, geht's mit 'Phantom Antichrist' direkt in die Vollen und die Menge kennt kein Halten mehr. Vor einer Kulisse auf zwei Ebenen (Drummer Ventor thront auf einem erhöhten Podest, das an beiden Seiten des Schlagzeugs mit Treppenaufgängen und Mikros ausgestattet ist) feuern Mille und seinen Mannen für die folgenden gut anderthalb Stunden aus allen Rohren. Klar, man geht inzwischen auf die 50 zu, was der Energie allerdings überhaupt keinen Abbruch tut. Der Frontmann animiert die Leute immer wieder zum Ausrasten, Moshen und Circle Pits, was sich die geneigten Fans nicht zweimal sagen lassen. Wer lieber in Ruhe zuschauen und bangen möchte, muss sich ob des Tanzkrawalls zur Seite oder nach hinten begeben. Die Songauswahl lässt hingegen nichts zu wünschen übrig. Neben den besten Krachern der neuen Scheibe ('From Flood Into Fire', 'Civilization Collapse') stehen auch zahlreiche Klassiker alten oder mittelalten Datums auf der Liste. Fans der mittleren Phase freuen sich über das Groovemonster 'Violent Revolution' und das melodisch-flotte 'Hordes Of Chaos', während 80er-Nostalgiker Evergreens der Marke 'Betrayer', 'Extreme Agression' und 'Flag Of Hate' abfeiern. Bei letzterem schwenkt Mille traditionell die Fahne und lobt Hannover als eine der coolsten Metal-Städte des Landes. Zwischendurch sorgt der sonst eher zurückhaltende Gitarrist Sami mit einem Akustikklampfen-Interlude für Abwechslung und stellt sein instrumentales Können unter Beweis. Von altem Eisen kann heute jedenfalls nicht die Rede sein, denn KREATOR ziehen live noch immer alle Register und stellen ihren Status unter Beweis. Mal abwarten, was die Kollegenvon  Sodom und Destruction im nächsten Jahr abliefern. Um noch ein Wort zur Location zu sagen: Das Capitol ist an sich ein kompakter, aber schön aufgemachter Club mit reichlich Platz. Die Bierpreise (4 Euro für den halben Liter) und die chaotische Garderobensituation nach Konzertende sind aber verbesserungswürdig.

SETLIST KREATOR

Phantom Antichrist
From Flood Into Fire
Phobia
Hordes Of Chaos (A Necrologue For The Elite)
Civilization Collapse
Voices Of The Dead
Extreme Aggression
People Of The Lie
Death To The World
Endless Pain
Pleasure To Kill
Violent Revolution
United In Hate
Betrayer
Flag Of Hate
Tormentor

SETLIST MORBID ANGEL

Immortal Rites
Fall From Grace
Rapture
Pain Divine
Maze Of Torment
Existo Vulgoré
Nevermore
Lord Of All Fevers And Plague
Chapel Of Ghouls
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Dawn Of The Angry
Where The Slime Live
Bil Ur-Sag
God Of Emptiness
World Of Shit

Bands:
MORBID ANGEL
KREATOR
NILE
Autor:
Meredith Schmiedeskamp

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