Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 16.12.2015

SORCERER , CANDLEMASS , BLACK OATH , MY DYING BRIDE , 40 WATT SUN , THE ORDER OF ISRAFEL , PENTAGRAM , CARONTE - HAMMER OF DOOM X

Hammer Of Doom 2015 – eine Woche nach den Terroranschlägen von Paris, bei denen im Liveclub Bataclan 89 Menschen ums Leben kamen. Dieses Thema wird auch vor Ort in Würzburg vielfach diskutiert. Erfreulicherweise bekundet der Veranstalter mittels Banner und Flyern, die das im Stil des Eiffelturms umgestaltete Peace-Symbol zeigen, seine Solidarität – ein Beweis für den internationalen Zusammenhalt unserer Szene.

Und so lassen es sich 1.300 Doomköpfe nicht nehmen, beim zehnten Hammer Of Doom ihrer Leidenschaft zu frönen, und erleben beim Opener CROSS VAULT leidenschaftlichen, klassischen Doom. Allerdings muss man Adleraugen mitbringen, denn jeder Musiker wird lediglich von einer Lampe auf dem Boden angestrahlt. (sg)

Auch bei PATH OF SAMSARA spielt die Atmosphäre eine große Rolle. Der kleine Altar mit den drei Kerzen und der Räucherschale hat eine wichtige Funktion, und auch das anfangs rote Bühnenlicht passt wunderbar (keine Ahnung, warum man später auf Grün wechselt). Angesagt ist „Black Magic Rock´n´Roll“, und den spielt keine andere Band so emotional und komplex wie die Bayern. Im Mittelpunkt der Show steht ihr Gitarrist, der sich wahrlich in Ekstase spielt und dabei seine Frisur ruiniert. Ein bewegender Auftritt, der auch ohne Bluteinsatz fast die emotionale Nähe eines The-Devil´s-Blood-Rituals erreicht.

Für SORCERER hat das HOD eine ganz besondere Bedeutung, denn ohne die Reunion-Show 2010 hätte es die neue Scheibe ganz sicher nicht gegeben. Und so stellt sich heute wie bei Saxon die Frage „new song or old song?“. Die Antwort ist eine gelungene Mischung aus Demo-Klassikern und Material der ersten Scheibe. Egal, welche Nummer die Schweden auch spielen, nicht zuletzt wegen ihres souveränen Frontmanns Anders Engberg überzeugen sie auf ganzer Linie und legen die Messlatte für den Direktvergleich mit ihren Landsleuten Candlemass sehr hoch. Besser kann man im Grenzbereich von Hardrock, Heavy-, Doom- und Epic Metal nicht agieren. (wk)

Zeit für den „Catweazle of Doom“, der seit fast 45 Jahren eine der allerersten Bands anführt, die sich diesem Stil verschrieben haben: Bobby Liebling. Glücklicherweise hat er wieder den richtigen Gitarristen an seiner Seite, denn dank des einmaligen Spiels von Victor Griffin klingen die PENTAGRAM-Stücke vollmundiger denn je. Dennoch steht natürlich Bobby im Mittelpunkt, der nicht nur seine irren Grimassen schneidet, sondern vor allem über die Bühne torkelt und wankt, dass man nicht genau bestimmen kann, was noch ein kalkuliertes Showelement ist und wo die neurologischen Ausfallerscheinungen beginnen. Keine Frage: Sorcerer haben uns den Höhepunkt in Sachen Musik und Magie beschert, doch Pentagram punkten dafür umso mehr in den Kategorien Kult und Kauzigkeit.

Das sorgenfreie Doomglück geht auch am zweiten Tag weiter. Gegenüber 2014 kann man sich allenfalls beklagen, dass lediglich My-Dying-Bride-Bassistin Lena Abé als Quotenfrau auf der Bühne zu erspähen ist, so dass der „Beauty of Doom“-Contest diesmal ausfallen muss. Allerdings sind unter den Zuschauern sehr viele wahre Grazien zu erspähen, was zu der These führt, dass vor allem wollige Männer (wat für Dinger? - Red.) und wonnige Mädels auf Doom stehen.

Wie auch immer – stahlhart und episch zugleich geht der heutige Opener LORD VIGO zur Sache. Die zur fünfköpfigen Band ausgebaute Truppe beweist, dass ihr superber Vampir-Doom auch live hervorragend funktioniert. Es spricht also nichts dagegen, dass die im Speed-Metal-Tempo abgespulte Karriere nach dem Schema „In einem halben Jahr vom Demo über den Plattenvertrag zum Auftritt bei einem der bedeutendsten Doom-Festivals“ so weitergehen kann.

Der prächtige Auftakt des zweiten Tages wird mit einem der seltenen Auftritte von DOOMSHINE fortgesetzt, die zum Abschluss mit ihrem Hit ´Sad Angel´ für wohlige Melancholie sorgen. (sg)

Nach der deutschen Samstags-Ouvertüre ist es nun an der Zeit für eine Reise über die Alpen nach Mailand, wo die Corpsepaint-Liebhaber von BLACK OATH ihr Unwesen treiben. „Cursed Rock Music“ nennen die Lombarden ihren Stil. Dabei hört sich das Ganze doch eher verflucht nach klassischem Doom Marke Solstice/Procession/Thunderstorm an, ohne indes die Tiefe dieser Bands zu erreichen. Unterhaltsame 45 Minuten werden es trotzdem. Einzig der grollende Zupfbass des fähigen Sängers E.A. Zorath wird für meinen Geschmack etwas zu laut in den Vordergrund gemischt. Die Fans scheint´s nicht zu stören. Freudig gestimmt dürfen ab 16:15 Uhr die Bundesliga-Halbzeitergebnisse besprochen werden.

