Festivals & Live Reviews


Foto: Stefan Glas

Festivals & Live Reviews 19.12.2018, 08:00

Hammer Of Doom XXI

Die 13 soll eine Unglückszahl sein? Ab sofort steht sie für Doom-Glückseligkeit, denn das HAMMER OF DOOM XIII verfügte über ein makelloses Billing. Auch wenn Unorthodox kurz vor knapp einen Rückzieher machten, erfüllten nahezu alle anderen Auftritte die Erwartungen. Kein Wunder, dass es da sogar erstmals unseren ausgewiesenen Tierfellmuster-Slipträger Jens P. nach Würzburg zog, der sich zu den altgedienten Doom-Recken Wolfram K. und Stefan G. gesellte, um der vielleicht intensivsten Metal-Gattung zu huldigen.

Der Freitag

GOAT EXPLOSION bescheren dem Hammer Of Doom einen coolen Frühstart. Der Leiziger Vierer tastet sich ganz langsam in den Set rein, bevor er dann mit seinem Stoner-durchzogenen Lavasound explodiert. Klasse Start in ein Festival der Extraklasse!

Sehr viel rockiger geht es bei THE WIZARDS zur Sache. Spätestens wenn die Gitarren zweistimmig Iron Maiden huldigen, muss man kaum noch an Doom, sondern vielmehr an klassischen Heavy Metal denken. Auf alle Fälle sind anschließend alle Festivalbesucher hellwach, woran auch der Sangesmann der Spanier mit seinem aktiven und fordernden Stage-Acting einen Anteil hat.

Dann ist es erstmals Zeit für klassischen Doom, was im Sinne der Abwechslung schlicht perfektes Timing darstellt. Erstaunlich ist bei APOSTLE OF SOLITUDE vor allem, wie gut bei dem Quartett aus Indianapolis die zweistimmigen Gesangsparts auf den Punkt kommen. Doom auf höchstem Niveau!

Es hätte das absolute Highlight des Hammer Of Doom werden können, aber es wird eine gigantische Enttäuschung: Der ehemalige Saviour-Machine-Frontmann ERIC CLAYTON hat sich eingefunden, um die frühen Werke seiner Band zu spielen. Doch deren Größe und auch den früheren Performances der Band wird dieser Auftritt zu keinem Zeitpunkt gerecht. Allein schon die Entscheidung, mit einer – auch noch grottenschlechten – Coverversion der Beatles-Nummer ´Helter Skelter´ in den Set zu starten, ruiniert schon mal den Einstieg. Dass dann noch zwei David-Bowie-Nummern folgen, während ´American Babylon´, ´Jesus Christ´ und ´A World Alone´ nicht gespielt werden, kann – bei allem Respekt vor dem Genie Bowies und der Beatles – wohl niemand nachvollziehen. Am schlimmsten ist jedoch die akustische Seite: Dass es sich bei Erics Hintermannschaft um keine eingespielte Band handelt, merkt man an allen Ecken und Enden. Wo sind jene Klangkathedralen von den Platten, in denen der Hörer sich ganz winzig, aber zugleich dem Göttlichen verbunden fühlt? Stattdessen gibt es hier einen dünnen, löchrigen Instrumental-Hintergrund. All das hätte Eric noch rausreißen können, doch er ist der größte Problemfall, denn seine Stimme ist nur noch ein Schatten der Vergangenheit. All die großen Melodiebögen, die die Saviour-Machine-Songs zu solch eindrucksvollen Erlebnissen gemacht haben, muss er in beschämende Einzelstücke zerhacken. Da ist es auch völlig irrelevant, dass die Musiker zu Beginn Masken tragen und somit ein wenig vom theatralischen Element der frühen Shows mitbringen. Das Leben kann ernüchternd sein.

Doch zum Glück gibt es WHILE HEAVEN WEPT, die erwartungsgemäß alles rausreißen, auch wenn man spürt, dass Tom Phillips und seine Mitmusiker bei ihrem letzten Auftritt in Deutschland, dem sich in den nächsten Tagen noch vier weitere Shows anschließen werden, etwas verkrampft sind. Dennoch werden ´Vessel´ und ´Voice In The Wind´ zu den größten Gänsehautmomenten des gesamten Festivals, an die lediglich Sorcerer am nächsten Abend heranreichen. Ein würdevoller Abgang für While Heaven Wept. War schön mit euch, Jungs und Mädel! (sg)

Der Samstag

Durch die Absage von Unorthodox hat sich die geplante Running-Order am zweiten Tag etwas verändert. Opener sind dennoch SMOULDER, und die Kanadier machen ihre Sache gut. Angesagt ist klassischer Doom aus der Solitude-Aeturnus/Candlemass-Schule, den man bisher nur auf ihrer Single „The Sword Woman“ hören kann. Frontlady Sarah Ann zieht mit ihrer beeindruckenden Bühnenshow alle Blicke auf sich. Nicht nur, dass sie einen Dolch und ein Schwert aus der Privatsammlung von Festival-Veranstalter Oliver Weinsheimer schwingt, in ihrer Freizeit ist die Blondine bestimmt in einer Bauchtanzgruppe aktiv und bringt Elemente davon in die Show ein.

Auch die kurzfristig aufs Billing gerutschten OLD MOTHER HELL schöpfen ihre Spielzeit nicht voll aus, kommen aber – obwohl sie alles andere als eine Proto-Doom-Band sind – als abwechslungsreichster Act des Tages verdammt gut an. Das nicht zuletzt, weil die Debütscheibe des Trios wirklich starkes Material bietet und die Mannheimer auch mit Humor punkten können.

