Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 21.03.2018

VISIGOTH - Hammerhartes Presslufthämmern

Mit dem Hammer Of Doom geht das Jahr zu Ende, mit dem METAL ASSAULT fängt es an. Längst haben sich die beiden Keep-It-True-Kinder als Rahmen des stählernen Konzertkalenders etabliert. Auch dieses Mal waren wieder 900 Fans am Start, um in der Würzburger Posthalle Legenden und Underground-Hoffnungen zu feiern. War der Sound bei der 2017er Auflage noch suboptimal, gab´s diesmal nichts zu meckern. Schade nur, dass Ashbury ihren Auftritt absagen mussten, weil gleich drei Bandmitglieder mit einer Virusgrippe flachlagen. Ein Ersatz ließ sich kurzfristig nicht mehr organisieren. Das Versprechen von Veranstalter Oliver Weinsheimer: „Wir werden die Band so schnell wie möglich nach Deutschland zurückholen.“

Die Eröffnungsrolle beim Metal Assault gehört traditionell einer einheimischen Band. BOOZE CONTROL nennt sich die junge Braunschweiger Kapelle, die ihren Powerspeed alter Schule bereits auf zwei Alben unter die Leute gebracht hat. Um 12.45 Uhr donnern die ersten Trommelschläge durch die erst halb volle Halle. Wer da ist, wird Zeuge einer respektablen Show und eines mitreißend gezockten Warlord-Covers (´Child Of The Damned´). Diese Jungs sollte man im Auge behalten. Der alberne Bandname könnte allerdings zum Hemmschuh werden.
Einen bekannten Underground-Namen haben sich MYSTIK zu eigen gemacht. Die drei blutjungen Schwedinnen und ihr Hahn an den Kesseln provozieren Verwechslungen mit den großartigen, aber (wohl leider) aufgelösten Cleveland-Metallern. Immerhin: Rein optisch könnte der Unterschied kaum größer sein. Es wird voller in den ersten Reihen, als die offensiv gekleideten Mädels loslegen, und so mancher fragt #MeToo-verdächtig, was Lo Wickman, Beatrice Karlsson und Sängerin/Bassistin/Debbie-Harry-Double Julia von Krusenstjerna bei gerade mal zwei veröffentlichten Demo-Songs in der restlichen Spielzeit anstellen wollen. Auflösung: Sie spielen neues Material vom im Sommer erscheinenden Debütalbum, das Hoffnungen auf ein US-Metal-Brett im Omen-Style weckt. Nach einer halben Stunde ist vorläufig alles gesagt, die Handvoll Spielfehler lassen sich mit der Nervosität entschuldigen. Auf ein baldiges Wiedersehen!
Keinerlei Lampenfieber ist bei CRYSTAL VIPER zu erkennen. Marta Gabriel ist eine erfahrene Frontfrau, die ihre Axt genauso gut beherrscht wie ihre Stimme und den auf Platte eher unspektakulären Euro-Speed-Metal live zum kurzweiligen Erlebnis macht. Solides Handwerk – und als Rauswerfer das rasende ´Agents Of Steel´-Cover, bei dem die Fanschädel ordentlich ins Presslufthämmern geraten. Aufwärmphase erfolgreich beendet. (lk)
EMERALD sind die Band mit dem bußfertigsten Sänger, denn Bert Kivits verbringt gefühlt den halben Set auf den Knien. Sehr passend, denn nicht nur er, sondern auch seine Kollegen knien sich voll in ihre Show rein, sodass sich die anfangs nur sehr spärlich besetzten vorderen Reihen schnell füllen und die Holländer den verdienten Erfolg einfahren.
Von alt zu neu. Von Holland nach Amerika. Von super zu genauso super. Von Emerald zu VISIGOTH. Die Jungs aus Salt Lake City werden mit Sprechchören begrüßt und zeigen, dass die Vorfreude berechtigt ist: klasse Songs, energiegeladene Show, charismatischer Frontmann! Visigoth haben sich – auch angesichts eines starken zweiten Albums – endgültig als eine der besten neuen Bands im traditionellen Metal qualifiziert.
AIR RAID absolvieren den ersten Auftritt mit ihrem neuen Drummer Vidar Mårtensson, doch bei den anderen Musikern merkt man die enorme Bühnenroutine, die sie sich erarbeitet haben, denn die Jungs fliegen mit schlafwandlerischer Sicherheit von einer gemeinsamen Posing-Figur zur nächsten, ohne dass es aufgesetzt oder einstudiert wirken würde. Die Songs der Schweden sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben, sodass hier Metal-Entertainment de luxe angesagt ist.
Rechnerisch ist PICTUREs „40 Years Heavy Metal Ears“-Show zwar etwas unsauber, dafür ist der Auftritt umso tadelloser. Zudem sind die Holländer beim Umbau so flott, dass sie zehn Minuten früher beginnen können und somit nicht nur die zusätzliche Spielzeit aufgrund der Ashbury-Absage nutzen, sondern gleich noch weitere Songs dazupacken. Und: Jede Minute lohnt sich. So machen das Profis. Kompliment nach Holland! (sg)
Seit ihrem letzten Deutschland-Auftritt ist mit dem Jagdunfall von Paul Arnold und dem Wechsel des Drummers (Brian Williams ist der Sohn des Elvis-Schlagzeugers) bei AT WAR einiges passiert. Stilistisch bleibt dagegen alles beim Alten, denn fast niemand schafft es, Einflüsse von frühen Slayer, Venom und Motörhead (klar, dass auch ´The Hammer´ im Programm auftaucht) derart gekonnt zu verbinden. Bei seinem 24-Stunden-Ausflug nach Deutschland (unmittelbar davor spielte man beim True Thrash Fest in Japan) sorgt das Trio unter erschwerten Bedingungen für ein wahres Thrash-Metal-Inferno, und nie zuvor hat es beim Metal Assault einen derartigen Slamdance gegeben.
Die nachfolgend angekündigten ASHBURY hätten keinen größeren Kontrast darstellen können, müssen aber wegen einer in der Band grassierenden Grippewelle ihren Besuch kurzfristig absagen. Aber auch TITAN FORCE bieten mit ihrem progressiven Power Metal einen Gegenpol. Im Mittelpunkt der Truppe um die Flores-Brüder steht eindeutig Harry „The Tyrant“ Conklin, der mit seinen ungewohnt langen Haaren lockerer als bei seiner Hauptband Jag Panzer agiert. Seine Einheit von passender und aussagekräftiger Gestik und Mimik, gepaart mit seiner unverkennbaren Stimme, macht ihn zum Ausnahmesänger und prägt die anspruchsvollen Nummern. Unter den 17 Stücken (unerreicht das Doppel ´Chase Your Dreams´/´Master Of Disguise´) findet sich auch ein brandneues Lied und mit der Black-Sabbath-Kopplung ´Falling Off The Edge Of The World´/´Over And Over´ eine Überraschung, die einmal mehr beweist, wozu der Sänger in der Lage ist. Mit ´Blaze Of Glory´ beendet man als würdiger Headliner ein rundum gelungenes Festival. ´Winner/Loser´? Heute gibt es nur Gewinner! (wk)

In Würzburg trafen sich zum Slamdance: Stefan Glas (sg), Wolfram Küper (wk) und Ludwig Krammer (lk)

Bands:
VISIGOTH
Autor:
Wolfram Küper
Ludwig Krammer
Stefan Glas

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