CARONTE aus Parma brauchen keine Schminke, um Aleister Crowley zu huldigen. Gegenüber ihren finsteren Landsmännern legen die erst vor vier Jahren gegründeten Stoner-Doomer in Würzburg zwei Zentner Schinken und Speck drauf und pfeffern einen Set auf die Bühne, der an Intensität höchstens von Sorcerer erreicht wird. Sänger Dorian Bones, großflächig tätowiert im Biker-Look daherwalzend, lässt stimmlich den guten alten Glenn Danzig wiederauferstehen, und die groovige Monster-Magnet-Schlagseite ist eine willkommene Facette im Festivalsound. Highlights: das großartige ´Wakan Tanka Riders´ mit seinem beschwörenden Mittelteil sowie das todgeil interpretierte Jefferson-Airplane-Cover ´Somebody To Love´. Mör-der-gig! (lk)

Geballte Gitarrenpower steht bei THE ORDER OF ISRAFEL im Fokus. Die Schweden präsentieren sich agil und begeistern das Publikum mit ihrem variablen Songwriting – Doom-, Hardrock-, Metal- und Folk-Einflüsse sorgen für ausreichend Dynamik. Der Titeltrack ´Wisdom´ vom gleichnamigen Debüt geht ins Ohr, aber auch das neue Material hört sich vielversprechend an. (kp)

In einem eindeutig von traditioneller Langsamkeit doominierten Billing stellen die Finnen SKEPTICISM mit ihrem Funeral Doom eine angenehme Abwechslung dar. Sänger Matti Tilaeus feiert dies mit einem zerlumpten Frack und einer Rose im Knopfloch, das Publikum honoriert den intensiven Auftritt mit einer monströsen Gänsehaut. Und für den nächsten Schritt im Wechselbad der Gefühle gebe ich ab an unsere hausinterne „Beauty of Doom“. (sg)

Vielen Dank für dieses zauberhafte Kompliment, lieber Stefan. Ich muss mir nach 40 WATT SUN gerade noch die letzten Tränen aus den Augenwinkeln wischen. Eine Stunde voller tieftrauriger Musik geht in diesen Tagen nicht spurlos an einem vorbei. Bekanntlich hat Bandkopf Patrick Walker nicht mehr viel mit der Metalszene zu schaffen, als Konsequenz spielt das Trio aus England in den ersten 50 Minuten ausschließlich neues, bislang unveröffentlichtes Material, das so reduziert und schwermütig daherkommt wie die frühen Sophia. Die unendliche Verzweiflung in Walkers Stimme, untermalt von seinem spartanischen Gitarrenspiel, lässt das Publikum verstummen, viele nutzen offensichtlich diese berührenden Momente, um für einen Augenblick zur Ruhe zu kommen. Der Applaus und die Zugabe-Rufe nach dem herzzerreißenden Finale mit ´Carry Me Home´ fallen dafür umso lauter aus. Ein intensiver Höhepunkt des Tages – musikalisch und emotional. (kp)

„Sollen wir das jetzt als CANDLEMASS durchgehen lassen?“, fragt der Chefredakteur, als Mats Levén die ersten Töne von ´Dark Reflections´ anstimmt. Berechtigter Einwurf, schließlich ist Mastermind Leif Edling auch in Würzburg nicht mit von der Partie und Levén (u.a. Krux, ex-Abstrakt-Algebra) auf keinem Candlemass-Album zu hören. Trotzdem machen die Epic-Doom-Pioniere ihre Sache nicht so schlecht, wie mancher hinterher behauptet. Klar: Levén ist kein Messiah, aber der 51-Jährige hat eine ausdrucksstarke Stimme und bangt sich glaubwürdig die Seele aus dem Leib. Bei ´At The Gallow´s End´ singt gefühlt die ganze Halle mit, auch ´Mirror Mirror´, ´Crystal Ball´ und ´Solitude´ kommen auf den Punkt. Dass ein Co-Headliner allerdings fünf Minuten früher aufhört als vorgesehen und keine Zugabe spielt, hinterlässt einen faden Nachgeschmack.

Den würdigen Abschluss besorgen MY DYING BRIDE. Nicht wenige Doomheads, mit denen man sich in der Posthalle unterhält, haben die Engländer nach den großen Gothic-Metal-Zeiten aus den Augen verloren. Umso größer ist die Überraschung, wie gut dieser Sound live nach wie vor funktioniert. Lena Abé am Bass ist eine Bangerin vor dem Herrn, Sänger Aaron Stainthorpe sorgt im Beerdigungs-Look und mit blutbesprenkelten Händen für feierliche Morbidität. Musikalisch liegt der Schwerpunkt sinnigerweise auf den Großtaten der Neunziger. Die drei Songs des aktuellen „Feel The Misery“-Albums fügen sich nahtlos ein, das ergreifende ´God Is Alone´ beschließt den Gig kurz nach Mitternacht. Der Totensonntag hat gerade begonnen. (lk)


Beim Hammer Of Doom ließen sich Stefan Glas (sg), Katharina Pfeifle (kp), Wolfram Küper (wk), Ludwig Krammer (lk) und Boris Kaiser den Doom in den Schädel hämmern.

Bands:
PENTAGRAM
BLACK OATH
40 WATT SUN
CANDLEMASS
THE ORDER OF ISRAFEL
MY DYING BRIDE
CARONTE
SORCERER
Autor:
Wolfram Küper
Katharina Pfeifle
Boris Kaiser
Stefan Glas

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