DAWN OF WINTER sieht man leider viel zu selten auf der Bühne. Passenderweise haben die Schwaben mit „Pray For Doom“ gleich eine neue Scheibe am Start. Im Mittelpunkt der Show steht Tausendsassa Gerrit P. Mutz, der mit ungekünstelter Leidenschaft seine Songs durchlebt und einige Anekdoten zum Besten gibt. Ganz im Gegensatz zu seinem Basser, dessen Bewegungsradius nicht zu unterbieten ist. Die Schlussnummer ´Music Of Despair´ bringt das Gefühl, das die Band vermittelt, gekonnt auf den Punkt. Besseren Doom bietet in Deutschland niemand!

HÄLLAS sind die großen Unbekannten und zugleich die Überraschung des Festivals. Auch wenn das androgyne Auftreten und Outfit der Musiker (einige in seltsamen Umhängen, farblich grenzwertigen Stiefeletten und etwas zu engen Hosen) gewöhnungsbedürftig ist: Die Musik der Schweden reißt alles raus. Einerseits schimmern Thin-Lizzy-Double-Leads-Einflüsse durch, andererseits gibt es mitreißende, leicht angespacete Nummern, die großartig ankommen. Zu klären bleibt noch, ob einer der Gitarristen ein Sohn von Carlos Santana und ihr Frontmann vulkanischen Ursprungs ist. Ihr Äußeres lässt es zumindest vermuten.

PALE DIVINE haben schon eine Reihe von Scheiben veröffentlicht, aber bei weitem nicht die Reputation, die ihnen zusteht. Das Trio von der US-Ostküste (drei der Mitglieder spielen auch bei Beelzefuzz) hat sich heute mit einem zweiten Gitarristen verstärkt, und die Idee zahlt sich aus. Krass, wie der Kerl sein Instrument bearbeitet und kaum zu bändigen ist. Mastermind Greg Diener könnte von der Optik und vom Auftreten her ein Sohn von Wino sein, und Saint Vitus und The Obsessed sind wohl auch die Haupteinflüsse der Truppe, die lupenreinen Doom spielt. Ein beeindruckender Auftritt! (wk)

STILLBORN entpuppen sich als zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite haben die wiedervereinten Schweden das eine oder andere Schmankerl in der Vita, auf der anderen ist der heutige Gig, man kann es leider nicht anders sagen, ziemlich langweilig. Im Publikum will nicht so wirklich Stimmung aufkommen, was daran liegen dürfte, dass man bereits weiß, was gleich folgen wird.

Wer im Vorfeld Zweifel hatte, dürfte spätestens nach einem Blick auf den Füllstand der Halle überzeugt sein: SORCERER sind für nicht wenige Festivalbesucher der Tages-Headliner. Und das ja auch zu Recht, denn die beiden Alben der Epic-Doom-Schweden („In The Shadow Of The Inverted Cross“ von 2015 und das letztjährige „The Crowning Of The Fire King“) sind ganz, ganz großes Kino. Sänger Anders Engberg zählt zu den besten Vokalisten des gesamten Festivals, die Band spielt unfassbar tight, und die Songauswahl (´Sirens´, ´Lake Of The Lost Souls´, ´Ship Of Doom´, ´The Dark Tower Of The Sorcerer´, ´The Sorcerer´, ´The Crowning Of The Fire King´ und ´Exorcise The Demon´) ist kaum zu überbieten. Was für ein Gig!

Bevor Coven zum großen Finale blasen, dürfen BATUSHKA ran, sozusagen die Powerwolf des Black Metal (kleiner Scherz, ich höre Über-Fan Eisenfavst schon im Nebenbüro die Messer wetzen), die mit viel Maskerade, detailverliebtem Bühnenbild – die Stage ist im Stil einer Kirche gestaltet, die Bandmitglieder sind als Mönche verkleidet – und einer beachtlichen Portion Pathos eine Show auf die Beine stellen, die die angereisten Fans zu überzeugen weiß. Wie der Drummer es schafft, sich trotz Mönchskutte und Maske durch den gut einstündigen Set zu arbeiten, ohne zu kollabieren, weiß wohl nur der liebe Gott, ´ne anerkennenswerte Leistung ist das aber allemal. Auch dass ein nicht unerheblicher Teil der Besucher die Zeit lieber nutzt, um vor dem Headliner noch mal frische Luft zu schnappen, was zu futtern, einen Rundgang über den Metal-Markt einzulegen oder in der Ruhezone einen Drink zu schlürfen, tut der Sache keinen Abbruch.

Und dann: COVEN. Von der ursprünglichen Band, die ihr vielbeachtetes Debütalbum im Jahr 1969 (!) veröffentlicht hat, ist nur noch Sängerin Jinx Dawson übrig geblieben, die ihre Auftritte derzeit mit einem Line-up aus Jungspunden absolviert. Die 68-Jährige, die zu Beginn der Show in alter Tradition aus einem Sarg klettert, wirkt topfit, weiß trotz jahrzehntelanger Bühnenabstinenz (Coven haben auf dem letztjährigen Roadburn ihr erstes Konzert seit den Siebzigern gespielt) offensichtlich nach wie vor, wie man ein Publikum unterhält, und singt wirklich sehr, sehr gut. Der Fokus der Setlist liegt mit sieben Songs auf dem Debüt „Witchcraft Destroys Minds & Reaps Souls“, außerdem werden auch drei Stücke von Jinx´ 2013er Soloalbum gespielt. Für Gänsehaut sorgt die großartig inszenierte Videoshow, die die Songs perfekt untermalt. Toll, das noch mal live erlebt zu haben – und ein würdiger Abschluss für ein spitzenmäßiges Festival! (jp)

Lautstark 13 schlug es in Würzburg für Stefan Glas (sg), Jens Peters (jp) und Wolfram Küper (wk).

Autor:
Stefan Glas
Jens Peters
Wolfram Küper

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