Festivals & Live Reviews

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DES GEYERS SCHWARZER HAUFEN , BLACKMORE'S NIGHT - Hanau, Amphitheater

Es sind wohl seine unbändige Leidenschaft nach Livemusik sowie die deutsche Burgen- und Bierkultur, die Ritchie Blackmore fast jeden Sommer trotz der Tour-Strapazen und seinem Nachwuchs (zwei und vier Jahre alt) in unsere Breitengrade kommen lässt. In Hanau tritt man zwar nicht in einem Schloss oder einer Burg auf, aber das (überdachte) Amphitheater liegt unweit von Schloss Philippsruhe und ist damit eine passende Umgebung für diesen lauen Sommerabend.

Und genau zu dem passt die liebevolle Bühnendekoration, die fast einer Zeitreise ins Mittelalter gleichkommt und auf der sich der Großmeister und seine Spielleute sichtlich wohlfühlen. Unpassend nur die stillosen Plastik-Bierbecher, die Ritchie an den Bühnenrand stellt und recht zügig leert. Von der gewohnten Truppe fehlt die bezaubernde Lady Kelly De Winter, wogegen Bard David of Larchmont an den Keyboards, der Orgel und Gesang schon unverhältnismäßig lange (elf Jahre) an der Seite des Gitarristen wirkt. Länger dürfte es wohl in seiner langen Schaffensphase nur seine Gattin mit ihm ausgehalten haben. Ansonsten harmonieren die Spielleute wie gewohnt, neigen immer wieder zur Improvisation und haben sichtlich Freude am gemeinsamen Musizieren.

Neben den zahlreichen eigenen Nummern kommen wie gewohnt mit 'St. Teresa' (Joan Osborne) und 'Diamonds And Rust' (Joan Baez) Fremdkompositionen zum Einsatz und mit 'Difficult To Cure' (Rainbow - Ritchie mit seiner Fender Stratocaster) und 'Soldier Of Fortune' (Deep Purple - mit wundervollem Gesang von Candice, die hier David Coverdale die Show stehlen würde) streift man Ritchies Vergangenheit leider nur recht kurz, aber besser als gar nicht. Beim nächsten Mal – wie in der Vergangenheit – bitte dann wieder 'Child In Time', 'Self Portrait', 'Street Of Dreams', 'Woman From Tokyo', 'Burn' oder 'Black Night' in die Auswahl nehmen. Ansonsten bietet die Setlist einen Querschnitt der BLACKMORE'S NIGHT-Diskografie, wobei (bis auf „Winter Carols“) jedes Studio-Album berücksichtigt wird. Dabei bleiben aber leider Nummern wie 'Fires At Midnight', 'Shadow Of The Moon' und 'Play Minstrel Play' auf der Strecke. Weniger gelungen ist die Songreihenfolge, denn 'Under A Violet Moon' wird noch im Hellen gespielt, während später ein wundervoller Halbmond als Hintergrundkulisse perfekt gepasst hätte. Im Mittelpunkt des Konzertes steht natürlich die wundervolle Candice Night mit ihrem einzigartigem Charisma und beeindruckender Stimme. Zu ihrer Linken ihr Gatte, der in den letzten Jahren unerwartet emotional aufgetaut ist und scheinbar gar nicht altern will. Nicht nur, dass er tänzelt, klatscht, lacht; nein jetzt spricht er auch noch mit dem Publikum und reicht mehrfach Bier in die erste Reihe.

Fazit: Wieder einmal bieten Ritchie und seine fahrenden Musikanten einen wunderschönen Abend, der nach über 180 Minuten enden muss, da das Gelände mit Anwohnerproblemen zu kämpfen hat. Da man sich einen Toursommer ohne BLACKMORE'S NIGHT gar nicht mehr vorstellen möchte, bleibt zu hoffen, dass es die Gesundheit und Nachwuchs zulassen, dass man auch die nächsten Sommer bei uns zu Gast ist.

Negativpunkte? Ja, gleich zwei. Erstens ist es extrem albern, dass einer aus der fest angestellten Security-Truppe auch für das Vorklatschen zuständig ist. Absolut richtig ist es dagegen, dass die Security den zahlreichen nervigen Hobbyfotografen ihre Grenzen aufzeigt und ihnen die Aufnahmen verbietet. Nichts stört die einzigartige Atmosphäre eines solchen Konzertes mehr, als wenn jeder Depp seine Kamera in die Luft hält. Zweitens ist die Trennlinie zum Kitsch für kurze Zeit überschritten, wenn Bard David of Larchmont den Gesang übernimmt und dabei 'Moskau' (Dschinghis Khan) und 'Trink, trink, Brüderlein trink' anstimmt. Muss nicht sein!
Im Vorprogramm sind wieder mal DES GEYERS SCHWARZER HAUFEN zu Gast. Wegen einer fiesen Darmkrankheit muss das Trio allerdings auf seinen Frontmann verzichten, der sich durch seinen Sohn ersetzen lässt, was zwangsläufig das Charisma der Truppe einschränkt.
 
 
SETLIST BLACKMORE'S NIGHT
 
Do You Hear The People Sing? (Intro)
Dancer And The Moon
Darkness
Dance Of The Darkness
Queen For A Day, Part II
Under A Violet Moon
Soldier Of Fortune
Durch den Wald zum Bach Haus
World Of Stone
All The Fun Of The Fayre
Diamonds And Rust
Peasant's Promise
Keyboard Solo
Drum Solo
The Moon Is Shining
Difficult To Cure
St. Teresa
Toast To Tomorrow
Ghost Of A Rose
Wind In The Willows
Home Again
Midwinter's Night / Dandelion Wine

Bands:
DES GEYERS SCHWARZER HAUFEN
BLACKMORE'S NIGHT
Autor:
Wolfram Küper

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